Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 15 › Seite 236

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Juli 1908, Seite 236

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einzelner Rückständiger willen deren Taufe mit aufgeschoben.
Ich habe mich nun der einzelnen, je nach Bedarf, besonders
angenommen.“ Wahrhaftig, welcher Christ sollte sich nicht
hoch freuen, wenn er solches hört?

Es werden natürlich regelmäßige Gottesdienste und Chri⸗
stenlehren Sonntags gehalten. Und diese werden sehr gut be⸗
sucht, und zwar nicht nur von der Schar, die sich unter Missio⸗
nar Hübeners Pflege befindet, sondern auch von andern, die
umher wohnen.

Dann ist auch, das versteht sich von selbst, eine christliche
Schule in Vadasery. Den Religionsunterricht gibt der Mis⸗
sionar. In den andern Fächern unterrichtet der tüchtige Lehrer
Ponnasami, bis jetzt reformierten Bekenntnisses, der aber den
Entschluß gefaßt hat, lutherisch zu werden. Und dann ist noch
ein junger heidnischer Lehrer an der Schule angestellt. Beide
haben eine gute Vorbildung. Ja, wir hätten natürlich am
liebsten nur lutherische Lehrer. Aber — es gibt da keine. Die
Schülerzahl betrug nach dem letzten Bericht 34. Und wenn
diese 34 Kinder zwei wohlausgebildete Lehrer haben und noch
einen Religionslehrer, dann können sie was lernen, meint ihr
nicht? Es ist aber gute und gegründete Hoffnung vorhanden,
daß die Schule sich bald vermehren wird. Es ist ja noch alles
im Anfang.

Und nun kommt etwas, was mich schier am meisten freut.
— Schon zu Ende des letzten Jahres unterrichtete Missionar
Hübener frühmorgens von halb sieben bis halb acht Uhr die
jungen Männer und größeren Schulknaben seiner Herde, weil
diese viel Eifer und Lust zum Lernen zeigten und Lust hatten,
sich etwa für den Dienst in der Mission auszubilden. Und die,
welche dann nicht so eilig zur Tagesarbeit fort mußten, erhiel⸗
ten dann noch eine Gesangstunde, die von einem Regierungs⸗
beamten, einem reformierten Christen, geleitet wurde, und in
welcher die Liturgie für die Gottesdienste und die lutherischen
Kirchenlieder eingeübt wurden. Das ist schön, nicht wahr? —
Aber nun weiter. Unter dem 10. März dieses Jahres schreibt
der Missionar so: „Auf Heidenpredigt bin ich noch nicht ge⸗
gangen. (Er hatte ja gar keine Zeit dazu, wie jeder einsieht,
der diese Blätter liest.)) Es gibt ja an so und so viel Orten
ringsum Leute aus der Pariaklasse, von denen es heißt, daß
sie bereit sind, sich dem Christentum zuzuwenden. . Es
kamen auch wieder (und wieder) Deputationen an mich, hinter
denen offenbar unzufriedene Londoner Christen steckten (und
die also nicht berücksichtigt wurden, da wir nicht, wie schon dar⸗
gelegt, in ein fremd Amt greifen dürfen noch wollen). Wenn
aber von der Londoner Mission unabhängige, ungetaufte Leute
unsere Hilfe begehren, müssen wir sie ihnen zuwenden. (Ja,
ganz gewiß.) Dafür müssen wir aber eingeborne Gehilfen
haben. Ich habe also aus den .. . erwähnten jungen Leuten
eine Präparandenklasse gebildet (eine Klasse, da sie zum Dienst
in der Mission ausgebildet werden). Es meldeten sich im
ganzen 20, weil auch Jünglinge aus andern Orten sich betei⸗
ligen wollten. Ich wählte zunächst 12 aus, von denen 9 aus
Vadasery sind. Von diesen wurde noch einer gestrichen, weil
es sich herausstellte, daß er der London Mission angehört. Die
jungen Leute werden vormittags und nachmittags unterrichtet.
Ich unterrichte sie jeden Vormittag drei Stunden im Katechis⸗
mus und in der biblischen Geschichte. Nathaniel und Jesudasen

1) Was in Klammern steht, das sage ich. C. M. 3.

stehen 8500 Seelen.

(diesen Mann sollt ihr noch kennen lernen) wohnen dem Unter⸗
richt auch bei.
richt in Rechnen, Grammatik und Geographie. Die jungen
Leute lernen sehr eifrig, und ich beabsichtige, sie, wenn die Not
an uns herantritt, nach einigen Monaten im Missionsdienst
als eine Art Notlehrer oder Katecheten verwenden zu können.
Später müssen sie dann, sei es hier, sei es vielleicht auch auf
einer unserer nördlichen Stationen, einen mehrjährigen Kursus
durchmachen.
schulen besucht und können lesen und schreiben.“ — Unter dem
14. April schreibt der Missionar: „Die jungen Leute in der
Präparandenklasse lernen eifrig und sind, wie ich mit Freuden
wahrnehme, ein Salz für andere, zunächst für ihre näheren
Angehörigen. Mit Hilfe der vortrefflichen Erste Milch'
(166 Fragen und Antworten aus der christlichen Lehre) helfen
sie ihren Hausgenossen und Angehörigen in der christlichen
Erkenntnis nach, was, namentlich in Bezug auf die sehr schwer
zu unterrichtenden Weiber, eine große Hilfe ist. Auch sonst
sind mir die jungen Leute bei Behandlung und zur Beein⸗
flussung der andern Leute wertvoll.“ — O, Gott segne in
Gnaden diese junge Schar, daß sie Säeleute werden für Gottes
Reich! Das ist ja eine feine und lustige Arbeit in Nagercoil
und Vadasery!

Aber für heute ist es genug.
wollen wir mehr haben.

In der nächsten Nummer
C. M. Z.

. F

Unsere brasilianische Mission.

Über Stand und Bedürfnisse dieser Mission wurden der
letzten Delegatensynode durch den Präses des Brasilianischen
Synodaldistrikts, P. W. Mahler, eingehende Mitteilungen ge⸗
macht. Die unterzeichnete Kommission erlaubt sich, daraus den
werten Lesern des „Lutheraner“ folgendes zu berichten.

Unsere Gemeinden in Brasilien sind über den ganzen
Staat Rio Grande do Sul ausgebreitet. An 47 verschiedenen
Orten wird gepredigt. Unter der Seelsorge unserer Pastoren
Die Zahl der Stimmberechtigten ist
1476, die der Kommunizierenden 4697. In den Schulen wer⸗
den 1140 Kinder unterrichtet. Im Dienst der Mission stehen
gegenwärtig 18 Pastoren, 2 Lehrer und 10 Hilfslehrer (Män⸗
ner mit gutem Charakter und guter Schulbildung, die aber
das Kolloquium noch nicht gemacht haben). Die Zahl der
Gemeinden könnte bedeutend größer sein, hätte es nicht so sehr
an Pastoren gefehlt. Dazu kommt, daß in den letzten Jahren
acht Pastoren aus der dortigen Arbeit wieder ausgeschieden
sind. Wäre das nicht gewesen, die brafilianische Mission stände
noch weit günstiger da. Es wird wenige Missionswerke in
unserer Synode geben, die in so kurzer Zeit (vor acht Jahren
begannen wir unsere Missionsarbeit) größere Erfolge aufzu⸗
weisen hatten. Die Aussichten für die Zukunft sind die gün⸗
stigsten, wenn genügend Arbeiter erlangt werden können. Um
dem Arbeitermangel abzuhelfen, hat der Brasilianische Distrikt
in Porto Alegre, der Hauptstadt von Rio Grande do Sul, eine
Anstalt zur Ausbildung für Pastoren und Lehrer errichtet, die
von der letzten Delegatensynode der Allgemeinen Inneren Mis⸗
sionskommission für das Ausland unterstellt worden ist. Die
Synode hat ferner den Gehalt für zwei Professoren und die
Miete für ein Gebäude bewilligt.

Nachmittags gibt Jesudasen weltlichen Unter⸗

Sie alle haben natürlich früher Elementar⸗

———.—.*.‚—.

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