Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 6 › Seite 88

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1901, Seite 88

81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96

Scan: Internet Archive item DerLutheraner57.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 2 · Aergernis 4 · Eid 7

⤓ Download .txt · copy text

88

S Der 2„Tutheranes

Schrift, geschrieben von den heiligen Männern Gottes, die von dem
Heiligen Geist getrieben wurden. 2 Petr. 1, 19. ff. Von diesem Worte
darf man nichts davon thun, man darf aber auch nichts dazu
thun. 5 Mos. 4, 2. Offenb. 22, 19. Wider alle solche Schwärmer,
die sich auf das ungeschriebene Wort, auf neue und unmittelbare Offen⸗
barungen berufen, hat schon Luther das rechte Urtheil in den Schmal⸗
kaldischen Artikeln gefällt: „Und in diesen Stücken, so das mündliche,
äußerliche Wort betreffen, ist fest darauf zu bleiben, daß Gott niemand
seinen Geist oder Gnade gibt, ohne durch oder mit dem vorhergehen⸗
den äußerlichen Wort. Damit wir uns bewahren für den Enthusiasten,
das ist, Geistern, so sich rühmen, ohne und vor dem Wort den Geist
zu haben, und dadurch die Schrift oder mündliche Wort richten, deuten
und dehnen ihres Gefallens“ (gerade so macht es auch Dowie).
„Denn das Pabstthum auch ein eitel Enthusiasmus ist, darin der Pabst
rühmt, alle Rechte sind im Schrein seines Herzens, und was er mit
seinen Kirchen urtheilet und heißt, das soll Geist und Recht sein.
wenn's gleich über und wider die Schrift oder das mündliche Wort ist.
Das ist alles der alte Teufel und alte Schlange, der Adam und Hera
auch zu Enthusiasten machte, vom äußerlichen Wort Gottes auf Geiste rei
und Eigendünkel führet, und thät's doch auch durch andere äußerlich
Wort. Gleichwie auch unsere Enthusiasten das äußerliche Wort ver⸗
dammen, und doch sie selbst nicht schweigen, sondern die Welt voll
plaudern und schreiben, gerade als könnte der Geist durch die Schrift
oder mündlich Wort der Apostel nicht kommen, aber durch ihre Schrift
und Wort müßte er kommen. . . . Summa, der Enthusiasmus stecket
in Adam und seinen Kindern von Anfang bis zum Ende der Welt,
von den alten Drachen in sie gestiftet und gegiftet, und ist aller Ketzerei,
auch des Pabstthums und Mahomets“ (auch Dowies) „Ursprung, Kraft
und Macht.“ (Müller, Symbolische Bücher, S. 321 f.) Unsere Christen
müssen darum auch vor diesem Irrthum treulich gewarnt werden. L. F.
Deutliche Sprache. Ein freundlicher Leser schickt uns den „Mo⸗
natlichen Führer“ der katholischen St. Michaels-Gemeinde in Cleve⸗
land, O., zu. Das Blatt trägt das Motto: „Wer gute Lertüre ver⸗
breiten hilft, ist ein Apostel.“ Unter den „Pfarrnotizen“ — also
Worte, die der Pfarrer an seine Pfarrkinder richtet — steht wortwört⸗
lich Folgendes zu lesen: „Das Jahr 1901 ist dir von Gott geschenkt,
daß du in demselben dir den Himmel verdienen sollst. Thust
du es nicht, so wirst du vielleicht nie in den Himmel kommen. Du
kannst in diesem Jahre sterben, bedenke es wohl!“ Dacs ist echt katho⸗
lische Lehre, recht deutlich ausgedrückt: Der Mensch kann und soll sich
den Himmel verdienen durch eigenes Werk, durch Beten, Fasten,
Almosengeben, besonders auch durch Opfern ꝛc. An einer andern Stelle
des Blattes wird deshalb auch eingeschärft, daß es nothwendig ist, „daß
jede Familie jährlich wenigstens 12 Dollars“ beitrage. „Diejenigen
Familien, welche dieses Opfer nicht bringen, obwohl sie es könnten,
fallen der Gemeinde zur Last; die opferwilligen Mitglieder müssen
dann für die nachlässigen die nothwendige Geldsumme aufbringen.“
Mit solcher Lehre offenbart sich der Priester dieser Gemeinde als ein
echter Höllenpriester, und wer solche Lectüre verbreitet, ist ein
Apostel, aber ein Teufelsapostel. L. F.

Ausland.

Der Soldatenstand ist ein gefährlicher Stand wegen der vielen
Versuchungen, die damit verbunden sind. Um so nöthiger ist es des⸗
halb, daß auch den Soldaten nachgegangen wird und sie auf das Eine,
das noth ist, aufmerksam gemacht werden. Da ist es erfreulich zu

hören, daß seit einer Reihe von Jahren an den Soldaten des preußi⸗
schen Heeres wirklich Seelsorge geübt wird. Nach dem „Kirchenblatt“
bezeugt ein preußischer Militärprediger, daß jedem Recruten evange⸗
lischen Bekenntnisses bei seinem Eintritt in das Militär das Militär⸗— ö
gesang⸗ und Gebetbuch verabreicht wird zum ständigen Gebrauch wäh⸗

Angesicht Gottes verstoßen sein müsset.

rend der ganzen activen Dienstzeit. Wer von den Recruten, welche
nicht getauft, nicht confirmirt, etwa auch nicht kirchlich getraut sind, bei
einer Nachfrage sich meldet, wird von seinem Militärpfarrer zur Nach⸗
holung seiner kirchlichen Versäumnisse angehalten und dann unter⸗
richtet. Im Jahre 1899 wurden in dem preußischen Heere nachträglich
37 Recruten getauft, 53 confirmirt und 71 kirchlich getraut. Ferner
sind im Jahre 1900 in der ganzen deutschen Armee etwa 27,000 Exem⸗
plare der heiligen Schrift verbreitet worden. L. F.
Heiligkeit des Eides. In erschreckender Weise nehmen überall
die Meineide überhand. Das weiß jeder, der mit dem öffentlichen
Leben in unsern Tagen etwas bekannt ist. Wer vermag die falschen
Eide zu zählen, die bei hohen und niedrigen Gerichtsverhandlungen
und bei so manchen anderen Gelegenheiten geschworen werden? Das
hat seinen Grund vor allem darin, daß man nicht mehr weiß und be⸗
denkt, was es mit einem Eid für eine Bewandtniß hat, daß man das
zweite Gebot nicht mehr kennt und glaubt. Aber eine Ursache der
vielen Meineide ist gewiß auch dies, daß der Eid so überaus häufig,
ohne jegliche Noth, gefordert und dann in so überaus leichtfertiger,
ganz geschäftsmäßiger Weise abgenommen wird. Unsere Vorfahren
haben das Ablegen eines Eides für eine viel ernstere und wichtigere
Sache angesehen, als es jetzt fast allgemein geschieht. Der „Frei⸗
mund“ theilt einen Erlaß des Rathes der Stadt Nürnberg vom Jahre
1623 mit, in dem folgende Eidesvermahnung vorgeschrieben wird:
„Dieweil ihr bedacht und Vorhabens seid, den euch von Gerichts⸗
wegen auferlegten Eid jetzo zu leisten und zu vollziehen, so wollet zu⸗
vörderst wohl erinnert sein, daß es mit solchem Eid kein Kinderspiel
noch Scherz, sondern ein solch ernstlich Ding sei, dergleichen nichts
Ernstlicheres auf dieser Welt zwischen Gott und Menschen gehandelt
werden mag, denn bei diesem Werk ist der ewige, allmächtige Gott
und Schöpfer aller Creaturen persönlich zugegen, der in das Verborgene
eures Herzens siehet, und eure inwendigen Gedanken erkennet und
prüfet, wie von ihm geschrieben stehet: Der große Gott prüfet Herzen
und Nieren, und wiederum im 139. Psalm: „HErr, du erforschest
mich und kennest mich, ich sitze oder stehe auf, so weißest du es, du ver⸗
stehest meine Gedanken von ferne, ich gehe oder liege, so bist du um
mich und siehest alle meine Wege; denn siehe, es ist kein Wort auf
meiner Zunge, das du, HErr, nicht alles wissest.“ Diesen allmäch⸗
tigen, ewigen Gott und Prüfer aller Menschen Herzen und Gedanken
rufet ihr hiermit zum Zeugen an und bittet, daß er euch so mehr helfen
und gnädig sein wolle, als wahr ihr recht schwöret und euer Fürgeben,
so ihr mit dem Eid betheuert, die gründliche Wahrheit und kein Falsch,
Betrug oder Arglist dahinter verborgen sei, dagegen euch auch zur

Strafe verbindet und euch durch euer selbst Urtheil verfluchet, daß euch

Gott zeitlich und ewig soll strafen und seiner Gnaden lassen beraubt
sein, da ihr falsch und unrecht schwöret und mit Betrug umgehet oder
anders in eurem Herzen wisset, denn ihr äußerlich mit Worten für⸗
gebet, welches fürwahr ein solch schrecklich und abscheulich Ding ist,
dafür sich ein Christenherz billig zu entsetzen. Darum wollet diese
schwere und ganz gefährliche Sach zuvor wohl erwägen und euch selbst
examiniren und prüfen, wie ihr euch in euren Herzen bewußt und ob
ihr das, so ihr äußerlich fürgebet, unversehrtes, reines Gewissens mit
dem Eid betheuern könnt, damit ihr nicht um eines geringen zeitlichen
Dings willen, so ihr vielleicht durch falsch Schwören zu erhalten und
hiedurch zu drücken vermeinen möchtet, alles euer Heil und ewige Selig⸗
keit in Gefahr setzet und nicht allein allhier den zeitlichen Strafen, son⸗
dern auch dort in Ewigkeit euer Seelen Seligkeit beraubt und von dem
Und ob ihr vielleicht diese
hohe und wichtige Sach noch nicht genugsam erwogen, so will man euch,
damit ihr nicht übereilet werdet, gern bis zur andern Zeit Bedacht lassen,
alsdann ihr wiederum erscheinen und, was ihr der auferlegten Eids⸗
Betheuerung halben entschlossen, euch serner erklären möget.“ L. F.

English translation

Not yet translated.