Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 481
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 481
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S Ver 2„Tutheranetse
481
Das könnten wir weder vor Gott noch vor diesen unsern Brü⸗
dern verantworten. Darum dürfen wir nicht nachlassen, reich⸗
lich für die brasilianische Missionskasse zu opfern. Die gegen⸗
wärtige große Schuld in der brasilianischen Missionskasse sollte
uns wie eine ebenso schwere Anklage auf dem Herzen brennen.
M.
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P. J. H. Niemann.
Ein Nachruf.
Es war amn 15. März des Jahres 1910, als der in dem
weiten Kreise unserer Synode wohlbekannte P. J. H. Niemann
in Cleveland, O., selig entschlief, nachdem ihm sein jugend⸗
licher Freund und Amtsbruder, P. H. C. Sauer, noch zuvor
das heilige Abendmahl zur Stärkung seines Glaubens gereicht
hatte. Am 21. Februar hatte er zum letzten Male, und zwar
mit besonderem Ernste, vor seiner lieben Dreieinigkeitsgemeinde
gepredigt und die Predigt mit dem Gebete geschlossen: „Wenn
ich einmal soll scheiden“ usw.
Tags darauf erkrankte er bei der Abendmahlsanmeldung
so heftig, daß Vorsteher gebeten werden mußten, die Anmel⸗
dung weiter entgegenzunehmen. Die ärztliche Untersuchung
stellte Blinddarmentzündung fest. Eine Operation, welche im
lutherischen Hospital vollzogen wurde, verlief glücklich, aber
eine hinzutretende Lungenentzündung verzehrte seine Kräfte
schnell, und es wurde allen klar, daß der HErr des Weinbergs
seinen müden Knecht zum seligen Feierabend abrufen wollte.
Der teure Entschlafene hat in seiner 41jährigen Amts⸗
wirksamkeit unter großem Segen unermüdlich im Weinberge
des SErrn gearbeitet und des Tages Last und Hitze dabei
reichlich getragen. Am 11. April des Jahres 1848 bei Melle,
Provinz Hannover, geboren, kam er mit seinen Eltern 1852
nach Amerika. In Pittsburgh, Pa., fanden sie ihr neues
Heim, wo der Vater zum Superintendenten des lutherischen
Friedhofs ernannt wurde. Willig weihten die Eltern den reich⸗
begabten Sohn dem SErrn zum Dienst und sandten ihn im
Jahre 1860 auf das Gymnasium in Fort Wayne, wo er nach
vollendeten Studien 1866 ein ausgezeichnetes Examen bestand.
Er beendete seine Vorbereitung zum heiligen Predigtamt im
Concordia-Seminar zu St. Louis 1869 und nahm dann den
ihm zugegangenen Beruf der Gemeinde in Little Rock, Ark., an.
Im Jahre 1872 schloß er mit der jüngsten Tochter des seligen
D. C. F. W. Walther, Julia, den Bund fürs Leben, der mit
einer Tochter, der gegenwärtig in Cleveland wohnenden Frau
Ottilie Evers, gesegnet wurde. Als Nachfolger des seligen
P. Friedrich Wyneken an die Dreieinigkeitsgemeinde in Cleve⸗
land berufen, hat er vom Jahre 1876 bis zu seinem Lebens⸗
ende dieser großen Gemeinde mit aller Treue und großem,
sichtlichem Segen gedient.
Als am 13. September 1880 der damalige Präses des
Mittleren Distrikts, P. W. S. Stubnatzy, durch einen Schlag⸗
fluß mitten aus seiner segensreichen Wirksamkeit plötzlich vom
SErrn heimgeholt worden war, wurde der Synodalkonstitution
gemäß der derzeitige Vizepräses, P. J. H. Niemann, der Ver⸗
walter des Präsidiums. Er hat dies hochwichtige, verant—
wortungsvolle und schwierige Amt ununterbrochen bis zum
Jahre 1909 verwaltet, als er die Synode bat, wegen seines
Gesundheitszustandes von seiner Wiederwahl absehen zu wollen.
Gerade in diesem Präsesamte hat er die ihm vom SErrn be—
scherten Gaben zum Wohl seines Reiches aufs beste verwenden
können. Nicht nur hatte Niemann die für dieses Amt nötigen
gründlichen theologischen Kenntnisse, sondern er besaß auch ein
schnelles, sicheres Urteilsvermögen, und vor allem hatte er ein
hervorragendes Organisations- und Führertalent. Er erkannte
in unsern kirchlichen Lehranstalten das Herz der Kirche,
von welchen aus durch Heranbildung tüchtiger Lehrkräfte für
Gemeinden, Missionsfelder und Schulen das Leben in der
Predigt und Lehre des reinen Evangeliums pulsiere. Wie
unermüdlich hat er darum die Visitatoren, Prediger und Ge⸗
meinden seines Distrikts immer und immer wieder daran er—
innert und gemahnt, die Synodalkasse und die Synodalbaukasse
fleißig zu bedenken! Die Früchte dieser seiner unermüdlichen
Tätigkeit sind jetzt noch im Mittleren Distrikt unserer Synode
und über denselben hinaus zu spüren. Wie warm sein Herz
insonderheit auch der teuren Lehranstalt im Mittleren Distrikt,
seiner alma mater, seiner Concordia in Fort Wayne, entgegen⸗
schlug, zeigte er in seinem Testament, in welchem er dieser
Anstalt ein Vermächtnis hinterließ, dessen Ertrag für die Unter⸗
stützung armer Schüler verwendet werden soll, und das sich jetzt
auf etwa 86000 beläuft — gewiß ein herrliches Denkmal seiner
Liebe für unsere Concordia, das sein Andenken unter uns in
Ehren rege hält.
Den Lebensabend des nach dem Tode seiner ersten Gattin
vereinsamten Mannes erhellte ihm durch treue Pflege seine
werte zweite Gemahlin, Witwe Anna Abke, mit der er sich am
Danktage 1904 verehelichte, und die ihn überlebt.
Wir aber wollen die Gnade unsers Gottes rühmen und
preisen, die uns in dem teuren Entschlafenen ein so tüchtiges
Werkzeug zum Bau seines Reiches gegeben hat, und wollen
uns an der unermüdlichen Treue des Heimgegangenen ermun⸗—
tern lassen, Schwert und Kelle bei diesem Bau fleißig zu ge⸗ *
brauchen zu seines Namens Ehre, bis auch wir abgerufen
werden zum seligen Feierabend bei IEsu im Licht.
Im Namen und Auftrag der Aufsichtsbehörde des Con—
cordia-⸗College zu Fort Wayne, Ind.,
deren Vorsitzer,
Aug. Lange.
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Zur kirchlichen Chronik.
Daß durch Wegzug jährlich ungezählte Scharen der Kirche
verloren gehen, ist eine Klage, die in so vielen kirchlichen Blättern
immer wieder erhoben wird. Auch der „Lutheraner“ hat des
öfteren sich darüber hören lassen. Die Sache ist aber so wichtig,
daß sie es wert ist, daß man immer wieder daran erinnert, lehrt
und mahnt. Das tut auch der „Nebraska-Distriktsbote“; er
schreibt: „Die Klage, daß Glieder unserer Gemeinden an Mis⸗
sionsplätze ziehen, der Missionar aber von ihrem Eintreffen nicht
in Kenntnis gesetzt wird, hört man immer wieder. Viele gehen
auf diese Weise unserer Kirche und nicht wenige auch ihrem Hei⸗
lande verloren. An wem liegt da die Schuld? Einmal an den
Gliedern selbst. Sie erbitten sich vor ihrem Wegzug kein Ent⸗
lassungs⸗ oder Abendmahlszeugnis von ihrem Pastor, wie das
doch geschehen sollte, ja sie lassen es ihn oft gar nicht wissen,
daß sie fortziehen. Leichtfertig ziehen sie an einen andern Ort,
denken nicht an die Gefahren, die dort ihrer Seele drohen, und
fragen nicht danach, ob sie dort ihre Kirche finden oder nicht.
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