Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 14 › Seite 217

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Juli 1904, Seite 217

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſellſchaftliche Unterhaltungen · Gnadenwahl—Einwände 48

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18 Ser „Tutheranet

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e Rückreise bereits wieder angetreten. Am 11. Mai schreibt er
anderem: „Die Visitation verläuft bis jetzt gut. Die drei Ge⸗
uden, die ich so weit besucht habe, haben einen guten Eindruck auf
gemacht. Obwohl noch klein an Gliederzahl, so haben sie doch
sicht zu wachsen. Wenn auch zum Theil noch schwach an Erkennt⸗
so erkennt man doch sofort aus ihren Reden, aus der Art und
ise ihres Gottesdienstes ꝛc., daß man sich in lutherischen Gemeinden
ndet. Unsere Pastoren arbeiten treu und fleißig, und man kann
Frucht ihrer Arbeit deutlich wahrnehmen. Es scheint, daß es zur
indung eines Synodaldistricts kommen wird. Am Schluß meiner
itation wird vom 24. bis 27. Juni in Rincao Sao Pedro (P. Har⸗
eine allgemeine Versammlung stattfinden, an der die Pastoren und
neindedeputirten Theil nehmen werden. Hier wird es sich ent⸗
iden, ob es zur Gründung eines Synodaldistricts kommt.“ Gott
„ daß P. Lochner auch in den größeren Gemeinden solche erfreu⸗
Wahrnehmungen mache, und daß unsere Glaubensgenossen in
silien immer weiter gefördert werden in der heilsamen Erkenntniß.
geleite auch ferner P. Lochner auf seiner beschwerlichen Reise und
e ihn wohlbehalten zurück in den Kreis seiner Familie, Gemeinde
hiesigen Glaubensgenossen. K. S.
Eine seltene, wenn nicht einzigartige Feier fand am Trini⸗
ssonntag in der Zions⸗Kirche zu Cleveland, O., statt. An diesem
ze war der in weiteren Kreisen unserer Synode bekannte Herr Jobst
Melcher ununterbrochen fünfzig Jahre lang Mitglied des Kirchen⸗
tandes, und zwar als Trustee der Gemeinde. Dieses Ereigniß
rte die Gemeinde in der Weise, daß P. C. M. Zorn vor versam⸗
ter Gemeinde eine herzliche Ansprache hielt und folgende Urkunde,
Pergament geschrieben und hübsch eingefaßt, verlas: „Gott allein
Ehre durch IEsum Christum. Amen. Es wird hierdurch bezeugt,
die evangelisch⸗lutherische Zions⸗Gemeinde zu Cleveland, O., in
entlicher Gemeindeversammlung vom 15. Mai 1904 ihren lieben
geehrten Bruder Herrn Jobst Heinrich Melcher in Anerkennung
es halbhundertjährigen, ununterbrochenen und immer treuen Dien⸗
als Trustee und Mitglied des Kirchenvorstandes mit Sitz und
mme auf Lebenszeit einmüthig und einstimmig erwählt hat.“
zerdem wurde dem Jubilar eine zierliche goldene Medaille mit
ender Inschrift überreicht, und die ganze Jubelfeier durch Lob⸗
inge der Gemeinde und der beiden Singchöre erhöht. — „Die
testen, die wohl vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre werth“,
am. 5, 17. A. G.
Denifle⸗Jowa. Seit einiger Zeit geben sich einige Wortführer
Jowa⸗Synode mit großem Eifer einer wahrhaft schändlichen Ver⸗
rung der Missouri⸗Synode und der ganzen Synodalconferenz hin.
letzte Nummer des iowaischen „Kirchenblattes“ berichtet zunächst,
der neue Redacteur des Canada⸗Kirchenblattes erkläre, die Syno⸗
onferenz habe in dem Streit über die Lehre von der Bekehrung
Gnadenwahl die Schrift für sich. Die Synodalconferenz näm⸗
lasse die beiden Schriftwahrheiten: „Der Mensch wird selig allein
h Gottes Gnade“ und: „Der Mensch geht verloren allein durch
e Schuld“ unvermittelt neben einander stehen, während die Gegner
Synodalconferenz, also insonderheit die Synoden von Jowa und
o, zwischen diesen beiden Schriftwahrheiten vermitteln wollten,
ei aber die heilige Schrift sie im Stiche lasse. Ueber dieses Urtheil
das iowaische „Kirchenblatt“ sehr böse und schreibt außer einigen
igen, die überhaupt keinen Sinn und Verstand haben, in die Welt
mus, die Synodalconferenz mache „die beiden widersprechenden
zsagen von Gott“: 1. „Gott will alle Menschen selig machen“;
„Gott will nicht alle Menschen selig machen, sondern nur wenige,
ulich die Auserwählten“. Das letztere lehrt bekanntlich die Syno⸗
onferenz nicht. Die Synodalconferenz lehrt, daß die Auser⸗
lten allein aus Gnaden, und nicht durch ihre Werke, nämlich

nicht durch ihre eigene „Selbstentscheidung“, „Wahlfreiheit“, besseres
„Verhalten“ ꝛc., selig werden. Die Synodalconferenz lehrt aber
nicht, daß Gott nur die Auserwählten selig machen wolle, sondern
sie hat von allem Anfang an beständig gelehrt und bezeugt, daß Gott
alle Menschen durch Christum selig machen wolle und daß kein
einziger Mensch deshalb verloren gehe, weil Gott ihn nicht hätte selig
machen wollen. Die Redacteure des iowaischen „Kirchenblattes“
sollten sich nicht nur vor Gott, sondern auch vor der ganzen Kirche
und der ganzen Welt schämen, daß sie mit so offenkundigen Unwahr⸗
heiten umgehen und der Synodalconferenz die Lehre andichten, Gott
wolle nur die Auserwählten selig machen. In Europa hat kürzlich
wieder eine Creatur des Pabstes, ein gewisser Denifle, die greu⸗
lichsten Verleumdungen über Luther zusammengeschrieben. Aus der
Lehre Luthers — die die Lehre der heiligen Schrift ist —, daß Gott
die Menschen aus Gnaden um Christi willen, ohne ihre eigenen
Werke, selig macht, spinnt der elende Pabstknecht die Verleumdung,
Luther verwerfe die Heiligung und die guten Werke. Ueber diese Ver⸗
leumdung Luthers ist drüben so ziemlich alles, was sich protestantisch
nennt, empört. Aber genau derselben handgreiflichen Verleumdung
machen sich solche, die Lutheraner sein wollen (unter ihnen die Redac⸗
teure des iowaischen „Kirchenblattes“), gegen uns schuldig. Aus der
Lehre der Missouri⸗Synode und der ganzen Synodalconferenz — die
die Lehre der Schrift ist —, daß Gott die Auserwählten allein aus
Gnaden erwählt hat, ohne Ansehung ihres besseren „Verhaltens“,
„Selbstentscheidung“ ꝛc., spinnen sie die Verleumdung, die Synodal⸗
conferenz lehre, Gott wolle nur die Auserwählten selig machen.

P. Dr. J. A. Seiß, der älteste Pastor der zum Generalconcil
gehörenden Pennsylvania⸗Synode und einer der ältesten und bekann⸗
testen lutherischen Prediger unsers Landes, ist am 20. Juni in Phila⸗
delphia gestorben, wo er eine englisch⸗lutherische Gemeinde fast bis zu
seinem Ende bedient hat. Er war ein sehr gewandter und angesehener
Kanzelredner, der auch eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht hat,
und einer der Führer in seiner Synode wie im ganzen Generalconcil.
Leider sind seine Predigten und Schriften in der Lehre nicht rein luthe⸗
risch gewesen; insonderheit war er ein ausgesprochener Chiliast und
trieb und vertheidigte in Wort und Schrift die Lehre vom tausend⸗
jährigen Reich. L. F.

Eine Lotterie zum Besten der Kirche. Die „Christ Evan⸗
gelical Lutheran Church“' zu Ellenville, N. Y., an der Dr. G. A.
Neef, Glied der Generalsynode, Pastor und John D. Rippert Secre⸗
tär ist, hat ein Kircheneigenthum gekauft, welches mit den nöthigen
Verbesserungen 57000.00 kosten wird. Da aber die Gemeinde diese
Summe nicht aufbringen zu können glaubt, so sendet sie massenweis
Aufforderungen an die lutherischen Gemeinden unsers Landes, sich an
einer sogenannten Fair zu betheiligen. Sie schickt daher kleine Bücher
aus mit je zwölf tickets for a drawing for 625.00 in goldꝰ“,
bittet, die tickets“ zu je 10 Cents das Stück zu verkaufen, und
meint, es wäre wohl ein Leichtes, sie an den Mann zu bringen und
die Leute zu bewegen, to invest 10 cents for an opportunity of
receiving 525.00 in gold, and at the same time feeling the
consciousness of having done something towards the Lord's
Work''. Dies ist wahrlich nichts anderes als ein Lotteriespiel zum
Besten der Kirche. Um Geld „für des HErrn Werk“ zu erlangen,
reizt man die Habsucht und den Geiz der Leute dadurch, daß man
ihnen in Aussicht stellt, daß sie mit ihren 10 Cents möglicher Weise
525.00 in Gold gewinnen können. Wenn es daher am Schluß der
Aufforderung heißt: Hoping the Master will incline and lend
vour heart to our cause““, so fragt man billig, wer wohl dieser

Master“ ist, der das Herz begehrlich genug machen soll, um an

diesem Glücksspiel Theil zu nehmen; unser Meister Christus ist es

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