Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 15 › Seite 233
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Juli 1908, Seite 233
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Werke 20 · Paſtor 5
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denen, dir auf Erden sißen
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seines Gerichtis ist kommen,
undbetel an den, der gemacht
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Mer, und die Wasser⸗
brunnen. Ofsb. Joh. 14, 6.7.
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Herausgegeben von der Zeutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
64. Jahrgang.
Ein köstliches Werk.
Das ist je gewißlich wahr, so jemand ein
Bischofsamt begehret, der begehret ein
köstlich Werk. 1 Tim. 3, 1.
Wer will oder kann alle Ehre und Tugend erzählen eines
rechten, treuen Pfarrherrn, so er vor Gott hat? Es ist ja kein
teurer Schatz noch edler Ding auf Erden und in diesem Leben
denn ein rechter, treuer Pfarrherr oder Prediger. Denn rechne
du selbst, was Nutzens das liebe Predigtamt und die liebe Seel⸗
sorge schafft, dieselbige schafft gewißlich auch dein Sohn, der
solch Amt treulich führt; als, daß so viele Seelen täglich durch
ihn gelehrt, bekehrt, getauft und zu Christo gebracht und selig
gemacht werden und von Sünden, Tod, Hölle und Teufel er⸗
löst, zur ewigen Gerechtigkeit, zum ewigen Leben und Himmel
durch ihn kommen, daß wohl Daniel Kap. 12, 3 sagt, daß die,
so andere lehren, sollen leuchten wie der Himmel, und die, so
viel zur Gerechtigkeit weisen, sollen sein wie die Sterne in
Ebwigkeit. Denn weil Gottes Wort und Amt, wo es recht geht,
muß ohne Unterlaß große Dinge tun und eitel Wunderwerke
treiben, so muß dein Sohn auch ohne Unterlaß große und eitel
Wunder tun vor Gott, als Tote auferwecken, Teufel austreiben,
Blinde sehend, Taube hörend, Aussätzige rein, Stumme redend,
Lahme gehend machen, ob's nicht leiblich geschieht, so geschieht's
doch geistlich in der Seele, daß es viel größer ist, wie Christus
spricht Joh. 14, 12: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke
tun, die ich tue, und noch größere Werke tun.“
Wenn du gewiß wärest, daß dein Sohn dieser Werke eins
an einem einzigen Menschen sollte tun, nämlich daß er nur
einen Blinden sollte sehend machen, einen Toten aufer⸗
wecken, eine Seele dem Teufel nehmen, einen Menschen
aus der Hölle erretten, oder welches der eines wäre, solltest du
x nicht billig mit allen Freuden dein Gut daran wagen, daß er
zu solchem Amt und Werke möchte erzogen werden, und vor
großen Freuden springen, daß du mit deinem Gelde vor Gott
so ein groß Ding hättest gestiftet? Denn was sind alle Stifte
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St. Louis, Mo., den 28. Zuli 1908.
No. 15.
und Klöster, wie sie jetzt sind und im Brauch gehen, mit ihren
eigenen Werken gegen einen solchen Pfarrherrn, Prediger oder
Schulmeister?
Nun siehe, dein Sohn tut solcher Werke nicht eines allein,
sondern viele, ja allesamt, dazu täglich; und was das allerbeste
ist, vor Gott tut er sie; derselbige sieht sie dafür an und hält
sie so teuer und hoch, wie gesagt ist, ob's gleich die Menschen
nicht erkennen noch achten; ja, wenn ihn die Welt gleich einen
Ketzer, Verführer, Lügner, Aufrührer schilt, das ist so viel desto
besser und ein gut Zeichen, daß er ein rechtschaffener Mann ist
und seinem HErrn Christo ähnlich. Mußte doch Christus selbst
auch ein Aufrührer, Mörder, Verführer sein und also mit den
Mördern gerichtet und gekreuzigt werden. Was läge mir
daran, wenn ich ein Prediger wäre, daß mich die Welt einen
Teufel hieße, wenn ich weiß, daß mich Gott seinen Engel heißt?
Die Welt heiße mich einen Verführer, wie lange sie will, indes
heißt mich Gott seinen treuen Diener und Hausknecht, die Engel
heißen mich ihren Gesellen, die Heiligen heißen mich ihren
Bruder, die Gläubigen heißen mich ihren Vater, die elenden
Seelen heißen mich ihren Heiland, die Unwissenden heißen mich
ihr Licht, und Gott spricht Ja dazu, es sei also; die Engel auch
samt allen Kreaturen.
Das ist nun gesagt von den Werken und Wundern, die
dein Sohn tut gegen die Seelen, von Sünden, Tod und Teufel
zu helfen. Über das tut er auch gegenüber der Welt eitel große,
mächtige Werke, nämlich daß er alle Stände berichtet und unter⸗
weiset, wie sie äußerlich in ihren Amtern und Ständen sich
halten sollen, damit sie vor Gott recht tun; kann die Betrübten
trösten, Rat geben, böse Sachen schlichten, irrige Gewissen ent⸗
richten, Friede helfen erhalten, versöhnen, vertragen, und der
Werke ohne Zahl viel und täglich. Denn ein Prediger be⸗
stätigt, stärket und hilft erhalten alle Obrigkeit, allen zeitlichen
Frieden, steuert den Aufrührerischen, lehret Gehorsam, Sitten,
Zucht und Ehre, unterrichtet Vateramt, Mutteramt, Kinder⸗
amt, Knechtamt und Summa, alle weltlichen Amter und
Stände.
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