Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 478

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 478

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S Der utßeranedSes

Eine große Schwierigkeit, mit der wir in New Orleans
immer zu kämpfen hatten, ist die meistens sehr mangelhafte
Vorbereitung der Neueintretenden und besonders ihre fast gänz⸗
liche Unkenntnis der deutschen Sprache. Der letztere Umstand
nötigte uns von allem Anfang an, das Englische als Unter⸗
richtssprache zu benutzen und es als wünschenswert erscheinen
zu lassen, daß unsere Zöglinge ihren Gymnasialkursus auf
unsern nördlichen Anstalten, wo dem Deutschen mehr Zeit und
Aufmerksamkeit gewidmet wird, beendigen. In den letzten
Jahren hat somit unsere Anstalt tatsächlich nur als Werbe⸗
bureau für unsere nördlichen Gymnasien gedient. Ob sie ferner
nur diesem Zwecke dienen oder wieder zu einem Vollgymnasium
erweitert werden oder überhaupt fortbestehen soll, das sind
Fragen, die noch der Beantwortung harren. Indessen dür fen
wir aber den Segen, den unsere Anstalt schon gestiftet hat,
nicht verkennen. Von den 100 Schülern, die unser College
kürzere oder längere Zeit besucht haben, ist eine nicht unbeträcht⸗
liche Anzahl bewogen worden, sich dem Kirchendienst zu widmen.
Ohne den Dienst dieser unserer Anstalt wären wohl die aller—
meisten nicht zu diesem Entschluß gekommen.

Der treue Gott aber, der das gute Werk in New Orleans
angefangen und bislang erhalten hat, wolle es ferner in Gnaden
segnen um des HErrn JEsu willen, „der sich selbst gegeben hat
für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit
geprediget würde“, 1 Tim. 2, 6. R.

Versammlung des Canada⸗Distrikts.

„Kinder, es ist die letzte Stunde!“ das war der Gedanke,
der die Verhandlungen des CanadaDistrikts, versammelt in
Wellesley, Ont., vom 1. bis zum 6. September, bestimmte. Weil
der Jüngste Tag nahe ist, deshalb sollen wir treu und fleißig
sein in unserm Beruf und des HErrn Werk mit Eifer treiben.
So ermunterte in der Eröffnungspredigt der Ehrw. Allgemeine
Präses, P. F. Pfotenhauer, die Synodalen. P. Graupner be⸗
handelte in seinem Referat die Frage: „Was sagt die Schrift
von den letzten Tagen der Welt?“ Er stellte zunächst zusam⸗
men, was die Schrift Alten und Neuen Testaments von den
Zeiten unmittelbar vor dem Jüngsten Tage sagt, und behandelte
dann die Frage: Sind wir berechtigt anzunehmen, daß wir in
der allerletzten Zeit leben? Daran knüpfte er Trost, Ermun⸗
terung und Ermahnung. ‚

Den Hauptgegenstand in den Geschäftsverhandlungen bil—
deten die Missionsberichte. Leider konnten keine großen Fort⸗
schritte gemeldet werden. Doch liegt die Arbeit nicht danieder.
Gottes Wort wird gepredigt und bringt allenthalben etliche
Frucht. Der Gehalt der Missionare in Toronto und Stratford
wurde auf §1000 erhöht, der des Missionars in Cobalt auf
5700 nebst freier Wohnung.

Die Kirchbaukommission berichtete, daß einer Gemeinde,
der in St. Catharines, mit §900 geholfen werden konnte. Für
die Studentenkasse werden etwa §1000 nötig sein.

In schöner Weise berichtete der Ehrw. Allgemeine Präses
über das Werk der Synode, über Lehranstalten, über die aus⸗
gedehnten Missionsfelder des In⸗ und Auslandes, über unser
Schulwesen und über unsere Finanzen und ermunterte den
Distrikt, sich fernerhin an dem Werk der Allgemeinen Synode
zu beteiligen.

Am Synodalsonntag feierte der Distrikt das goldene Amts⸗
jubiläum seines früheren Präses, P. F. Dubpernells. P. Th.
Hügli hielt ihm die Jubelpredigt. P. Dubpernell wurde vor
fünfzig Jahren von P. em. Koch, der der Jubelfeier beiwohnte,
in Kurtzville, Ont., ordiniert und in sein Amt eingeführt. Seit⸗
her hat er dem Distrikt an verschiedenen Gemeinden gedient
und außerhalb des Distrikts der Gemeinde in North East, Pa.

Folgende Beamte wurden erwählt: P. W. C. Böse,
Präses; P. R. Eifert, erster Vizepräses; P. F. A. Schiemann,
zweiter Vizepräses; P. R. Eifert jun., Sekretär; Herr W. H.
Schmalz, Kassierer.

Die nächste Synode versammelt sich, will's Gott, in Ottawa.

Alb. Dede.

— ——

Versammlung des Süd⸗Illinois⸗Distrikts.

Wir sind wohl der kleinste Distrikt in Illinois, zählen
aber doch jetzt im ganzen 157 Glieder. Und sie waren bis
auf sehr wenige Ausnahmen anwesend in Mount Olive, wo
wir vom 13. bis zum 19. Oktober ver sammelt waren in—
mitten der gastfreien Immanuelsgemeinde P. C. J. Broders'.

Im Eröffnungsgottesdienst hielt uns Vizepräses J. Hil-⸗
gendorf die Predigt über die Mahnung des Apostels Paulus
2 Tim. 2, 8. Am Freitagabend redete P. C. Lange auf Grund
von Ps. 111, 10 von der lutherischen Gemeindeschule als einer
einzigartigen Erziehungsanstalt. Sie erzieht die besten Bürger
des Landes und die rechten Bürger für den Himimel. Am
Sonntag feierte die Gemeinde ihr Missionsfest mit drei Gottes⸗
diensten. Vormittags predigte P. G. Harre über Jona 1,
1—4, nachmittags P. J. Nickel über Apost. 1, 8 und abends
P. G. Schimmel von Arcadia, Ind., in englischer Sprache
über Apost. 16, 9. Am Montagabend fand die Feier des
heiligen Abendmahls statt. Der Unterzeichnete hielt die Abend—
mahlsvermahnung über 1 Kor. 11, 26 und P. H. Hansen die
Pastoralpredigt über Jer. 20, 7—13, in der er von den vielen
Leiden und Trübsalen redete, welche über die Prediger des
Evangeliums in dieser Welt gehen.

Herr E. Seuel berichtete uns am Mittwochnachmittag
über den Stand unsers Verlagshauses in St. Louis und die
Not der Synodalkasse. Der Reingewinn des ersteren ist in
den letzten Jahren geringer geworden, da viele Leute, zumal
in größeren Städten, infolge des teilweise herrschenden Arbeits—
mangels ihren Bedarf an Büchern und Schulbüchern sehr ein—
schränken, und in der letzteren befindet sich zurzeit eine Schuld
von §860,000. Die Synodalkasse ist die Haushaltskasse der
Synode. Aus ihr werden zum Beispiel monatlich die Ge—
hälter unserer Professoren bezahlt. Und jeden Monat sieht
sich Herr Seuel bei dem traurigen Stand dieser Kasse ge⸗
nötigt zu borgen. Damit verderben wir unsern Kredit. Liebe
Brüder, laßt uns doch allerseits Hand anlegen, daß hier Abhilfe
geschafft wird!

Vizepräses Hilgendorf machte uns im Lauf der Verhand⸗
lungen bekannt mit den Bedürfnissen der verschiedenen Mis—
sionen, die von der Allgemeinen Synode betrieben werden, und
am Sonntagnachmittag hielt er uns auch über die Arbeit in
der Inneren Mission einen schönen Vortrag in der Kirche.

Wie es gegenwärtig aussieht mit unserer Mission in Ost⸗
indien, wie sie leidet infolge des Weltkriegs, das hat uns am

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