Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 14 › Seite 219
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Juli 1904, Seite 219
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Eheleute 1
8Der 2„Tuthe raner
219
inen Glauben an seinen Heiland, der auch für ihn in die Welt ge⸗
mmen sei, um auch ihn selig zu machen. Die oben angeführten
prüche sagte ich ihm so lange vor, bis er sie nachsagen konnte. Dann
ahmen wir Abschied von einander. Er drückte meine Hand mit beiden
änden und deutete nach oben. Am nächsten Tage ist er gestorben
und, wie ich zuversichtlich hoffe, zu seines HErrn Freude eingegangen.
ů Zwei Tage nach seinem Tode erhielt ich von der Oberin des
Hospitals folgenden Brief:
write to inform you of the death of Harry Wilcox, the
young man you visited here on Friday. He gradually grew
worse, until Saturday morning at 6 Oëclock he passed away.
He seemed to realize that death was near, and bade the nurse
good-bye looking heavenward as he shook ber hand.. . We
are very glad vou visited bim, for undoubtedly your conver-
Sation with him helped him in his last hours. Wishing you
success in your work Jam,
Very Respectfully Vours,
MRS. W. F. NREAL.“
Gewiß eine schöne Frucht unserer Taubstummenmission an einem
armen Findling, der seine Eltern nie kennen gelernt hat und auf
Staatsunkosten erzogen und unterrichtet worden war.
N. F. Jensen.
Rechte Ehen im Sinne Luthers.
Das deutsche Wort „Ehe“, verwandt mit „ewig“, bezeichnet einen
unauflöslichen Lebensbund von Mann und Weib, aber nicht eine Ver⸗
einigung von irdischen Guütern unter irdischen Interessen. Es fehlt so
vielfach an der religiösen Schätzung der Ehe. „Die Ehe ist nicht ein
natürlich Ding, sondern Gottes Gabe“, sagt Luther. Es fehlt an der
Erkenntniß der großen Verantwortung, die ein Mensch damit auf sich
nimmt, daß er einen andern Menschen und dessen ganzes Leben und
Streben, dessen Freud und Leid, dessen Glück und Segen mit seinem
Ich verbindet. „Es ist ein groß Ding um das Bündniß und die Ge⸗
meinschaft zwischen Mann und Weib.“ Die Ehe sinkt vielfach zu einer
nur äußerlichen Lebensgemeinschaft herab. Wie weit entfernt ist manche
Che von der Erfüllung dessen, was Luther fordert: „Mann und Weib
müssen vor allen Dingen in Liebe und Eintracht bei einander wohnen,
daß eines des andern von Herzen und mit ganzer Treue meine.“ Schon
die Vernunft verlangt, daß in einem Gemeinwesen jedes seinen Platz
ausfülle. Aber in der Ehe tritt ein anderes Moment hinzu: jedes soll
seinen Platz füllen um des andern willen. Es ist die Liebe, die die
Pflichten weist. Und ihr gilt keine Pflicht und keine Aufgabe als ge⸗
ring. Es mag doch keine Frau — und wäre sie noch so vornehm —
zu stolz sein, ihre Küche zu betreten. „Es ist ein gemarterter Mann“,
sagt Luther, „deß Weib und Magd nichts wissen in der Küche, wor⸗
aus viel Uebel folgen.“ Der Frau Sorge muß es sein und bleiben,
Luthers Rath zu befolgen: „Halt dich also gegen deinen Mann, daß
er fröhlich wird, wenn er auf dem Wiederwege des Hauses Spitzen
sieht. Und wenn der Mann mit seinem Weibe also lebt und umgeht,
daß sie ihn nicht gerne sieht wegziehen und fröhlich wird, so er heim⸗
kommt, so steht's wohl.“ Vergesse der Mann niemals, der Gattin
nkbar zu sein auch für den kleinsten Dienst! Der goldene Ring ver⸗
icht nicht goldene Tage im Sinne der Welt. Keiner Ehe leuchtet
stets blauer Himmel. Aber Sorge und Leid sollen Mann und
ib nicht trennen, sondern, gemeinsam getragen und überwunden,
Herzen inniger verbinden. So werden sie zu einer Stärkung der
e und des Glaubens. „Nimmst du ein Weib und wirst ehelich“,
icht Luther, „so ist das der erste Stoß: Wo willst du nun dich, dein
Weib und dein Kind ernähren? Und das währet dein Lebenlang;
also daß der eheliche Stand von Natur der Art ist, daß er auf Gottes
Hand und Gnade lehrt und treibt zu sehen und gleich zum Glauben
zwingt. Denn wir sehen auch, wo nicht Glaube ist im Ehestand, da
ist's ein schwer, elend Wesen, voll Sorge und Angst und Arbeit.“
Jene Liebe, die alles theilt zu doppelter Freude und zu halbem
Schmerz, und dieser Glaube, der nach Luthers Art jeder Sorge bar
ist, machen in Wahrheit reich, erhalten jung und bilden das Unter⸗
pfand eines echten ehelichen Glücks. („Luther als Erzieher.“)
Ein General an seine Gattin.
Der im Jahre 1879 verstorbene Generalfeldmarschall Graf von
Roon, der bekannte Kriegsminister Kaiser Wilhelms I., war nicht nur
ein großer Soldat, sondern auch ein gläubiger Christ. Vor einiger
Zeit erschienen in einer deutschen Zeitschrift Briefe von ihm, die vor⸗
her noch nicht gedruckt waren. In einem derselben, der am 15. Sep⸗
tember 1859 an seine Gattin zur Erinnerung an ihre vor 24 Jahren
geschehene Verlobung geschrieben ist, heißt es:
„Heute, an unserm Verlobungstage muß ich Dich doch herzlich
und auch sichtbar begrüßen und Dir wie mir aus ganzer Seele den
Frieden Gottes wünschen, den Frieden und die Genüge, die wir ver⸗
gebens von dieser Welt zu erlangen versuchen möchten, den allein des
HErrn Gnade zu spenden vermag. Möchtest Du nicht mit Bedauern
auf den Tag zurückblicken, an dem Du Dich mir vor 24 Jahren ver⸗
lobtest; daß er und die ihm folgenden Dich nicht immer so glücklich
gesehen haben, als Du wohl einst hofftest, ach! das weiß ich wohl und
habe mich für manche bittere Stunde, für manche Thräne anzuklagen.
Wohl weiß ich, Du verziehest mir die schwachen Momente, in denen
ich anders war, als ich hätte sein sollen, in denen ich den wahren,
rechten Einigungs⸗ und Mittelpunkt aus den Augen verloren hatte
und mein eigenes selbstsüchtiges Wesen an Stelle eines heiligen, gott⸗
gefälligen Willens zum Gesetz zu machen suchte. Meine geliebte Anna!
Nicht wahr, wir wollen frömmer, besser, innerlich einiger, in Gott
inniger werden, auf daß solcher trüben Stunden, wo wir thun, was
wir nicht wollen, und lassen, was wir wollen, immer seltener werden
mögen. Klage Dich nicht zu hart an; wohl hast Du auch gefehlt;
allein ich, ich muß mich doch zu allem bekennen, denn hätte ich Dir
niemals übel Beispiel gegeben, so würdest Du auch weniger gestrauchelt
haben. Wir haben daher beide immer fleißiger zu beten und immer
eifriger zu ringen, damit wir mehr und mehr von der Welt und der
Eigensucht loskommen. Dein Alter.“
Und es gingen die beiden mit einander.
(1 Mos. 22, 6.)
Dies ist ein ganz rührender Zug in der rührenden Erzählung
von Abrahams Opfer; nur ein kurzes Wort, und doch so anschaulich!
Wir sehen sie dort neben einander den einsamen Bergpfad hinansteigen:
den ehrwürdigen Vater, der noch nicht sagen kann, was doch alsbald
gesagt werden muß; den vielversprechenden Sohn, gebückt unter dem
Holze, dessen Bestimmung er nur zu bald vernehmen wird. Ruhig,
sinnend, meist schweigend — so gingen die beiden mit einander.
Wie viele sind früher und später nach ihnen den steilen Berg des
Glaubensgehorsams hinaufgestiegen, um ein Opfer zu bringen, dessen
ganze Schwere Gott allein verstand! Also gingen die beiden mit ein⸗
ander, die Eltern mit dem unaussprechlich theuren Pfande, welches sie
jedoch dem HErrn abtreten mußten; die Wanderer auf Einem Wege,
English translation
Not yet translated.