Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 22 › Seite 343

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Oktober 1905, Seite 343

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Luther 1

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daß in sterbenden Leuten solche natürliche Neigung und Liebe, so ein
Ehemann zu seinem Eheweib und die Eltern zu den Kindern haben,
am größten sei. Weil ich aber nun wieder gesund bin worden von
Gottes Gnaden, so hab ich mein Weib und Kinderlein desto lieber.

Keiner ist so geistlich, daß er solche angeborne natürliche Neigung und

die Liebe nicht fühlet; denn es ist ein groß Ding um das Bündniß
und die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib.

Luthers Lust, abzuscheiden. Ich weiß, daß ich nicht werde
lange leben, dazu so ist mein Kopf wie ein Messer, dem der Stahl ist
ganz und gar abgewetzt und eitel Eisen worden. Das Eisen schneidet
nimmer; also ist auch mein Kopf. Nun, lieber HErr, ich hoffe und
lasse mich gedünken, das Stündlein sei nicht weit! Zu Coburg ging
ich auch also um und suchte mir ein Oertlein, da man mich hin sollte
begraben, und in der Kapellen unter dem Kreuz gedachte ich, da würde
ich wohl liegen; jetzt aber fühle ich mich viel anders denn zu Coburg.
Gott helfe und gebe mir ein seliges, gnädiges Stündlein, ich begehre
nimmer zu leben!

Römische Verfolgungswuth.

Der lutherische Theologe D. Schlüsselburg, Pastor zu Antwerpen,
schreibt in seiner Postille am Sonntag Exaudi:

Was ich erzähle, können noch viele Personen bezeugen, die dabei
gewesen sind. Es war zu Antorf ein reicher, ansehnlicher und from⸗
mer Kaufmann Namens Gillius van der Banner. Der wurde mit
etlichen andern im Namen der christlichen Gemeinde abgeordnet, er⸗
fahrene, eifrige Männer aus Deutschland zu berufen, welche die Kirchen
reformiren und den papistischen Sauerteig ausfegen möchten. Wie
nun derselbige Mann wieder nach Hause kam und die Ketzermeister
solches erfahren, lassen sie ihn mit Gewalt des Nachts aus seinem
Hause holen und in das Gefängniß setzen. Am nächsten Morgen
kamen dann etliche Mönche und Meßpfaffen und fragten ihn, ob er
die lutherische Lehre verdammen und sich wieder zur römisch⸗katho⸗
lischen Kirche begeben wolle. Dabei bedrohten sie ihn, wo er sich
dessen weigern werde, so wollten sie ihm einen grausamen, schreck⸗
lichen Tod anlegen. Darauf antwortete der fromme, gottselige Mann:
„Ich halte in meinem Herzen die lutherische Lehre für die göttliche
Wahrheit, darum kann und will ich dieselbe nicht verdammen“, aber
ihre, nämlich die papistische Lehre, müsse er als Abgötterei nach
Gottes Wort verwerfen. Hierüber wurde der Ketzermeister zornig
und ließ ihm durch den Henker mit einer hölzernen Keule beide Schenkel
morsch entzweischlagen, vermeinend, durch solche Marter ihn von der
erkannten und bekannten Wahrheit abzuführen. Er blieb aber durch
Gottes Gnade beständig und sang mit lauter Stimme freudigen Her⸗

zens schöne, herrliche Psalmen, daß die Leute auf der Gasse solches

hören konnten. Des andern Tages kamen sie wieder und fragten
ihn, ob er sich nun bekehren wolle. Er antwortete hierauf: „Ich

danke Gott von Herzen, der mich bekehret hat. Wollet ihr nicht ewig

verloren sein, so möget ihr euch auch bekehren.“ Hierauf mußte ihm
der Henker mit der Keule beide Arme entzweischlagen. Dabei lobte
er Gott und war fröhlich. Hierauf gingen sie wieder weg und ge⸗
boten den Dienern, ihm keine Speise und Trank mehr zu reichen.
Den dritten Tag kamen sie wieder und ermahnten ihn zur Buße und
Widerruf. Er aber blieb beständig, wie vorher. Da ließen sie ihm
den Rücken und die Rippen im Leibe mit der Keule zerknirschen und
zerschlagen. Endlich am vierten Tage, weil er wie ein Fels auf sei⸗
nem Bekenntniß ganz unbeweglich bestand, mußte ihm der Henker
Haut und Haar mit einem Schermesser von dem Kopf schinden und

abreißen und darauf heißes Blei in den Hals schütten, worüber er
endlich selig seinen Geist aufgab.

Widrige Winde und die Führung des HErrn.

Es war im Jahre 678 nach Christi Geburt, da mußte der Erz⸗
bischof Wilfrid aus York in England fliehen. Er wollte nach Rom,
um bei dem Pabste Schutz und Beistand zu suchen. Widrige Winde
trieben ihn an die friesische Küste. Dort mußte er landen und wurde
von dem friesischen Könige Aldgild gastfreundlich aufgenommen. Da
er nicht weiterkommen konnte, blieb er den Winter über bei ihm. In⸗
zwischen hatten, wie man vermuthen muß, seine Feinde in England
die Franken gegen ihn aufgehetzt, und Ebroin, der fränkische Major⸗
domus oder Reichskanzler, schickte eine Gesandtschaft an den friesischen
Hof, welche Wilfrids Auslieferung oder seinen Tod verlangte. König
Aldgild aber, der die Franken haßte und das Gastrecht ehrte, schleu⸗
derte beim Gastmahl das Schreiben Ebroins vor aller Augen ins
Feuer und behielt Wilfrid in seinem Schutz, ließ ihn auch, obwohl
er noch Heide war, solange er bei ihm blieb, predigen und taufen.
Viele sollen sich damals im westlichen Friesland bekehrt haben. Als
Wilfrid nach York zurückgekehrt war und wieder auf seinem erzbischöf⸗
lichen Stuhle saß, hat er jener Gnadenführung Gottes nicht vergessen
und hat offenbar das Missionsinteresse für Friesland entzündet. So
war auch Willibrord, den man mit Recht den Apostel der Friesen
nennt, sein Schüler, und in späteren Jahren hat auch er selber noch
einmal die Stätten jener zwar nur kurzen, aber gesegneten Wirksam⸗
keit besucht. Das war der erste Anfang der Friesenmission.

Von einem, der nur glauben wollte, was er sah.

In einer religiösen Versammlung, in welcher viele Ungläubige
anwesend waren, rief jemand aus der Menge: „Ist mir ein Wort
erlaubt?“ Nachdem ihm sein Wunsch gewährt worden war, drängte
er sich durch die Menge und begann: „Meine Freunde, ich glaube
nicht an die Hölle, ich glaube nicht an ein ewiges Gericht, ich glaube
nicht an einen Gott; denn ich habe nie irgend etwas davon gesehen.“
So fuhr er eine Zeitlang fort, bis sich eine andere Stimme aus der
Menge zum Worte meldete. Der Ungläubige setzte sich, und der
andere begann: „Meine Freunde, ihr sagt, es gäbe hier in der Nähe
einen Fluß; das ist nicht wahr, es gibt keinen Fluß. Ihr sagt mir,
es gäbe Gras und Bäume um mich her; das ist nicht wahr, es gibt
weder Gras noch Bäume. Ihr sagt mir, daß hier eine große Menschen⸗
menge versammelt sei; ich sage wieder, das ist nicht wahr, es ist nie⸗
mand weiter hier als ich. Vielleicht wundert ihr euch, wo ich mit
meiner Rede hinaus will, darum will ich es euch sagen, meine
Freunde. Ich bin von Geburt blind, ich habe nie weder jemand von
euch noch etwas von den Dingen gesehen, die nach eurer Aussage um
mich her sein sollen; aber wenn ich deren Dasein leugne, so offenbart
das nur, daß ich eben blind bin; deshalb seid ihr und die Dinge, die
ich nie sah, doch vorhanden. Und wenn dieser Ungläubige religiöse
Dinge leugnet, so offenbart das nur, daß er geistlich blind ist, aber
mehr beweist es nicht. Freunde, studirt das Leben IEsu, und ihr
findet Leben, Licht und wahre Freude.“

Luther über die Versorgung der Prediger und Lehrer.

„Als sollte St. Paulus sagen: Sehet zu, daß ihr die Lehrer
und Prediger in Ehren habet, dankbar seid, auf daß sie des Wortes
warten mögen und auch reichlich dargeben. . .. Aber die überdrüssigen,
faulen Geister werden es bald müde und lassen die Prediger dann
gehen, wie sie gehen. So müssen dieselben denn sich selbst nähren
und arbeiten; damit bleibt denn Gottes Wort nach und wird dunn

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