Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 14 › Seite 214

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Juli 1904, Seite 214

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Ver 2„DutheranesE8⸗

Die Versammlung des Michigan⸗Districts

unserer Synode hat vom 8. bis 14. Juni stattgefunden, und
zwar inmitten der lieben Gemeinde zum heiligen Kreuz in Sagi⸗
naw, Mich., einer der ältesten Gemeinden unsers Districts. An
dieser Gemeinde haben die bereits zur Ruhe der Seligen einge⸗
gangenen Pastoren Sievers, Clöter, Hügli, Günther — zuletzt
Professor in St. Louis —, dann P. Jos. Schmidt — jetzt Pro⸗
fessor in Fort Wayne, Ind. — und nun schon seit zehn Jahren
P. H. Speckhard im Segen gewirkt. An der gastfreundlichen
Beherbergung der vielen Synodalgäste, deren es wohl über
300 waren, hat aber auch die liebe Gemeinde P. E. Parten⸗
felders auf der Ostseite der Stadt reichlichen und freudigen An⸗
theil genommen. Und so ist es auch diesmal wieder gelungen,
die immer größer werdende Zahl der Synodalgäste ohne alle
Kosten für sie aufs beste zu bewirthen. Unser aller einmüthiger
Wunsch ist der: Gott segne euch, liebe Brüder und Schwestern,
für eure Liebe!

Die Eröffnung der Synode geschah am Mittwoch-Vormit⸗
tag durch einen feierlichen Gottesdienst, in welchem der Ehrw.
erste Vicepräses der Allgemeinen Synode, P. C. C. Schmidt,
predigte. Auf Grund von Joh. 12, 24 —26. führte er in
überzeugender und glaubensstärkender Weise aus, wie die Nach⸗
folge Christi, zu der wir Christen berufen sind, zwar immer⸗
währende Selbstverleugnung fordere, aber auch herrliche Ver⸗
heißung habe.

Den Lehrverhandlungen lagen fünf Sätze über das Thema:
„Die Empfängniß und Geburt JEsu Christi“ zu Grunde. Refe⸗
rent war P. Dr. Wente von Halfway, Mich. Diese Sätze lauten:
„I. Nach ihrer Art und Weise ist die Empfängniß Christi
eine übernatürliche und wunderbare, da nach der Schrift diese
Empfängniß durch unmittelbare Wirkung des Heiligen Geistes
geschieht, als auch im Schooße einer Jungfrau sich vollzieht.
II. Auf ihren Inhalt gesehen, bezeichnet nach der Schrift diese
Übernatürliche und wunderbare Empfängniß im Schooße der
Jungfrau Maria die Setzung der sündlosen Menschheit Christi,
sowie auch die gleichzeitige Aufnahme dieser Menschheit in die
Einheit der Person Christi, des eingeborenen Sohnes Gottes.
III. Ihrer Bedeutung nach lehrt uns die Schrift, die Em⸗
pfängniß Christi als eine Erlösungs- und Heilsthatsache zu be⸗
trachten, weil die in Sünden verlorene und verdammte Mensch⸗
heit nicht bloß überhaupt eines Erlösers bedarf, sondern gerade
einen solchen Erlöser nöthig hat, wie ihn die Empfängniß zeigt,
das heißt, einen Erlöser, der wahrer Mensch und wahrer Gott
zugleich ist. IV. Nach dem Unterschied der beiden Stände Christi
gehört die Empfängniß in den Stand der Erniedrigung, in wel⸗
chem Stande Christus die seiner Menschheit mitgetheilte gött—
liche Majestät nicht immer und völlig gebraucht hat. V. Zum
Stand der Erniedrigung gehört auch die Geburt Christi, sofern
nämlich dieselbe ihrem äußerlichen Verlauf nach eine wahrhaftig
menschliche Geburt darstellt, sowie ferner hinsichtlich der bei ihr
in Betracht kommenden Personen, auch nach den Umständen
des Orts und der Zeit das Kennzeichen besonderer Armuth und
Niedrigkeit hat.“ Dies sind die Sätze. Und was nun bei
der Ausführung derselben Herrliches, Köstliches und Glaubens⸗
stärkendes gesagt worden ist, davon sei hierorts nur einiges
mitgetheilt.

Unter allen Sätzen unsers apostolischen Glaubensbekenni
nisses und insonderheit des zweiten Artikels gibt es keinen an
dern, der so unmittelbar und direct von Christi Person handelt
als der von der Empfängniß und Geburt JEsu Christi, und aue
der Unglaube, der sich gegen Christi Person geltend macht, ha
sich sonderlich auf die Leugnung und Streichung der Worte
„Empfangen von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria de
Jungfrau“ concentrirt. An dieser Lehre aber unter scheiden
sich nicht nur die Geister, welcher Art sie sind, sondern an diese
Lehre ent scheidet sich auch das Los aller Menschen; denn we
den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Alle sollen den
Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nich
ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat. So sag
die Schrift. Und weil der Heiland selbst sich den Weg, di
Wahrheit und das Leben nennt und versichert, daß ohne ihi
niemand zum Vater kommen kann, so sieht man, daß alles Hei
und alle Seligkeit an seine Person geknüpft ist und kein Mensch
selig werden kann, der an Christi Person vorbeigeht. Es gib
nun einmal keine Seligkeit außer derjenigen, die an die Person
IEsu Christi gebunden ist; es gibt keine Vergebung der Sünden
außer derjenigen, die IEsus Christus erworben hat; es gib
keine Entscheidung am Tage des jüngsten Gerichts als die, welch.
IEsus Christus über einen Menschen fällt. Nun ist diese Lehr⸗
aber nicht nur von der allerhöchsten Wichtigkeit fur uns und alli
Menschen, sondern auch eine solche, bei deren Betrachtung win
uns unter die Herrlichkeit und Majestät unsers Gottes beugen
und demüthig ausrufen müssen: „O welch eine Tiefe des Reich
thums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes!“ Denn
IEsus, Gottes Sohn, ist ja in übernatürlicher, wunderbaren
Weise in den Kreis der Menschen eingetreten, auf eine Weise, die
keine Vernunft erfassen kann. Wir wissen davon nur so viel, ale
die Schrift davon offenbart, und dem stehet allein zu glauben. —
Doch wir brechen ab und verweisen auf den seiner Zeit im Drucke
erscheinenden Synodalbericht. Ueberaus segensreich, kräftigend
und gründend waren diese Lehrverhandlungen und Segen wer⸗
den sie auch dem bringen, der sie recht liest und betrachtet. Er
wird auch daraus wieder mit Freuden erkennen, daß wir eben
in IEsu Christo einen Heiland haben, wie wir armen Sünder
ihn brauchen, der von der Krippe, ja, vom Mutterschooß bis
zum Grab und zu dem Thron, da man ihn ehrt, uns, den Sün⸗
dern, zugehört.

Das nächst Wichtigste in unsern Verhandlungen war die
Missionssache. In Betreff der Allgemeinen Innern Mission
wurde von Seiten des Allgemeinen Präsidiums die erfreuliche
Mittheilung gemacht, daß das Werk derselben sichtlich von Gottes
Segen begleitet sei. Allein im Washington-und Oregon⸗District
unserer Synode seien im vergangenen Jahre 25 neue Predigt⸗
plätze gegründet worden, und kräftig und mit Freuden sollte diese
Mission weiter unterstützt werden. In unserm Michigan⸗District
besteht das ganze Missionsgebiet aus 15 Gemeinden mit deren
Filialen und Predigtplätzen, zu denen jedoch im nächsten Jahre
noch drei hinzukommen werden. Möge der Eifer für dies Werk
unter uns immer größer werden, zumal ja auch die Summen,
die zur rechten Betreibung desselben nöthig sind, immer größer
und im kommenden Jahr wohl 83000.00 betragen werden. Wie
vielen Seelen wird durch diese Mission das Eine, das noth thut,
gebracht und ihnen geholfen zum ewigen Leben!

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