Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 14 › Seite 213

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Juli 1904, Seite 213

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8WDer „Vuthieraners

213

Der Minnesota⸗ und Dakota⸗District

t seine diesjährige Versammlung ab vom 1. bis 7. Juni in
zer Gemeinde Präses Pfotenhauers zu Hamburg, Minn. Die
verthe Gemeinde, die bereits vor drei Jahren die große Menge
der Synodalen freundlich bewirthet hatte, hat auch dieses Mal
das Wort des Apostels: „Herberget gerne“ herrlich befolgt, und
hre liebevolle Gastfreundschaft wird den Synodalen in dank⸗
ba. rer Erinnerung bleiben.

Im Eröffnungsgottesdienst wurde das erhebende „LTe Deum“

(No. 337) gesungen, und der Ehrw. Allgemeine Präses, D. F.

Pieper, legte auf Grund seiner Textesworte, 2 Mos. 34, 12—14.,

er Synode das sehr zeitgemäße Thema ans Herz: „Das Gebot

Gottes an seine Kirche, keinen Bund zu machen mit der Welt.“

I „Gott erfülle alle unsere Prediger, Lehrer und Gemeinden

mit aufrichtiger Treue gegen ihn und sein unfehlbares Wort,

dann wird es wohl bei uns stehen, und Gott wird mit uns sein
und uns herrlich segnen.

Eine große Freude war es für die Synode, daß unser Präses
Wmpm der im vorigen Jahre unter seiner schweren und
mi Arbeit zusammengebrochen war und einen
ufmonatlichen Urlaub genommen hatte, nun wieder auf seinem

osten sein und die Synodalversammlungen zum größten Theil

selber leiten konnte. In seiner Synodalrede erinnerte er die Synode
die wichtige Wahrheit, daß allein der Heilige Geist der rechte
gumeister der Kirche ist. Er ermunterte jedes Glied zu treuer

—1— am Synodalwerk und zum freudigen Ausschauen auf

Zeit der Vollendung des herrlichen Wunderbaus der Kirche.
Den Lehrverhandlungen lag eine fleißige Arbeit P. A.
Brauers zu Grunde über die Frage: „Wie sieht es in unserer

zynode aus in Betreff der sechs ersten Paragraphen des 2. Arti⸗

ls unserer Synodalconstitution?“ Diese Paragraphen betreffen

Stücke des Wortes Gottes, und die Erörterung derselben erwies

sich als einen sehr praktischen Gegenstand, der sich sehr wohl an

die Besprechung der zehn Gebote anschließt, die unsern bisherigen
gehrverhandlungen zu Grunde lagen. Das Thema war ernst

id zeitgemäß, und die aufgestellten Thesen, sechs an der Zahl,

orderten an der Hand der sechs Paragraphen die Synode zur

selbstprüfung auf: 1. in Betreff der Stellung unserer Synode
zu Gottes Wort; 2. in Betreff ihrer Stellung zu den Symbolen;
der falschgläubigen Kirche und aller Religionsmengerei gegen⸗
wer; 4. in Betreff des Gebrauchs reiner Bücher; 5. in Betreff
des Berufs zum Predigtamt und der Wahl der Deputirten;

6. in Betreff der Versorgung der Kinder der Gemeinde mit

ö ristlichem Schulunterricht. Leider konnte nur die erste These

ganz behandelt werden, doch war die Besprechung derselben höchst

lehr⸗ und segensreich.

Aus den Geschäftsverhandlungen seien folgende Gegen⸗

tände besonders hervorgehoben, zunächst aus den Vorlagen des

ährw. Allgemeinen Präses. Den Stand der Inneren Mission

r ganzen Synode betreffend machte D. Pieper die erfreuliche

tittheilung, daß gegenwärtig 864 Predigtplätze bedient würden,

ine Zunahme von 54 gegen letztes Jahr. Im Ganzen wurden

5,000.00 für Innere Mission verausgabt. Ferner betonte er

anz besonders die Nothwendigkeit der Sorge für unsere Lehr⸗

nstalten, als der Hauptsorge unserer ganzen Synode, ohne
elche ihr ganzes Werk zum Stillstand kommen müsse. Er bat

darum auch dringend und herzlich, doch gern und willig Theil zu
nehmen an den Beiträgen für die Baukasse, damit die durchaus
nöthigen Reparaturen und Neubauten vorgenommen werden
könnten. Es sei verkehrt, wenn man andere Dinge in den ein⸗
zelnen Gemeinden in den Vordergrund stelle, denn ohne die treue
Pflege unserer Lehranstalten nütze kein Bauen von Kirchen und
Schulen oder Lehrer-und Predigerwohnungen.

Ueberaus erfreulich war auch der Bericht eines theuren
Bruders, der im fernen Heidenland unser Werk treibt, nämlich
Missionar Freches aus Ostindien. Dieser hielt in einer der
Sitzungen sowie auch im Gottesdienst am Sonntag⸗Nachmittag
interessante und glaubensstärkende Vorträge über die Arbeit, die
Kämpfe und Siege unserer lieben Missionare unter den Tamulen
in Indien. Gott rüste uns alle aus mit selbstverleugnendem,
unermüdlichem Missionseifer.

Wie es auf dem großen Felde der Inneren Mission unsers
Districts steht, berichteten die einzelnen Glieder der Missions⸗
commission: P. Sievers über Minnesota, P. Friedrich über
North Dakota, P. F. Walther über South Dakota und P. H.
Meyer über Montana und die canadischen Provinzen. Die
Berichte, obwohl sie nur sehr knapp und gedrängt die nöthigsten
Angaben machen konnten, zeigten doch, welch ein arbeitsreiches,
großes Erntefeld uns von Gott zugewiesen ist, und wie reicher
Segen auf unserer Arbeit ruht. Um so fühlbarer macht sich
immer wieder der Mangel an Arbeitern. Die Ausgaben für
Innere Mission in unserm District betrugen 812,145.19, wovon
58 Reiseprediger ausgerüstet und unterstützt wurden. Im kom⸗
menden Jahre werden etwa 814,500.00 nöthig sein. Da gilt
es allgemeinen regen Antheil nehmen an dem Füllen der Mis⸗
sionskasse. — P. v. Niebelschütz berichtete über das erfreuliche Ge⸗
deihen der Anstalt in St. Paul. Die Zahl der Schüler beträgt 128,
von denen 49 im vorigen Herbst neu eintraten. Wegen der höheren
Preise für Lebensmittel und Kohlen hatte man das Kostgeld im
letzten Jahre erhöhen müssen; daher ermunterte die Synode die
Aufsichtsbehörde, wiederholt Bitten an die Gemeinden ergehen
zu lassen um Zusendung von Lebensmitteln, um die Verringe⸗
rung des Kostgeldes wieder zu ermöglichen.

Aus den Geschäftsverhandlungen ist ferner noch hervorzu⸗
heben die ins Auge gefaßte Theilung unsers Districts. Die
Synode, die jetzt 394 Synodalglieder zählt und in ihrer jetzigen
Größe kein Unterkommen mehr in unsern Gemeinden finden
kann, erkannte eine Theilung als durchaus nothwendig. Nach
langer, eingehender Berathung beschloß man, die Allgemeine
Synode um Theilung des Districts zu bitten, und zwar eine
Dreitheilung zu empfehlen, daß nämlich die Staaten South
Dakota und North Dakota jeder einen District für sich bilde und
ebenso Minnesota mit den canadischen Provinzen. Montana
wurde es selbst überlassen zu bestimmen, ob es sich dem Oregon⸗
und Washington⸗District oder dem North Dakota⸗ oder dem
Minnesota⸗District anschließen wolle.

Am Montag⸗Abend vor der letzten Sitzung fand der Schluß⸗
gottesdienst statt, in welchem P. J. D. Ehlen eine Pastoralpre⸗
digt über 1 Cor. 2, 2. hielt.

Der HErr aber erfülle uns mit Treue und selbstverleugnen⸗
dem Eifer für sein großes Werk auf Erden, an welchem wir
Christen alle, ein jeder in seinem Kreise, Gottes Mitarbeiter sein
dürfen. Sein Reich komme! A. H. Kuntz.

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