Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 11 › Seite 167

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Mai 1905, Seite 167

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule

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egen auf unsere geringe Mühe legt.“ Und ein anderer Landpaftor
s Indiana theilt uns folgende Erfahrungen mit: „Nach dem Chi⸗
cagoer Plan würde ich wahrscheinlich nicht viel bekommen haben.
Aber ich fahre einfach von Haus zu Haus, durch Feld und Wald,
durch Wasserpfützen und über Baumwurzeln und frage einen jeden,
ob reich oder arm. So komme ich nahe an die von uns gewünschte
Summe. Wir bezahlen auch ein, einerlei ob die
670,000.00 zusammenkommen oder nicht. Daß die Arbeit
auf dem Lande, wo es sich nicht um Straßengevierte, sondern um
Meilen handelt, eine etwas beschwerliche ist, besonders bei diesem
regnerischen Wetter, läßt sich denken. Gestern war ich zum Beispiel
von 1 Uhr Mittags bis 9 Uhr Nachts unterwegs. Heute will ich
wieder ausfahren. Doch hat sich bisher keiner geweigert, etwas zu
thun. Das versüßt die Mühe wieder. Nach meiner Ansicht sollte
alles, was gezeichnet ist, bezahlt werden, selbst wenn man nicht ganz,
sondern nur einigermaßen nahe an die 870,000.00 kommt.“ So wird
der Plan in den verschiedensten Theilen unsers Synodalgebiets ins
Werk gesetzt, und wo er ernstlich betrieben wird, wird der Erfolg nicht
ausbleiben. Dieselbe Hoffnung spricht ein Beamter des Oestlichen
Districts aus, wenn er schreibt: „Mit großer Freude habe ich im
„Lutheraner“ die Mittheilungen gelesen betreffs Tilgung der Schuld
in der Synodalbaukasse. Ueberall ist man, wie es scheint, eifrig an
der Arbeit, um das erwünschte Ziel zu erreichen. Und der treue Gott
hat schon einen reichen Segen auf diese Arbeit der Liebe gelegt, indem
er viele Herzen und Hände unserer lieben Christen willig gemacht hat,
ihre Gaben mit Freuden darzubringen. Der Oestliche Distriet wird
hoffentlich nicht zurückstehen. Soviel ich weiß, sind wir auch in allen
Conferenzdistricten mit gutem Erfolg eifrig an der Arbeit, um Schulter
an Schulter mit unsern Brüdern in andern Synodaldistricten diese
Schuld tilgen zu helfen. Gott lasse unser Vorhaben wohl gelingen,
damit wir in Detroit ein Le Deum anstimmen können.“ L. F.
Conferenz unserer Taubstummenmissionare. Am 2. und
3. Mai hielt die „Lutherische Hephatha⸗Conferenz“ ihre jährliche Ver⸗
sammlung in der Immanuels⸗Kapelle zu Milwaukee, Wis. Diese
Conferenz, die jetzt 10 Glieder zählt und vor zwei Jahren in Chicago
gegründet wurde, besteht aus Pastoren, die entweder ganz oder doch
zum Theil im Dienste der Taubstummenmission stehen, oder mit diesem
Werk sonstwie verbunden sind. Der Zweck dieser Conferenz ist, sich
gegenseitig zu dieser Missionsarbeit zu ermuntern und über Mittel und
Wege zu berathen, wie diese Mission immer erfolgreicher und segens⸗
reicher betrieben werden kann. Diesem Zweck dienten denn auch die
Verhandlungen der vier Sitzungen, die an den obengenannten Tagen
abgehalten wurden. Einen Theil der Sitzungen verwandte die Con⸗
ferenz auf die Arbeit P. Arthur Reinkes, der das Thema behandelte:
„Einförmige Zeichen für theologische Begriffe.“ Bei dieser Arbeit
wurde der Text des Kleinen Katechismus durchgenommen, und mit dem
ersten Hauptstück kam das Referat diesmal zum Abschluß, soll jedoch
später fortgesetzt werden. Dann folgte eine Arbeit P. Bolls über die
Fragen 1—6 unsers Katechismus. In dieser Arbeit wurde gezeigt,
wie man diese Fragen und Antworten beim Unterricht der Taub⸗
stummen verwerthen soll. Auch diese Arbeit soll fortgesetzt werden.
Ferner wurde von der Conferenz eine Gottesdienstordnung ange⸗
nommen, die von P. T. Wangerin vorgelegt wurde. Es wurde be⸗
schlossen, diese Gottesdienstordnung in allen Taubstummengemeinden
und auf allen Missionsplätzen einzuführen. Am Abend des ersten
Conferenztages wurde ein Missionsgottesdienst abgehalten, wozu sich
eine große Anzahl Taubstummer einstellte. Alle anwesenden Missio⸗
nare hielten kurze Ansprachen, in denen über die Gründung und Aus⸗
reitung unserer Mission, über deren Leiden und Freuden geredet
de. Auch über unsere Taubstummenanstalt in Detroit wurde ge⸗
t. Insonderheit wurde den Taubstummen ans Herz gelegt, wie

gerade in der lutherischen Kirche Gottes Wort rein und lauter gepre⸗
digt und die Sacramente rein und recht verwaltet werden. Nach
Schluß des Gottesdienstes unterhielten sich die Missionare mit den
versammelten Taubstummen und sprachen mit diesen über unsere
Arbeit unter ihren Leidensgenossen. Es waren schöne Tage, die die
Conferenz in Milwaukee verleben durfte, Tage, die nicht nur für die
anwesenden Missionare von großem Segen waren, sondern von denen
auch die Taubstummenmission manchen Nutzen genießen wird. Nach⸗
dem man sich noch gegenseitig ermuntert hatte, in diesem nach manchen
Seiten hin so schwierigen Werk freudig weiter zu arbeiten, vertagte
sich die Conferenz. So Gott will, findet die nächste Conferenz im
Juni nächsten Jahres in Detroit statt. Gott der HErr aber wolle
auch dies sein Werk unter den Taubstummen segnen, fördern und be⸗
hüten, damit viele, recht viele Taubstumme den Weg zum Leben
finden. Uns aber und alle Christen, die wir Gottes Wort haben und
hören können, mache er stets willig und bereit, auch den armen Taub⸗
stummen das Wort des Lebens zu verkündigen und auch für dieses
Missionswerk unsere Gaben zu opfern. N. F. Jensen.

Zur Bestätigung der Aussage im letzten „Lutheraner“:
„Die deutsche Missouri⸗Synode arbeitet an Hunderten von Orten
durch das Medium der englischen Sprache“ möge der Bericht eines
Reisepredigers des Minnesota⸗ und Dakota⸗Districts dienen. Dieser
arbeitet auf einem neuen Gebiet, das erst besiedelt wird. Er schreibt:
„Ich habe einen neuen Platz gefunden, westlich vom Missouri⸗Fluß.
Dort ist noch nie Gottesdienst gewesen. Ich habe dort etliche Deutsche
gefunden, wurde aber auch von den Englischen gebeten, für sie zu pre⸗
digen, und habe ihrer Bitte willfahrt. So haben wir dort Vormit⸗
tags deutschen, Nachmittags englischen Gottesdienst. Am Nachmittag
war das ziemlich geräumige Schulhaus ganz gefüllt. So kommt das
reine Wort Gottes auch unter die Englischen. In R. L. predige ich
fast jeden Sonntag englisch, und es kommen regelmäßig 30 bis 40 Zu⸗
hörer. Wenn der Same des göttlichen Wortes ausgestreut wird,
dann wird er auch Frucht bringen. Ich habe schon mehrere Taufen
vollzogen an Kindern, welche wohl nie getauft worden wären, wenn
ich mich nur der deutschen Sprache bediente.“ Wie wir bei der
Inneren Mission zugleich darauf bedacht sind, in der englischen Sprache
zu arbeiten, sieht man unter anderm auch daraus, daß eine der Fragen,
die wir an die Reiseprediger richten, lautet: „Wäre etwa besonders
gute Gelegenheit für englische Mission?“ C. F. W.

P. F. Wischan, ein bekannter Prediger des Generalconcils, ist
am 28. April in Philadelphia gestorben, wo er seit 35 Jahren Pastor
einer großen deutsch⸗lutherischen Gemeinde war. Er ist besonders
bekannt geworden durch das von ihm begründete und bis an seinen
Tod herausgegebene „Lutherische Kirchenblatt“, in dem er manches
Zeugniß für lutherische Lehre und Praxis abgelegt hat, wie es sonst
im Generalconeil nicht häufig geschieht. Er ist auch je und je für
die Gemeindeschule eingetreten und hat bis zu seinem Tode in seiner
Gemeinde eine blühende Gemeindeschule gepflegt, die von mehr als
300 Kindern besucht wird — auch eine Seltenheit im Generalconcil,
in dem schon manches Wort gegen die Gemeindeschule gefallen ist.
Leider wurde er in seinen Streitartikeln oft persönlich und hat mehr
als einmal Sachen aus seiner Synode öffentlich zur Sprache gebracht,
die billig erst privatim hätten verhandelt werden sollen. Auch hat er
wohl nicht immer Lutherthum und Deutschthum genügend geschieden.

L. F.

In der gegenwärtig viel erörterten Frage, ob die öffentlichen
Schulen unsers Landes Religionsunterricht einführen sollen, nimmt
der OHurchman, das Hauptblatt der Episkopalen, den richtigen
Standpunkt ein. Er will Staat und Kirche reinlich geschieden wissen
und hat kürzlich gesagt: „Weil die Kirche und die christlichen Eltern
es versäumt haben, den Religionsunterricht zu ertheilen, den sie hätten

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