Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 403
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 403
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S „TutheranesS
403
in der Krippe. Er fitzt zur Rechten der Majestät. Gott hat seinen
König eingesetzt. Er herrscht mitten unter seinen Feinden. So
wollen wir nicht verzagen. Gegen unsere Sünde haben wir in
ihm Gerechtigkeit. Gegen alle Feinde haben wir in ihm Schutz.
Als seine Reichsgenossen wollen wir im Glauben fröhlich ihm
dienen, solange es Tag ist. Bald kommt er sichtbar wieder in
der Herrlichkeit seines Vaters. Dann werden wir ihn sehen, wie
er ist. Wir werden mit ihm eingehen zum Erbe, das behalten
wird im Himmel. Und werden also bei dem HErrn sein allezeit.
Ja, komm, HErr IEsu! Friedr. B.
Festeollecten.
„Richtig! Da kommt er wieder, der unvermeidliche ... ꝛc.!
Den kennen wir schon. Dacht ich's mir doch, daß er es nicht
würde übers Herz bringen können, zu Weihnachten auszubleiben.“
So spricht vlelleicht mancher, wenn er die Ueberschrift dieses Auf⸗
satzes mit der Unterschrift desselben vergleicht. Aber, bitte, lieber
Leser, langsam, bitte! Schlage dir die Ueberschrift erst einmal
aus dem Sinn; und nach der Unterschrift hättest du ja nicht gleich
zu gucken brauchen, zumal sie nichts zur Sache thut, sondern hät⸗
test damit warten können, bis sie dran kommt. Siehe dir nun
freundlichst an, was dazwischen steht, nämlich zwischen der Ueber⸗
schrift und der Unterschrift; dann urtheile nach bestem Wissen
und Gewissen. Vielleicht kommt es noch anders, als du denkst.
Du hast doch den HErrn IEsum Christum lieb, der einst vor
1900 Jahren im finstern Stall zu Bethlehem in großer Armuth
und Niedrigkeit allen Menschen in der ganzen Welt zu gut ge⸗
boren wurde, von dem man heute noch singt in der Christenheit:
„Wär uns dies Kindlein nicht geborn, so wärn wir allzumal ver⸗
lorn, das Heil ist unser aller.“ So jemand den HErrn IEsum
Christum nicht lieb hätte, der wäre ja „Anathema, Maharam
Motha“, das heißt, ein verbannter und verdammter Mensch in
Ewigkeit, wie St. Paulus 1 Cor. 16, 22. sagt.
Du hast doch das süße, seligmachende Evangelium lieb, wel⸗
ches deiner Seele Weide und tägliches Manna ist, das dir wie
lauter Milch und Honig schmeckt. Wie könntest du deinen Hei⸗
land lieb haben, wenn dir seine holdselige Stimme nicht wohl⸗
gefiele, nämlich sein Wort, in welchem allein du ihn finden und
genießen kannst; wenn du nicht mit St. Paulo sprechen möchtest:
„Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß
Christus IEsus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu
machen, unter welchen ich der vornehmste bin“? 1 Tim. 1, 15.
Du hast doch auch das Reich oder die Kirche Christi lieb, die
sein Evangelium ausbreitet und durch sein Evangelium ausge⸗
breitet wird; die seine Braut, seine Taube, seine Fromme heißt;
darin er immer seine Ruhe, seine Wohnung und Werkstätte hat,
wenn er auch sonst keinen Raum in der Herberge findet. Wie
könntest du deinen Heiland und sein Evangelium lieb haben,
wenn dir nicht auch sein Reich, seine Kirche ebenso lieb wäre;
wenn du nicht mit den heiligen Sängern des alten Bundes deine
Hände zum Himmel erheben und schwören und laut ausrufen
möchtest: „Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten
vergessen. Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo
ich dein nicht gedenke, wo ich nicht lasse Jerusalem meine höchste
Freude sein“? Ps. 122. 137 ꝛc.
Gewiß, du hast deinen lieben HErrn IEsum Christum herz⸗
lich lieb. Du hast darum auch sein liebes Evangelium herzlich
lieb. Du hast eben darum auch seine liebe Kirche herzlich lieb.
Das hoffe ich. Wenn ich das nicht hoffte, dann würde ich dich
mit diesem Schreiben verschonen; dann würde ich noch lange
nicht daran denken, dir in diesen paar Zeilen unter die Augen
zu treten.
Nun siehe, das liebe Evangelium leidet Noth! Es hat die
Verheißung, daß es schnell laufen soll. Aber seine Träger und
Botenläufer bedürfen einige Wegzehrung, sowie etwas Reisegeld.
Und daran fehlt's. Nicht wahr, das liebe Evangelium, das du so
herzlich lieb hast, das kannst und willst du doch nicht Noth leiden
lassen? Dem wirst du doch vielmehr gerne helfen, daß es immer
schneller laufen möge?
Siehe, die liebe Kirche Christi leidet Noth! Sie hat die
Verheißung, daß sie zur Rechten und zur Linken ausbrechen, daß
sie, wie eine fröhliche Kindermutter, eine immer größere Kinder⸗
schaar rings um sich her versammeln soll. Aber wie schon die
alttestamentliche Kirche in großer Angst und Noth, da um Rath
und Hülfe ihr sehr bange ward, die sprüchwörtliche Gleichnißrede
führte: „Die Kinder sind kommen an die Geburt, und ist keine
Kraft da zu gebären“, 2 Kön. 19, 3., so jammert und klagt auch
jetzt die Kirche Christi, daß sie sich nicht so ausbreiten kann, wie
sie sollte und gerne wollte, weil es an mancherlei Gaben, Mitteln
und Kräften fehlt. Nicht wahr, die liebe Kirche Christi, die du so
herzlich lieb hast, die kannst und willst du doch nicht Noth leiden
lassen? Der wirst du doch vielmehr gerne helfen, daß sie immer
herrlicher blühen, wachsen und gedeihen möge?
Siehe, dein lieber HErr IEsus Christus selbst leidet Noth!
Er hat die Verheißung, daß er große Menge zur Beute haben
soll, daß vor ihm Kniee beugen werden alle, die im Staube
liegen, und die, so kümmerlich leben. Aber er ist selbst in dieser
Welt ein Gast und nackend, dazu hungrig und durstig, ja, auch
gefangen und krank, wenn auch nicht mehr in solch sichibarer und
handgreiflicher Weise wie damals, als er, ein armes Kindlein,
in Windeln gewickelt in einer Krippe lag, als er auch später nicht
hatte, da er sein Haupt hinlegte, als Leiden ohne Zahl, auch
Hunger und Durst ihn umgaben, als er im Garten gefangen ge⸗
nommen, als er voller Schmerzen und Krankheit gekreuzigt und
seiner Kleider beraubt wurde; aber doch so, wie er es Matth. 25
erklärt und beschrieben hat, da er schließlich auf der einen Seite
spricht: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem
unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir ge⸗
than“, und auf der andern Seite: „Wahrlich, ich sage euch, was
ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt
ihr mir auch nicht gethan.“ Nicht wahr, deinen lieben HErrn
und Heiland IEsum Christum, den du so herzlich lieb hast, den
kannst und willst du doch nicht Noth leiden lassen? Den wirst
du doch vielmehr gerne speisen und tränken, beherbergen und
kleiden, besuchen und zu ihm kommen und ihn bitten, daß er alles
das als ihm selbst erzeigt ansehen und gnädiglich annehmen wolle,
was du aus Liebe zu ihm und zu seinem Wort und zu seinem
Reich seinen armen Misfionaren und Reisepredigern zu gute thust?
Meinst du nun, mit diesem Schreiben sei es offenbar wieder
auf Misstonscollecten abgesehen, so magst du darin wohl Recht
haben. Ich wollte allerdings dich freundlichst bitten, eimmal
wieder zuzusehen, ob deine Liebe zu deinem lieben HErrn Christo
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