Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 484

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 484

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—

SDer „Tuthieraneds

Farland und Gifford Pinchot. Zu welchen Kirchengemeinschaften
sich diese verschiedenen Herren bekennen, erfahren wir nicht. Es
sind aber in kirchlichen Kreisen bekannte Namen. Ob die Be⸗
wegung, von der viel Wesens gemacht wird, wirklich etwas Nütz⸗
liches für die Dauer bezweckt oder wie so viele andere Be⸗
wegungen“ wieder im Sande verläuft, muß man abwarten.“ —
Auf die an diese Nachricht angehängte Frage können wir jetzt
schon getrost mit Nein antworten. Die genannte Vereinigung
kann nicht wirklich der Kirche zum Segen gereichen, weil sie selber
nicht gut ist. Sie ist nämlich im Unionismus, das heißt, in der
Gleichgültigkeit gegen die Lehre, empfangen und geboren. Dafür
sind gerade, abgesehen davon, daß das bei einer solchen Ver⸗
einigung verschiedener Sekten selbstverständlich ist, die „be⸗
kannten Namen“ Beweis. Und der Unionismus ist so ungefähr
der größte Feind, den die Kirche zu unsern Zeiten auf Erden hat.

Wie den Landgemeinden aufgeholfen werden könne, damit
hat man sich in Sektenkreisen viel beschäftigt in den letzten Jahren.
Man hat Komiteen eingesetzt, die darüber untersuchen und nach⸗
denken und die nötigen Vorschläge machen sollten, wie man „er—
folgreiche Landgemeinden“ ins Leben rufen könne. Ein solches
Komitee empfiehlt, daß man einen besonderen Verein von
„American Volunteers“ gründe, besondere Sommerschulen, in
denen Religion (I) gelehrt werde, für Landpastoren einrichte,
besondere Landseminare gründe usw. Ein weltliches Blatt gibt
auch noch seinen Senf dazu: „Wenn die Kirchen den Landge—
meinden solche Pastoren stellen, die besonders dafür ausgebildet
worden sind, daß sie unter der ländlichen Vevölkerung die Führer⸗
schaft übernehmen können, dann werden die Landleute das Ihrige
tun und Kirchen bauen.“ Das arme Land! In den Städten
sind die Kirchen „erfolgreich'“. Da „predigt“ man schon über
alles andere, nur nicht das Evangelium. Da tanzen schon Pasto—

ren auf der platform — Kanzeln hat man ja nicht — die

neusten Tänze; da impft der Pastor in der Kirche Hunden und
Katzen das Nikotingift ein und läßt sie verenden, um den Leuten
das greuliche, sündliche Rauchen abzugewöhnen usw. Sollen die
Landleute etwa auch so beglückt werden? Oder soll es ein „kirch—
licher“ Dienst sein, der besonders für die Landleute zugeschnitten
ist, daß der Herr Pastor etwa über die besten Saatsorten und
Düngerarten Vorträge hält und auf der Kanzel die nötigen
praktischen Demonstrationen damit macht? Wir stimmen dem
Northestern Lutheran bei, wenn er unsere lutherischen Land—
christen so tröstet: „Gehörst du etwa zu einer Kirche, wo man
eine derartige Entwicklung nicht kennt? Dann betrübe dich
darüber nicht, als ob deine Gemeinde ein nötiges Stück kirchlicher
Wirksamkeit vernachlässige. Die Aufgabe der Kirche ist, Seelen
selig zu machen durch die Predigt des Evangeliums; und irgend
etwas anderes in den Vordergrund schieben, das heißt das Werk
der Kirche hindern.“ Wir brauchen und wollen keine Komiteen
für ländliche kirchliche Verhältnisse. Wir haben in Stadt und
Land die eine Aufgabe: Seelen selig zu machen, und das
eine Mittel: das Evangelium von Christo. So haben wir
schon seit vielen Jahren auch auf dem Lande gearbeitet. Und
die Gemeinden haben „das Ihrige getan, haben Kirchen gebaut“,
gerade für diese Predigt des Evangeliums. Und sie sind wohl
dabei gefahren. Was diesen entarteten und verweltlichten Sekten⸗
kirchen fehlt, sind nicht Komiteen und neue Methoden, sondern
dies: sie sind dem Pilatus gleich und stehen ratlos vor dem
IEsus von Nazareth und fragen rechts und links: „Was soll ich
denn tun mit IEsu, den man nennet Christus?“ Wie wäre es,
wenn sie einmal in Stadt und Land es damit versuchten, ihn zu
predigen? E. P.

Der Krieg und die Kirche in Deutschland. Einige kirchliche
Blätter Deutschlands sprechen sich enttäuscht darüber aus, daß

die kirchliche Bewegung, welche mit dem Kriege einsetzte, nicht die
Frucht für die kirchliche Erneuerung getragen habe, die man er⸗
warten sollte. Diese Enttäuschung kommt zum Teil daher, daß
man seine Erwartungen zu hoch spannte. Man wird nicht ein
Volk und auch nicht ein Heer, das in seiner großen Majorität
vom Glauben an den gekreuzigten Heiland und von der Schrift
als dem untrüglichen Wort Gottes abgekommen war, nun in
seiner Majorität und gleichsam im Handumdrehen wieder christ⸗
lich machen. Tatsache ist, daß während des Krieges in christlicher
Beziehung etwas gewonnen worden ist. Aus zahlreichen in
Schützengräben und „an der Front“ geschriebenen Briefen geht
hervor, daß für Offiziere und Mannschaften die Vergebung der
Sünden um Christi willen und die Schrift als Gottes Wort der
rechte Trost wurde. Aber vor allen Dingen ist darauf hinzu⸗
weisen, daß das, was man in Deutschland und auch anderswo
„Kirche“ nennt, nicht auf den Krieg vorbereitet war. Es fehlte
und fehlt an der „Preparedness“ der Kirche. Das Deutsche
Reich war allem Anschein nach auf einen etwa losbrechenden
Krieg gut vorbereitet. Das kriegführende Deutschland würde
kaum viel Siege zu verzeichnen haben, wenn seine Kanonen an⸗
statt aus Stahl aus Blech gefertigt gewesen wären, und seine
Geschosse anstatt wirkungsvollen Sprengstoff harmlose Sägespäne
enthalten hätten. Mit dieser „Ausrüstung“ ist aber im großen
und ganzen die „Kirche“ drüben ins Feld gezogen. Ihre Pre⸗

diger daheim und im Felde predigen der großen Mehrzahl nach'

nicht die Buße zu Gott und den Glauben an Christum, den
Sünderheiland, sondern eine verwaschene, gefühlige Religiosität,
Patriotismus, auch „Kultur“ und deutsches „Genie“. Christliche
Offiziere und Mannschaften haben wiederholt über die so be⸗
schaffenen Predigten geklagt. Und solche Predigten sind doch
„Blech“ und „Sägespäne“, wenn es sich um die Erzielung
christlichen Glaubens und Lebens und speziell auch um die
Erzielung eines christlichen Patriotismus handelt. Die christliche
„Kirche“ drüben sollte daher, anstatt über Mißerfolg zu klagen,
in sich gehen und Buße tun und vor allen Dingen zunächst dafür
sorgen, daß wenigstens alle ihre Prediger Gottes Wort und Chri⸗
stum, den Sünderheiland, predigen. Namentlich vermissen wir,
daß in diesem Kriege die Universitätsprofessoren noch immer nicht
Buße getan haben. Sie sind es vornehmlich, die den zukünftigen
Predigern und dem deutschen Volk den Glauben an die Schrift als
Gottes Wort und den Glauben an Christum als den gottmensch⸗
lichen Erlöser geraubt haben. Welche herrlichen Früchte würde
die christliche Kirche in Deutschland in diesem Kriege eingeheimst
haben, wenn alle Prediger im Felde und daheim wirklich den
„alten Glauben“, das Evangelium von Christo, wie es in der
Bibel steht, verkündigt hätten! Dies alte Evangelium wird nie
vergeblich gepredigt. Bei dieser Predigt ist der Heilige Geist im
Krieg und Frieden und gewinnt sich die Herzen. F. P.

Das Geschäft der Seelenmessen sollte in diesem Jahre des
mörderischen Krieges doch blühen. In seiner Ermahnung zum
Feste „Allerseelen“LZ am 2. November, läßt der „Katholische
Glaubensbote“ sich also vernehmen: „Fürwahr, der Allerseelen⸗
tag ist eine gewaltige, ernste Mahnung für alle! Und hatten wir
es an Liebe für die Entschlafenen fehlen lassen, so ist dies der
Tag, wo wir noch vieles wieder gutmachen können durch Auf—
opferung der heiligen Messe, Verrichtung von Bußwerken und
Zuwendung von heiligen Ablässen, welche Gnade uns die heilige
Kirche durch die Verdienste IEsu Christi zuweist. Besonders dieses
Jahr aber ist uns der Allerseelentag eine heilige Mahnung. Wie
viele Hunderttausende sind auf den Schlachtfeldern Europas vor
der Zeit gewaltsam dahingeschieden, vielleicht solche aus unserer
Verwandtschaft! All diesen gebührt unsere besondere Liebe und
Fürsorge, damit auch sie bald zu den ewigen Freuden gelangen,
welche wir ja von ganzem Herzen allen Dahingeschiedenen wün⸗

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