Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 11 › Seite 201

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Mai 1915, Seite 201

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S Der „Tuthieraner

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Es sollen nun die einzelnen Plätze aufgeführt werden,
die so bald als möglich besetzt werden müssen.

1. Reisepredigergebiet Pampa Central, Argen⸗
tinien. Dieses Gebiet ist in den letzten Jahren ein überaus
großes Missionsfeld geworden. P. C. Schröder ist dort als
Reiseprediger stationiert. Er bedient jetzt 15 Gemeinden, zum
Teil große und volkreiche. Die entstandene Arbeitsfülle kann
er aber nicht mehr bewältigen. Unaufhörlich ist er auf Reisen
begriffen, per Bahn sowohl wie per Axe. Das Gebiet ist sehr
ausgedehnt, und die Ortschaften sind zerstreut gelegen. Nur
einmal in drei Monaten kann er jeden Ort besuchen, um die
Runde zu machen. Fort und fort wird er um Bedienung
weiterer Plätze angelaufen, was er jedoch schweren Herzens
ablehnen muß. Der Besuch der Gottesdienste ist sehr rege;
auch Bibelstunden während der Woche werden häufig begehrt.
Ein großer Übelstand ist der, daß der Missionar so wenig
Zeit hat, um den Konfirmandenunterricht zur Genüge zu ver—
sehen. Hier müssen P. Schröder zwei weitere Arbeiter
zur Seite gestellt werden.

2. Kolonisationsgebiet Erechim, Brasilien. Dieses
Gebiet ist eigentlich erst vor vier Jahren in Angriff genommen
worden. Der damalige Predigtamtskandidat J. Busch war
der erste Missionar, der dorthin berufen wurde. Der Anfang
war sehr schwer. Feindschaft und Tücke der Gegner, wegloser
Urwald usw. waren Dinge, die dem Missionar des öfteren den
Mut nehmen wollten. Heute jedoch zeigt sich dort ein ganz
anderes Bild.
schnell; viel Volk strömte hinzu. Auch in der kirchlichen Arbeit
blieb der Segen Gottes nicht aus. Es kam zur Gründung
mehrerer neuer Gemeinden; ein zweiter Missionar mußte dem
ersten bald zur Seite gestellt werden. Heute haben wir in
dem Gebiet 16 Gemeinden und Predigtplätze. Der Stadtplatz
Erechim ist zu einem schönen Städtchen herangewachsen. Es
befindet sich dort eine schöne lutherische Kirche. Die Gemeinde
hat eine blühende Gemeindeschule mit eigenem Lehrer. Da
der Ortspastor von dem Schuldienst frei ist, so liegt ihm natur—
gemäß die Bedienung der meisten Gemeinden des ganzen Ge⸗
bietes ob. Wegen der weiten Wege, welche die Pflege dieser
Gemeinden erforderlich macht, und die alle auf Pferdesrücken

zurückgelegt werden müssen, gestaltet sich die Arbeit dieser
Parochie zu einer sehr schwierigen.

Zum Teil sind es aber
große Gemeinden, die immer noch ein großes Wachstum er—
warten lassen. Wir halten es darum für sehr notwendig, daß
hier zwei weitere neue Arbeiter hingestellt werden, und zwar
für die beiden Plätze Rio do Peixe und Rio Ligeiro. Beide
Orte haben eine größere Schule und können zu eigenen Paro—
chien mit ihren Umgebungen eingerichtet werden. Bisher konn—
ten die Orte noch nicht genügend bereist werden, obgleich noch
viele Leute dort wohnen. P. Busch könnte dann zu gleicher
Zeit um etwas entlastet werden, was notwendig ist, da er
schon vier Jahre lang schwere Reisepredigerarbeit hat tun
müssen, und seine Gesundheit je länger, je mehr darunter
leiden muß.

3. Paraiso, Brasilien. Dieser Ort hat eine Gemeinde
von ungefähr 200 stimmberechtigten Gliedern. Wir haben die
Gemeinde neu hinzubekornmen. Sie wird in Zukunft wohl
die größte Gemeinde unsers ganzen Distrikts bilden. Sie ist
in der Lage, daß sie ihren Pastor selbst erhalten kann. Da
sie aber von den übrigen Gemeinden unsers Missionsfeldes

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„ „

Die Kolonisation selbst entwickelte sich äußerst

sehr abgelegen liegt, ist es unmöglich, daß ein auswärtiger
Pastor sie bediene, und wegen ihrer Größe benötigt sie auch
einen eigenen Seelsorger. Gegenwärtig wird die Gemeinde
vakanzweise von P. Becker bedient. Dieser Beruf sollte also
auch unbedingt Berücksichtigung finden, wenn wir die Ge⸗—
meinde behalten wollen.

4. Toropy, Brasilien. Diese Gemeinde, die seit zwölf
Jahren von uns bedient worden ist durch einen eigenen Pa—
stor und zugleich Synodalgemeinde ist, wurde durch die Amts—
niederlegung ihres bisherigen Pastors (E. Heyner) vakant.
P. Heyner mußte krankheitshalber sein Amt niederlegen. Diese
Gemeinde muß also so bald als möglich wieder besetzt werden.
Sie zählt etwa 45 stimmfähige Glieder und wird zwei Filialen
haben. Sie besitzt ebenfalls eine eigene Kirche und ein schönes
Pfarrhaus.

5. Rincao dos Valles, Brasilien. Diese Gemeinde
mit noch einer andern (General Osorio) ist uns noch übrig⸗
geblieben von unserm früheren Gebiet Naome toque, das uns
größtenteils durch einen Pfarrwechsel vor zwei Jahren ver—
loren ging. Etwa zehn Jahre hatten wir dort gearbeitet.
Der größte Nachteil war daselbst jedenfalls der Umstand, daß
mit den Pastoren so oft gewechselt werden mußte. In der
genannten Zeit wirkten dort die Pastoren Wittrock, Petersen,
Fleckenstein, Brandt und Heyner. Trotzdem uns aber in diesem
Gebiet die größeren Gemeinden verloren gegangen sind, so
wäre doch mit dem, was wir behalten haben, immer noch vieles
wieder und neu zu gewinnen, da das Gebiet immer noch neue
Kolonisten anzieht. Erfolgreiche Arbeit kann hier aber nicht
erwartet werden, wenn wir nicht imstande sein werden, dort
wieder einen eigenen Pastor hinzustellen. Unsere jetzigen Ge⸗
meinden dort werden jetzt schon seit anderthalb Jahren von
P. H. Petersen besucht, der aber sehr entlegen wohnt in Ijuhy.
Jeder Weg dorthin, der zu Pferde zurückgelegt werden muß,
beansprucht volle anderthalb Tage, hin und zurück drei Tage;
dabei ist aber P. Petersen der nächste Pastor. Es läßt sich
denken, wie mangelhaft die Versorgung dieser Leute ist.

6. Picada Hartz, Brasilien. Diese Gemeinde ist
ebenfalls neu zu uns gekommen. Sie kann etwa 100 Glieder
stark werden. Eine gute Schule steht in Aussicht und zwei
Filialen. Das geistliche Leben dieser Leute ist das denkbar
traurigste; in der Erkenntnis des Wortes sind sie höchst un⸗
wissend. Ein unechter „Pfarrer“ hatte zwanzig Jahre larig
sein Wesen unter ihnen. Hier ist, möchte man sagen, direkte
Missionsarbeit nötig. Mehrere Leute, die aus einer unserer
Nachbargemeinden dorthin zogen, bitten uns so dringend, wir
möchten ihnen doch einen Pastor geben. Diese Leute haben
es auch veranlaßt, daß wir dorthin berufen wurden. P. Reh⸗
feldt bedient gegenwärtig die Leute vakanzweise.

7. Guarany, Brasilien. Dies ist unser größtes Mis—
sionsgebiet in Rio Grande do Sul. Insgesamt zählt es drei—
zehn Gemeinden und Predigtplätze. P. Weber hat lange dort
alleine gestanden. Vor drei Jahren bekam er Hilfe, verlor
diese jedoch schon nach einem Jahre durch Amtsniederlegung
des betreffenden Pastors. Kürzlich konnten wir ihm einen
Arbeiter zur Seite stellen, Kandidat A. Lehenbauer, der vor
einigen Wochen von Nordamerika hier eintraf. Aber dieses
große Feld ist noch nicht genügend versorgt. Man bedenke,
daß die 13 Gemeinden schon allein 397 stimmberechtigte Glie—
der zählen und noch reichlich Gelegenheit geboten ist, weiter

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