Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 8 › Seite 114
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. April 1901, Seite 114
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Aergernis 5 · Ehebrechn · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule
S Der utherane
Welch große Opfer hatte die Errichtung und Unterhaltung
ihrer christlichen Schule nun aber schon von der Gemeinde ge⸗
fordert! Die Gemeinde war jetzt bis auf etwa siebzig Familien
angewachsen; aber es fanden sich keine reichen Leute unter ihnen.
Einige waren wohlhabend; die meisten hatten gerade nur ihr
gutes irdisches Auskommen. Und doch hatten sie im Laufe von
ungefähr zwanzig Jahren außer den beiden Kirchengebäuden und
dem Pfarrhaus auch noch zwei Schulen und eine Lehrerwohnung
gebaut und die Grundstücke, auf denen die Gebäude standen, ge⸗
kauft. Neben dem Pastor hatten sie auch den Lehrer aus der
Gemeindekasse besoldet. Dazu kam noch, daß dieselben Gemeinde⸗
glieder, welche ihre christliche Schule mit großen Opfern unter⸗
hielten, auch als Bürger die Staatsschule mit ihren Steuern er⸗
halten mußten. Fürwahr, eine große Opferwilligkeit!
Wie aber in Schulheim die Gemeinde für ihre christliche
Schule große Opfer darbringen mußte und noch immer muß,
so ist dies bei allen Gemeinden unserer Synode der Fall, wo
eine christliche Schule besteht. Die Errichtung und Unterhaltung
einer christlichen Schule fordert von einer jeden Gemeinde Opfer.
Ohne große Opferwilligkeit läßt sich in einer Gemeinde eine christ⸗
liche Schule weder errichten noch erhalten. Und gerade auch die
geforderten Opfer sind ein Grund, weswegen die meisten Kirchen⸗
gemeinschaften keine christlichen Schulen haben.
Warunm ist aber trotz aller Opfer und Unkosten eine lutherische
Gemeinde eine treue Pflegerin der christlichen Schule? Warum
geben wir Lutheraner gerne unser Geld her, um neben den Staats⸗
schulen noch eigene Gemeindeschulen zu gründen und zu unter⸗
halten? Warum unterstützen wir willig und mit Freuden unsere
christlichen Schulen?
Jeder Lutheraner ist ein Nachfolger des alten Propheten
Samuel. Wie nämlich Samuel einst zu Gott sprach: „Rede,
HErr, denn dein Knecht höret“, so hält es auch ein jeder luthe⸗
rische Christ. Auch wenn er obige Fragen beantwortet haben
will, sagt der Lutheraner: „Rede, HErr, denn dein Knecht höret“,
das ist, er schaut in das Wort Gottes hinein und sucht daraus
zu erfahren, was der liebe Gott über den Unterricht und die Er⸗
ziehung der Kinder zu sagen hat. Und hat er es nun gehört,
was der liebe Gott will, so thut er das mit Freuden, mag es
ihm auch manches Opfer auferlegen, und zwar thut er es des⸗
wegen willig, weil es sein gütiger Gott von ihm fordert. Blicken
wir nun auf das Alte Testament, so sehen wir, wie der HErr an
vielen Stellen gebietet, daß die Kinder in seinem Worte unter⸗
richtet werden sollen. Schon 2 Mos. 12 lesen wir, daß die Kin⸗
der über die Bedeutung des kirchlichen Passahfestes belehrt wer⸗
den sollten. Denn so heißt es dort V. 24 —27.: „Darum so
halte diese Weise für dich und deine Kinder ewiglich. Und wenn
ihr ins Land kommt, das euch der HErr geben wird, wie er ge⸗
redet hat, so haltet diesen Dienst.
Und wenn eure Kinder wer⸗
den zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst? sollt ihr
sagen: Es ist das Passahopfer des HErrn, der vor den Kindern
Israel überging in Egypten, da er die Egypter plagte, und un⸗
sere Väter errettete.“ Ferner heißt es 5 Mos. 6, 6. 7.: „Und
diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen.
Und sollst sie deinen Kindern schärfen, und davon reden,
wenn du in deinem Hause sitzest, oder auf dem Wege gehest, wenn
du dich niederlegest, oder aufstehest.“ Und im Propheten Jesaias
fordert der HErr: „Weiset meine Kinder und das Werk meiner
Hände zu mir“, Jes. 45, 11. Diesem Befehle Gottes, ihre Kin⸗
der im Worte Gottes zu unterweisen, kamen die Gläubigen im
alten Testamente auch getreulich nach. Dies Zeugniß gibt ihnen
der HErr selbst. So spricht der HErr z. B. von Abraham:
„Denn ich weiß, er wird befehlen seinen Kindern, und seinem
Hause nach ihm, daß sie des HErrn Wege halten, und thun, was
recht und gut ist“, 1 Mos. 18, 19. Und wie die Väter des alten
Testamentes so fleißig die biblische Geschichte getrieben haben, da⸗
von ist der ganze 78. Psalm ein lautredender Beweis. Schauen
wir auf das Neue Testament, so finden wir Eph. 6, 4. die ein⸗
dringliche Ermahnung: „Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zu
Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zu
dem HErrn.“
Aus dieser und den vorher genannten Stellen erkennen wir
also aufs deutlichste, daß es Gottes Wille ist, daß auch die Kin⸗
der das Wort Gottes lernen sollen, damit sie wissen, wie sie Gott
dienen sollen. Es möchte nun aber jemand sagen: Das leugnet ja
auch kein⸗Mensch, höchstens die groben Gotteslästerer. Alle geben
das gerne zu, daß den Kindern ein christlicher Unterricht nöthig ist.
Aber diesen Unterricht sollen die Väter, die Eltern, den Kindern
ertheilen, wie das im alten Testamente geschah. Die Eltern selbst
sollen ihre Kinder in Gottes Wort unterweisen und sie christlich
erziehen. Die Elternhäuser sollen die christlichen Schulen sein.
Allerdings, nach Gottes Ordnung und Befehl sollen sich die Eltern
ihrer Kinder nicht nur mit väterlicher Sorge, Liebe und Wohl⸗
wollen annehmen, sie ernähren und vertheidigen, sondern sie sollen
sie auch in dem HErrn treulich unterweisen und ihnen mit dem un⸗
sträflichen Beispiel eines reinen Glaubens, rechtschaffenen Lebens
und guter Sitten voranleuchten. Wie nun aber, wenn die Eltern
ihre Kinder nicht in Gottes Wort unterrichteten, sie nicht in dem
HErrn treulich unterwiesen und ihnen nicht das Wort Gottes ein⸗
schärften? Geht dich das gar nichts an? Kannst du als ein luthe⸗
rischer Christ sprechen: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“
Und daß in vielen, ja, in den meisten Häusern die Kinder keinen
täglichen Unterricht in Gottes Wort erhalten, wissen wir alle.
Zwar geschieht ja das wohl in christlichen Häusern, daß die Mütter
ihren kleinen Kindern Gebetlein vorsprechen, ihnen auch dann und
wann einmal eine biblische Geschichte erzählen; aber weiter geht
der Unterricht in den meisten Häusern nicht.
Daß aber weiter nichts geschieht, hat verschiedene Ursachen.
Bei manchen Eltern ist es die Gleichgültigkeit. Es fehlt ihnen
an der rechten Erkenntniß. Sie meinen, die Unterweisung der
Kinder in Gottes Wort sei nicht so nothwendig. Andere, und
das ist wohl die größte Zahl, sind zu ungeschickt dazu, ihre Kinder
zu unterrichten; entweder fehlt es ihnen an dem nöthigen Wissen
oder auch an der Gabe zu lehren. Es gibt dann auch wohl viele
Eltern, welche genügend geschickt und tüchtig wären, ihre Kinder
in Gottes Wort zu unterrichten. Es fehlt ihnen aber an der Zeit.
Der Vater muß seiner täglichen Hantierung nachgehen, sei es nun,
daß er ein Landmann, Kaufmann, Handwerker oder Taglöhner ist.
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend muß er in seinem Be⸗
rufe thätig sein und findet also keine Zeit, seine Kinder noch zu
unterrichten. Ebenso geht es auch der Hausmutter. Diese ist
in der Regel so mit Hausarbeit überladen, daß sie es oft nur mit
knapper Mühe fertig bringt, ihren Kleinen ein Verslein vorzu⸗
beten. Mit Kochen, Backen, Waschen, Nähen, Flicken und Haus⸗
reinigen wird ihre übrige Zeit in Anspruch genommen. Nur zu
V.
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