Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 407
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 407
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: m
Er Tutp⸗ranS
407
Sur kirchlichen Chronik.
Ameriea.
In Bezug auf die fortwährenden Erinnerungen zum Geben
für kirchliche Zwecke, die im „Lutheraner“ erscheinen, meinen auch
hie und da liebe Christen, daß der Sache zu viel gethan werde. Son⸗
derlich seien es die „Innere Mission“ und die Unterstützung armer
Gemeinden bei Kirchbauten, für die die Liebe der Christen in fast jeder
Nummer des „Lutheraner“ in Anspruch genommen werde. Wir sind
nun der Ueberzeugung, daß der „Lutheraner“ der Sache bisher nicht
zu viel gethan hat. Der „Lutheraner“ hat immer nur dann um Gaben
gebeten, wenn er überzeugt war: „Der HErr bedarf ihrer“ (Matth.
21, 3.), näͤmlich für die Ausbreitung seines Wortes. Aber wir geben
zu, daß der „Aufrufe“ im „Lutheraner“ weniger werden könnten und
sollten. Wie nämlich? Nicht so, daß wir unsere Arbeit zur Aus⸗
breitung des Evangeliums einschränken, sondern so, daß unsere lieben
Gemeinden ohne „Aufrufe“ dem HErrn Christo geben, was er zu sei⸗
nem Gnadeneinzug hier in der Welt bedarf. Dies kann dadurch ge⸗
schehen, daß jede Gemeinde von vorneherein regelmäßige, im Jahr
wiederkehrende Collecten für die genannten und für andere Zwecke des
Reiches Gottes ordnet. Einige Gemeinden haben diese Ordnung
längst eingeführt. Sie halten regelmäßig im Laufe des Jahres etwa
12 bis 16 Collecten, in welchen alle Hauptkassen bedacht werden.
Sehr viele Gemeinden aber haben entweder gar keine oder doch nur
eine sehr unvollständige Collectenordnung. Nicht, als ob es in diesen
Gemeinden an Willigkeit fehlte, dem HErrn Christo auch mit irdi⸗
schem Gut zu dienen. Nein, die Willigkeit ist reichlich vorhanden,
und sie wird durch das Evangelium immer wieder geweckt. Aber die
Collecten, weil vorher nicht geordnet, werden einfach vergessen.
Daher kommen die vielen „Aufruse“ im „Lutheraner“. Auf die Frage:
„Wie werden wir die vielen ‚Aufrufe“ im „Lutheraner los?“ lautet
daher die Antwort: „Durch die allgemeine Einführung einer
Collectenordnung Seitens unserer lieben Gemeinden.“ Dann
werden zwar nicht alle „Aufrufe“ aus dem „Lutheraner“ verschwin⸗
den — und wer wünschte das auch! —, aber die vielen „Aufrufe“,
die uns fortwährend in Athem erhalten, werden dann
wegfallen. Wir haben in der Synode jetzt 377 Reiseprediger, die
ganz oder theilweise erhalten werden müssen. Dazu reichen die jähr⸗
lichen Missionsfesteollecten, an denen sich erfahrungsmäßig zumeist
nur ein Theil der Gemeinde betheiligt, nicht aus. So wäre es sicher⸗
lich am Platze, wenn, wie ein Delegat auf einer unserer Districts⸗
synoden rieth, alle unsere Gemeinden außer der Missionsfesteollecte
jährlich zwei bis vier Mal regelmäßig für die „Innere Mission“ col⸗
lectiren würden. Regelmäßige Collecten sind bekanntlich nicht
„gesetzliches Wesen“, sondern echt christlich, vom Heiligen Geist
selber angerathen, wie aus 1 Cor. 16, 1. 2. ersichtlich ist. F. P.
Reiselehrer in der Inneren Mission. In diesem Studienjahre
wird besonders häufig an unser hiesiges Predigerseminar die Bitte
gerichtet, Studenten auf einige Monate auszusenden, um kirchlichen
Nothständen abzuhelfen. Und in der Regel sind es solche Fälle, in
denen Reiseprediger ein großes Gebiet zu versorgen haben und nament⸗
lich der heranwachsenden Jugend nicht die nöthige Sorge und Pflege
durch Schul⸗ und Confirmandenunterricht angedeihen lassen können.
In einem Falle handelt es sich um den Unterricht von 30 Kindern und
jungen Leuten, darunter solche, die schon zwanzig Jahre alt sind. Ein
anderer Vicar schreibt: „Die Confirmanden sind theilweise schon ziem⸗
lich bei Jahren, einer beinahe so alt, als ich selbst bin. Werden sie in
diesem Jahre nicht confirmirt, so geschieht es vielleicht nie. Pastor ...,
der diese Gemeinde bedient, wohnt 50 Meilen von hier und kam nur
alle vier Wochen. Und was von diesen Feldern gilt, trifft wohl auch
sonst meistens zu, wo ein Missionar mehrere oder gar eine ganze Reihe
von Predigtplätzen zu bedienen und in Folge dessen viel zu reisen hat.
Es wird ihm kaum möglich sein, an einer Stelle, geschweige denn an
mehreren oder allen, ordentlichen christlichen Schulunterricht zu er⸗
theilen. Deshalb sollte man unsers Erachtens in den Missionsgebieten
auch der Frage näher treten, ob es nicht rathsam sei, Reiselehrer
in der Inneren Mission anzustellen, die mit den Reisepredigern
Hand in Hand arbeiten. Und wir freuen uns, mittheilen zu können,
daß die Golfstaaten⸗Conferenz des Südlichen Districts bei ihrer letzten
Versammlung diese Sache angeregt und ein Committee eingesetzt hat,
um sie gründlich und allseitig zu erörtern und vor die nächste Districts⸗
synode zu bringen. L. F.
Die eu.⸗luth. Districtssynode von Michigan, der kleine, bei der
Synodalconferenz verbliebene Theil der alten Michigan⸗Synode, hielt
ihre diesjährigen Sitzungen Ende October in Scio, Washtenaw Co.,
Mich., ab. In der Eröffnungspredigt redete der Vicepräses, P. P.
Kionka, auf Grund von 1 Cor. 15, 58. von der nöthigen Tüchtigkeit
zur Arbeit im Werke des HErrn. Den Lehrverhandlungen lagen Thesen
uber die geheimen Gesellschaften im Lichte des göttlichen Wortes zu
Grunde. Schon auf den beiden vorhergehenden Synodalversamm⸗
lungen wurde darüber gehandelt, und wir erinnern uns des gedruckten
Synodalberichtes, der sehr interessant und lehrreich zu lesen war. In
diesem Jahre wurden die Logen im Lichte des heiligen Evangeliums
betrachtet, und es wurde gezeigt, wie die Religion der Logen der reine
Rationalismus, also Vernunftglaube ist, bald gröber, bald feiner, aber
immer im Gegensatz zum Bibelglauben. Es heißt darüber in dem
Berichte an das „Ev.⸗luth. Gemeindeblatt“: „Auf Grund der natür⸗
lichen Erkenntniß, mit Ausschluß oder flüchtiger Verwerthung der ge⸗
offenbarten Erkenntniß, will die Loge nicht nur Gott erkennen, son⸗
dern auch den Weg zu ihm finden und führen. Sie leugnet beharrlich
die Lehre von dem dreieinigen Gott; sie leugnet IEsum Christum
als Gottes Sohn und einigen Heiland der Welt, selbst wenn sie seinen
Namen und sein Wort anführt. Den Heiligen Geist, sein Amt, sein
Werk ignoriren die Logen einfach. Wie sie die Lehren der Schrift von
der Sünde, vom unfreien Willen leugnen oder verfluͤchtigen, so verwer⸗
sen sie folgerichtig die Lehre der Schrist von der Buße und Bekehrung,
von der Rechtfertigung, von der Heiligung, von den Gnadenmitteln,
von der Erleuchtung, von der Kirche. Das Vorhandensein der Bibel
und das Verlesen gewisser Bibelstellen ändert daran nichts. Wie
tolerant sie sind, erfahren wir immer in unserm kirchlichen Leben,
namentlich bei Begräbnissen. Die von Gott gestiftete Kirche schieben
sie frech bei Seite und suchen deren Platz einzunehmen. Von der Auf⸗
erstehung, vom ewigen Leben, vom Himmel und von der Hölle wissen
sie auch nicht viel zu sagen; was sie davon sagen, ist Leugnung der
Schriftwahrheit. Das Gebet spielt bei ihnen eine ziemliche Rolle, ist
aber kein Gebet vor Gott und darum verdammlich. Sie verleugnen
ja dabei, statt zu bekennen; sie beten nicht zu dem dreieinigen Gott,
sie beten nicht für diejenigen, für die man nach Gottes Wort beten soll,
lassen nicht nur Gottlose mitbeten, sondern oft Gottlose als Kapläne
fungiren. Daß sie das Vater⸗Unser gebrauchen, geschieht zum Betrug
einfältiger Seelen; kein Jude z. B. wird hier bei dem Worte ‚Vater“
an den dreieinigen Gott denken. Die Heilighaltung der Sacramente
und die Ausübung rechter Kirchenzucht wird von ihnen nur gehindert.“ —
Außerdem verhandelte die Synode noch ein Referat über die Lehre von
der Erbfunde und erledigte die üblichen Synodalgeschäfte. L. F.
Divine Healing. Jüungst flellte es sich leider heraus, daß
Kranke aus unsern Kreisen hier in Denver in einem Divine Healing
Institute“ Hülfe für ihren Leib suchten. Aber ein solches Heilver⸗
fahren geziemt sich weder in Colorado noch sonstwo für einen Christen.
Wer seiner Gesundheit wegen nach Denver kommt, der athme mit
Danksagung die hiesige heilkräftige Luft, und wenn er sonst ärztlicher
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