Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 479
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 479
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Sraned 479
Freitagnachmittag P. R. Kretzschmar von St. Louis geschildert.
Doch ist die Arbeit nicht ganz eingestellt worden, und wenn
der liebe Gott wieder Frieden schenkt, werden auch unsere Mis—
sionare auf allen Stationen wieder frisch und fröhlich am Werk
stehen. Betet, liebe Brüder, daß es bald geschehe!
über unsere Negermission redete P. W. Schulze von
St. Louis. Sie kämpft mit vielen Hindernissen. Die Neger
sind arm; trotzdem geben sie reichlich. Die Logenfrage spukt
unter ihnen. Es ist Mode geworden, daß man zu etwas
gehört. Dazu ist die Sittenlosigkeit groß unter den Negern,
und die Schwindsucht rafft viele dahin. Es ist durchaus nötig,
daß etliche Kapellen gebaut werden, und die Kommission bittet
herzlich um zinsfreie Darlehen für diesen Zweck. —
Am Montagnachmittag hatten wir die Freude, einen In—
dianer, Sam. Miller, der durch die Mission, die wir in Wis⸗
consin unter den Stockbridge-Indianern betreiben, einer der
Unsern in Christo geworden ist, reden zu hören. Er ist voll
Lobes und Dankes gegen Gott, daß er durch unsern Dienst
den Heiland gefunden hat, und ermunterte uns, unsere Mission
doch immer weiter auszubreiten unter den noch nach vielen
Tausenden zählenden Kindern seines Volks.
Schließlich hat auch unsere eigene Missionskommission Be—
richt abgelegt über den Stand und Fortgang dieses Werkes in
unserm Distrikt. Wir haben hier ja kein eigentliches Missions⸗
gebiet. Wir unterstützen etliche Gemeinden und Predigtplätze,
die zu klein und zu arm sind, die nötigen Ausgaben für Kirche
und Schule selbst und allein aufzubringen, richten aber auch
hin und wieder, wo sich Gelegenheit bietet, das Amt des Wortes
an einem neuen Ort auf.
P. J. G. F. Kleinhans wurde wiedergewählt als Präses;
P. F. Brauer ist erster, P. H. A. Klein zweiter Vizepräses,
P. E. Koch Sekretär, Herr H. Beinke Kassierer des Distrikts
und P'. W. G. Hußmann Visitator für den Okawville-Konferenz—
distrikt.
Und nun schließlich in Kürze noch etwas über die Haupt—
sache, die Lehrverhandlungen. Auf Grund dreier Sätze aus
dem 24. Artikel der Augsburgischen Konfession legte uns
Prof. W. H. T. Dau ein Referat vor über das römische Meß—
opfer. Das versteht Luther unter dem Gott Maussim, Dan.
11, 38. (Es wird auch durch dasselbe den Leuten sehr viel
Geld abgemaust; denn es ist neben dem Fegfeuer die beste
Einnahmequelle für die Römlinge.) Die altchristliche Abend—
mahlsfeier ist in die Meßhandlung verwoben worden. Messe
hören ist das edelste Werk bei den Katholiken und das ver—
dienstlichste, Messe halten die höchste Verrichtung eines Priesters.
Der Priester verwandelt hier nach römischer Lehre durch die
Konsekration die Elemente in den Leib und das Blut des
SErrn, um sie immer wieder unblutigerweise zu opfern zur
Tilgung der Schuld der Lebendigen und der Toten. Das
Meßopfer ist dasselbe wie das Kreuzesopfer. In jeder Messe
findet eine geheimnisvolle Tötung des Opfers statt. Die ganze
Meßhandlung ist ein schauspielerisches Gepränge, berechnet für
das Auge und das Ohr; aber das Herz bleibt leer. — Das
Meßopfer, sagen die Römischen, ist nötig, um unsere Er—
lösung vollständig zu machen. Der SeErr sei nur gestorben
für die Erbsünde; zur Tilgung der eigenen Tatsünden sei
das Meßopfer da. Wir aber fragen nicht danach, was die
Römischen sagen, sondern was die Heilige Schrift lehrt. Wir
singen seit der Reformation: „Ich folg' in Glaubenslehren der
Heil'gen Schrift allein.“ Was sagt sie denn? „Christus hat
ein Opfer für die Sünden geopfert, das ewiglich gilt“, Hebr.
10, 12 und V. 14: „Mit einem Opfer hat er in Ewigkeit
vollendet, die geheiliget werden.“ Folglich ist das römische
Meßopfer ein Betrug an der sündigen Menschheit. Das Ver—
dienst Christi wird dadurch seines Wertes beraubt. In Christo
ist die Welt mit Gott versöhnt worden. Das Heil liegt in ihm
fertig vor und bedarf keiner Ergänzung und keines Ersatzes.
Die Erlösung ist schon da, „und das Heil ist allen nah'“.
In der Predigt des Evangeliums wird dieses Heil uns
fort und fort angeboten. Da heißt es, wie schon Jesaias,
der Evangelist unter den Propheten, gesagt hat (Kap. 55, 1):
„Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser;
und die ihr nicht Geld habt, kommt her, kaufet und esset;
kommt her und kaufet ohne Geld und umsonst beide Wein
und Milch!“ Ja, „Christus ist des Gesetzes Ende; wer an
den glaubt, der ist gerecht“, Röm. 10, 4. Und der Glaube
macht gerecht, weil er Christum ergreift und spricht: „Christi
Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.“
Und wir fügen hinzu und schließen unsern Bericht über die
diesjährigen Synodalverhandlungen (von denen das Referat
Prof. Daus über das Meßopfer zumal unsere Herren Pasto—
ren sehr interessieren wird), mit der Bitte:
Dabei erhalt uns, lieber HErr,
Daß wir nichts ander's suchen mehr!
K. G. Schlegel.
Unsere Mission in Südamerika.
9.
Es ist nicht selten der Fehler gemacht worden, daß man
die Berichte einzelner Missionare über die kirchlichen Verhält—
nisse ihrer Gemeinden verallgemeinert hat. Dadurch ist das
Bild unserer brasiliaͤnischen Gemeinden in der Anschauung
mancher Missionsfreunde verwirrt worden. Da berichtete ein
Missionar von großem Hunger nach Gottes Wort, von flehent—
lichen Bitten um kirchliche Bedienung; ein anderer Missionar
dagegen erzählte von großer Gleichgültigkeit, von einem Felde
voller Totengebeine. Beide berichteten die Wahrheit; sie zeich⸗
neten getreue Einzelbilder; sie ergänzten einander. Ein rich—
tiges allgemeines Bild bekommt man, wenn man sie beide hört.
Der Leser wird aus dieser Bemerkung vernehmen, daß
die Verhältnisse auf unserm südamerikanischen Missionsfelde und
die Erfahrungen unserer Missionare sehr verschieden sind.
Ein großer Unterschied besteht im allgemeinen zwischen
Neuzugewanderten und Alteingesessenen oder in Brasilien Ge—
bornen. Besonders die Einwanderer aus Rußland bringen noch
Liebe zur Kirche und zu Gottes Wort, auch einige lutherische
Erkenntnis mit. Sie sind fleißige Kirchgänger, gehen auch oft
zum Tisch des HErrn und sind dankbar für Gottes Wort. Wo
wir mit eingewanderten Deutschrussen arbeiten konnten, haben
wir es verhältnismäßig leicht gehabt, unser lutherisches Ge—
meindewesen einzuführen. Zahlreiche solcher Deutschrussen—
Gemeinden haben wir in den neuen Kolonien im Nordwesten
des Staates Rio Grande do Sul gründen können. Hier wurden
unsere Pastoren bei ihrem ersten Besuch oft mit Freudentränen
begrüßt und mit großer Herzlichkeit willkommen geheißen. Hier .
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