Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 15 › Seite 241

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Juli 1908, Seite 241

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Schrift 1

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nichts. Denn je reichlicher er gab, um so reicher ist er geworden.
Wiederum ist es eine Gottesverheißung, die sich fort und fort er⸗
füllt, wie sie der letzte Prophet des Alten Bundes den Israeliten
ans Herz gelegt hat: „Bringet die Zehnten ganz in mein Korn⸗
haus, auf daß in meinem Hause Speise sei; und prüfet mich hier⸗
innen, spricht der HErr der Heerscharen, ob ich euch nicht des Him⸗
mels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle“,
Mal. 3, 10.
Lieber Leser, steht in deinem Hauptbuch der Segnungen Got⸗
tes auch ein „Konto des alten Patriarchen Jakob“?
Und hierzu eine kleine, wahre Geschichte:

dienste aus der Kirche. Der alte Magister Weibezahn aus Osna⸗
brück, ein Freund und Beförderer der Mission unter den Heiden,
hatte über den Einzug IEsu in Jerusalem gepredigt und unter
anderm auch gesagt, wie glücklich doch der Besitzer der Eselin und
des Füllens gewesen sein müsse, weil er sie dem Heiland hätte zum
Dienst geben dürfen. Unser Bäuerlein hatte auch ein Pferd im
Stalle stehen und dachte bei sich: „Ja, das ist wahr, wenn unser

SeErr JIEsus noch auf Erden wandelte, mit welcher Freude würde

iin meiner schwierigen Lage einen Fingerzeig geben können?
geht er zu seinem Pastor, sagt ihm aber nichts von seinem Ge⸗

ich ihm mein Rößlein zum Dienste geben!“ Beim Ausgang aus
der Kirche will er gerade seine Kupfermünze in das Becken zur
Kollekte werfen. — Es ist merkwürdig, mit welcher Zähigkeit die
Leute noch am alten Kirchenpfennig hangen; es sieht manchmal
beinahe so aus, als ob einige Christen es für unrecht hielten, Sil⸗
ber in den Klingelbeutel und in die Opferteller zu tun.

Doch nun zurück zu unserm westfälischen Bauersmann, der
gerade eine Kupfermünze in der Hand hat, um sie in das Kol⸗
lektenbecken zu werfen. Da sieht er auf der Münze — sie war
braunschweigisch — ein springendes Pferd geprägt, und der Ge⸗
danke zuckt ihm durch den Sinn: „Alle Rößlein, die in meine
Tasche springen, will ich meinem Heiland zum Dienste geben und
der Mission opfern.“ Gedacht, getan. Von dem Tage an gibt

er alle Kupfermünzen mit einem Pferde darauf willig der Mission,
obwohl es ihm vorkommt, daß er in seinem Leben noch nie so viele
kupferne Pferdlein in der Hand gehabt habe; ja als er bald darauf
entdeckt, daß es auch silberne Münzen mit gleichem Gepräge gibt,
wird er doch in seinem Vorsatz nicht wankend, sondern gibt auch
alle die Silberrößlein, um das Evangelium in die weite Welt zu
tragen. So gehen sechs oder sieben Monate ins Land; da treibt
er ein Schwein zur Stadt und verkauft es dort für ein gutes Stück
Geld. Der Metzger gibt ihm unter anderm auch ein Goldstück
dafür, das den Bauer freundlich anlacht; und gerade will er es
auch freundlich anlachen, da, o Schrecken! sieht er auf dem Gold⸗
stück ein springendes Pferd, dessen Miene offenbar nichts von dem
Entsetzen verrät, das es dem Bäuerlein eingeflößt hat. Ein gol⸗
denes Pferd dem HErrn zu opfern, das ist zu viel. Hatte er doch
auch, als er sein Versprechen gab, nicht die leiseste Ahnung, daß
es solche Goldmünzen gebe. Er steckt es in die Tasche, aber sein
Gewissen läßt ihm keine Ruhe; er kriegt es heraus, er besieht es,
er wägt es in der Hand, aber das Rößlein bleibt darauf. Doch
da sieht er zwei Wörtlein darunter geschrieben: „Nunquam re⸗
trorsum“, liest er und ist so klug wie zuvor, denn Latein hat er
nicht gelernt. Aber er denkt, wer weiß, ob mir nicht diese Worte
So

wissensbedenken, sondern bittet ihn nur, er möge ihm die beiden
Wörtlein deuten, welche unter dem Rosse stehen. „Das ist leicht,
guter Freund“, sagte der Pastor. „Nunquam retrorsum heißt:
Niemals rückwärts.“ Mein Bauersmann steht und denkt: Das
paßt wahrlich für deinen Fall und ist eine sichere Entscheidung.
Hast du einmal angefangen mit den Kupferpferdlein und dann
mit den silbernen fortgefahren, so sollst du auch nun um des gol⸗
denen willen dein Versprechen nicht zurücknehmen. „Niemals
rückwärts!“ und so überliefert er dies Goldstück der Mission.

Einst ging ein Bäuerlein am Palmsonntag nach dem Gottes⸗

Die Heilige Schrist.

Der hervorragende Geschichtschreiber und scharfe Kritiker
Wolfgang Menzel sagt in seiner „Kritik des modernen Zeitbewußt⸗
seins“ über die Bibel folgende Worte: „Es ist das Buch der
Bücher, die Quelle des ewigen Lebens, des Trostes und der Stär⸗
kung für alle Unglücklichen und Angefochtenen, ein Schild und eine
Waffe der Unschuld, ein Erwecker der geistig Schlafenden, ein Füh⸗
rer aus dem Labyrinth der Sünde, ein schreckliches Gericht endlich
denen, die in der Sünde beharren; ein Buch, dem keins auf Erden
gleich ist, dessen Inhalt wie der Blick Gottes selbst so tief in jede
Seele dringt, das so durch und durch wahr ist, weiser als alle Ge⸗
setzbücher, reicher als alle Lehrbücher, schöner als alle Dichtungen
der Welt, mehr zum Herzen dringend als Mutterrede und doch
wieder von solcher Geistestiefe, daß auch der Klügste es nicht er⸗
schöpft, zugänglich den Einfältigsten und auch den Gebildetsten
noch erhebend, noch läuternd, ein überirdisch Licht, von mehr als
Sonnenglut durchflammt, ein Anhauch des Ewigen, der dem Glück⸗
lichen mitten in süßer Erdenlust ein tiefes Heimweh weckt und den
Leidenden in der bittersten Erdennot mit unaussprechlicher Wonne
durchdringt, das Wort von jenseits, vor dem Belsazer zusammen⸗
bebte und vor dem Saulus verstummte und erblindete, das Wort,
das da bindet und löst, tötet und lebendig macht.“

Frage: Kann jemand solch ein hohes, herrliches Lob der
Bibel anstimmen oder darin einstimmen, ohne zu glauben und zu
bekennen, daß die Bibel wirklich Gottes Wort ist? Vergleiche
Ps. 45, 2: „Meine Zunge ist ein Griffel eines guten Schreibers“
und 2 Sam. 23, 2: „Der Geist des HErrn hat durch mich ge⸗
redet, und seine Rede ist durch meine Zunge geschehen.“

Domini sumus.

Es war an einem finstern Abend. Die Wasser der Elbe
waren hoch angeschwollen und über ihre Ufer getreten. Da stehen
Luther und Melanchthon vor den stark rauschenden Wassern. Sie
wollen hinüber nach Wittenberg. Aber wie ist das möglich? Wer⸗
den sie auf dem schwachen, schwankenden Kahn das jenfeitige Ufer
erreichen können? Schon schickt sich Luther an, das gebrechliche
Fahrzeug zu betreten. Melanchthon aber mahnt ernstlich ab:
„Steige nicht ein, Martin, die Sternenläufte sind wider uns.“
Martinus aber zieht den widerstrebenden, zagenden Freund mit
starker Hand nach sich. „Domini sumus“, ruft er ihm zu, das
heißt, „wir sind des HErrn, darum sind wir auch die Herren, Her⸗
ren auch über die Sterne.“

Vor Luthers Seele stand das herrliche Apostelwort Röm. 14,
7—9: „Unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber.
Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir
dem HErrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des
HErrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden
und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige
HErr sei.“

Domini sumus heißt es in der lateinischen Bibel. Dies
Wort aber bedeutet beides: „Wir sind des HErrn“ und: „Wir
sind die Herren.“ Und beides ist richtig; eins geht aus dem
andern hervor.

Blumen auf dem Lebensweg.

Ein bekannter Schriftsteller sagte einmal: „Wenn wir eben⸗
soviel Blumen auf den Lebensweg unserer Lieben streuten, als wir
auf ihren Särgen auftürmen, wie glücklich würden wir sie machen,
und wieviel bittere Vorwürfe würden wir uns nach ihrem Ab⸗
schiede ersparen!“ Ja, was wir versäumt haben an den Leben⸗

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