Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 408
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 408
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge 8
408
r „Tuthsrane
Hülfe bedarf, so wende er sich an einen ordentlichen Arzt. Da nun
auch nach dieser Seite hin Gefahr droht, so sei herzlich vor derselben
gewarnt. Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um. Und
was hülfe es einem leiblich Kranken, wenn er gesund würde, so er da⸗
bei Schäden nähme an seiner Seele? Wohl suchen solche Divine
Healers' ihre Patienten je nach ihrem religiösen Bekenntniß zu be⸗
handeln. So wollte auch in diesem Fall die Heilkünstlerin früher der
lutherischen Kirche angehört haben. Aber bei weiterer Verhandlung
slellte es sich klar heraus, wie feindselig man in diesen Kreisen gegen
die treu evangelisch⸗lutherische Kirche gesinnt ist. Ja, wie leicht ein
Christ Christum verleugnen kann, ist auch hier nur zu deutlich und
traurig an den Tag getreten! — Gott erbarme sich unser in diesen
letzten gefährlichen Zeitläuften und beschütze und beschirme seine arme
Christenheit vor den vielen und großen Gefahren, die sie auf allen
Seiten umgeben! J. F. S. H.
Wieder ist ein Orden gestürzt, eine Loge bankerott. Chosen
Friends'“, das heißt, auserwählte Freunde, war der verlockende Name.
Noch war sein Alter das eines Jünglings von 20 Jahren, aber seine
Ausbreitung groß und erstreckte sich über 30 Staaten mit mehr als
550 „Councils“'. Doch trotz seiner Jugend als Orden betrug das
Durchschnittsalter der „Versicherten“, wie zum Hohn die Glieder ge⸗
nannt werden, 50 Jahre. Das war ein bedenkliches Zeichen für den Be⸗
stand. Die Chosen Friends“ mußten daher denken, daß die meisten
ihrer „Erwählten“ mit raschen Schritten dem dunklen Grabe entgegen
gehen, und es dann am Gelde fehlen würde, daher sie bei Sterbefällen
die Umlagen erhöhten. Aber Rettung verschaffte das nicht. Die An⸗
sprüche belaufen sich auf 8300,000.00. Ueberdies hatte auch „Freund“
Oberschatzmeister Wilson 330,000.00 unterschlagen, die aber nach sei⸗
nem Tode durch Bürgschaft gedeckt seien. Ach, daß diese Leute klug wer⸗
den und ihren verlornen Gott suchen möchten! Aber ein hoher „Freund“
aus ihrer Mitte hat schon wieder zur Bildung eines neuen Ordens
gerufen und sogar den Secretären Vergütung für Erwerbung von
Mitgliedern versprochen, die dann in den Armen ihrer fürsorglichen
„Freundschaft“ leiblich gedrückt und geistlich gemordet werden. Luthe⸗
rische Christen gönnen auch den Ungläubigen und Weltmenschen nicht
den Verlust ihres Geldes; dennoch freuen sie sich, wenn wieder einer
ihrer Abgötter den Hals bricht, da diese planmäßig auf den Raub ihres
irdischen Gutes ausgehen und sie um Glauben und Seligkeit zu be⸗
trügen suchen. — Das rasche Ueberhandnehmen der Logen in unserer
Zeit und ihr rastloses Treiben und Verführen ist wahrlich ein Zeichen
von dem jüngsten Tage. Diese Menschen haben keinen Glauben und
darum auch keinen Gott; sie gehören vielfach zu den Spöttern der
letzten Tage und wandeln nach ihren eigenen Lüsten, wie Petrus
schreibt (I. 3, 3.); sie beschweren ihre Herzen mit Fressen und Saufen
und mit Sorgen der Nahrung, darum dieser Tag schnell über
sie kommen wird, wie Christus warnt. (Luc. 21, 34.) Aber auch
gar manche andere sogenannte Unterstützungsvereine, die keine ge⸗
heimen Logen sind und sein wollen, ja, sich wohl christliche Vereine
nennen, sind ein Zeichen der letzten Zeit, von welcher der HErr JEsus
sagt: „Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen, wird die
Liebe in vielen erkalten.“ (Matth. 24, 12.) Wenn doch be⸗
sonders unter den Christen die wahre Liebe recht frisch, wacker und
warm wäre, dann würde für sie wahrhaftig kein einziger derartiger
Verein nöthig sein und ins Leben gerufen werden, weder inner⸗ noch
außerhalb der Kirche, unserer geistlichen Mutter, die nach Gottes Willen
und durch seine Gnade uns in leiblicher und geistlicher Noth versorgen
soll, kann und will. Wer aber meint, daß er, weil es an der Liebe fehlt,
ein Recht habe, ein Mittel zu gebrauchen, das die von Gott gewollte
Liebe wohl gar ersetzen soll, in Wahrheit aber dämpft und noch mehr
erkalten macht, der irrt sich sehr. Nur Gottes Wort kann den Schaden
heilen und den Mangel ersetzen, aber andere Mittel nimmermehr. W.
Ansland.
Daß die bekannte englische Secte der Heilsarmee, die in
Deutschland erst seit etwa zehn Jahren vertreten ist, dort schon ein
ziemliches Wachsthum, namentlich in den größeren Städten, zu ver⸗
zeichnen hat, lassen neuere Berichte erkennen. Sie zählt bereits
110 Heeresabtheilungen (Corps) mit 350 Officieren und außerdem
noch 400 Localofficiere. Auch hat sie schon eine ganze Anzahl Wohl⸗
thätigkeitsanstalten gegründet, drei sogenannte Rettungshäuser, ein
Wöchnerinnenheim, ein Kinderheim, ein Mädchenheim, sieben Sama⸗
riter⸗Stationen. Unter den 35 Städten, in denen sie ihr Werk treibt,
steht Berlin obenan, außerdem werden Breslau, Essen, Köln, Stutt⸗
gart, Straßburg, Frankfurt am Main besonders genannt. Wie in
England und in America, so arbeitet die Heilsarmee auch in Deutsch⸗
land namentlich unter der ganz verwahrlosten und ausgestoßenen Be⸗
völkerungsklasse. Und daß sie gerade in den Großstädten Boden ge⸗
winnt, daß sie zum Beispiel in Berlin in 18 Sectionen arbeitet, ist ein
Zeichen davon, daß große Volksmassen von der dort so ausgedehnten
Stadtmission nicht erreicht werden. Was für Jammer und Elend,
welches Leben in Sünden und Gottlosigkeit mag sich da oft heraus⸗
stellen! Ach, wenn da doch die Heilsarmee das reine, lautere Evan⸗
gelium von Christo, dem Sünderheiland, verkündigte! L. F.
Die deutschen Katholiken hielten vor Kurzem ihre Versammlung
in Bonn ab, die von 7500 ihrer Anhänger besucht war. Besonderes
Aufsehen machte dort, wie der „Luth. Herold“ erzählt, ein Berliner
Dominicanerprediger, Bonaventura, der in einer hinreißenden, flam⸗
menden Rede den „heiligen Kreuzzug“ gegen den Protestantismus
predigte. Von ihm sagte der bekannte Reichstagsabgeordnete und
Katholikenführer Dr. Lieber: „Ein neuer Peter von Amiens (so hieß
der große Kreuzzugsprediger des Mittelalters) ist aufgestanden. Wir
alle waren versucht aufzuspringen und den Ruf zu erheben: „Gott
will es! Gott will es!'“ (So begeisterte man sich im Mittelalter
zu den Kreuzzügen ins gelobte Land auf die Predigt des Peter von
Amiens hin.) In der wallenden Tracht der Dominicanermönche stand
Bonaventura auf der hohen Rednerbühne und vermochte, unterstützt
von seinen schauspielerhaften Bewegungen, durch seine glühenden
Schilderungen der traurigen Lage der Katholiken unter den Pro⸗
testanten die Menge hinzureißen und zu einem Eifer zu entfachen, der
sich in fast unglaublichen Beifallsäußerungen kundgab. Und was war
das Ziel seiner Rede? Was ist das Ziel des katholischen Bonifacius⸗
vereins, den er in seiner Rede besonders rühmte? Er selbst erklärte:
„Deutschland wieder in seinem alten Glauben zu einen“, das heißt,
Deutschland wieder ganz katholisch zu machen. Das ist klar geredet.
Doch wird, Gott Lob, die Pabstkirche dies Ziel nie und nimmer er⸗
reichen. L. F.
Seit der Ermordung des Königs Humbert von Italien sind,
wie das „Kirchenblatt“ mittheilt, dort nicht weniger als neun katho⸗
lische Priester von den Gerichten wegen Verherrlichung des Mordes
und des Mörders verurtheilt worden. Der neunte verurtheilte Geist⸗
liche, ein Pfarrer in Umbrien, hatte seine Pfarrkinder zum Gebet für
den „Märtyrer“ Bressi aufgefordert, „durch dessen Hand der gerechte
Gott einen großen Uebelthäter gezüchtigt habe“. Dafür erhielt er von
der Strafkammer in Camerino sechs Monate Gefängniß und 100 Dol⸗
lars Geldstrafe. Es ist aber sehr bezeichnend, daß die päbstliche Presse
von allen diesen Fällen priesterlicher Königsmord⸗Verherrlichung keine
Notiz nimmt, auch nicht mit einem einzigen Wort ihre Mißbilligung
über das Treiben der Geistlichen ausspricht. Wie häufig wird von ihr
Luther als der geistige Urheber aller Revolution, als der eigentliche Va⸗
ter aller Anarchisten und Nihilisten, hingestellt. Aber der Umstürzler
Bressi ist aus der katholischen Kirche hervorgegangen, und seine Greuel⸗
that wird von Lehrern dieser Kirche gebilligt und gelobt. L. F.
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