Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 18 › Seite 278
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. August 1905, Seite 278
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 10 · Staatsſchule 8
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Tutievansr
5400.00. Aber wir stehen auch nicht allein da in dieser Arbeit.
Gott hat auch im verflossenen Jahre die Herzen unserer lieben
Mitchristen in der Nähe und in der Ferne für unser Werk er⸗
wärmt, so daß uns manch schöne Gabe übersandt wurde, und
wir im Stande waren, unsern großen Haushalt zu bestreiten
und auch mancherlei Reparaturen vorzunehmen und wünschens⸗
werthe Neueinrichtungen anzubringen. Wohl waren wir zu
einer Zeit im Laufe dieses Jahres in recht großer Noth, aber da
haben wir es auch wieder recht lebendig erfahren dürfen: „Wo
die Noth am größten, da ist Gott am nächsten.“ Mitte März,
als die Noth aufs höchste gestiegen war, kam uns unverhofft die
Nachricht, daß eine liebe Mitchristin in Pittsburg, Pa., unserer
Anstalt von zwölf⸗bis fünfzehnhundert Dollars hinterlassen habe.
Als der Unterzeichnete dann etliche Wochen darauf zur Mitter⸗
nachtsstunde durch einen Eilboten geweckt wurde, war es sogar
ein „check'? im Betrage von 31758.13, der ihm überbracht
wurde. So war nicht nur unserer Noth abgeholfen, sondern
wir konnten auch noch einige hundert Dollars an unserer Schuld
abtragen. Besonders rege zeigte sich auch wieder der werthe
„Frauenverein zur Unterstützung der Taubstummenanstalt“.
Seinen Bemühungen verdanken wir die längst erwünschte Cen⸗
tralheizung in unserer Anstalt und zwanzig neue eiserne Bett⸗
stellen für unsere Zöglinge.
Indem wir hiemit allen, die unserer Anstalt in Liebe gedacht
haben, unsern herzlichsten Dank aussprechen, bitten wir zugleich,
der reiche Gott im Himmel sei ihnen ein reicher Vergelter, erhalte
in uns und in ihnen ein warmes Herz für unsere Anstalt und
lasse den hier ausgestreuten Samen seines Wortes auch in Zukunft
nicht leer zurückkommen, sondern thun, was ihm gefällt, und ge⸗
lingen, dazu er es sendet, zu seines heiligen Namens Ehre! Amen.
J. M. Gugel.
Zur kirchlichen Chronik.
America.
Die dreizehnte Convention der Walther⸗Liga fand inmitten der
St. Stephanus⸗Gemeinde zu Milwaukee, Wis., vom 16. bis 20. Juli
statt. P. B. Sievers hielt die Festpredigt im Eröffnungsgottesdienst
über die Worte 2 Cor. 5, 9.: „Darum fleißigen wir uns auch, wir
sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen.“ Fünf Sitzungen
wurden abgehalten. Die Hauptsache, welche besprochen wurde, war
die sogenannte Herbergsfrage oder: Was können und sollen wir thun,
damit so viele unserer jungen lutherischen Mitchristen, welche sich be⸗
sonders in den großen Städten niederlassen, unserer Kirche nicht ver⸗
loren gehen? P. K. Schlerf von Hillsdale, Mich., hatte die Thesen
vorbereitet, und P. Herzberger verbreitete sich in einer längeren Rede
über dieses Thema. Auch P. Her von Denver, Colo., war anwesend
und bat, daß man doch das dortige Sanitarium kräftig unterstützen
wolle. Die Liga erklärte sich bereit, möglichst bald Zelte dort auf⸗
stellen zu wollen. Bei dieser ganzen Erörterung der Herbergsfrage
wurde es klar, daß, wenn etwas Gründliches geschehen soll, die Vereine
in allen Städten und in allen Theilen unsers Landes sich betheiligen
missen. — Unsere Studentenkasse, welche es sich zur Aufgabe gemacht
hat, arme Studenten mit dem Nöthigen zu versorgen, wurde der Für⸗
sorge warm empfohlen, und Director Lücke von Fort Wayne, Ind.,
sprach sich in dankender und anerkennender Weise über die Unter⸗
stützung aus, welche er armen Studenten vermöge der Ligakasse zu⸗
weisen konnte. — Da die Walther⸗Liga seiner Zeit über 3400.00 für
das Lutherdenkmal in St. Louis beigesteuert hat, so bat Herr Günther,
daß man jetzt auch dazu helfen wolle, daß das Denkmal D. Walthers
bald errichtet werden könnte. Auf der Convention waren 85 Vereine
vertreten. F. A. Klein.
Eine vierte freie intersynodale Conferenz tagte vom 8. bis
10. August in Fort Wayne, Ind. Diese Conferenzen werden be⸗
kanntlich seit einigen Jahren abgehalten, um womöglich zwischen den
durch Lehrverschiedenheiten getrennten lutherischen Synoden unsers
Landes durch Lehrbesprechungen eine Lehreinigkeit herzustellen. Auf
diesen Conferenzen waren besonders Glieder unserer Synode, der
Wisconsin⸗ und der norwegischen Synode einerseits und der Ohio⸗
und Jowa⸗Synode andererseits zugegen; doch waren auch Glieder
anderer lutherischer Synoden erschienen. Die Versammlung in Fort
Wayne zählte etwa 200 Theilnehmer. P. H. Dörmann von Blue
Island,‚ Ill., führte den Vorsitz. Gegenstand der Besprechung sollten
sein die Schriftstellen, die unser Bekenntniß in der Concordienformel
zum Beweis für die Lehre von der Gnadenwahl anführt. Denn über
diese Lehre, ebenso wie über die Lehre von der Bekehrung, ist ja seit
25 Jahren der Hauptstreit zwischen den zur Synodalconferenz ver⸗
bundenen Synoden einerseits und den Synoden von Ohio und Jowa
andererseits. Doch kam man nicht über eine Besprechung der bekann⸗
ten Hauptstelle von der Gnadenwahl, Eph. 1, 3. ff., hinaus, da sich
die Debatte nicht ausschließlich auf diesen Spruch beschränken ließ,
sondern auch andere Lehrpunkte mit hereingezogen wurden. Eine
Einigkeit in der Lehre ist freilich auch auf dieser Conferenz nicht er⸗
zielt worden, vielmehr stellte es sich heraus, daß noch ganz dieselben
Lehrverschiedenheiten bestehen wie seit 25 Jahren. Doch wurde be⸗
schlossen, nächstes Jahr eine weitere freie Conferenz abzuhalten.
Ueber die Ausbreitung und den Stand der Sonntags⸗
schulen in unserm Lande und in der ganzen Welt gibt der neueste,
vor Kurzem veröffentlichte Bericht des Erziehungscommissärs unsers
Landes, der sich auf das Jahr 1903 bezieht, einigen Aufschluß.
Ihm zufolge gab es zur Zeit der letzten internationalen Sonntags⸗
schulversammlung in den Vereinigten Staaten 139,501 Sonntags⸗
schulen mit 1,417,580 Beamten und Lehrern und 11,474,441 Schü⸗
lern. (Seitdem hat wieder eine solche Versammlung getagt, nämlich
vor einigen Wochen in Toronto, Can., und die neuesten Angaben
sind: 155,007 Sonntagsschulen, 1,556,947 Beamte und Lehrer
und 12,076,232 Schüler.) In der ganzen Welt gab es damals
254,382 Sonntagsschulen mit 2,408,591 Beamten und Lehrern und
23,208,180 Schülern. Nach den Vereinigten Staaten folgt, was
die Zahl der Sonntagsschulen anlangt, England mit 43,632, dann
Canada mit 10,220, hierauf der Reihe nach Finnland, Australasien,
Deutschland, Schottland, Indien, Schweden, Africa, Irland, West⸗
indien, Holland, die Schweiz, Frankreich, die Fidschi⸗Inseln, welche
Länder zwischen 8000 und 1000 Sonntagsschulen zählen. So un⸗
genügend der nur einmal in der Woche ertheilte Religionsunterricht
ist, so erfreulich ist es doch auch, daß Millionen von Kindern wenig⸗
stens diesen Unterricht empfangen. L. F.
Ueber Bibellesen und sonstige Religionsübung in den öffent⸗
lichen Schulen unsers Landes enthält der obengenannte Bericht gleich⸗
falls eine Reihe statistischer Angaben. Vor etwa einem Jahre wurde
an die Schulsuperintendenten in mehr als 1000 Städten, die eine
Einwohnerzahl von 4000 und darüber haben, ein Fragebogen über
diesen Gegenstand gesandt. 1098 Antworten liefen ein, und diesen
zufolge findet an 830 Orten, also an mehr als drei Viertel der bericht⸗
erstattenden Orte, irgend eine religiöse Uebung statt, entweder Bibel⸗
lesen, oder Eröffnungs⸗ und Schlußgebet, oder Gesang religiöser
Lieder. Zugleich gibt der Bericht eine Uebersicht über die gesetzliche
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