Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 11 › Seite 206

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Mai 1915, Seite 206

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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offenbar: schlechtere Moral und schnelle Zunahme der Verbrechen.
Eine Erziehung ohne Christum ist ein ungemildeter Fluch für
die Nation. Washingtons Abschiedsrede enthält die bedeutsamen
Worte: „Und laßt uns mit Vorsicht den Vorschlag aufnehmen,
als könnte Sittlichkeit ohne Religion bewahrt werden. Wenn
man auch inimer zugeben mag, daß die Erziehung auf besonders
beanlagte Menschen einen günstigen Einfluß ausübt, Vernunft
und Erfahrung verbieten uns zu erwarten, daß ein Volk wahre
Sittlichkeit haben kann ohne Religion.“ Auch wird an den Aus⸗
spruch des Naturforschers Huxley erinnert, der gesagt hat: „Ich
halte dafür, daß ein System, das es nur mit der intellektuellen
Seite des Kindes zu tun hat, und das alles andere liegen läßt,
sich als ein Betrug und eine Gefahr erweisen und wahrscheinlich
einen Haufen von Schurken hervorbringen wird. Ich glaube, daß
allein eine solche Erziehung, die das Kind nicht nur Moral, son⸗
dern auch Religion lehrt, etwas erreichen wird.“ Von dem Ge⸗
meindeschulunterricht in der Religion schreibt ein deutsch-evange⸗
lisches Blatt: „Die Sonntagsschule kann auch in ihrer idealsten
Darstellung kein Ersatz sein für diesen Unterricht. Immer mehr
kommt man zu dieser überzeugung, selbst in englisch-metho⸗
distischen Kreisen. Wie dem Schreiber mitgeteilt wurde, hat der
Pastor der größten und einflußreichsten englischen Methodisten⸗
kirche sich losgesagt von Revivals und ähnlichem abnormen Trei⸗
ben und an deren Stelle systematischen katechetischen Unterricht
eingeführt. Die offen zutage tretende religiöse Unwissenheit treibt
zu diesen Maßnahmen. Auf die allereinfachsten und doch aller—
wichtigsten Fragen hat der Durchschnittschrist keine Antwort mehr.
Man frage einmal: „Wie wirst du gerecht vor Gott?“ und stelle
die Antworten zusammen.“ Und gegen geistliche Verwahrlosung
der Kinder von seiten ihrer Eltern, die sich in einem solchen Ge—
nügen mit religionsloser Schulung offenbart, redete die „Refor⸗
mierte Kirchenzeitung“ letzthin dieses ernste Wort: „Was wird
nun für die Kinder getan? Die Kinder sind uns doch die aller—
nächsten, es sind unsere Hausgenossen. Wer seine eigenen Haus⸗
genossen nicht versorgt, ist ärger als ein Heide und hat den Glau⸗
ben verleugnet, sagt Gottes Wort. Die Eltern sorgen in der
Regel in ausgiebiger Weise dafür, daß ihre Kinder an Nahrung
und Kleidung keinen Mangel haben, putzen ihre Kinder mit
schönen Kleidern und Hüten heraus, damit sie nicht nur sich
sehen lassen dürfen, sondern auch angestaunt und bewundert wer—
den sollen. In dieser Beziehung scheut man keine Kosten und
will man sich gegenseitig den Rang ablaufen. Aber einen Kate—
chismus kaufen, der nur 25 Cents kostet, das ist schon zu viel!
Die Kinder versehen mit gutem und passendem christlichen Lese—
stoff, weil das etwas kostet, das will man nicht! Für kirchliche
Bedürfnisse hat man keinen Sinn; dafür etwas geben, sieht man
als Verschwendung an. So werden dann die Kinder erzogen, daß
sie am unrechten Ort kargen und geizen lernen. Für die Welt,
für das Irdische, für eigene Ehre und Ruhm wird gesorgt, aber
nach dem Heil in Christo wird nicht gefragt.“ Daß wir doch
immer erkennen möchten, welch ein köstliches Kleinod unsere Kirche
an ihren Gemeindeschulen hat, und nie einer Gesinnung Raum
geben, die sich vor Opfern scheut, wenn es gilt, eine Gemeinde—
schule ins Leben zu rufen und zu erhalten! G.
Predigerunterstützung. Gewaltige Summen werden in den
reformierten Kirchengemeinschaften gesammelt, um dienstunfähige
Pastoren mit Pensionen zu versorgen. Die Methodist Episcopal
Church legte vor einigen Jahren ihren Gemeinden einen Plan
vor, um §5,000,000 für einen solchen Fonds zu sammeln. Doch
haben die Gemeinden so viel mehr gesammelt, als sie sich zuerst
vorgenommen hatten, daß eine Totalsunimme von §815,000,000
jetzt gesichert ist. Die Gemeinden einer einzigen Konferenz
trugen 8121,000 zu diesem Fonds bei. Ein Dr. Joseph B.
Hingeley widmet seine ganze Zeit der Sache. Er hat eine be⸗

sondere Office zur Vertwwaltung des Fonds, und eine Anzahl A

Gehilfen stehen ihm in der Arbeit zur Seite. Auch andere
Gemeinschaften sammeln große Summen für Fonds, deren!
Ertrag altersschwachen oder sonst dienstunfähigen Pastoren zu⸗
gewandt wird. G. ö

Der Russellismus auf dem Judenfang. Wie der Russellis—

mus für die Juden seine Falle ködert, zeigt ein gedruckter Brief,

der uns von einem Leser in Boston zugestellt wurde, und der von ů

einem zum Russellismus „bekehrten“ Juden an seine Volks⸗

genossen als Flugschrift oder Zirkular versandt wird. Während
sich Russell den Christen gegenüber aufspielt, als sei er allein
im Besitz der eigentlichen christlichen Wahrheit, stinmmt er eine
ganz andere Melodie an, wenn er zu den Juden redet. Da wird
er nämlich ganz Jude. Der Russellit, der in dem vorliegen⸗
den Briefe redet, gibt die Russellsche Lehre in dieser Weise an
seine Stammesgenossen weiter: „Ich habe mich zu dem Glauben
Abrahams in Gott und seine Verheißungen bekehrt.
formation habe ich zum guten Teil von Pastor Russell, der ja
Juden und Nichtjuden wohlbekannt ist. Aber ich bin nicht ein
Christ von der gewöhnlichen Sorte geworden, die glauben, daß
jeder Jude ewig verloren ist, der nicht ein Nachfolger JEsu ist.
Ich habe auch nicht die gewöhnliche christliche Lehre angenommen,
die jetzt zu dem großen Krieg in Europa geführt hat. Auch habe
ich nicht die Lehre angenommen, daß IEsus der Gott Jehovah ist.
Weit davon entfernt. Pastor Russells Lehren sind so verschieden
von denen anderer christlicher Lehrer, daß sie einen ganz andern
Namen verdienen.“ Man beachte, wie der Schreiber dieses
Briefes dem Juden es möglich macht, den Russellismus anzuneh⸗
men, ohne den jüdischen Christushaß fahren zu lassen. Ja, man
geht so weit, zu betonen, daß Russell „den Namen“ nicht eigentlich
verdiene welchen Namen? — ei, den Namen Christ, da
seine Lehre „so anders“ sei als die Lehre der „ordinären“
Christen! Hier verleugnet der Russellismus also tatsächlich den
christlichen Namen, um Juden zu fangen! Und das Christen⸗
tum wird geschmäht, es sei schuld an dem Weltkrieg! Aber es
wird noch ärger: „Pastor Russell erkennt allerdings IEsum an,
aber nicht als Jehovah. Er entschuldigt unser Volk durchaus von
dem Tode des IEsus; denn unsere Väter kreuzigten ihn un⸗
wissentlich. Also verstehe mich recht: Ich bin Gott treu und halte
an den heiligen Schriften und an den Verheißungen und hoffe
auf das messianische Reich.“ Also der Jude Samuel Levine, der
diesen Brief unterzeichnet, gesteht in so vielen Worten, daß er
ein Russellit sein könne und doch nicht glaube, daß JEsus der
SErr („Jehovah“, so nennt das Alte Testament den Erlöser)
sei, sondern daß das messianische Reich noch zu erwarten stehe.
Der Köder, den dieser Irrlehrer also an seine Falle steckt, um
Juden zu fangen, ist der: Werdet Russelliten, denn ihr braucht
dazu Christum weder als Gott noch als Messias anzuerkennen
— braucht weder über eure Sünde noch eures Volkes Unglauben

Buße zu tun! — Je mehr wir vom Russellismus sehen, desto
mehr sollte uns klar werden, daß es sich so verhält, wie P. Wil-⸗ 4

helm in der letzthin beendigten Artikelreihe über den Russellismus
schrieb, daß nämlich „Pastor“ Russell ein Feind Christi und seiner
Kirche ist, dessen Lehren nicht hinführen zu Christo, sondern weg
von ihm und in die ewige Verdammnis. G.
Inspektion der Klöster. Die Legislatur des Staates Jowa
hat eine Gesetzvorlage angenommen, die es den Beamten des
Staates zur Pflicht miacht, die römisch⸗katholischen Klöster, Straf⸗
und Verpflegungsanstalten zu inspizieren. Auch in andern Staa—
ten hat man sich mit solchen Gesetzvorlagen beschäftigt. In einem 1
Komitee der Legislatur des Staates Massachusetts wurde über
eine solche Vorlage vor einigen Wochen beraten. Es gab eine
öffentliche Verhandlung, in der sowohl Befürworter des Gesetzes
wie auch die Gegner der Inspektion von Klöstern zu Gehör

Meine In⸗

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