Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 410

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 410

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Menſch 9

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r „TutheranesS

war die Nacht und die See stürmisch, so daß wenig Aussicht für die
Rettung des Bootes vorhanden war. Nach einiger Zeit bemerkten sie
die Lichter eines herankommenden Dampsschiffes; aber wie sollten sie
sich diesem bemerklich machen? Sie durchsuchten das Boot und fanden
eine alte Laterne mit einem zolllangen Lichtstümpschen darin; dann
suchte man nach einem Zündhölzchen. Jeder durchsuchte seine Taschen;
doch vergebens, es sand sich auch nicht ein einziges. Der Capitän be⸗
fahl, aufs neue zu suchen und das Futter jeder Tasche umzukehren.
Und siehe! zuletzt kam aus einer Taschenecke ein Zündhölzchen zum
Vorschein. Der Mann, der es gefunden, gab es dem Capitän. Die
Marosen siellten sich dicht um ihn, hielten ihre Jacken vor, um den
Wind abzuhalten, und verwandten kein Auge von ihm. Der Capitän
sagte, er habe mancher Schwierigkeit und mancher Gefahr getrost ins
Auge gesehen, aber nie habe er solche Verantwortlichkeit gefühlt als in
jenem Augenblick, da er das Zündhölzchen zu streichen hatte; doch er
that es. Das Hölzchen brannte, die Laterne wurde angezündet, und
als man sie zum Signal hin und her schwenkte, wurde das Zeichen von
dem Schiffe bemerkt, welches nun den Kurs änderte und alle aufnahm.
Was aber gab denn jenem Zündhölzchen solchen Werih? Es war das
einzige. Und das ist's, was deinem Leben solch hohen Werth
verleiht. Dein Leben ist das einzige Leben, das du hast. Wenn es
verloren ist, hast du kein zweites, mit dem du den Schaden gut machen
könntest. „Was hülfe es den Menschen, so er die ganze Welt gewönne
und nähme doch Schaden an seiner Seele? oder was kann der Mensch
geben, damit er seine Seele wieder löse?“ Matth. 16, 26.

Das läugste und das kürzeste Wort.

Man unterhielt sich mit Räthselrathen. Schon waren mehrere,
gute und schlechte, gerathen worden, als ein frommer alter Herr den
Anwesenden die Frage vorlegte, welches das längste Wort sei. Als
niemand die Lösung traf, sagte er: „Das längste Wort ist „ewig“.
Könnt ihr mir aber vielleicht sagen, welches Wort das kͤrzeste von
allen ist!“ Und als auch hier wieder allgemeine Verlegenheit das
Ende war, beendete der Fragesteller das Hin⸗ und Herreden mit den
Worten: „Das kürzeste Wort heißt „jetzt“; die schnelle, rasch dahin⸗
eilende Zeit ist es, in der wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten sollen!“
Bedenkst du das immer, lieber Leser?

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Todesanzeigen.

In seinem wunderbaren Rath hat es dem HErrn der Kirche ge⸗
fallen, wiederum einen jungen, eifrigen und unerschrockenen Arbeiter in
seinem Weinberg Feierabend machen zu heißen. Es ist dies P. Au gust
F. A. Sallmann, weiland Pastor der evangelisch⸗lutherischen Ge⸗
meinde zu Highland Park, Ill. Gott hat ihn aus der streitenden in
die triumphirende Kirche versetzt am 8. October in einem Alter von
34 Jahren und 11 Monaten. Im Jahre 1888 trat er in Pomeroy, O.,
in das heilige Predigtamt und hat treu in Kirche und Schule gearbeitet.
Nach etlichen Jahren führte ihn Gott nach Ashland, Ky., wo er unter
mancherlei Widerwärtigkeiten mit großer Freudigkeit das lautere Wort
Gottes verkündigte. Da legte ihm Gott eine Krankheit auf, unter
welcher seine Kräfte derart verzehrt wurden, daß er im Jahre 1896 sich
genöthigt sah, mit schwerem Herzen sein Amt niederzulegen. Er suchte
in Chicago ärztlichen Rath und Hülse, und Gott ließ ihn so erstarken,
daß er nach elf Monaten wieder ins heilige Predigtamt treten konnte.
Mit Freuden nahm er einen Beruf nach Highland Park, Ill., an.
Dort hielt er auch, trotz zeitweilig großer körperlicher Schwäche, Schule
und bediente nebenbei noch den Missionsposten Winnetka mehrere Jahre

lang. So schwach er war, so fest und unerschrocken war er im Bekennt⸗
niß der reinen Lehre und im Streit gegen alles weltförmige und sünd⸗
liche Wesen, das der Kirche droht, und so voll Liebe war er zu seinem
Heiland und den durch ihn erlösten armen Sündern. Im letzten Jahre
nahmen seine Leiden zu. So mußte der Vielgeplagte im vergangenen
Sommer einer überaus schmerzhaften Operation sich unterziehen, von
deren Folgen er sich nicht wieder zu erholen vermochte. Die Tuber⸗
culosis hatte alle inneren Organe ergriffen. Am 1. Juli hat er zum
letzten Mal auf seiner Kanzel gestanden. Seinen frühen Tod beweint
eine ebenfalls körperlich leidende Wittwe und ein unmündiges Kind⸗
lein. An seinem Sarge in Highland Park standen unter andern lieben
Angehörigen und Freunden eine hochbetagte Mutter, eine schwer be⸗
troffene Gemeinde und eine Anzahl Pastoren aus der Umgegend,
namentlich aus Chicago. P. L. Hölter sprach im Hause ein inbrün⸗
stiges Gebet. Er hatte dem lieben Verstorbenen am Tage vor seinem
Abscheiden das heilige Abendmahl gereicht. In der Kirche predigte
Unterzeichneter, ein ehemaliger Klassengenosse, ber den Spruch Jes.
57, 1. Am Grabe amtirte P. M. Fülling und hielt dabei eine herz⸗
liche Ansprache. Möge des Verstorbenen Andenken im Segen bleiben!
Gott aber gebe seiner Kirche treue Diener, die mit aller Selbstverleug⸗
nung und Freudigkeit sich und alles, was sie sind und haben, in seinen
Dienst stellen und sein Reich bauen! J. D. Matthius.

Am 5. December starb in Alma, Kans., im Glauben an seinen
Heiland Lehrer Carl Terraß. Nach vollendetem Studium auf un⸗
serm Seminar in Addison, Ill., im Jahre 1894 wirkte er etwas über
drei Jahre an der Gemeinde P. Oelschlägers zu West Point, Nebr.
Andauernde Kränklichkeit, die sich schließlich zur Auszehrung ent⸗
wickelte, zwang ihn im Frühjahr 1898, seine Schule aufzugeben. Die
letzten Jahre verlebte er hier in Alma bei seinen Eltern und Schwieger⸗
eltern. Der Entschlafene, der eine trauernde Wittwe und ein Töchter⸗
lein hinterläßt, brachte sein Alter auf 28 Jahre, 10 Monate und
5 Tage. A. Schmid.

— — —

Nene Drucksachen.

Postilla, das ist Auslegung der sonntäglichen Evangelien durchs
ganze Jahr. Von D. Tilemann Heßhusius. XVI und
796 Seiten 1148. Halbfranzband. Herabgesetzter Preis:
92.50. Concordia Publishing House. St. Louis, Mo.

Als diese Postille vor 22 Jahren erschien, nannte sie der selige D. Walther
„einen alten Edelstein in neuer Einfafsung“ und sagte zu ihrer Empfehlung
im „Lutheraner“ Folgendes: „So groß die Zahl alter Predigtbücher ist,
welche rein in der Lehre und wahrhaft evangelischen Geistes sind, so ist doch
die Zahl solcher Predigtbücher der alten besseren Zeit nicht eben sehr groß,
welche in einer solchen Sprache und Form verabfaßt sind, daß sie für jeden
christlichen Leser unserer Zeit in jeder Beziehung genießbar sind und für einen
Prediger unserer Tage zu einem Muster dienen können. Da nun Schreiber
dieser Anzeige wußte, daß Heßhustus' Predigten solche Muster seien (er ersah
dies aus einigen Sammlungen Heßhusischer Predigten, die er hatte); so hat
er sich schon seit einer langen Reihe von Jahren auf das Aeußerste bemüht,
der vollständigen Heßhusischen Evangelien⸗Postille habhaft zu werden,
mit der Absicht, dieselbe aufs Neue herauszugeben; aber bis vor Kurzem
waren alle seine Bemühungen zu diesem Zweck umsonst. Als es aber Schrei⸗
ber dieses endlich doch gelungen war, in den Besitz eines Exemplars zu ge⸗
langen, und er nun mit seinen Herren Collegen sogleich die ersten Schritte zur
Wiederauflegung des köstlichen Werkes vermittelst der Presse unserer Synode
that, da überraschte Herr Dette uns mit der Nachricht, daß er bereits einen
Wiederabdruck des Buches in einer deutschen Druckerei begonnen habe und
daß derselbe auch schon der Vollendung rasch entgegen gehe. So betroffen
uns nun auch diese Nachricht einerseits machte, da auf diese Weise unserer
lieben Synode ein in jeder Beziehung erwünschter Verlagsartikel entzogen
war, so mußten wir uns doch andererseits freuen, daß das herrliche Werk so

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