Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 11 › Seite 204

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Mai 1915, Seite 204

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204 SE er „VTutheraned

an. Ihre Hauptbeschäftigung ist Landarbeit, Fischfang und
Handel. Schon in früheren Zeiten wurde ein lebhafter Handel
mit den Deutschen betrieben, und Kaufleute aus Bremen kamen
häufig nach Riga und Libau. Infolgedessen wurde die christ—
liche Lehre auch unter den Letten bekannt, und als Luther
gegen das Papsttum auftrat, drang die Kunde davon bald
auch in diese Provinzen. Die reine Lehre fand bereitwillige
Aufnahme, und die Bewohner bekannten sich bald zu der Lehre,
die Luther verkündigte.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann sich die
Auswanderungslust auch unter den Letten zu regen, und von
Jahr zu Jahr mehrte sich nun die Zahl derer, die in unserm
gesegneten Lande eine neue Heimat suchten. Im Jahre 1890
siedelte sich eine größere Anzahl in Boston, Mass., an. Da
ein Teil derselben der deutschen Sprache mächtig war, konnte
P. A. Biewend sich ihrer annehmen und begann im Jahre 1892
eine Mission unter ihnen. ö

Schon anfangs 1896 konnte ein eigener Missionar für sie
berufen werden, nämlich der Kandidat der Theologie Hans
Rebane aus Rußland. Am 4. März 1896 wurde er als
Lettenmissionar angestellt. Im Jahre 1899 übernahm dann
unsere Synode die Lettenmission.

Seither haben sich auch in andern Teilen unsers Landes
Letten angesiedelt, namentlich in den größeren Städten. Auch
Chicago beherbergt eine ganze Anzahl. Unter den dort woh—
nenden Letten hat der obengenannte erste Missionar derselben
im Jahre 1897 eine kleine Gemeinde gegründet. Diese wird
jetzt von P. C. F. Buchroth in ihrer Muttersprache bedient
und hält regelmäßig jeden Sonntag ihre Gottesdienste in der
Schulhalle der Immanuelsgemeinde (Pastoren L. und E. Höl⸗,
ter), 1135 Marshfield Ave.

Indien. Manchmal mag den Lieben daheim der Gedanke
kommen, daß doch jetzt nach so langer Arbeit der Missionare
die Macht des Heidentums endlich gebrochen, und die Heiden
dem Evangelium von Christo bedeutend näher gekommen seien.
In manchen Teilen des Landes mag das auch der Fall sein,
wenigstens äußerlich. Die zunehmende Zivilisation bringt den
Hindu dazu, wenn auch nicht gerade freundlich, sich doch mehr
tolerant gegen die christliche Lehre zu zeigen. Im Herzen aber
steht die große Masse der Heiden Christo, ihrem Erlöser, noch
ebenso fern wie ihre Vorfahren vor eintausend Jahren. Zäh
hält der Hindu fest an den alten Götzen mit den Gebräuchen
der Väter aus uralter Zeit. Unerschütterlich ist sein Vertrauen
zu den leblosen Steinen, die seine Götter darstellen, und der
Aberglaube kennt auch noch keine Grenzen. Selbst da, wo
ihnen die christliche Mission gleichsam vor der Nase steht, bleibt
er doch beim alten.

Unserm Missionsgehöft zu Krishnagiri, im Nordgebiet
unerer Mion, gegenvoer Vegr ν Woddem. Fioden⸗
zig Jahre lang haben diese Leute Gelegenheit gehabt, zum
Glauben an den Sünderheiland zu kommen. Zweimal wäh—
rend der Woche ist Gottesdienst in der Missionskapelle, dazu
noch Schule und dergleichen.
diesem Dorfe zum Christentum gekommen sind, ist sehr, sehr
gering. Noch heute beten sie die Steine an. Stirbt einer
aus ihrer Mitte, so hört man Tag und Nacht die Trommeln
und das Geheul der Klageweiber. Sie fahren noch dahin als
solche, die keine Hoffnung haben auf ein Leben nach dem Tode.

Vor Jahren hat die Mission ein angrenzendes Stück Land

Aber die Zahl derer, die aus

gekauft. Auf diesem Lande befindet sich ein Brunnen. Da
in dieser Gegend das Wasser schwer zu bekommen ist, ließ
man den Brunnen tiefer graben, um mehr Wasser zu bekom⸗
men und die armen Leute nicht in Not zu bringen. Vor
kurzem gingen wir einmal an der Stelle vorbei und — kaum 1
glaubten wir unsern Augen zu trauen — sahen neben dem
Brunnen auf dem Eigentume der Mission zwei Götzensteine
stehen, auf denen eine Kobraschlange ausgehauen war. Darob
zur Rede gestellt, entgegneten die törichten Menschen: das
Wasser stehe wegen der trockenen, heißen Zeit sehr niedrig, und
da der Missionar den Brunnen nicht tiefer mache, müßten sie
die Götzen aufstellen, damit mehr Wasser in den Brunnen
komme. Der Missionar belehrte sie über ihren törichten Aber—
glauben und befahl ihnen, die Götzen sofort zu entfernen. Ja,
so schnell gehe das nicht; es gehörten gewisse Zeremonien dazu.
Der Missionar drohte mit der Polizei. Nach einigen Tagen
waren denn die Steine auch verschwunden. Aber bald darauf
kamen die leitenden Männer der Dörfer zum Missionar und
sagten: „Wir haben dir eine Freude gemacht und die Götter
von deinem Lande entfernt, jetzt mache du uns auch eine
Freude und gib uns 5 Rupien, damit wir die Götzensteine be—
zahlen und den Brunnen tiefer machen können.“ Diese armen
Menschen haben kaum ihr tägliches Brot, aber wenn es die
alten Götzen gilt, geben sie ihr Letztes hin.

Darum, lieber Christ, denke ja nicht, das Heidentum sei
besiegt, und die christliche Mission sei nicht mehr vonnöten.
Im Gegenteil, die Mission bedarf deiner Hilfe mehr als je.
Bete zu Gott, er möge die dunkeln Herzen dieser verblendeten
Menschen erleuchten und sie zur Erkenntnis ihres eigenen sünd—
lichen Verderbens bringen und ihnen zeigen, wie nötig auch
sie einen Heiland haben. Hilf aber auch mit deinen irdischen
Gaben, damit das Missionswerk rüstig weitergetrieben werden
kann. J. Williems.

———.——

Zur kirchlichen Chronik.

über die Arbeit der Verteilungskommission unserer Synode,

die am 11. und 12. Mai hier in St. Louis versammelt war und
den diesjährigen Predigt- und Schulamtskandidaten ihre Berufe
zuwies, kann folgendes mitgeteilt werden. Die Zahl der Be—
rufe ins Predigtamt war infolge der gegenwärtigen Welt⸗ und
Finanzlage nicht ganz so groß wie in andern Jahren, doch konnte
sämtlichen 110 Kandidaten, die zur Verfügung standen, 88 von
St. Louis und 22 von Springfield, ein Arbeitsfeld zugewiesen
werden, und mehr als ein Beamter unserer Synode versicherte,
daß noch mehr Arbeiter nötig wären. Die Zahl der Lehrer—
berufe betrug 48, für die nur 31 Schulamtskandidaten zur Ver—
fügung standen. 17 von River Forest und 14 von Seward« so

daß Stellen in anderer Weise versorgt werden müssen. Die?

Namen der Kandidaten und die Orte, wohin sie berufen sind.

folgen.

Predigtamtskandidaten in St. Louis.

V. Brohm; Sacramento, Cal. A. Brauer; Adrian, N. Dak.

H. Burgdorf; New Jersey. F. Brauer; Plentywood, Mont.

P. Heckel; New Vork City. H. F. Brauer; Warren, Minn.

F. Mühlhäuser; Long Island, N. V. M. Bredehöft; Broken Arrow, Otla.

Th. Appelt; Seminar in River L. Breihan; Augsburg, Ill.

Forest. P. Bretscher; Seminar in River

A. Behnke; Streeter, N. Dak. Forest.

W. Bode; Red Hill, W. Va. A. Cook; Burton, Ill.

G. Böhnke; Saskatchewan, Can. A. De Trafford; Crowley, La.

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