Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 485
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 485
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2. utheraneds
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schen und erlangen helfen sollen. Wer den armen Seelen hilft,
wird dafür doppelten Lohn wieder erhalten, auch geraͤde durch
diejenigen, welchen die Hilfe zuteil wurde.“ E. P.
Daß man dem nach weltlicher Macht und politischem Einfluß
trachtenden Papsttum auch auf diesem Gebiet entgegenarbeitet, ver⸗
drießt dieses sehr. So läßt ein römisches Blatt sich über die
Guardians of Liberty also vernehmen: „Wenn es jemals eine
Gesellschaft von Männern gegeben hat, deren Namen als Ver⸗
einigung gerade das Gegenteil besagt von dem, was die Ver⸗
einigung bezweckt und bestrebt, so ist es der Geheimbund, der sich
Guardians of Liberty nennt. Wächter der Freiheit — das klingt
nett, und doch sind die Mitglieder dieses Bundes nicht die Wächter,
sondern die Feinde der Freiheit. Sie sind engherzig und intole⸗
rant. Die Freiheit, die sie meinen, ist, daß nur Leute ihres
Schlages und ihrer Konfession ein öffentliches Amt haben sollen.
Andersgläubige sind nicht in it'. Andersgläubige sollen unter⸗
drückt, zurückgesetzt werden, in einem Lande, wo es heißt: Gleiche
Rechte für alle! Und diese Herrschaften nennen sich die ‚Wächter
der Freiheit'! Es wäre zum Lachen, wenn die Sache nicht so ernst
wäre.“ — Wir sind nun nicht die Advokaten der Guardians of
Liberty. Aber daß im Lande solche Verbindungen entstanden sind
und noch bestehen, sowie daß Blätter wie die Menace, an denen
doch sonst nichts Anziehendes ist, sich halten und es auf anderthalb
Millionen Abonnenten bringen können, zeigt, daß ein weitver—
breitetes und eingewurzeltes Mißtrauen gegen das Papsttum be⸗
steht. Da hilft es nun wenig, daß man sich über derartige Vereine
und Blätter entrüstet und sie bespöttelt. Auch das nimmt das Miß—
trauen nicht weg, daß katholische Vereine ab und zu Beschlüsse
fassen, daß sie loyale Amerikaner seien usw. So haben vor einiger
Zeit die Kolumbusritter in Seattle, Wash., folgenden Beschluß ge⸗
faßt: „Eine der Hauptursachen des Vorurteils gegen Katholiken
entspringt dem irrtümlichen Glauben, als schuldeten wir dem
Papste solchen Gehorsam, der unverträglich sei mit der Treue gegen
unser Land. Wir sollten keine passende Gelegenheit vorübergehen
lassen, die Stellung der Katholiken und die Lehren der Kirche in
bezug auf diese Sache kundzutun, nämlich daß wir Katholiken den
Papst anerkennen als höchste Gewalt in geistlichen Dingen, aber
nicht dafürhalten, daß er Autorität besitzt in bürgerlichen Dingen.
Wenn irgendeine geistliche Autorität uns befehlen wollte, irgend⸗
einen Akt gegen die Rechte eines freien Bürgers oder gegen das
Wohl der bürgerlichen Gesellschaft zu vollbringen, so würden wir
uns verpflichtet halten, den Gehorsam zu verweigern.“ Darauf⸗
hin wird noch nicht jeder alsbald mit Herrn Bryan sagen: „Den⸗
jenigen, die mit hervorragenden Katholiken näher bekannt sind,
braucht nicht gesagt zu werden, daß sie den kirchlichen Autoritäten
das Recht, ihnen ihre politische Laufbahn vorzuschreiben, nicht zu⸗
gestehen.“ Besser ist, man benehme sich so, daß keine Veranlassung
zu solchem Mißtrauen besteht. Und am gründlichsten würde helfen,
wenn der Papst eine ähnliche Bekanntmachung erließe wie jenen
Beschluß der Kolumbusritter und dabei alles das widerriefe, was
seine Vorgänger über diese Frage publiziert haben, und was ganz
anders klingt. Eine einzige deutliche Erklärung von Rom aus
würde allen solchen ihm verhaßten Gesellschaften den Boden unter
den Füßen entziehen. E. P.
Erzbischof Moller von Cincinnati mißbilligt Prohibitions⸗
bestrebungen. Der „Katholische Glaubensbote“ meldet: „Erz⸗
bischof D. Henry Moller hat sich veranlaßt gesehen, den Wühle⸗
reien der Prohibitionisten innerhalb der katholischen Kirche einen
Dämpfer aufzusetzen und der sogenannten Catholic Prohibition
League eine derbe Abfuhr zu erteilen. Daß diese Organisation
sich katholisch nenne, sagt der Erzbischof, sei irreführend, unzu—
lässig und unberechtigt'. Ich habe“, fuhr der Erzbischof fort,
keine Organisation von derartigem Charakter anerkannt, und
ich kann dasselbe von Bischof Hartley von Columbus, Bischof
Schrembs von Toledo und Bischof Farrelly von Cleveland sagen.
Der ganze Zweck der Vereinigung läuft dem katholischen Grund⸗
satz der persönlichen Freiheit zuwider, so daß die Bischöfe der
Kirche diese Vereinigung schon deshalb desavouieren müssen. Es
kann sein, daß ein paar Katholiken aus Gründen, die ihnen am
besten bekannt sein müssen, sich zu einer Organisation dieser Art
zusammengetan haben. Doch das ist ihre Privatsache. Sie haben
aber kein Recht, es so hinzustellen, als stände die katholische Kirche
als solche hinter der Bewegung, oder als hätte sie auch nur
die moralische Unterstützung eines ihrer Bischöfe. In ihrem Be⸗
mühen, etwas zu erreichen, was nach meinem Dafürhalten durch
Gesetz überhaupt nicht erreicht werden kann, sind die Prohibitio⸗
nisten nicht davor zurückgeschreckt, bis zum Außersten zu gehen,
und die jetzt in den Zeitungen erscheinenden Anzeigen, wodurch
beim Publikum der Eindruck hervorgerufen werden soll, als unter⸗
stütze die katholische Kirche die Bewegung, bestätigt es und ist ein
offenkundiger Betrug. Als Oberhaupt der Erzdiözese Cincinnati
wünsche ich zu betonen, daß kein katholischer Laie oder Priester
das Recht hat, ohne die Sanktion des Bischofs, in dessen Sprengel
er wohnt, den Namen der katholischen Kirche im Interesse irgend⸗
einer Bewegung zu benutzen. Die Bischöfe sind die zuständigen
Autoritäten, um zu sagen, was katholisch ist und was nicht. Die
Bischöfe von Ohio haben sich dieser Autorität bislang nicht be⸗
geben, und es ist deshalb, gelinde gesagt, ungeziemend von seiten
jener, die in keiner Weise mit der Kirche verbunden sind, ihren
Namen zum Reiten ihrer Steckenpferde zu benutzen. Aus den
angeführten Gründen repudiere ich ganz entschieden die sogenannte
Oatholic Prohibition League von Ohio!““ E. P.
Todesanzeigen.
Am 29. Oktober wurde auf dem Bethanien⸗Gottesacker bei
Chicago unter großer Beteiligung der verblichene Leib des weiland
P. Johann List als edles Samenkorn auf den Tag der Auf⸗
erstehung alles Fleisches eingesenkt. Der entschlafene Vater in
Christo wurde am 23. September 1836 in Mittelfranken, Deutsch⸗
land, geboren und wanderte 1846 mit seinen Eltern nach Amerika
aus, wo sich die Familie in Frankenmuth, Mich., niederließ. Im
Jahre 1852 bezog der junge List unsere Lehranstalt zu Fort
Wayne, um sich für das Predigtamt ausbilden zu lassen. Nach⸗
dem er im Jahre 1860 seine Studien in St. Louis vollendet hatte,
bediente er nacheinander Gemeinden in New Orleans, La., Sher⸗
man, Wis., Halfway, Mich., Preble, Ind., und Elysian, Minn.
Im Jahre 1861 verehelichte er sich mit Fräulein Sophie Paul,
die bis zu seinem Tode seine treue Gehilfin war in guten und
bösen Tagen. Der glücklichen Ehe entsprossen dreizehn Kinder,
von denen noch elf am Leben sind. Im Jahre 1903 sah sich der
Entschlafene genötigt, wegen eines zunehmenden Augenleidens
sein ihm so liebes Amt niederzulegen; doch half er noch bis zu
seinem Tode durch Predigen und Sakramentreichen im Predigt⸗
amt aus. In den 43 Jahren seines bewegten Amtslebens hat
P. List des Tages Last und Hitze getragen, ungescheut vor Freund
und Feind seinen Heiland bekannt, woimmer sich ihm Gelegenheit
bot, fleißig missioniert und durch treues Schulehalten die ihm an⸗
vertraute Jugend in der heilsamen Erkenntnis gefördert und ge⸗
stärkt. — Der Herr schenkte seinem Knechte nach vollendetem
Tagewerk einen sonnigen und ruhigen Lebensabend. Er sah
Kinder und Kindeskinder und durfte die seltene Freude erleben,
daß alle die Seinen mit ihm auf dem guten Wege zum ewigen
Leben wandelten. Seit seiner Amtsniederlegung wohnte er
unter seinen Kindern, zuerst in Wittenberg, Wis., und dann in
Chicago. Trotz der zunehmenden Jahre blieb er körperlich und
geistig frisch und zeigte ein lebendiges Interesse für das Wohl⸗
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