Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 15 › Seite 242
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Juli 1908, Seite 242
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Regiſter
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Ver V.TutheranesSe
den, das können wir nie mehr einholen, dafür können wir nur Ver⸗
gebung suchen bei dem HErrn, der auch diese Sünde für uns
gebüßt und getragen hat. Um so mehr aber müssen wir Liebe
gegen die noch Lebenden zu üben uns befleißigen. Denn die
Stimme dessen, der uns geliebt hat bis in den Tod, ruft uns zu:
„Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet,
wie ich euch geliebt habe.“ Weißt du denn, wie lange du noch
Liebe säen, wie lange du noch die Deinen lieben kannst? Wie bald
können sie dich allein lassen! Willst du dann an ihren Gräbern
stehen mit dem Stachel im Gewissen: „Ich habe sie nicht genug
geliebt; ich habe mich oft kalt und rauh, mürrisch, ja gefühllos
und hart gegen sie benommen“? Wenn doher eine Regung des
Unwillens gegen eins der Deinen in dir aufsteigen, wenn deine
Stirn sich in Falten ziehen und dein Mund sich anschicken will, ein
verletzendes Wort zu sagen, so denke: „Das Auge, in das ich jetzt
noch blicke, kann bald brechen; darum will ich Liebe üben, solange
es mich noch anblickt.“
Unsere frommen Voreltern.
Unsere Väter waren fromme Leute, und ihre Gottesfurcht
ging über in Sprache, Sitte und Gebrauch. Wenn sie jemand
grüßten, so sagten sie: „Gott grüße dich!“ Fingen sie etwas an,
so sagten sie: „Mit Gott!“ Gedachten sie in Zukunft etwas zu
tun, so sprachen sie: „Will's Gott!“ Nahmen sie Abschied von
andern, so hieß es: „Behüt' euch Gott!“ Hatten sie etwas aus⸗
gerichtet, so war es nur mit Gottes Hilfe geschehen, und hatten sie
eine Wohltat empfangen, so hieß es: „Vergelt's Gott!“ Sie
aßen und tranken nicht, ohne IEsum zu Gaste zu laden und zu
bitten: „Komm, HErr JEsu, sei unser Gast!“ Sie schliefen
nicht ein ohne den Abendseufzer: „Das walte Gott Vater, Sohn
und Heiliger Geist!“ und am Morgen begannen sie:
All, was mein Tun und Anfang ist,
Das g'scheh' im Namen JEsu Christ.
So war ihr ganzes Leben ein Gottesdienst. O daß wir unsern
frommen Vätern recht ähnlich würden!
—
Gute Arznei.
In dem berühmten Kurort Gastein wurde einmal der Gene⸗
ralarzt Dr. von Lauer von einem von Schlaflosigkeit heimgesuchten
weiblichen Kurgast um Rat gefragt. Lauer erkannte bald, daß
der Kranken mit einem gewöhnlichen Schlafmittel nicht geholfen
war. Er erklärte ihr: „Sie können nicht schlafen, weil Ihre Ge⸗
danken Sie nicht schlafen lassen, die summen Ihnen durch den Kopf
wie Insekten. Daher müssen Sie Ihre Gedanken zusammenneh⸗
men. Lesen Sie, ehe Sie zu Bett gehen, — und zwar zwei Stun⸗
den vor Mitternacht — ein Kapitel im Neuen Testament still und
aufmerksam, und dann beten Sie ein Vaterunser und machen die
Augen zu, dann werden Sie schlafen können. Sehen Sie, hier in
den Bergen suchen die Kräutersammler die heilkräftigsten Kräuter
um Mitternacht und graben nach den Wurzeln, weil da der Saft
hinabsteigt und somit die Wurzeln am vollsten sind. So muß der
Mensch vor dem Schlafengehen seine Lebenskräfte in der Wurzel
seines Daseins sammeln, und diese ist nirgends anders als in Gott
und seinem Worte.“
Gott braucht jeden.
Denke nur nicht, daß du auf Erden im Reiche Gottes über⸗
flüssig seiest. Der HErr hat eine Stelle, eine Arbeit auch für dich.
Wenn du nichts anderes tun könntest, so kannst du danken, ihn
loben, und das ist auch ein Werk. Von einem berühmten Musiker,
der ein großes Orchester leitete, wird folgendes erzählt: Er hielt
eines Tages eine große Probe mit vielen Instrumenten und Hun⸗
derten von Stimmen ab. Als an einer Stelle der Chor mit Macht
sang, vom Brausen der Orgel begleitet, und Trommeln, Hörner
und Trompeten mit vollem Ton einsetzten, meinte ein Mann, der
oben in der Ecke die Flöte spielte: „In diesem Getöse ist es gleich⸗
gültig, was ich tue“, und hörte darum auf zu flöten. In dem⸗
selben Augenblick gebot der Leiter Schweigen und rief mit lauter
Stimme: „Wo bleibt die Flöte?“ Das Ohr des Künstlers ver⸗
mißte sogleich den fehlenden Ton, und das Musikstück war unvoll⸗
kommen, weil ein Instrument nicht seinen Platz ausfüllte.
Du bist vielleicht gering, unbekannt und verborgen, und doch
verlangt Gott nach deinem Lobgesang. Er hört auf deine Stimme,
und die Musik in seinem großen Reich klingt voller und lieblicher,
weil du ihm deinen Dank bringst. „Lobe den HErrn, meine
Seele!“ Psalm 103.
Nichts ist leichter als Tadeln.
Weder Talent, noch Selbstverleugnung, noch Verstand, noch
andere Tüchtigkeit ist zum Tadeln nötig. Wer aber wirklich den
ernsten und aufrichtigen Wunsch hegt, die Wohlfahrt der Gemeinde
zu befördern, der hat nur wenig Zeit zum Murren und Grollen,
zum Klagen und Tadeln.
*
—
Ordinationen und Einführungen.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden ordiniert
und eingeführt:
Am 3., 5. und 8. Juli: Kand. A d. Schwidder in den Gemeinden
zu North Bay, Cobalt, Haileyburg und Krügerdorf, Ont., Kan., von
P. J. Neeb.
Am 4. Sonnt. n. Trin.: Kand. Tr. Häßler in der Gemeinde zu
Holstein, Nebr., von P. M. Niermann. — Kand. R. Rubel als Missio⸗
nar und Hilfsprediger an der Emmausgemeinde zu Milwaukee, Wis., unter
Assistenz P. Eißfeldts und Prof. Ross' von P. J. F. Rubel.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden eingeführt:
Am Pfingstmontag: P. P. G. Schmidt in der Gemeinde bei Sher⸗
wood, O., von P. E. Herzberg.
Am 1. Sonnt. n. Trin.: P. H. Förster in der Gemeinde zu Ander⸗
son, Tex., von P. G. C. Albers.
Am 2. Sonnt. n. Trin.: P. J. H. Meyer in den Gemeinden zu
Ridgeville Corners und Archbold, O., unter Assistenz P. Fischers von P. Fr.
Reinking. —
Am 3. Sonnt. n. Trin.: P. A. L. Otjen in der Bethlehemsgemeinde
zu St. Paul, Minn., von Dir. Th. Bünger.
Am 4. Sonnt. n. Trin.: P. W. Richter in der Gemeinde zu Jeffer⸗
son City, Mo., von P. F. W. Müller. — P. F. W. Wenzel in der Pa⸗
rochie Center⸗Hanover, Wis., von P. C. J. Körner. — P. W. Schreiber
zu Eureka, Cal., von P. F. Schlottmann.
Als Lehrer an Gemeindeschulen wurden eingeführt:
Am 3. Sonnt. n. Trin.: Lehrer R. J. List als Oberlehrer an der
Schule der St. Markusgemeinde zu Chicago, Ill., von P. Th. Kohn.
Am 4. Sonnt. n. Trin.: Lehrer K. H. Flöring als Lehrer an der
ersten Klasse der Schule der St. Johannesgemeinde zu Decatur, Ill., von
P. W. Heyne.
Grundsteinlegungen.
Am 3. Sonnt. n. Trin. legte die St. Martinigemeinde zu Usher,
Kans. (P. C. Demetrio), den Grundstein zu ihrer neuen Kirche. — Am
4. Sonnt. n. Trin. legte die St. Johannesgemeinde in To wn Wien,
Wis., den Grundstein zu ihrer neuen Kirche. Prediger: PP. Möcker und
Jos. OSsch. — Am 4. Sonnt. n. Trin. legte die Immanuelsgemeinde bei
Aurorahville, Wis., den Grundstein zu ihrer neuen Kirche. Pre⸗
diger; PP. R. Kretzmann und Krüger.
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