Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 11 › Seite 200

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Mai 1915, Seite 200

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200 SE Der „Wutgeranet — —

für den Hauptbau entgegengenommen, da der Kontrakt für
Ausgrabungen und Fundament schon früher vergeben war.
Gott gebe seinen Schutz und glückliches Gedeihen!

Es wird nun vielleicht der liebe Mitchrist sagen: „Es
freut mich, daß es in Winfield so steht: eine neue Turnhalle,
sogar ein prächtiges, feuerfestes Wohngebäude; da ist denn
wohl für die Zukunft nichts mehr nötig.“ Es wäre auch wahr⸗
lich Undank, wollten wir die Güte Gottes nicht preisen, die
so viele Herzen willig gemacht hat, für unsere Propheten—
schule dahier ganz bedeutende Opfer zu bringen. Unserm lieben
Gott die Ehre, unsern lieben Mitchristen herzlicher Dank! Es
könnte wohl noch auf dieses und jenes Nötige und auf vieles
Wünschenswerte hingewiesen werden, aber angesichts des Neu—
baus wollen wir es unerwähnt lassen.

Doch möchte ich auf etwas hinweisen, was sich auf alle
unsere Synodalanstalten bezieht. Wir haben keine sogenannten
endowments, liegende Gelder, von deren Einkünften die Aus-—
gaben der Anstalten, die Gehälter der Lehrer usw. bestritten
würden, wie das vielfach der Fall ist bei amerikanischen Col—
leges. Wir sind angewiesen auf unsere Gemeinden.
Nicht einmal Schulgeld kommt in nennenswerten Summen
ein, da die Synode solchen, die in ihren Dienst zu treten ge⸗
denken, kein Schulgeld abfordert. Es sind also unsere An⸗
stalten ganz und gar auf unsere Gemeinden angewiesen. Und
das hat sein Gutes. Wir wollen uns ja gegenseitig dienen,
und da ist es nötig, daß wir in engster Fühlung miteinander
bleiben. Andere höhere Lehranstalten stellen Leute an, die zu
dem Zwecke im Lande umherreisen, daß sie für ihre Anstalten
etwa Gelder sammeln und um Schüler werben. Letzteres be—
sorgen für unsere Lehranstalten unsere Pastoren und Gemeinden
selber. Sie haben die Synodalkasse eingerichtet, woraus
alle Ausgaben für den Synodalhaushalt bestritten werden
müssen. Diese Kasse weist jetzt eine bedeutende Schuld auf.
Woher kommt das? Nicht daher, daß die Gemeinden das
Interesse für ihre Lehranstalten verloren hätten, oder weil
nicht sparsam mit dem Gelde umgegangen würde, sondern wohl
hauptsächlich aus dem Grunde, daß manche Gemeinden es zeit⸗
weilig aus den Augen gelassen haben, wie abhängig die
Anstalten von den Gemeinden sind. Lassen die
regelmäßigen Kollekten nach, so gerät die Synodalkasse in
Schulden. Das wollen unsere lieben Christen doch nicht?
Wissen sie doch, daß auch die reichste weltliche Universität in
diesem Lande nicht an Herrlichkeit zu vergleichen ist mit einer
unserer Prophetenschulen. Diesen nämlich gilt das Wort:
„Die Furcht des SErrn ist der Weisheit Anfang“; jene sagen
zumeist: Die Furcht des HErrn ist Torheit! Wer von
unsern jungen Leuten nicht fest gegründet ist in der Furcht
des HErrn, der steht in großer Gefahr, diese auf weltlichen
Bildungsanstalten zu verlieren. Darum, ihr christlichen Eltern,
sendet eure Söhne, auch wenn sie sich nur eine allgemeine
Bildung aneignen sollen, auf eure eigenen Anstalten,
damit auch das Schulgeld in eure eigenen Kassen fließt, aber
hanptsächlich, damit eure Kinder nicht am Glauben Schiffbruch
leiden. ö

Der liebe Gott steure dem Satan, der da weiß, wie sehr
unsere rechtgläubigen Lehranstalten zur Ausbildung treuer
Arbeiter im Weinberge des SErrn dem Reich der Finsternis
schaden, und fördere das Gedeihen unserer Prophetenschule auf
jegliche Weise! A. W. M.

Denkschrift
des Brasilianischen Distrikts der Ev.-Luth. Synode von
Missouri, Ohio n. a. St. an alle Synodalgenossen und
Glaubensbrüder.

Geliebte Brüder und Schwestern in dem HErrn!

In den Tagen voni 14. bis zum 20. Januar hatten wir
unsere diesjährige Synodalversammlung in Sao Leopoldo,
Brasilien. Neben den Lehrverhandlungen und den sonstigen
Geschäftsverhandlungen, die ja jede Synodalversammlung be—
schäftigen, lagen insonderheit die verschiedenen Berichte unsers

hiesigen Missionsgebietes zur allgemeinen Besprechung vor.

Aus diesem Gesamtbericht mußten wir mit Lob und Dank
gegen Gott erkennen, daß er unser Missionswerk hier in Süd⸗
amerika während der letzten zwei Jahre reichlich gemehrt und
gesegnet hat. Der HErr hat geholfen über Bitten und Ver⸗
stehen. Es muß einem fast wunderbar erscheinen, wenn wir
an die geringe Anzahl von Arbeitern denken, durch welche wäh⸗
rend des genannten Zeitraums eine so große Ernte eingeheimst
wurde. Der Missionsbericht der Synode zu Jjuhy (1913)
wies 74 Gemeinden und Predigtplätze auf; 30 Pastoren (dar⸗
unter 2 Professoren) standen in der Arbeit. Hingegen zählt
unser Arbeitsfeld jetzt 121 Gemeinden und Predigtplätze; aber
wir haben gegenwärtig nur 26 Pastoren und 2 Professoren.
Demnach haben wir eine Zunahme von 47 Gemeinden und
Predigtplätzen, aber eine Abnahme von 2 Pastoren zu ver—
zeichnen. Ja, groß ist die Ernte, aber wenig sind der Arbeiter.
Angesichts solcher Tatsachen liegt es auf der Hand, daß, wenn
dieses unser großes Missionsfeld weiter gepflegt und bebaut
werden soll, wir dazu mehr Hilfe nötig haben. Wir können
das Feld nicht mehr allein bestellen; es geht über unsere
Kräfte. Dieser Zuwachs der letzten Jahre ist eigentlich nicht
in unsern alten Gebieten zustande gekommen, vielmehr in
den neuen Missionsfeldern, wie Argentinien und in den
Kolonisationsgebieten dieses Staates, in Guarany und
Erechim. Die Arbeit auf diesen neueren Gebieten ist im
Gegensatz zu den älteren Gemeinden, in denen eine gute kirch⸗
liche Entwicklung vielerorts nur langsam und mühsam von⸗
statten geht, recht erfreulicher Art und gibt Anlaß zu den
schönsten Hoffnungen für die Zukunft. Bei diesen Leuten
finden wir mit der Predigt des Wortes Gottes im allgemeinen
viel leichteren Eingang, weil es größtenteils Neueingewanderte
sind, die noch christlichen Sinn von Haus aus mitgebracht
haben, während die andern durch lange Verwahrlosung viel⸗
fach dem Worte Gottes entfremdet worden sind, so daß erst
ein neuer Grund gelegt werden muß.

Um nun aber dem drückenden Arbeitermangel abzuhelfen,
hat unsere versammelte Synode beschlossen, mit dem gegen—
wärtigen Schriftstück, das mit der Unterschrift aller anwesenden
Synodalen versehen wurde, uns an alle die lieben Glaubens⸗

genossen in Nordamerika zu wenden mit der dringenden 13

Bitte um Zusendung von weiteren 7 Arbeitern
und der weiteren genügenden nrateriellen Unter⸗
stützung der so zu vermehrenden Arbeiterschar.
Wir möchten hierbei hinweisen auf das Wort Heiliger Schrift
Luk. 5, 7: „Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern
Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen.“ Im
Sinne dieses Wortes möchten wir diese Schrift an Euch richten.

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