Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 8 › Seite 116
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. April 1901, Seite 116
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Aergernis 5 · Erziehung 4 · Sonntagsſchule · Sonntagsſchule 6 · Sonntagsſchule · Sonntagsſchule 6 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule
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SDer „Tutherane
bleiben wird; aber die Sonntagsschule wird einer lutherischen
Gemeinde niemals genügen können. Einmal fehlt es schon in
den meisten Fällen an den passenden Lehrkräften. Zum andern
wird es in der Sonntagsschule wohl nur selten dazu gebracht wer⸗
den, daß sich alle Kinder den Katechismus und die Bibelsprüche
ganz fest einprägen. Denn es fehlt meistentheils schon an der
Zeit, die Kinder ordentlich abzuhören. Auch geht es nicht wohl
an, in der Sonntagsschule dem Fleiß der Kinder mit der Ruthe
einmal nachzuhelfen. Sehr oft wird alles nur ein mehr oder
weniger oberflächliches Werk sein. Wie wenig Herz und Ge⸗
müth der Kinder im Allgemeinen in den Sonntagsschulen er⸗
griffen und erfaßt werden, sieht man schon aus den gewaltigen
Anstrengungen, welche gemacht werden müssen, um die Kinder in
dieselben zu bringen und in denselben fest zu halten. Da müssen
oft Bilderblätter, Prämien, Karten und Kärtchen vertheilt wer—⸗
den, um dadurch die Kinder zu locken und fest zu halten. Das
alles braucht nicht zu geschehen in den Christenlehren, welche von
den Kindern besucht werden, die Schüler unserer christlichen Schu⸗
len sind oder es gewesen sind. Nein, die Sonntagsschule kann
niemals ein Ersatz für die christliche Gemeindeschule sein, ebenso⸗
wenig wie nur eine leibliche Mahlzeit am Sonntag für die ganze
Woche genügt, und möchte sie auch noch so vortrefflich sein.
Wir sehen also: Nur dann kommt eine lutherische Gemeinde
voll und ganz dem Befehl Christi nach: „Lehret sie“, nämlich auch
die Kinder, „halten alles, was ich euch befohlen habe“, wenn sie
eine christliche Schule errichtet, in welcher die Kinder von Klein
auf alltäglich, mit allem Ernst und Eifer in den Heilswahr⸗
heiten unterwiesen werden, damit sie recht glauben, christlich
leben und selig sterben können. Denn nur dann, wenn sie dieses
recht und gründlich gelernt haben, wissen sie, was Christus uns
befohlen hat.
Daß in der christlichen Schule Lesen und Singen gelehrt wer⸗
den neben der Unterweisung im Katechismus und in der bibli⸗
schen Geschichte, ist wohl selbstverständlich nach den Worten der
Schrift: „Halte an mit Lesen“ und: „Lehret und vermahnet euch
selbst mit Psalmen und Lobgesängen.“ Aber unsere Kinder haben
auch Kenntnisse für dieses Leben, für ihren späteren irdischen Be⸗
ruf nöthig, wie Schreiben, Rechnen, Englisch, Geographie und
Geschichte. Da aber nun sehr viel darauf ankommt, daß die
Kinder auch in diesen weltlichen Gegenständen die rechte christ⸗
liche Anschauung bekommen und daß diese Gegenstände in rech⸗
tem christlichen Geist und Sinn getrieben werden, so werden die
christlichen Eltern in der Gemeinde darauf halten, daß auch diese
in der christlichen Schule getrieben und gelehrt werden. Dann
wissen nämlich die Eltern, daß ihre Kinder in jeder Beziehung
eine wahrhaft christliche Erziehung erhalten. Und die Gemeinde
als Gemeinde wird selbst darauf achten, daß auch in den welt⸗
lichen Unterrichtsfächern nicht etwas gelehrt wird, was der Richt⸗
schnur des Wortes Gottes zuwider ist. Die Gemeinde wird da⸗
für sorgen, daß ihre Schule eine christliche Schule sei und bleibe,
das ist, daß die Lehre und die Zucht in der Schule eine Zucht
und Vermahnung zum HErrn sei. Es wird ihre stete Aufgabe
sein, darüber zu wachen, daß ihre Gemeindeschule nicht nur den
Namen „christlich“ trage, sondern daß sie es auch in Wirklich⸗
keit sei.
mit ihrer Schule nie dahin kommen lassen, daß dieselbe etwa
nur zu einer Schreib⸗ oder Rechenschule herabsinke, und daß das
Mit andern Worten, eine lutherische Gemeinde wird es
Wort Gottes nur so nebenbei getrieben werde. Vielmehr wird
sie mit größtem Fleiß darauf achten, daß das Wort Gottes in
ihrer Schule immer den ersten Platz einnehme und alle andern
Fächer demselben untergeordnet werden, so daß jedermann er⸗
kennen kann: die Schule dieser lutherischen Gemeinde ist eine
christliche Schule, in welcher den Kindern das Wort Gottes ge⸗
schärft wird und sie in der Zucht und Vermahnung zum HErrn
erzogen werden sollen.
Damit ist dann auch allen Christen in der Gemeinde Ge—
legenheit gegeben, die Missionsarbeit in ihrer eigenen Mitte zu
unterstützen und zu fördern. In jeder Gemeinde gibt es nämlich
Familien, welche entweder ganz kinderlos sind oder doch keine
schulpflichtigen Kinder haben. Besteht nun in einer Gemeinde
keine christliche Schule, so können diese sich an der Missionsarbeit
unter den Kindern der eigenen Gemeinde nicht betheiligen. Alle
Gelegenheit ist ihnen dazu abgeschnitten. Ist aber eine christ⸗
liche Schule vorhanden, so können sie diese mit ihrem Geld und
mit ihren Gaben unterstützen, damit die Kinder armer Leute Ge⸗
legenheit haben, das Wort Gottes zu lernen und eine christliche
Erziehung zu erhalten. Und solche Leute vermögen in dieser
Hinsicht oft viel zu thun. Dem armen Tagelöhner oder Renter,
welcher sechs oder sieben Kindlein hat, wird es oft schwer genug,
dieselben mit irdischem Brod zu sättigen. Es ist ihm oft nicht
möglich, die Thaler noch aufzubringen, welche er zum Unterhalt
der christlichen Schule bezahlen sollte. Da kann nun der wohl⸗
habende christliche Nachbar einspringen und sagen: „Deiner Ar⸗
muth wegen soll die christliche Schule nicht eingehen. Ich will
meinen Missionsberuf an deinen Kindern erfüllen, ich will das
darreichen, was du nicht zu thun vermagst.“
Ja, du lutherischer Christ! du liebe lutherische Gemeinde!
fördere, unterstütze, trotz aller geforderten Opfer, mit Freuden
die christliche Schule! Du hast dazu einen göttlichen Befehl. Es
ist dein heiliger Missionsberuf! Du lutherische Gemeinde, sei
stets eine treue Pflegerin der christlichen Schule! Fr. St.
Aus unserer ostindischen Mission.
Heidenpredigt in und um Krischnagiri.
(Fortsetzung.)
In seiner Schilderung, wie er bei der Heidenpredigt an die
tägliche Berufsarbeit seiner heidnischen Zuhörer anknüpft, sagt
Missionar Näther nun weiter: Wa sser ziehen und die Felder
bewässern ist eine Hauptarbeit der indischen Ackerbauer, wie schon
erwähnt. Es stehen etwa zwei Männer an einem Wassergraben
und halten je einen der zwei Stricke fest, an welche ein korbartiges
Geflecht gebunden ist, mit dem sie Wasser schöpfen und auf das
Feld nebenan ausgießen. Oder ein Joch Ochsen zieht die Wasser⸗
last, mit der ein großer eiserner Kübel gefüllt worden ist, an einem
über eine hölzerne Rolle laufenden Seil aus der Tiefe des Brun⸗
nens empor. Der Ochsentreiber läßt dann das Wasser durch einen
ledernen Schlauch, welcher an dem Abfuhrloch des Kübels be⸗
festigt ist, in die Wasserrinne ablaufen und zieht die Ochsen rück⸗
wärts, bis der Kübel unten wieder anlangt und sich von neuem
gefüllt hat. Die gewöhnlichste Art des Wasserziehens ist die schon
beschriebene: der dreifach bemannte Hebebaum. Mitunter stehen
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