Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 18 › Seite 281
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. August 1905, Seite 281
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 12 · Kirchengehen 5 · Verſuchung 10
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Wittenberg vom 1. Mai 1563 spricht er seine große Freude ber das
ihm beschiedene Leben, Lernen und Wirken in dieser Stadt folgender⸗
naßen aus: „Ich danke dem allmächtigen, wahrhaftigen und leben⸗
digen Gott, dem ewigen Vater unsers HErrn IEsu Christi, Schöpfer
und Erhalter aller Dinge, sammt seinem ewigen Sohn IEsu Christo
und dem Heiligen Geist für alle seine Wohlthaten, so er mir und den
Meinen mein ganzes Leben lang erzeiget und beweiset hat, sonderlich
für diese nachfolgenden Stücke: erstlich, daß er mich armen, elenden
Menschen vor 41 Jahren gen Wittenberg gebracht, daß ich daselbst in
Kirchen und Schulen diese großen, trefflichen, gelehrten und frommen
Männer gesehen und gehört habe, als unsern lieben Vater und Herrn
Doctor Martinum Lutherum seligen, den theuren Mann, Herrn
Philippum Melanchthon seligen, Doctor Johannem Bugenhagen,
item, Doctor Justum Jonam seligen, Doctor Caspar Creutziger seligen,
item, Georgium Majorem, Doctor Paulum Eberum, jetziger Zeit der
Kirche zu Wittenberg Pastorem, und andere mehr, welche ich alle nicht
allein gesehen und gehört habe, sondern auch unter und neben ihnen
allen im geistlichen Amt durch Gottes Gnade nach meinem geringen
Vermögen treulich gedient habe mit Predigen, Sacramentreichen,
Beichthören, Krankebesuchen, Gefangene zu trösten, also daß ich nun
der älteste Diener des heiligen Evangelii zu Wittenberg bin. Gott
sei Lob, der gebe mir fernerhin seine Gnade. Amen. Ich mag mich
auch dies dabei rühmen, Christo IEsu zu Lob und Ehren, der solches
alles selber gethan und ausgerichtet hat, daß alle Kranken, so ich be⸗
sucht habe diese 39 Jahre über, so viele ihrer entschlafen und ver⸗
schieden sind, seliglich in Christo entschlafen sind. Dazu alle Ge⸗
fangenen, die man allhie zu Wittenberg und anderswo gerichtet hat,
bei denen ich gewesen bin (deren sehr viele sind), daß derselben keiner
ein unchristlich Ende genommen, sondern alle wohl und christlich ge⸗
storben in rechtem Erkenntniß und Anrufung Christi und mit diesen
Worten ihren Geist aufgegeben: „O HErr IEsu Christe, in deine
Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, HErr, du treuer
Gott.““
Fröschel war weder durch hohe Gelehrsamkeit noch durch glänzende
reformatorische Thaten hervorragend. Sein Element war die pastorale
Praxis. Als Prediger zeichnete er sich durch Lehrhaftigkeit, Glaubens⸗
innigkeit und Verständlichkeit seiner Vorträge aus. Er starb nach
einer gesegneten Wirksamkeit am 20. December 1570.
Was das Kirchengehen hilft.
Ein Mann, der Gottes Wort verachtete, fragte einst ein armes
Weib, das gerade auf der Bleiche ihre Leinwand mit Wasser be⸗
sprengte: „Seid Ihr gestern wieder in der Kirche gewesen?!“ „Ja
freilich“, war die Antwort. „Was ist denn gepredigt worden?“ Die
gute Frau wußte nichts anzuführen und hatte nicht einmal den Text
behalten. „Da seht Ihr, was Euch das Kirchengehen hilft“, sagte
der Spötter; „Ihr vergeßt alles sofort wieder!“ „Ach Herr“, seufzte
die arme Frau, „ich habe mich auch schon darüber angeklagt. Aber
sehen Sie diese Leinwand auf dem Gras. Kaum habe ich das Wasser
darauf gesprengt, so trocknet es die Sonne wieder auf. Und doch
ist das Begießen nicht vergebens, sondern der Stoff wird immer weißer
davon. Damit tröste ich mich in meiner Einfalt. Kann ich gleich von
Gottes Wort nicht viel behalten, so wird doch mein Herz, das darnach
verlangt, nicht leer ausgehen und wird wie meine Leinwand, auch ohne
daß ich's merke, immer lichter werden.“ Hat sie nicht recht gehabt?
Freilich gibt es auch viele vergebliche Hörer, Jac. 1, 22. ff., und
nicht wenige, denen das Evangelium, das ein Geruch des Lebens zum
Leben sein sollte, ein Geruch des Todes zum Tode wird, 2 Cor. 2, 16.
Aber das ist ihre eigene Schuld.
Vom rechten Lesen der heiligen Schrift.
Wer die Schrift recht und nützlich lesen will, der sehe, daß er
Christum darinnen finde, so findet er gewißlich das ewige Leben.
Wiederum, wenn ich in der Schrift Mosen und die Propheten nicht
also studire und lerne, daß Christus um meines Heils willen vom
Himmel gestiegen, Mensch worden, gelitten, gestorben, begraben, auf⸗
erstanden, gen Himmel gefahren, daß ich durch ihn Versöhnung mit
Gott, Vergebung aller meiner Sünde, Gnade, Gerechtigkeit und das
ewige Leben habe, so hilft mein Lesen in der Schrift zur Seligkeit
lauter nichts. Ich kann wohl aus dem Lesen und Studiren der Schrift
ein gelehrter Mann werden und davon predigen; aber es hilft mir
doch alles nichts. Denn wenn ich den Christum nicht kenne noch
finde, so finde ich die Seligkeit und das ewige Leben nicht, ja ich finde
wohl den bittern Tod. Denn es ist beschlossen von unserm lieben
Gott, daß kein anderer Name den Menschen gegeben ist, dadurch sie
können selig werden, denn in dem Namen JEsu, Apost. 4, 12.
(Luther.)
Mir geht's viel zu gut.
Ein bekannter, nun verstorbener deutscher Pastor erzählt die
folgende einfache, aber sehr lehrreiche, beherzigenswerthe Geschichte:
Einst fragte ich eine liebe Bauersfrau in meiner ersten Gemeinde:
„Wie geht's Euch?“ Und sie hub an zu klagen über des Lebens Noth
und Mühe. Ich ließ sie klagen. Zum Schluß aber sagte ich: „Ja,
liebe Frau, da müssen wir nun schon den Katechismus mit einander
wiederholen. Ich will fragen, und Ihr müßt antworten, trotz Eurer
sechzig Jahre. 1. Wer bist du?“ „Ich bin ein Sünder.“ „2. Wo⸗
her weißt du das?“ „Aus den heiligen zehn Geboten, die hab ich
nicht gehalten.“ „3. Was hast du mit deinen Sünden bei Gott ver⸗
dient?“ „Seinen Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige
Verdammniß.“ „Ist das wahr, was Ihr da gesagt habt?“ „Ja,
Herr Pfarrer.“ „Und nun sehe ich doch: Ihr habt Euer täglich Brod,
dazu Kleider und Schuh, Haus und Hof, habt einen guten Mann und
gesunde Kinder, habt den HErrn IEsum zum Trost und den Heiligen
Geist zum Licht, habt die Kirche und die Bibel, habt Eure Taufe und
das Abendmahl, habt Vergebung der Sünden und die Aussicht ins
ewige Leben. Liebe Frau, ich will Euch etwas sagen: Euch geht's
viel zu gut.“ Damit ließ ich sie stehen und ging von dannen. Als
ich nach etlichen Wochen wieder am Hofe vorüberkam und die Frau
von ferne stehen sah, rief ich ihr zu: „Nun, Frau, wie geht's?“ und
mit strahlenden Augen und mit einem freundlichen Lächeln antwortete
sie zurück: „O Herr Pfarrer, mir geht's viel zu gut!“
Schutz gegen Verführung.
Ein Vater schrieb seinem Sohne, der durch ungläubigen Umgang
in Gefahr kam, folgende Worte: „Wenn ich unter Taschendiebe ge⸗
rathe, so weiß ich genau, was ich zu thun habe. Ich knöpfe meinen
Rock recht fest, halte auch meine Taschen recht fest zu und mache, daß
ich so bald als möglich aus ihrer Gesellschaft komme. Nun, lieber
Sohn, die Leute, von denen du schreibst, mögen so weit ehrliche und
anständige Leute sein, aber Taschendiebe sind sie doch, weil sie dir
das Beste und Köstlichste, deinen Glauben an deinen Gott und Hei⸗
land, zwar nicht aus der Tasche, aber, was noch schlimmer ist, aus
dem Herzen stehlen wollen. So mach's nun, wie ich gesagt habe:
Schließe dein Herz nach Möglichkeit vor ihnen zu, halte die Hand fest
auf den Schatz deines Glaubens, gehe in Gottes Wort und Gebet
deines Weges und sorge, daß du aus solcher Gesellschaft so schnell als
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