Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 6 › Seite 86
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. März 1901, Seite 86
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4
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8 Ver V„TutheranedSe
Wohl gab es in Aurora viel Arbeit, doch P. Traub scheute
davor nicht zurück. Das Hauptgewicht legte er auf eine gute und
lehrreiche Predigt, durch welche die Seelen gewonnen wurden.
Leider aber war er ein kranker Mann, als er nach Aurora kam.
Schien es auch, als habe der Klimawechsel ihm gut gethan, so
hatte dies doch keinen Bestand. Dazu kam, daß er in Aurora
von der heimtückischen Grippe befallen wurde. Und da er sich
bei der vielen Arbeit die nöthige Ruhe und Pflege nicht gönnen
konnte, so blieben die bösen Folgen dieser Krankheit nicht aus,
welche sich in einer völligen Entkräftung äußerten und ein Nerven⸗
und Herzleiden hinterließen.
Wohl berief seine Gemeinde im März 1894 den Sohn ihres
Pastors zu seinem Gehülfen, und unser Traub konnte sich etwas
Ruhe gönnen, ein Bad aufsuchen und dann seinem Amte wieder
vorstehen. Ja, im Frühjahr 1895 schien er völlig wieder her⸗
gestellt zu sein, so daß er nun sein Amt wieder allein versehen
wollte und P. Traub jun. einem andern Berufe folgte. Doch
schon im folgenden Winter fing sein altes Leiden wieder an. Nur
unter großen Schmerzen und äußerster Anstrengung konnte er
seine Amtsarbeit verrichten. Montag und oft auch noch am
Dienstag und Mittwoch mußte er das Bett hüten in Folge der
Anstrengung der Sonntagsarbeit. So ging es etwa zwei Jahre,
und er konnte nur die nothwendigste Arbeit thun. Deshalb sah
sich auch seine Gemeinde wiederum genöthigt, ihrem kranken Pastor
Hülfe zu geben, und berief im Jahre 1898 den Candidaten A. M.
Loth zum Hülfspastor. Aber trotz des Gehülfen hat P. Traub
dennoch so oft gepredigt, als er nur konnte, besuchte auch noch
die Gemeindeversammlungen, hielt Vorstandsversammlung und
Beichtanmeldung und half überall, wo er es nur vermochte. Aber
sein Leiden wurde immer größer, und im Frühjahr 1900 wollte
es gar nicht mehr mit ihm gehen. Schon im Sommer 1899 hatte
sich Wassersucht eingestellt. Oft stieg das Wasser so hoch, daß er
mehrere Wochen, ja, zehn bis vierzehn Wochen nicht im Bett
liegen konnte, sondern Tag und Nacht in einem rechten Sorgen⸗
stuhl zubringen mußte. Dann kamen auch wieder Zeiten, da das
Wasser gänzlich verschwand. Von der Zeit an hatte er unsägliche
Schmerzen zu erdulden und litt auch oft an schweren Erstickungs⸗
anfällen.
Am 1. Juni 1900 legte unser kranker P. Traub auf An⸗
rathen seines Präses sein Amt nieder und bezog kurz darauf eine
andere Wohnung. Als er von seiner lieben Gemeinde, seiner
lieben Kirche und Studirstube Abschied nehmen mußte, wollte
ihm schier das Herz brechen. In den folgenden Wochen ver⸗
schlimmerte sich sein Zustand, er wurde zusehends schwächer, und
am 1. Juli, während seine Kinder ihm das Lied No. 403 und
die letzten Verse von No. 84 vorsangen, ist er sanft entschlummert
und eingegangen zu seines HErrn Freude.
Sein letztes Krankenlager wurde ihm zu einer Schule des
Heiligen Geistes, in welcher er sich mit allem Ernst auf ein seliges
Ende vorbereitete. Viel beschäftigte er sich auch da noch mit seiner
Gemeinde, die ihm ans Herz gewachsen war. Viele Thränen,
Seufzer und Gebete preßte ihm deren Zustand aus. Doch tröstete
er sich auch wieder mit der Gewißheit, daß der HErr, dem Wind
und Meer gehorsam sind, auch sein Schifflein in Aurora nicht
werde untergehen lassen. Er ließ es den Gliedern seiner Ge⸗
meinde bekannt machen, daß er sehr krank sei und es fühle, daß
er bald abscheiden werde. Er bitte darum jeden, der sich von
ihm beleidigt fühle, um Vergebung, auch verzeihe er jedem, der
ihn gekränkt und betrübt habe. Er ließ dann alle zur rechten Treue
ermuntern, damit er sie einst im Himmel wiedersehen werde. —
Immer mächtiger kamen die Wasser der Trübsal, große Schmer⸗
zen, bitteres Herzeleid, schwere Kämpfe. Aber so schwer auch sein
Leiden war, so hat er doch nicht gemurrt über Gottes Führung.
Er erkannte und bekannte es ohne Scheu, daß er mit den vielen
Sünden seines Lebens nur Fluch und Verdammniß verdient habe.
Zerschlagen und betrübt lag er zu den Füßen seines hochgelobten
Heilandes, den er mit seinen Glaubensarmen fest umschlungen
hielt, bis er kam und ihn heimtrug in die seligen Wohnungen seines
Vaters. — Es kann darum auch nicht unsere Aufgabe sein, auf
die Schwächen und Gebrechen des Verstorbenen, wie sie auch in
seiner Amtsführung in Aurora zu Tage traten, hier im Einzelnen
einzugehen. Daß aber daraus, daß derartiges hier nicht erwähnt
wird, niemand den Schluß ziehen darf, als ob wir solche Dinge
geringfügig behandeln oder gar gutheißen wollten, bedarf wohl
keiner besonderen Betonung. —
Als in Crete die Trauerbotschaft von dem seligen Abscheiden
des P. Traub bekannt wurde, beschloß die Gemeinde daselbst, die
Leiche nach Crete zu überführen und sie dort mit aller Feierlich⸗
keit zu bestatten, sowie alle Ausgaben zu bestreiten. Doch konnte
der aus Liebe zu ihrem ehemaligen Pastor gefaßte Beschluß nicht
ausgeführt werden, da zwei Jahre vorher ein Glied der Gemeinde
in Aurora vor seinem Tode P. Traub das Versprechen abgenom⸗
men hatte, falls er in Aurora sterben sollte, seinen Leichnam auf
seiner Grabstätte beerdigen zu lassen, was denn auch geschah.
Am Nachmittag des 5. Juli wurden die irdischen Ueberreste des
nun vollendeten P. Traub unter großer Theilnahme in den Schooß
der Erde gebettet. P. J. Strieter, der langjährige Beichtvater
des Verstorbenen, leitete im Hause die Leichenfeier und hielt eine
trostreiche Ansprache über die Eingangsworte des heiligen Vater⸗
Unsers. In der Kirche, die in Schwarz drapirt war, predigte
P. L. Lochner von Chicago über den Text Röm. 1, 16., den sich
der Verstorbene selbst ausgewählt und dabei gesagt hatte: man
solle an seinem Sarge doch ja die Gnade Gottes recht rühmen,
die auch ihm so reichlich und unverdientermaßen widerfahren sei,
und ja von ihm kein Aufsehens machen; denn nur Gottes Gnade
sei sein Trost. Auf Grund der Textesworte behandelte P. Lochner
folgendes Thema: Das Bekenntniß des Apostels: „Ich schäme
mich des Evangelii von Christo nicht.“ Er hob hierbei haupt⸗
sächlich hervor, welche Gnade dem Verstorbenen zu Theil ge⸗
worden sei, daß er volle 36 Jahre das Wort Gottes habe ver⸗
kündigen dürfen, wobei er sich nie des Evangelii geschämt habe.
Möge denn das Gedächtniß dieses Knechtes, der in seinem
36jährigen Dienst in der Kirche viele zur Gerechtigkeit gewiesen
hat, im Segen bleiben.
Es fehlt!
Du fragst, lieber „Lutheraner“⸗Leser: Was fehlt? Ant⸗
wort: Geld! Das dachte ich doch gleich, sprichst du wohl. Du
fragst: Wo fehlt es denn an Geld? Antwort: In der Kasse für
Allgemeine Innere Mission. Das dachte ich nicht, sprichst
du vielleicht. Laß mich dies in Folgendem kurz begründen und
mit einer herzlichen Bitte schließen.
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