Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 18 › Seite 277

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. August 1905, Seite 277

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Straßburg und Zofingen.

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um unsertwillen, auf daß wir durch seine Armuth reich würden“.
Sollen wir in eine Thür, die er uns aufthut, nur deshalb nicht
hineingehen, weil die Mittel nicht ganz ausreichen?

So ist denn der obenerwähnte Vorschlag, da die Bethei⸗
ligten sämmtlich zustimmten, zur Ausführung gekommen. Die
Gemeinde in Mülhausen hat in Gemeinschaft mit der Gemeinde
Wiesbaden⸗Frankfurt einen Pfarrer berufen, und zwar, nachdem

der erste von ihr ausgesandte Beruf zurückgekommen war, den

Unterzeichneten, der nun am Sonntag Oculi hier in Mülhausen

und am Sonntag Judica in Wiesbaden durch Pfarrer Stall⸗

mann in sein neues Amt eingewiesen worden ist. Er wohnt in

Mülhausen und fährt von hier aus alle drei Wochen nach Wies⸗

baden und Frankfurt, um dort die Kinder zu unterrichten und
Gottesdienst zu halten, außerdem amtirt er von Zeit zu Zeit in
Das kleine Gemeindlein hier ist
nach außen hin bisher nur wenig gewachsen — ein Ehepaar hat
sich, seit ich hier bin, zur Aufnahme gemeldet —, aber es ist, so⸗

weit Menschen sehen können, innerlich gesund, und vieler Augen

sind auf dasselbe gerichtet.

Man will sehen, wie sich die Frei⸗
kirche macht; viele Lutheraner hier im Elsaß stehen ihr nicht
gleichgültig gegenüber, aber sie ist ihnen etwas ganz Neues, sie
halten es gar nicht für möglich, daß die Kirche auch ohne staat⸗
liche Hülfe existiren kann, und haben auch sonst manche Vor⸗
urtheile gegen die Freikirche. Ob, wenn unsere Sache hier
Bestand hat, noch dieser oder jener Christ der verderbten Staats⸗
kirche den Rücken kehrt, das wissen wir nicht, das ist Gottes
Sache. Aber wir hoffen es und bitten Gott darum, dessen ge⸗

wiß, daß er nicht ohne heilsame Absicht auch hier eine freikirch⸗

liche Gemeinde hat entstehen und sein reines Wort auf den Plan
hat treten lassen. Große äußere Erfolge erwarten wir in unserer
Freikirche überhaupt nicht; wir wissen, daß wir nur Aehrenleser
sind. Aber wir freuen uns dessen und rühmen es zu unsers
Gottes Ehre, daß er sich noch immer aus unverdienter Gnade
zu unserer armen Freikirche bekennt. Dessen freut auch ihr euch
mit uns und danket Gott dafür und betet für uns, daß Gott
auch fernerhin uns sammt euch bei seinem Wort erhalte und
durch sein Wort seine Kirche an allen Orten baue.

Und nun zum Schluß noch eine Bitte. Mülhausen liegt
am Wege nach der Schweiz (Eisenbahnlinie Mainz⸗Neu⸗
stadt⸗Basel; auch für die, die durch Baden reisen, ist es leicht zu
erreichen). Dahin reisen alljährlich auch viele Americaner; und
unter diesen Americanern befinden sich gutem Vernehmen nach
des öftern auch liebe Glaubensgenossen. An solche richten wir
die herzliche Bitte, doch, wenn irgend möglich, nicht an
Mülhausen vorbeizufahren, sondern sich so einzu⸗
richten, daß sie einen Sonntag hier verleben und
an unsern Gottesdiensten Theil nehmen können.“)
Das sollten sich überhaupt nach Deutschland reisende Missourier
zur Regel machen, daß sie während ihres Aufenthaltes im alten
Vaterland wenigstens eine unserer Gemeinden aufsuchen und
sich so zu uns bekennen. Es gereicht das, wie die Erfahrung
lehrt, ihnen und uns zur Freude und zur Stärkung. Es läßt
sich auch, bei einigem guten Willen, ganz gut machen; denn es
wird zur Zeit an 51 Orten in Deutschland von Pastoren unserer

) Der Unterzeichnete wohnt in Mülhausen (Elsaß)⸗Riedisheim, Char⸗
lottenstr. 21 II. 2

Synode gepredigt; darunter sind eine ganze Anzahl Städte, die
an Hauptverkehrslinien liegen; die Adressen unserer Pastoren
finden sich im St. Louiser Kalender, so daß jeder sich leicht mit
einem von uns in Verbindung setzen und in Erfahrung bringen
kann, wann und wo an den betreffenden Orten von uns Gottes⸗
dienst gehalten wird. Die lieben Amtsbrüder drüben sollen hier⸗
durch herzlich gebeten sein, diejenigen ihrer Gemeindeglieder, von
denen sie wissen, daß sie nach Deutschland reisen, auf unsere
Freikirche aufmerksam zu machen und ihnen, für den
Fall, daß sie unterwegs gern einmal communiciren möchten, ein
Kirchenzeugniß mitzugeben. Jedenfalls sollte dies geschehen,
wenn ein Glied einer missourischen Gemeinde für länger oder
für immer nach Deutschland übersiedelt. Es ist ja diese Bitte
von unserer Seite schon früher ausgesprochen worden, es ist
aber nöthig, daß sie dann und wann wiederholt wird.

Aber nun soll es auch genug sein für diesmal. Gott er⸗
halte uns in Gnaden das köstliche Gut der Einigkeit im Geist
und versammle uns bald zu der großen Gemeinde im Himmel!

M. Willkomm.

Jahresbericht der Taubstummengesellschaft zu
Detroit, Mich.

Das Wort des HErrn: „Gleichwie der Regen und Schnee
vom Himmel fällt und nicht wieder dahin kommt, sondern
feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und wachsend, daß
sie gibt Samen zu säen und Brod zu essen: also soll das Wort,
so aus meinem Munde gehet, auch sein. Es soll nicht wieder zu
mir leer kommen, sondern thun, das mir gefällt, und soll ihm
gelingen, dazu ich's sende“, Jes. 55, 10. f., gilt gerade auch von
unserer Arbeit in der Taubstummenanstalt zu North Detroit,
Mich. Zwar suchen wir ja die uns befohlenen taubstummen
Kinder auch in den Dingen, die für dieses Leben nützlich sind,
möglichst weit zu bringen, aber unsere Hauptarbeit ist doch, diese
Kinder zu unterweisen in Gottes Wort. Tag für Tag wird hier
der Same des Wortes ausgestreut in die Herzen der Kinder.
Und dieser Arbeit ist die obige Verheißung gegeben. Wir wissen,
daß es nicht vergebliche Arbeit ist, wir glauben es, auch wenn
die Frucht unsern Augen verborgen bleiben sollte. Gottes
Verheißung haben wir für uns, und die muß sich erfüllen. Ist
es uns auch oft nicht vergönnt, die Erfüllung schon hier mit
Augen zu schauen, so werden wir doch gewiß einst mit Staunen
sehen den Segen, den Gott auf unsere geringe Arbeit gelegt hat.
Aber wie Gott auch sonst uns schon hier manch liebliche Frucht
unserer Arbeit in seinem Weinberg sehen läßt, so gerade auch
in unserer Arbeit an den Taubstummen. Wir dürfen sie sehen
an den Kindern, die in unserer Anstalt sind. Sie lieben ihren
Heiland und beugen sich willig unter sein Wort. Wir dürfen
sie sehen auch an denen, die unsere Anstalt bereits verlassen
haben und uns dann mittheilen, wie sie ihren Katechismus und
ihre Bibel weiter lesen und auch ihren Glauben vor der Welt
bekennen. Solche Briefe liegen vor. Sollten also Gottes Ver⸗
heißung und schöne Erfahrungen uns nicht ermuntern, auch in
Zukunft mit Lust und Eifer dies Werk zu treiben?

Freilich ist es nicht nur mühevolle, sondern auch kostspielige
Arbeit. Unsere monatlichen Ausgaben belaufen sich auf etwa

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