Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 6 › Seite 85
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1901, Seite 85
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4
8SVer V„Tuthoranesss
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gemäß, widerlegen. Wir zeigen, wie sie, da sie eingestandener⸗
maßen nur für das Essen, den Bauch oder für den Erwerb von
Geld und Gut, ja, gar nur für den Tod, nicht aber für Gott
und das Himmelreich leben, in der That für den Teufel und die
Hölle leben, wie sie demnach umsonst geboren sind, umsonst sich
abmühen, vergeblich und unnütz ihre Lebenszeit zubringen, um
schließlich das Thema aufzustellen: Was müssen wir thun, um
für Gott zu leben? oder: Wie kommen wir zu Gott ins Himmel⸗
reich? Lassen wir uns etwa wieder eine Antwort von Seiten der
Heiden geben (statt sofort in zusammenhängender Rede fortzu⸗
fahren), so verspreche ich, daß sie etwa so lautet: „Wir müssen
an Gott denken“, oder: „Wir müssen Gott loben“, „Wir müssen
die Salbung“ (nämlich des Götzen) „verrichten“, oder: „Wir
müssen vier Mann“ (oder „zehn Mann“) „zu essen geben, den
Pilgern Wasser auf die Füße gießen“ ꝛc. Und nun wird uns
vielleicht ein Heer von „guten“ Werken genannt, die verdienstlich
sein sollen, ja, die sie alle schon vollbracht zu haben meinen, um
das Himmelreich in der That beanspruchen zu können. Es folgt
nun eine Predigt über die Sündlichkeit und Vergeblichkeit der
Werkgerechtigkeit und ein Lobpreis der Gerechtigkeit Christi, die
man im Glauben ergreifen und auf dessen Namen man sich taufen
lassen solle. Eine andere Weise der Beantwortung der Haupt⸗
frage ist diese: Wir kommen zu Gott 1. nicht durch unsere Sünden,
2. auch nicht durch unsere eigene Gerechtigkeit, sondern 3. durch
Christi Sündensühne und Verdienst, durch seinen thätigen und
leidenden Gehorsam. Die Erzählungen aus Christi Leben, die
hier gebracht werden, erregen allermeist großes Interesse. Wie⸗
der eine andere Weise der Ausführung des Themas ist diese: Wer
ins Himmelreich gelangen will, soll 1. Buße thun, 2. an Chri⸗
stum glauben und 3. sich taufen lassen.
In anderer Anknüpfung an ihre Arbeit fragen wir die Leute,
womit sie denn arbeiten? Die bald erreichte Antwort lautet:
„Mit den Händen!“ Was thut ihr, entgegnen wir, mit euren
Ohren? Einige wissen nicht im geringsten, wozu Gott ihnen
zwei Ohren geschenkt hat. Etliche meinen, sie seien dazu da,
daß sie mit allerhand Ohrringen und Juwelen geschmückt werden.
Andere sagen: „Um zu hören!“ Was zu hören? fragen wir.
„O, wenn jemand ruft oder uns etwas sagt!“ Gut! Aber
brauchen wir wirklich zwei Ohren dazu, daß wir der Andern
Ruf und Rede hören? Ist der Menschen Rede nicht allermeist
entweder eiteles, unnützes Geschwätz, oder Lüge, oder voll Zank,
Hader, Streit und Unreinheit? Diese Frage findet gewöhnlich
lebhafte Zustimmung: Dafür hat uns doch Gott unsere zwei
Ohren nicht gegeben! Wozu denn nun also? Wessen Rede ist
ohne Lüge, nichts als Wahrheit, voll Heiligkeit, voll Liebe ꝛc.?
Das ist Gottes Wort. Das sollt ihr hören. — Hier ist oft ein
Vergleich zwischen der Arbeit und dem Lernen des göttlichen Wor—
tes angebracht, insofern als die Leute entweder um das eine oder
um das andere herumzukommen trachten, wie ihre weiteren Reden
beweisen. Als Heiden wollen, ja, müssen sie arbeiten, aber nicht
Gottes Wort lernen. Sollen sie Christen werden, so wollen sie
Gottes Wort lernen, aber — nicht mehr arbeiten. So erklären
wir: Arbeiten sollen wir mit den Händen für unsern Leib, zur
Erhaltung des irdischen Lebens, für Weib und Kind. Gottes
Wort sollen wir hören mit beiden Ohren und in unser Herz ver⸗
senken, damit unsere Seele lebe und wir in jener Welt die Selig⸗
kleit erlangen — um Gottes willen. Wer nicht arbeiten will, ist
ein Sohmböhri (Müßiggänger) und Pohkri (Pflastertreter). Wer
Gottes Wort nicht lernt, ist ein Akkijahni (Unweiser, Heide).
O so lernt doch Gottes Wort! Dessen Inhalt — so predigen wir
nun — ist ein doppelter: 1. Gesetz und 2. Evangelium. Oder:
Es offenbart 1. Gottes Heiligkeit und 2. seine Liebe, 1. unsere
Sünde und 2. Gottes Gnade, 1. unser Verderben und 2. unsern
Heiland. Oder: Die kurze Summa des Wortes Gottes, der hei⸗
ligen Schrift, ist: Christus IEsus ist gekommen in die Welt, die
Sünder selig zu machen (1. wir sind Sünder, nicht Gerechte;
2. Christus ist gekommen, uns selig zu machen). — Manchmal
trifft man gescheitere Leute, welche die Frage, wozu uns Gott
zwei Ohren geschenkt habe, sofoͤrt so beantworten: „Um von
Sünde und Tugend (verdienstlicher Tugend) zu hören“ (um über
diese beiden Dinge Belehrung zu empfangen). Wir entgegnen:
Ebendavon wollte ich mit euch reden. Es folgt eine Predigt
über die völlige Sündhaftigkeit der Menschen und die Nichtig⸗
keit menschlicher Tugend, menschlichen Verdienstes, um Christum
dann als den Sündentilger und den HErrn, der unsere Gerech⸗
tigkeit ist, zu schildern.
Eine andere Anknüpfung an die Arbeit der Menschen, wo⸗
mit sie so mühevoll ihren Unterhalt zur Fristung des irdischen
Lebens sich erringen müssen und welche ihnen deshalb so viele
Klagen auspreßt, wie etwa: „Nein, diese Schinderei! diese un⸗
aufhörliche Qual!“ führt uns zu der Erwägung, was die Ursache
davon sei. Aus der Geschichte des Sündenfalls, die wir erzählen,
wird die Ursache offenbar, worauf wir die Frage aufstellen und
beantworten: Wer kann und will uns trösten in unserer Mühe
und Arbeit auf Erden, die der HErr verflucht hat? — Oder wir
zeigen auch etwa, in welcher Weise die Menschen es sich anderer⸗
seits angelegen sein lassen, ja, wie sie sich abmühen, das Himmel⸗
reich, das ewige Leben zu erlangen, wie aber da alle menschliche
Mühe und Arbeit vergeblich und verloren ist, wie der wahre Gott,
der HErr Christus, vielmehr spricht: „Ja, mir hast du Arbeit
gemacht in deinen Sünden, und hast mir Mühe gemacht in dei⸗
nen Missethaten. Ich, Ich tilge deine Uebertretung um meinet
willen, und gedenke deiner Sünden nicht.“ — Oft entschuldigen
sich Leute, die wir zum Zuhören einladen oder zu bleiben auf⸗
fordern, mit den Worten: „Wir haben Arbeit“, „Wir sind sehr
beschäftigt“, gebrauchen dafür wohl auch ein Wort („Aluwel“),
das auch „Mühe“, „Sorge“ bedeuten kann. „Zwölf Arbeiten
(zwölf Sorgen) habe ich“, entgegnete mir kürzlich einer, der es
eilig hatte, hörte aber doch zu, als ich ihm die Geschichte von
Maria und Martha erzählte und auslegte, in welcher der HErr
spricht: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe;
Eines aber ist noth.“
(Fortsetzung folgt.)
+ P. Gottlieb Traub.
(Auf Wunsch seiner Hinterbliebenen zusammengestellt von C. A. Mennicke.)
(Schluß.)
Im Sommer 1891 erhielt P. Traub einen Beruf von der
evangelisch⸗lutherischen St. Paulus⸗Gemeinde zu Aurora, Ill.,
und nachdem seine Gemeinde die Wichtigkeit dieses Berufes er⸗
kannt hatte, nahm er diesen auch an. Am 29. November wurde
er in Aurora von Präses H. Succop in sein Amt eingeführt.
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