Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 18 › Seite 280
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. August 1905, Seite 280
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an den Roté (Gott) Jehova. Er ist der alleinige Gott, er hat einst
den Himmel und die Erde geschaffen. Ich glaube an IEsum Chri⸗
stum. Er ist Gottes Jehovas einziger Sohn. IEsus hat mir meine
Sünden vergeben. Er bindet mich los vom Satan; er bindet mich
los von der Hölle. Ich bin früher meiner Vorfahren Wege gewan⸗
delt, nun will ich Iésu Wege gehen. O Rots Jehova, ich habe zu
dir geredet, du hast es gehört! O Jehova, hilf mir. Amen!“ —
Seitdem hat die Rheinische Mission wieder zwei ihrer Missionare in
dem mörderischen Klima verloren. L. F.
Aus Welt und Zeit.
Der vor Kurzem vollendete große Tunnel durch den Schwei⸗
zer Berg Simplon erregt die Aufmerksamkeit und Bewunderung der
ganzen Welt. Nicht so bekannt ist, daß bei diesem Bergdurchstich die
Wissenschaft sich mehrmals gründlich geirrt hat, daß sich ihre Voraus⸗
sagen nicht bestätigt und ihre Berechnungen nicht bewahrheitet haben.
Daran mögen die stolzen Wissenschaftler denken, wenn sie über die
Entstehung und das Alter der Erde, über die Entfernung der Gestirne,
über die Kälte und Wärme auf denselben und über ähnliche Dinge
etwas als felsenfeste Gewißheit aussprechen, was nur ihre grundlose
Meinung und verkehrte Vermuthung ist. Das „Ev.⸗luth. Kirchen⸗
blatt“ aus Lodz theilt darüber Folgendes mit: „Weder die Formation
des Gebirgsstocks noch die Höhe der Temperatur noch die Richtlinie
des Tunnels entsprach in Wirklichkeit den Annahmen der Wissenschaft.
Es war ein Fehlschlag, ganz dazu angethan, den weitverbreiteten Glau⸗
ben an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit der modernen Wissenschaft
empfindlich herabzustimmen. Um so Größeres haben Ingenieure,
Techniker und Arbeiter geleistet. Daß es aber unter ihnen auch nicht
an Männern fehlt, die Gott die Ehre geben, ist eine wohlthuende Er⸗
scheinung, die wir mit Freuden hervorheben dürfen. Nationalrath
E. Sulzer⸗Ziegler, einer der leitenden Größen des ganzen Unterneh⸗
mens, sprach bei der Durchschlagsfeier in Brig: „Die sechseinhalb
Jahre Bauzeit waren für die Unternehmer nicht nur Jahre harter, an⸗
gestrengter, ja, fast aufreibender Arbeit, sondern auch Jahre schwerer
Prüfungen und großer Sorgen. Die Aufgabe war schwerer, als wir
und Sie alle, die mit dem Simplon zu thun hatten, dieselbe bemessen
hatten. Ja, sie war zeitweise so schwer, daß wir erliegen zu müssen
glaubten. . . . Um so dankbarer sind wir heute, daß wir die Aufgabe
doch haben durchführen können. Ich gestehe ganz offen, daß ich ohne
mein auf fester Grundlage und fester Ueberzeugung ruhendes Gott⸗
vertrauen zu Zeiten den Kampf aufgegeben und den Muth hätte sinken
lassen. Wenn ich sage: Gott sei Dank, daß wir so weit sind! so ist
das nicht eine Redensart, sondern es kommt aus innerstem Herzen.“
L. F.
Sebastian Fröschel.
Zu den Männern, die einst in Wittenberg neben Luther arbeiteten
und wirkten und in ihm ihren geistlichen Vater verehrten, gehörte
auch der wenig bekannte Sebastian Fröschel. Er wurde zu Amberg
in der Pfalz am 24. Februar 1497 geboren, war also mehr als drei⸗
zehn Jahre jünger als Luther. Er studirte auf der Universität zu
Leipzig vornehmlich unter dem durch Gelehrsamkeit und Lauterkeit
ausgezeichneten Professor Georg Heltus von Forchheim. Der Dis⸗
putation, die im Jahre 1519 zwischen Luther und dem papistischen
Dr. Eck abgehalten wurde, hörte Fröschel mit der größten Spannung
zu und wurde dadurch für die reformatorische Bewegung gewonnen.
Vom Bischof zu Merseburg, dem Fürsten Adolph von Anhalt, 1521
zum Priester geweiht, erregte er bald durch evangelisches Wesen, son⸗
derlich durch Einstellung der Privatmesse, den Zorn der Papisten.
Die Mönche verfolgten ihn auf allerlei Weise; er entging aber endlich
ihren Verfolgungen durch seine Uebersiedelung nach Wittenberg im
Jahre 1522, wo er unter den dortigen großen Lehrern gründlich
studirte. In der ersten Zeit war es vor allen Bugenhagen, der durch
die Erklärung der paulinischen Briefe segensreich auf ihn einwirkte,
auch ein großes Wohlgefallen an Fröschel fand, was er auch dadurch
bewies, daß er ihn an seinen Tisch nahm.
Auf Bitten der Evangelischgesinnten in Leipzig hielt Fröschel um
Michaelis 1523 in der vor dem Grimmaer Thor gelegenen Hospital⸗
kirche eine Predigt. An einer zweiten Predigt aber wurde er durch
die Feindschaft der Papisten verhindert, die es bewirkten, daß ihm
die Kirche verschlossen wurde, wodurch ein Volksauflauf herbeigefuͤhrt
wurde, den Fröschel aber selbst zerstreuen half. Er wurde hierauf vor
den Bischof von Merseburg gefordert. Vierzig berittene Leipziger
Bürger waren bereit, ihn zu begleiten, aber nur zwei ließ er sich ge⸗
fallen. Im Verhör warf ihm der Bischof unter anderm vor, er pre⸗
dige nicht das Evangelium, sondern eine neue Lehre, und auf seine
Frage, welches die neue Lehre sei, erwiderte der Bischof: die, daß
uns Christus allein selig mache. In Leipzig, wohin Fröschel unge⸗
stört zurückgekehrt war, wurde er auf Befehl des dort erschienenen
Herzogs Georg, dieses bitteren Feindes des Evangeliums, verhaftet.
Die Rathsherren waren gerade auf des Stadtrichters Hochzeit und
sandten ihm Speise und Getränk ins Gefängniß; aber Fröschel mochte
nichts genießen. Er fragte den Gefängnißwärter nach der Ursache
seiner Haft und erhielt zur Antwort: „Lieber Herr Magister, ver⸗
leugne Er seinen HErrn Christum nicht, sondern bekenne Er ihn frei
und öffentlich.“ Daraus erkannte Fröschel, weshalb er gefangen war,
und sein Herz wurde fröhlich. Er aß und trank hierauf fröhlichen
Muthes und las in aller Ruhe die Briefe St. Pauli.
Bald darauf wurde er auf das Schloß vor den Herzog gefordert.
Dieser warf ihm vor, wie er, der in seiner Universitätsstadt Leipzig
ein schön Fröschlein gewesen, in der Ketzergrube zu Wittenberg aber
durch eingesogenes Gift zu einer Kröte geworden sei, die Kirchen und
Schulen zu Leipzig habe vergiften wollen. „Wir befinden“, so laute⸗
ten die Anklagepunkte, „erstens, daß Ihr ungehorsam gewesen seid
uns, indem Ihr wider unser Gebot in Wittenberg studirt habt; zwei⸗
tens dem Bischof von Merseburg, daß Ihr wider sein Gebot in Leipzig
gepredigt habt; drittens der heiligen römischen Kirche, daß Ihr keine
Platte habt, daraus denn folgt, daß Ihr mehr lutherischer Zeichen
und Stückwerk an Euch habt. Darum haben wir Euch“, so lautete
das auffallend milde Urtheil, „also strafen wollen, daß sich das ganze
Land daran stieße. Aber aus Fürbitte unserer Universität, deren
Gliedmaß Ihr auch seid, wollen wir Euch diese Gnade erzeigen, daß
Ihr Euch morgen bei Tage aus unserer Stadt und Land machet und
Euch darinnen nicht finden lasset, so lange, bis das anders wird.
Wo man Euch indessen darinnen ergreift, soll man Euch an den
Pranger binden und Euch eine Platte, so groß und breit, als ein Abt
sie hat, raufen und mit Ruthen zum Lande hinaus streichen. Darnach
wisset Euch zu richten.“
Fröschel kehrte nach Wittenberg zurück und wurde 1524 auf Bugen⸗
hagens Vorschlag als dritter Diaconus an der Stadtkirche zu Witten⸗
berg angestellt. Seine Hauptarbeit bestand in der Vesperpredigt, im
Beichtehören, in der Seelsorge bei den Gefangenen und den Predig⸗
ten im Krankenhause. Sein Beruf und die Freundschaft der Witten⸗
berger Professoren machten dem Überaus anspruchslosen Mann den
Aufenthalt in Wittenberg so theuer, daß er keinen Beruf in eine
andere Stadt annahm, obwohl er erst 1546 Archidiaconus wurde
und ein weiteres Aufrücken in Wittenberg nicht erwarten konnte. In
der Widmung seiner drei Predigten von den Engeln an den Rath zu
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