Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 18 › Seite 273
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. August 1905, Seite 273
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 16 · Unzucht
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giegen mitten durch den
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Himntel, der halte ein ewig
Evangelium, zu verkiindigen
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
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Lürchter Gott, und gebei
üihm die Ehre; denn die Stit.
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Hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
HZerausgegeben von der Beutschen
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Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
61. Jahrgang.
Von der Selbstprüfung der Christen.
Als vor einiger Zeit ein Lehrer unserer Kirche seine selige
Heimfahrt antreten wollte, richtete er unter Aufbietung der letzten
Kräfte an seine ihn umgebenden Familienglieder das ernste Wort:
„Habt ihr Christum ergriffen?“ — Es ist dies eine Frage von
höchster Wichtigkeit für jedermann, eine Frage, über deren Be⸗
antwortung wir alle uns völlig klar sein müssen. Denn wer
Christum, den einzigen Helfer und Erretter, noch nicht ergriffen
hat, der hat den noch nicht ergriffen, außer welchem kein Heil
ist im Himmel und auf Erden, in Zeit und Ewigkeit, Apost.
4, 12. Wer aber Christum, seine Erlösung, sein Wort, gläubig
ergreift und in solchem Glauben bis ans Ende beharrt, ist schon
während seiner irdischen Lebenszeit unaussprechlich beglückt, wird
gewiß ewig selig und nimmt Theil an Christi Herrlichkeit, Matth.
24, 13. Röm. 8, 33. Joh. 12, 26.
Gerade wir Gotteskinder nun, die der Obrigkeit der Finster⸗
niß entrissen und versetzt sind in das Gnadenreich JEsu Christi,
sollen den durch Gottes Gnade erlangten Schatz treu bewahren.
Gottes Wort ermahnt uns 2 Cor. 13, 5.: „Versuchet euch
selbst, ob ihr im Glauben seid; prüfet euch selbst.“
Denken wir dem einmal ein wenig nach!
Was heißt hier zunächst das Wort „versuchen“? Vor
der Speisung jener fünftausend Mann sprach JEsus zu seinem
Jünger Philippus: „Wo kaufen wir Brod, daß diese essen?“
Diese Frage richtete der HErr, der wohl wußte, was er thun
wollte, bloß deswegen an seinen Jünger, um ihn zu versuchen,
um ihn zu examiniren, um einen Versuch mit ihm anzustellen
und zu probiren, wie weit sein Glaube erstarkt sei. — Denselben
Sinn hat hier das Wort „versuchen“: wir sollen mit uns selber
den Versuch machen, uns selber auf die Probe stellen, ob wir im
Glauben siehen.
Der „Glaube“ aber, von dem der Apostel redet, ist
nicht die Glaubenslehre, sondern die Glaubens zu versicht.
Glaube ist hier die Hingabe des Herzens an den, von dem der
St. Louis, Mo., den 29. Kugust 1905.
No. 18.
Apostel in demselben Verse schreibt: „Erkennet ihr euch selbst
nicht, daß IEsus Christus in euch ist?“ Es ist der Glaube,
von dem Gal. 2, 16. geschrieben steht: „Weil wir wissen, daß
der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern
durch den Glauben an IEsum Christum: so glauben
wir auch an Christum IEsum, auf daß wir gerecht werden durch
den Glauben an Christum, und nicht durch des Gesetzes
Werke; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht.“
Die vertrauensvolle Hingebung an Christum, kurz, der Christus⸗
glaube, der seligmachende Glaube, das ist der Glaube, in wel⸗
chem wir uns selber versuchen sollen.
Mit solcher Selbstprüfung soll es uns großer Ernst sein.
Darum heißt es gleich weiter: „Prüfet euch selbst!“ Wie
wir Christen alles prüfen, auf seine Echtheit untersuchen sollen,
1 Thess. 5, 21.; wie uns geboten ist, nicht einem jeglichen
Geist zu glauben, sondern die Geister zu prüfen, ob sie von Gott
sind, 1 Joh. 4, 1.: so sollen wir auch uns selber prüfen. Jeder
soll sein eigen Herz untersuchen, ob sein Glaube göttlichen Ur⸗
sprungs sei, echt wie geläutertes Gold, ob er es von Herzen treu
und aufrichtig mit Gott und dem Heilande meine.
Und zwar sollen wir fortwährend in der Selbstprüfung
stehen. Nicht bloß wenn der Tod uns naht; nicht bloß wenn
durch große Unglücksfälle die Hand des HErrn besonders schwer
auf uns liegt; nicht bloß wenn wir auf das Krankenbett gelegt
sind; nicht bloß wenn wir ein Lebensjahr oder ein bürgerliches
Jahr beendet haben; nicht bloß wenn wir zum heiligen Abend⸗
mahl gehen; nicht bloß am Wochenschluß oder nach vollbrachtem
Tagewerk; nicht bloß am Sonntag, sondern auch während der
Woche, beim Thun und beim Lassen, bei der Arbeit und bei der
Ruhe, früh und spät, überall und immerdar „versuchet euch
selbst, ob ihr im Glauben seid; prüfet euch selbst“L. Sehet
allewege und immer wieder fleißig zu, ob Christus mit seiner
Gnade in eurem Herzen wohne. Jeder Christ soll jederzeit
betend zu Gott sagen können: „Erforsche mich, Gott, und er⸗
fahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine; und
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