Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 8 › Seite 117

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. April 1901, Seite 117

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4

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SDer „TuthoranedS

11⁷

zwei oder drei Hebebäume dicht bei einander, um die Arbeit zu
beschleunigen.

Wollen nun die Leute zum Wasserziehen aus dem Dorfe
forteilen, oder erzählt man uns, daß viele damit beschäftigt sind,
oder erwählen wir uns die Hebebäume als Predigtplätze, so rufen
wir den Leuten wohl zu: Ich bin auch gekommen, Wasser zu ziehen
(und zu gießen: „ireikka“ bedeutet beides zusammen). Sie sind
wieder erstaunt. Vom Hebebaum aus ruft mir wohl einer zu:
„Nun, so steigen Sie herauf!“ Ich antworte, ich sei nicht ge⸗
kommen, die Felder zu bewässern, sondern sie selbst: Ihr selbst
seid mein Acker. Der Wasserkanal geht von meinem Munde an
eure Ohren. Das Wasser soll in eure Herzen fallen. Es ist auch
nicht so schmutzig wie das Wasser in diesem Wasserloch, sondern
rein, heilig. Ja, dies Wasser hier, das ihr zieht, vertrocknet.
Mein Wasser ist nie versiegendes Wasser des Lebens: Gottes
Wort. Wo kein Wasser ist, da ist alles wüste und öde, da wachsen
nur Dornbüsche; so auch, wo Gottes Wort nicht ist, da gleichen
die Menschen den Dornbüschen, die uns stechen, wenn wir ihnen
zu nahe kommen, und die abgehauen und ins Feuer geworfen
werden. Wo aber das Land bewässert wird, da gibt's schöne
Reisfelder oder Gemüsegärten oder Pfeffergehege (wir sind hier
nämlich „da, wo der Pfeffer wächst“) oder Mangobäume oder
Tamarinden oder Palmen aller Art, an denen Auge und Herz
ihre Freude haben. So sind die Menschen, die Gottes Wort
haben und daraus Christum erkennen und bei ihm Vergebung
finden und Gerechtigkeit erlangen, Pflanzen des himmlischen
Vaters, Bäume, an deren Früchten er seine Lust hat und die er
in seinen himmlischen Garten versetzt.

Auch sonst läßt sich viel über das Wasser predigen; denn wo
geschähe es nicht, daß die Weiber (und auch viele Männer und
Kinder) in thönernen und messingenen Töpfen auf dem Haupte
oder auf der Hüfte vom Brunnen oder vom Dorfteiche her Wasser
vorbeitrügen? Da fragt man einfach: Wozu braucht ihr denn
das Wasser? Daraufhin belehren sie einen denn über den ver⸗
schiedenen Nutzen des Wassers. Man hilft ihnen nöthigenfalls
auch nach durch allerlei Fragen, um sie zu veranlassen, nachzu⸗
denken und selber die Einzelheiten darüber darzulegen. Kurzum,
schließlich predigen wir kürzer oder ausführlicher über den haupt⸗
sächlich dreifachen Gebrauch des Wassers: Trinken, Waschen, Be⸗
wässern. Beim Trinken berühren wir vielleicht auch das Essen.
Beides geschieht, wie wir uns von den Leuten selbst sagen lassen,
mit dem Munde. Wir fragen: Warum eßt und trinkt ihr nicht
auch mit den Ohren? Das erregt wieder erstauntes Kopfschütteln
und ungläubiges Lächeln, bis wir ihnen vom Brod und Wasser
des Lebens gesagt haben. Waschen und Baden spielt trotz
allen in Indien anzutreffenden Schmutzes eine große Rolle. Die
höheren Kasten wie die Muhammedaner verbringen täglich viel
Zeit mit Waschungen in jüdischer Weise. Sie halten dieselben
für verdienstlich und sündentilgend. Auch die niedrige Paria⸗
bevölkerung widmet mehr oder weniger den Sonnabend der gründ⸗
lichen Leibesreinigung. Die große Wäscherkaste ist immer be⸗
schäftigt und wohl gestellt, trotzdem der Lohn, den der Einzelne
für die Reinigung seiner Kleider zu geben hat, nur sehr gering ist.
Zu den sogenannten Badefesten in den großen Flüssen und Tempel⸗
teichen Indiens versammeln sich jährlich immer wieder gewaltige
Volksmassen. Da hat man denn reichlich Anlaß, nach Christi
Vorbild, Marc. 7, Matth. 15 und 23, über die eigentliche Un⸗

reinheit des Herzens wie über die Reinigung unserer Sünden
durch Christi Blut und deren Vermittlung durch Wort und Taufe
zu reden.

„Auf nach Kasi!“ ruft dein Mund,

„Läufst dir deine Füße wund.

Badst du gleich mit allem Fleiß:

Wird so Schwarzes jemals weiß?“

So lautet ein wohlbekannter Vers eines heidnischen Dichters
nach der Uebersetzung eines früheren Freundes. Der Vers wirkt
oft wunderbar gegenüber der Vertheidigung des Badens und der
Wallfahrten als verdienstlicher Sachen.

Eine wichtige Arbeit des Landmannes ist weiter auch das
Umpflanzen z. B. der jungen Reispflänzchen aus den Saat⸗
beeten in die großen Reisfelder. Auch diesen Vorgang benutzen
wir bei geeigneter Gelegenheit, um den Leuten klar zu machen,
daß die Erde nicht, wie sie meist wünschen, zum Himmelreich ge⸗
macht werden kann und darf, daß sie vielmehr nur das Saat⸗
feld sei. Welche Pflanzen nun dem HErrn gefallen, die versetzt
er in seinen himmlischen Garten. Welche Pflanzen aber zurück⸗
gegangen oder vertrocknet sind, ja, was als Unkraut offenbar wird,
das wird er alles verbrennen mit ewigem Feuer. Trachtet nach
dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist; trachtet
am ersten nach dem Reiche Goties und nach seiner Gerechtig⸗
keit. Dies sind oft behandelte Themata, die hierher gehören und
sich wider den irdischen Sinn der Heiden richten.

Hier im Morgenlande geht es nach dem Sprüchwort: „Dieser
säet, der andere schneidet.“ Pflügen, Säen, Bewässern, Ver⸗
pflanzen, Ernten — das alles findet oft zur selben Zeit statt,
auf den verschiedenen, neben einander liegenden Feldern. Wir
kommen an ein Feld, wo sie mit der Sichel (Sensen gibt's
nicht) die Ernte abschneiden. Auch sonst befindet sich eine Sichel
in den Händen fast jedes Kindes, nämlich zum täglichen Gras⸗
abschneiden und -einsammeln. Wir treffen auch an der unter
einem großen Baum befindlichen, einfachen Dorfschmiede Land⸗
leute zusammen, welche auf den Schmied warten, damit er ihre
Sicheln schärfe. Wem fiele bei dem allen nicht das Lied ein:

Es ist ein Schnitter, heißt der Tod,
Der hat Gewalt vom höchsten Gott.
Heut wetzt er das Messer,

Es schneidt schon viel besser.

Bald wird er drein schneiden,

Wir müssen's nur leiden.

Hüte dich, schöns Blümelein!

Das verwendet der Missionar der Sache nach. Er singt
wohl auch einen oder etliche Verse von dem wie so viele andere
Kirchenlieder ins Tamulische übersetzten Gesange: „Wer weiß,
wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der
Tod“, mit seinem wichtigen Kehrvers:

Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut,

Mach's nur mit meinem Ende gut;
oder wie's im Tamulischen wiedergegeben ist: „Ach, bei (in)
Christo geborgen, möge ich sterben, o HErr!“ — Oder der Pre⸗
diger geht auch weitläuftiger auf die Sache ein und fragt: Wohin
geht ihr, wenn nun der Tod kommt? Die einen antworten: „Ja,
wohin geht's beim Sterben?! Wir wissen's nicht!“ Andere
sprechen: „In die Erde!“ Wir berichtigen, daß nur der Leib zur
Erde wandert, die Seele aber vorher entflieht. Wohin geht eure
Seele? Die einen bekennen wieder ihre Unwissenheit. Andere
meinen, sie fährt in die Luft und entflieht mit dem Winde. Wie⸗

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