Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 8 › Seite 113

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. April 1901, Seite 113

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule

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4—.

Derausgegeben von der Deutschen Cvangelih⸗ Latherihen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.

—

57. Jahrgang.

Warum ist eine lutheris che Gemeinde trotz der geforderten

Opfer eine treue Pflegerin der christlichen
Gemeindeschule?

Wenn wir auf das Schulwesen in unserer Synode blicken,
müssen wir gestehen, daß unsere lieben Gemeinden in der Regel

gezwungen sind, große Opfer zu bringen, um eine christliche Schule

in ihrer Mitte einzurichten und zu unterhalten. Führen wir uns
dies an einem Beispiel vor die Augen. Da ist die Gemeinde in
Schulheim. Vor ungefähr dreißig Jahren kamen die ersten An⸗
siedler in diese Gegend. Es waren Lutheraner, die soeben erst
aus Deutschland nach America eingewandert waren. Es waren
nur wenige Familien und an irdischem Geld und Gut waren sie
sehr arm. Mitten im Busch ließen sie sich nieder. Schwere Arbeit
und sauern Schweiß kostete es, den Wald urbar zu machen. Doch
bald hatten sie ihr tägliches Brod. Und da sie nun auch die
Scholle unter ihren Füßen ihr Eigenthum nennen konnten, so
waren sie trotz aller schweren Arbeit mit ihrem irdischen Los zu⸗
frieden. Aber eins vermißten sie doch gar schmerzlich, und das
war das liebe Wort Gottes für sich und ihre Kinder. Wenn sie
zusammenkamen, redeten sie häufig von ihrer Kirche und von
ihrer Schule im alten Vaterlande. Doch ihr Verlangen nach
dem Worte Gottes sollte bald gestillt werden. Der HErr, wel⸗
cher sie mit dem irdischen Brod versorgte, bescherte ihnen auch
das Lebensbrod.

Ein lutherischer Reiseprediger hörte nämlich von der neuen
Ansiedlung und suchte sie auf. Alle vierzehn Tage verkündigte
er ihnen das Wort Gottes in ihren Häusern. Die Ansiedlung
wuchs, und der Reiseprediger konnte bald eine lutherische Ge⸗
meinde gründen. Obwohl die Glieder der Gemeinde noch alle
mit der größten Armuth zu kämpfen hatten, beschlossen sie dennoch,
ein Kirchlein zu bauen. Groß war die Freude, als die Gemeinde
zum ersten Male darin einziehen konnte.
Wortes Gottes für die Erwachsenen waren sie nun allerdings ver⸗
sorgt. Aber fast nichts hatte bisher geschehen können für den

St. Souis, Mo., den! 16. 1901.

Mit der Predigt des

Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

—

christlichen Schulunterricht der Kinder, an denen es doch in keiner
Familie mangelte. Zwar hatte der Reiseprediger die Kinder nicht
gänzlich übersehen, sondern auch sie, soviel es seine Zeit erlaubte,
in Gottes Wort unterrichtet. Viel konnte er aber nicht thun,
da er von Ort zu Ort eilen mußte.

Veranlaßt durch den Reiseprediger, berief daher die Ge⸗
meinde einen eigenen Prediger, welcher neben seiner Arbeit im
Predigtamte sich auch besonders der Schule widmen konnte. Da
die Kirche nicht geeignet war, um darin Schule zu halten, so er⸗
richtete die Gemeinde auf einem neu angekauften Grundstück ein
eigenes Schulgebäude. Mit Lust und Liebe lag der Pastor seiner
Arbeit in der Schule ob und widmete sich derselben mit ganzem
Eifer. Durch Gottes Gnade wuchs und blühte unter seiner fleißi⸗
gen Arbeit die Schule und mit der Schule auch die Gemeinde.
Um für alle Zuhörer Raum zu schaffen, mußte die Gemeinde ein
neues, geräumiges Kirchengebäude errichten. Die alte Kirche
wurde niedergerissen und an deren Stelle eine große, schöne Kirche
gesetzt. Gemeinde und Schule wuchsen, aber auch die Arbeit für
den Pastor. Die Gemeinde erkannte, daß ihr treuer, in der Kirche
wie in der Schule eifriger Prediger, wenn nicht bald Abhülfe ge⸗
schafft würde, unter der Last der Arbeit zusammenbrechen müßte.
Einstimmig beschloß sie daher, einen Lehrer für ihre Schule zu
berufen.

Der neue Lehrer war ein tüchtiger Schulmeister. Seine
größte Lust war es, in der Schule zu sein und die Kinder in
Gottes Wort und in andern nützlichen Kenntnissen zu unterrichten.
Gottes Segen konnte daher auch nicht ausbleiben. Die Schule
füllte sich bald so, daß die Kinder fast die Wände hinausdrückten.
Wollte die Gemeinde nicht den Segen Gottes in der Schule ver⸗
schütten, so blieb ihr nichts anderes übrig, als ein neues, großes
Schulhaus zu erbauen, in welchem alle Kinder, die Zutritt be⸗
gehrten, Platz finden konnten. Das geschah denn auch. Ein
prächtiges Schulgebäude, welches seinem Zwecke in jeder Hinsicht
entsprach, wurde von der Gemeinde errichtet und mit Dank gegen
den gütigen Gott eingeweiht.

English translation

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