Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 14 › Seite 211
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Juli 1904, Seite 211
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe 2 · Ehe 8 · Ebeleute · Evangelium 9 · Verlobung 5 · Materialismus
Der utherancre
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Freilich, die klugen Menschen sind wiederum anderer Ansicht.
sagen etwa: Es hat keine so große Gefahr. Jeder Mensch
ann auf seinen Glauben selig werden, wenn er sich der Recht⸗
schaffenheit befleißigt und nach seiner Gewissensüberzeugung Gott
ient. Man erklärt die Mission der christlichen Kirche für über⸗
lüssig und bedauert den unnöthigen Aufwand an Geld und
deuten. Man nennt wohl gar die Mission eine Störung im
deben und in der Entwicklung der Völker. So redet die mensch⸗
liche Thorheit. Nach Gottes Wort steht die Sache so: Es kann
nicht jeder auf seinen Glauben selig werden. Kein Mensch und
kein Volk kann auf seinen eigenen Glauben selig werden. Es
gibt nur einen einzigen Glauben, auf den man selig werden
1.— das ist der Glaube an Christum, der Glaube an das
angelium von Christo, der Glaube an das Evangelium vom
Reich. Wer diesen Glauben hat, wird selig; wer diesen Glau⸗
ben nicht hat, geht ewig verloren. Es kommt niemand an Christo
vorbei in den Himmel. Von den Heiden, die nach ihrer Ge⸗
wissensüberzeugung Gott dienten, sagt der Apostel Paulus Eph.
2, 12., daß sie keine Hoffnung hatten und ohne Gott in der Welt
waren. Die Sonne des Heils geht einem Volke erst dann auf,
wenn ihm das Evangelium vom Reich verkündigt wird, und die
einzelnen Menschen werden des Heils theilhaftig, wenn sie
dieses Evangelium glauben. Darum befiehlt Christus seiner
Kirche: „Gehet hin in alle Welt und prediget das
Evangelium aller Creatur“, und setzt hinzu: „Wer da
glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“
Anders hat kein Mensch die Hoffnung der Seligkeit. Keine mensch⸗
liche Wissenschaft, keine Cultur, keine menschliche Gerechtigkeit
errettet vom ewigen Verderben. Das thut allein das Evan⸗
gelium von Christo, der mit seinem Blut und mit seiner Gesetzes⸗
erfüllung die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde gewor⸗
den ist. Darum aber ist nun auch die Predigt des Evangeliums
das wichtigste Geschäft in der Welt.
Auch hieran erinnern wir uns zu dem Zweck, daß wir die
Predigt des Evangeliums nicht zu einer Nebensache in unserm
hristenleben herabsinken lassen. Wollen wir wirklich den Men⸗
Dan zu Nutz in dieser Welt leben, soll unser Leben wirklich
eine Wohlthat für die Welt sein, so müssen wir für eins sor⸗
gen — für die Predigt des Evangeliums. Jammert es uns nicht,
wenn so viele Menschen verloren gehen, die Christus erlöst hat
nd durch die Predigt des Evangeliums gerettet werden könnten?
das Erbarmen — das herzliche Erbarmen — mit dem Volke,
das keine Hirten, das heißt, keine Prediger des Evangeliums,
hatte, veranlaßte den HErrn Christum zu dem Ausspruch: „Die
Ernte ist groß, aber wenig sind der Arbeiter“ und
dem Befehl: „Bittet den HErrn der Ernte, daß er
rbeiter in seine Ernte sende.“ Wir wollen herzliches
rbarmen mit dem Volk, das keine Prediger des Evangeliums
at, in unser Herz einziehen lassen und nicht bloß einmal und
benhin, sondern täglich und inbrünstig beten: HErr, sende
Arbeiter in deine Ernte! Wenn uns so die Predigt des Evan⸗
geliums als das wichtigste Geschäft täglich am Herzen liegt,
hann kommt das christliche Handeln von selbst: dann füllen wir
nsere Lehranstalten bis auf den letzten Platz, und wenn die vor⸗
mdenen Lehranstalten zu klein sind, bauen wir größere, und
enn ihrer nicht genug sind, bauen wir ihrer mehr. Dann sind
rmit unserm Gelde sparsam in andern Dingen, aber nicht so
unverständig, daß wir unsere Hand verschließen wollten, wenn
es für die Prediqt des Evangeliums zu geben gilt.
Das alles folgt aus der Erkenntniß, daß die Predigt des
Evangeliums das wichtigste Geschäft in der Welt ist. Gott ver⸗
leihe uns zu der Erkenntniß auch das Thun um JIEsu Christi,
unsers Heilandes, willen. Amen.
Der heutige Materialismus in seinem Einfluß auf das
Christenleben.
6.
Der Einfluß des heutigen Materialismus, von dem wir in
dieser Artikelreihe reden, zeigt sich ferner deutlich in Bezug auf
Eheschließung und Ehescheidung. 1 Mos. 2, 22. lesen
wir: „Gott brachte sie (Eva) zu ihm (Adam)“, und Matth.
19, 6. heißt es: „Was Gott zusammengefüget hat, das soll der
Mensch nicht scheiden.“ Aus diesen beiden Worten geht klar
hervor, daß Gott der HErr es ist, der die Eheleute zusammen⸗
führen will. Ein Christ muß sich daher beim Eingehen einer
Ehe die Frage stellen: „Was ist der Wille Gottes in Bezug auf
die Eheschließung?“ Darüber aber kann uns allein Gott selbst
Aufschluß geben, und er thut dies auch in seinem Wort. Als er
Adam geschaffen hatte, spricht er: „Es ist nicht gut, daß der
Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehülfin machen, die um
ihn sei.“ Damit kennzeichnet Gott die rechte Stellung des Wei⸗
bes und gibt zugleich an, wie wir bei der Wahl eines Ehegemahls
zu Werke gehen sollen, nämlich so, daß wir uns wirklich eine
Gehülfin zum Weibe nehmen. Das Ziel eines christlichen
Ehemannes ist dies, daß er selbst bis zum Ende auf dem Wege
zur Seligkeit bleibe und daß er dann auch seine Kinder aufziehe
in der Zucht und Vermahnung zum HErrn. Er soll ferner auch
in aller Treue seinem Hause vorstehen, die Seinen ernähren und
kleiden. In allen diesen Stücken aber soll die Frau des Mannes
Gehülfin sein, und daraus folgt, daß der Mann auf die Fähig⸗
keit der Frau, ihm darin eine Gehülfin zu sein, vor allem schauen
muß. Diese Fähigkeit findet sich aber nur da, wo der gemein⸗
same Glaube vorhanden ist. Wie sollte ich denn einer Frau, die
nicht lutherischen Bekenntnisses ist, zutrauen können, daß sie unsere
Kinder in der lutherischen Lehre erzieht? Das sollte daher immer
die erste Frage eines Lutheraners beim Eingehen einer Ehe sein:
Ist das Mädchen oder die Frau, die ich zur Ehe nehmen möchte,
auch eine fromme lutherische Christin?
In zweiter Linie kommt dann die Frage in Betracht, ob
das Mädchen auch in den andern Stücken eine Gehülfin sein
kann. Freilich, das können wir selbst oft nur schwer beurtheilen,
Gott der HErr hat uns auch nicht verheißen, daß er uns hierüber
besondere Offenbarungen geben will, aber er hat uns seine Stell⸗
vertreter auf Erden gegeben, das sind unsere Eltern. In
deren Willen und Einwilligung zu unserer Ehe sollen wir Gottes
Willen und Einwilligung erkennen. Darum ist nur das Gott
wohlgefällig, daß ein junger Mann, ehe er sich um ein Mäd⸗
chen bewirbt, sowohl mit seinen eigenen als auch mit den Eltern
des Mädchens Rücksprache nimmt und deren Einwilligung ein⸗
holt. Das lehren uns die Sprüche: Mal. 1, 6.: „Ein Sohn
soll seinen Vater ehren.“ Eph. 6, 2.: „Ehre Vater und Mutter.“
Col. 3, 20.: „Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen
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