Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 482
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 482
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S er utheranedN.
Am neuen Wohnort angekommen, lassen sie es dann oft am rechten
Eifer im Suchen nach ihrer Kirche fehlen. Gleichgültigkeit und
Abfall ist dann die Folge. Manchmal sind aber die Pastoren auch
mit schuld, wenn solche Glieder unserer Kirche verloren gehen.
Sie meinen, da diese aus ihrer Gemeinde wegzögen, hätten sie
keine Verantwortung mehr für sie, und unterlassen es daher, sie
am neuen Wohnort unter treue Seelsorge zu stellen. Oder wenn
Glieder ihrer Gemeinde ohne ihr Wissen fortgezogen sind, geben
sie sich nicht die Mühe, deren genaue Adressen zu erfahren und
dem Pastor am neuen Wohnort zuzusenden mit der Bitte, sich der
Betreffenden seelsorgerlich anzunehmen. Wie viele mögen so
durch Nachlässigkeit von der einen oder andern oder auch von
beiden Seiten jährlich unserer Kirche verloren gehen! Es dürfte
wenige Reiseprediger geben, die auf ihrem Gebiete nicht Leute
angetroffen hätten, die früher zu unsern Gemeinden gehört haben,
am neuen Wohnort aber, weil sie nicht gleich die Predigt des
göttlichen Wortes und treue Seelsorger hatten, abtrünnig ge—
worden sind. Die Erfahrung lehrt auch, daß solche dann nur
schwer wieder für ihren Heiland und seine Kirche zurückzuge—
winnen sind. Eine Seele, die vor dem Abfall und Verderben
bewahrt wird, hat in JEsu Augen einen ebenso hohen Wert wie
eine Seele, die für ihn neu gewonnen worden ist. Handeln wir
alle danach!“ — In dieser Sache kann es an drei Stellen ver—
sehen werden. Erstens und vor allen Dingen von den Leuten
selbst, die auf und davon ziehen, ohne sich bei ihrem Pastor und
ihrer Gemeinde abzumelden und sich ein Entlassungs- und Emp⸗
fehlungsschreiben geben zu lassen, und dann auch am neuen Ort
nicht ihre Kirche suchen. Das ist fürchterliche Leichtfertigkeit und
Gedankenlosigkeit. Man begibt sich in die größte Gefahr des
Abfalls. Das Kirchengehen gewöhnt sich sehr leicht und schnell
ab, und ehe man sich's versieht, ist das geistliche Leben erstorben.
Diese Praxis macht den Eindruck, als ob man mit Freuden die
Gelegenheit benutze, sich von der Kirche loszumachen. Sodann
kann es versehen werden von dem Pastor eines solchen Gliedes
und der Gemeinde, der er angehört hat, die den vergeßlichen
Bruder nicht erinnern an das, was ihm ja selber von größtem
Nutzen für seine Seele ist, was er also selber tun sollte, und die,
wenn er es versäumt, dann den Pastor oder Missionar am neuen
Ort nicht auf ihn aufmerksam machen. Und drittens kann es
natürlich auch am neuen Orte versehen werden, daß man dem
etwa Gemeldeten nicht mit Ernst und viel Geduld nachgeht. —
Es erscheinen ja ab und zu im „Lutheraner“ Anzeigen, die an⸗
fangen mit den Worten: „Wer von Glaubensgenossen weiß“ usw.
Daß solche Anzeigen erscheinen, ist einesteils natürlich. Abge⸗
sehen vom Seelenheil des früheren Gemeindegliedes selbst, ist es
für den Missionar am neuen Ort, wo er vielleicht ganz frisch
und fremd zu arbeiten anfängt, eine wahre Wohltat, wenn da
Leute sind, die den Grundstock zu einer Missionsgemeinde bilden
können, die schon wissen, was es um eine christlich-lutherische
Gemeinde ist, und die ihm in seinem Werk helfen können.
wegen zweigt man auch in Städten, wo man zielbewußt missio—
niert, immer neue Gemeinden gründen und die Stadt mit recht—
gläubigen Gemeinden anfüllen will, wo es sein kann, Tochter-⸗
gemeinden von der alten Gemeinde ab und redet den Gliedern zu,
sich zu dem nenen Häuflein zu halten und so den Grundstock der
neuen Gemeinde zu bilden. Andererseits sollten solche Anzeigen
gar nicht nötig sein. Sie sind ganz überflüssig, wenn, wie an⸗
gegeben, an jedem Ende das Richtige getan wird. Und ob solche
Anzeigen viel nützen, ist auch noch fraglich; denn wer von Glau⸗
bensgenossen weiß, mag das nun der Glaubensgenosse selber sein
oder jemand anders, der um ihn weiß, wird auf eine solche
Annonce hin wohl selten die gewünschte Meldung machen, wenn
er es nicht aus andern Gründen schon tut oder getan hat. Es
könnte ja schließlich auch jeder Pastor, wenigstens in den Städten,
Des⸗
so anzeigen; denn sich verstecken und verborgen bleiben kann man
leicht in jeder etwas größeren Stadt. Das einzige, was da hilft,
ist, daß der eine selbst das Rechte tut, und die andern in liebe⸗
voller Weise des Bruders Hüter sind, und daß zu beidem immer
wieder mündlich und im Druck ermahnt wird. Und daß das ge—
schieht, und daß es in dem Stück besser wird, muß und wird das
Evangelium wirken: in dem einen die Freude am Evangelium,
das er geschmeckt hat, daß er es aufsucht, wohin er kommt, und
ohne dasselbe nicht sein kann; in dem andern die rettende und
fürsorgende Liebe, den Missionssinn, der weiß, es gilt nicht nur,
Leute fürs Reich Gottes zu gewinnen, sondern auch, das Ge⸗
wonnene und Schwache zu erhalten. E. P.
Auch ein goldenes Jubiläum. Nicht auf die Fünfzigjahr⸗
feier einer Gemeinde oder einer Lehranstalt, sondern auf das
Jubiläum einer Zeitschrift soll hier aufmerksam gemacht werden.
Die Dezembernummer des „Ev.⸗Luth. Schulblatt“ liegt vor uns,
und mit dieser Nummer ist der fünfzigste Jahrgang dieser Zeit—
schrift vollendet. Das „Schulblatt“ ist die älteste Fachschrift für
Gemeindeschullehrer in Amerika und jetzt die einzige. In dem
halben Jahrhundert seines Bestehens hat unser „Schulblatt“ in
unzähligen Aufsätzen und Artikeln sowohl den Zweck unserer Ge—
meindeschulen beleuchtet, wie auch über die rechte Handhabung
von Lehrmitteln und Zucht in der Schule Männer von reifem
Urteil und ausgedehnter Erfahrung zu Worte kommen lassen.
So hat sich der Zweck verwirklicht, den die Gründer des Blattes
anstrebten: es ist ein Segen geworden für unsern Lehrerstand und
für unser gesamtes Schulwesen. G.
Aus Australien kommt von unsern dortigen Brüdern die
Klage, daß die Regierung ihnen allerlei Schwierigkeiten macht
hinsichtlich ihrer Gemeindeschulen. Der „Lutherische Kirchenbote
für Australien“ schreibt darüber: „In Victoria ist unsern Lehrern
vom Education Department mitgeteilt worden, daß der Unterricht
in unsern Schulen nur dann als genügend werde angesehen wer—
den, wenn er vier Stunden, und zwar vormittags wie nachmittags
zwei Stunden, durch das Medium der englischen Sprache gegeben
werde. Außerdem fordert das Department eine Liste aller Bücher,
die in unsern Schulen gebraucht werden, und macht den ferneren
Gebrauch von seiner Einwilligung abhängig. In Südaustralien
liegt eine Vorlage vor der Legislatur, welche unsere Gemeinde—
schulen unter die Kontrolle des Staates stellt und den Gebrauch
der deutschen Sprache während der Schulzeit auf eine halbe
Stunde reduziert. Religion muß vor der gesetzlichen Schulzeit
gegeben werden. Die Absicht dieses Gesetzes ist vornehmlich, die
deutsche Sprache ganz zu unterdrücken. Gott schütze unsere
Schulen und erhalte uns das Kleinod der Religions- und Ge—
wissens⸗ wie der persönlichen Freiheit!“ — Aus dieser Nachricht
zu schließen, ist es bei den Drangsalierungen auf die Verdrängung
der verhaͤßten deutschen Sprache abgesehen, und die Wurzel des
ganzen Handels ist die fürchterliche Erbitterung gegen Deutsch—
land, die der leidige Krieg erzeugt. Wenn der bejammernswerte
Krieg einmal vorüber sein wird, und dann hoffentlich die Völker
wieder zu Verstand kommen, dann steht zu hoffen, daß auch dieser
Druck von unsern Brüdern in Australien genommen wird. Sonst,
wenn eine Regierung durchaus sich selbst den Ast absägen will,
auf dem sie selber sitzt, dann ist das so ungefähr der sicherste und
leichteste Weg dazu, daß sie christliche Schulen totmacht, in denen
die heranwachsende Generation zur Gottesfurcht erzogen wird
und auch dazu, untertan zu sein aller menschlichen Ordnung um
des HErrn willen. E. P.
„Der „Lutheran Observer“ hat mit der Nummer 43 vom
22. Oktober aufgehört zu erscheinen, und wir werden nun statt
zwei nur ein englisches Synodalorgan unter dem Titel Lulheran
Church Worh and Obserrer haben. Auf diesen Wechsel waren
wir schon seit längerer Zeit gefaßt. Die Ursachen, die dazu ge⸗
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