Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 15 › Seite 239
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Juli 1908, Seite 239
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule 8 · Staatsſchule
SVer V„Tutheranse
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den, die Behauptung, daß man das Alte Testament ohne das
Studium eines alten Religionsbuches der Agypter nicht recht ver⸗
stehen könne, ferner, daß der Prophet Jesaias und der englische
Dichter Shakespeare in gleicher Weise inspiriert seien. Durch
solche Behaͤuptungen könne nur das göttliche Ansehen der Heiligen
Schrift bei den Schülern zerstört werden. Das ist sehr richtig.
Aber die vorgeschlagene Abhilfe genügt nicht. Das Blatt schreibt
nämlich: „Es ist in erhöhtem Maße notwendig, auf die Textbücher
ein wachsames Auge zu haben, damit nicht Unglaube in unsere
Familien eingeschmuggelt werde.“ Können Christen sich wirklich
der Hoffnung hingeben, daß sie mit Ungläubigen zusammen unan⸗
istößige Lehrbücher für die public schools herstellen können? Und
den Fall angenommen, daß man einigermaßen unanstößige „text⸗
books“' herstellen könnte, wie kann man die Lehrer kontrollieren?
Von den Lehrern bemerkt dasselbe Blatt ganz mit Recht, daß sie,
was den Glauben oder vielmehr den Unglauben betrifft, in
manchen Teilen des Landes gerade so schlecht seien wie die Lehr⸗
bücher. Warum auf allerlei unmögliche Abhilfen sinnen, da doch
das Gute so nahe liegt! Für Christenkinder richtet man christliche
Schulen ein. Die einzige gründliche Abhilfe ist die christliche Ge⸗
meindeschule, in der wir Lehrer und Lehrbücher vollständig kon⸗
trollieren können. F. P.
In Asheville, N. C., dem bekannten Luftkurort für Lungen⸗
leidende, wurde vor vier Jahren die Missionsarbeit von der Eng⸗
lischen Synode von Missouri angefangen. Nachdem Prof. H. B.
Hemmeter von Conover aus ein Jahr lang dort missioniert hatte,
bildete sich ein Gemeindlein, und der jetzige Pastor, E. T. Coyner,
wurde als Missionar berufen. Ein Kirchgebäude gab es nicht,
sondern die Gottesdienste mußten im dritten Stockwerk einer
Logenhalle abgehalten werden. Die Pastoralkonferenz von Cono⸗
ber und Umgegend kam bald zu der überzeugung, daß eine Kirche
für das Gedeihen der Mission nötig sei. Eine solche zu bauen
waren aber die wenigen Leute in Asheville nicht imstande, und da
ja Besucher und Lungenleidende aus allen Teilen der Synodal⸗
konferenz sich auf längere oder kürzere Zeit hier aufhalten, faßte
man den Beschluß, durch den „Lutheraner“ eine Bitte um Hilfe
an unsere Brüder in der Nähe und Ferne ergehen zu lassen. Die
Bitte schlug nicht fehl. Etwa §81500.00 wurden von den ver⸗
schiedenen Gemeinden beigesteuert, und außerdem haben noch zwei
Personen besondere Opfer dargebracht. Somit konnte die Ge⸗
meinde ans Bauen denken. Auf einem sehr schönen Grundstück
steht nun ein nettes Kirchlein. Es ist aus Backsteinen erbaut und
bietet Sitzplätze für 250 Zuhörer. Der Wert des Eigentums ifst
54200.00 und die Schuld beträgt nur noch 81200.00. Am 23.
und 24. Juni fand die feierliche Einweihung statt. Am Dienstag⸗
abend versammelte sich die frohlockende Gemeinde, um dem Worte
Gottes zu lauschen. Prof. G. A. Romoser richtete zuerst Worte
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der Ermunterung an die Versammlung und sodann vollzog der
Ortspastor den Weiheakt. Die Hauptpredigt hielt P. G. E. Long
über Luk. 11, 28. Um der Deutschen willen, die zugegen waren,
hielt der Unterzeichnete schließlich noch eine kurze deutsche An⸗
sprache. Am Mittwoch wurde ein Missionsgottesdienst abgehal⸗
ten, verbunden mit der Feier des heiligen Abendmahls. Prof. G.
Lücke hielt die Mifsionspredigt. Wie freut sich die kleine Ge⸗
meinde, daß sie nun ihr eigenes Gotteshaus besitzt. Es steht zu
hoffen, daß sie nun auch etwas schneller wachsen wird. Wer aus
unsern Kreisen nach Asfheville kommt, sollte es nicht versäumen,
der dortigen Mission einen Besuch abzustatten, und es wäre zu
woünschen, daß unsere Pastoren ihre Glieder darauf aufmerksam
machten, falls solche sich in Asheville aufzuhalten gedenken. Wir
alle haben hohe Ursache, Gott zu danken, daß er uns diesen Segen
beschert hat, eine Stätte, wo sein reines Wort verkündigt wird.
Für den Südosten unsers Landes 22 das von nicht zu unter⸗
tender Bedeutung. C. A. Weiß.
Ausland.
Bei dem Jahresfest der Leipziger Mission, das altem Brauche
gemäß am Mittwoch nach Pfingsten unter reger Beteiligung abge⸗
halten wurde, redete der Missionsdirektor v. Schwartz in seinem
Jahresbericht auch Worte über die Mission unter den Negern in
Afrika und über die Gleichgültigkeit und Feindschaft vieler gegen
diese Mission. Seine Worte lassen sich sehr wohl auf die Mission
unter den Negern in Amerika anwenden. Er sagte unter anderm:
„Die Tatsache, daß die schwarze Rasse hinter uns Weißen an gei⸗
stiger Begabung und Herzensbildung zurücksteht, wird uns, die
wir an ihnen Mission treiben, in den Parlamenten und in der
Presse in einer Weise entgegengehalten, als bildete man sich ein,
wir wären so töricht, sie zu verkennen, und als müßten wir auf⸗
hören, Mission zu treiben, sobald man uns endlich zu dieser Ein⸗
sicht gebracht habe. Daß die Schwarzen tief stehen, daß in ihren
Ländern eine Fülle von Schandtaten, Roheiten, Grausamkeiten
passiert, ist leider nur zu wahr. Und wie wollten wir uns freuen,
wenn die Reisenden, die Forscher, die Ansiedler, die dergleichen er⸗
leben, davon berichteten mit der Mahnung: „Wie not tut es, daß
auf diesem Herzensacker, der so verwildert ist und der so greuliches
Unkraut trägt, guter Same gesät werde! Helft, helft mit allen
Kräften der Mission, die mit großer Geduld diese verwilderten
Heiden allmählich zu Christenleuten erziehen will, zu Menschen,
die etwas Höheres kennen als Tanz und Trinkgelage, Faulenzen
und Zuchtlosigkeit!“ So sollte man es doch eigentlich von christ⸗
lichen Ansiedlern und Reisenden erwarten. Aber leider erleben
wir nur zu oft das Gegenteil! Mit pharisäischem Sinne wird die
„Negerseele“ als ein Ausbund von Beschränktheit und Verworfen⸗
heit dargestellt, die wie ein wildes Tier mit der Knute im Zaume
gehalten werden müsse, deren Erziehung durch die Mission ein ganz
hoffnungsloses Unternehmen sei. Wenn man nach dieser Methode
verfahren wollte, brauchte man nur die Gerichtsverhandlungen und
Polizeiberichte eines Tages zu sammeln, um eine Charakteristik
der Kaukasierseele oder auch der deutschen Seele zustande zu brin⸗
gen, vor der uns grauen würde. Und doch sind wir seit mehr als
tausend Jahren ein christliches Volk! Und doch haben alle Glie⸗
der unsers Volkes acht Jahre lang unter dem Einfluß unserer be⸗
rühmten Schulen gestanden, so daß man auf unser Volk wahrlich
das Wort anwenden darf: „Welchem viel gegeben ist, bei dem wird
man viel suchen, und welchem viel befohlen ist, von dem wird man
viel fordern.“ Ist es da schon zu viel gefordert, wenn man wenig⸗
stens von denen, deren gedrucktes oder gesprochenes Wort wegen
ihrer hervorragenden Stellung auf weitere Kreise großen Eindruck
macht, so viel Besonnenheit und Gerechtigkeit erwartet, daß sie
nicht gedankenlos Urteile nachsprechen, die jedes christliche Empfin⸗
den auf das tiefste verletzen müssen, Urteile, die der ganzen schwar⸗
zen Rasse, etwa 180 Millionen Menschen, die Menschenrechte ab⸗
sprechen, indem sie sich darüber lustig machen, wenn man auch bei
ihnen von einer unsterblichen Seele redet?“
Daß es mit der Bildungsfähigkeit der Neger, so heißt es
weiter in dem genannten Bericht, nicht so übel bestellt sein kann,
zeigt ein Artikel, der in der letzten RNummer des „Tropenpflanzers“
erschienen ist, einer Zeitschrift, die von dem Kolonialwirtschaftlichen
Komitee herausgegeben wird, also von einer Seite, die nicht in den
Verdacht kommen kann, daß sie von der Mission beeinflußt sei. Ein
sächsischer Kolonialpolitiker, Moritz Schanz in Chemnitz, der als
deutscher Delegierter an dem vorjährigen internationalen Baum⸗
wollkongreß in Amerika teilgenommen hat, spricht sich da aus über
die Erziehung der nordamerikanischen Neger. Es sind ihrer, bei⸗
läufig bemerkt, etwa 10 Millionen, fast der achte Teil der gesamten
Bevölkerung. Erst seit Beendigung des großen Bürgerkrieges, seit
etwa vierzig Jahren, wird für die Erziehung der Schwarzen ge⸗
sorgt, und infolge der Abneigung vieler Weißen auch jetzt noch in
sehr unzureichender Weise. Die Zahl der Lehrer müßte verdoppelt
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