Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 486
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 486
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486 S Ver uthieranedes
ergehen der Kirche Gottes, insonderheit seiner lieben Synode.
Wiewohl seine Augen immer dunkler wurden, las er fleißig unsere
Zeitschriften, bewegte das Gelesene in seinem Herzen und tauschte
darüber mit seiner Umgebung gern Gedanken aus. An ihm ging
das Psalmwort in Erfüllung: „Der Gerechte wird grünen wie
ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf Libanon.
Die gepflanzet sind in dem Hause des HErrn, werden in den Vor⸗
höfen unsers Gottes grünen. Und wenn sie gleich alt werden,
werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, daß sie ver—
kündigen, daß der HErr so fromm ist, mein Hort, und ist kein
Unrecht an ihm.“ — Das Ende P. Lists war leicht und erbaulich.
Ohne von Schmerzen und Krankheit aufgerieben zu sein, entschlief
er am 26. Oktober im Alter von 79 Jahren, 1 Monat und
3 Tagen bei gutem Verstande unter den Gebeten seiner Ange⸗
hörigen im festen und fröhlichen Glauben an seinen Heiland. Als
des Todes Schatten ihn umfingen, betete ihm seine Tochter das
Vaterunser vor und die Kindergebete: „HErr JEsu, dir leb' ich“
und „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und
Ehrenkleid“. Auf die Frage, ob er das verstanden habe, ant—
wortete er: „Ja, das sind immer meine Gebete gewesen.“ Einige
Minuten darauf hatte er bereits seinen Lauf vollendet und war
eingegangen zu seines HErrn Freude. In dem Trauergottes⸗
dienst hielt sein Seelsorger, P. A. Bünger, eine trostreiche Pre⸗
digt, indem er das Leben und Sterben des Entschlafenen in die
Worte des greisen Simeon zusammenfaßte: „HErr, nun lässest
du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn
meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“ — Der Heimge-
gangene war einer der letzten Pastoren aus der Anfangszeit
unserer Synode, die unter viel Entbehrung und mit großer
Selbstverleugnung das Evangelium in unserm Lande ausge⸗
breitet haben. Wir wollen den lieben Gott bitten, daß er auch
ferner unserer Kirche treue und gewissenhafte Prediger beschere
und fortfahre, unter uns sein Reich zu bauen. F. Pf.
Als die Lehrer der Gemeinde Zum Heiligen Kreuz in
St. Louis am 25. Juni ihre Schule schlossen, konnte jedermann
sehen, daß einer derselben, Lehrer Heinrich Hölter, sehr der
Ruhe und Erholung bedurfte. Er hoffte sie bei seinem Schwieger—
sohn, P. Erthal in Minnesota, zu finden. Aber Gottes Gedanken
waren andere. Hölter kehrte als kranker Mann aus den Ferien
heim. Sein Zustand verschlimmerte sich nun rasch, und am
4. Oktober ist er entschlafen, nachdem er sein Alter auf 69 Jahre,
8 Monate und 14 Tage gebracht hatte. Am 7. Oktober haben
wir seinen müden Leib unter großer Beteiligung christlich be—
stattet. Obgleich es ein Wochentag war, so war doch die Kirche
überfüllt. Die Pastoren König und Bartels hielten kurze An⸗
sprachen und der Unterzeichnete die eigentliche Leichenrede. Einige
Tage vor seinem Abschied sagte der Entschlafene, auf einen Wand⸗
spruch zeigend: „Diese Worte sind mein Trost.“ Sie stehen
Jes. 43, 1—3. Auf Grund dieser Worte wurde in der Leichen⸗
rede gezeigt, was des lieben Lehrers Herzensglaube, die Kraft
seines Lebens und sein Trost im Sterben war. Möge dies auch
der Trost seiner betagten Witwe und seiner vier Kinder sein,
von denen der einzige Sohn Lehrer in San Francisco ist, und
die drei Töchter an Pastoren verheiratet sind. — Lehrer Hölter
wurde in Cleveland, O., geboren. Seine Eltern waren Ludwig
und Maria Hölter. 51 Jahre lang hat er in dem ihm so lieben
Schullehreramt seinem Heiland dienen dürfen. Im Jahre 1864
wurde er an die Schule der Gemeinde in Washington, D. C., be⸗
rufen und hat dann nacheinander noch an der Zionsschule in
St. Louis, an der Dreieinigkeitsschule in Pittsburgh und 31 Jahre
lang an seiner letzten Stelle gearbeitet. — Es war in der An—-
fangszeit unsers Lehrerseminars in Fort Wahyne, als Hölter ein⸗
trat, und seine Ausbildung konnte unter den Umständen nur eine
notdürftige sein. Aber er war strebsam und fleißig und kaͤufte
seine Zeit aus. So ist er mit den Anforderungen an die Schule
gewachsen und hat unter den Lehrern seiner Zeit immer in den
vordersten Reihen gestanden. Daß unsere Schule durch Gottes
Gnade auf die Höhe gekommen ist, auf der sie jetzt steht, das
haben wir hauptsächlich seiner tüchtigen, unermüdlichen Arbeit
zu danken. Gott schenke seiner Kirche viele solche begabte, tüchtige
C. C. Schmidt.
und treue Lehrer!
Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei—
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
CoxconRbIA LESSON HIELPS. Concordia⸗Hilfsmittel zu den Sonn⸗
tagsschullektionen. Vol. I, No. 1. Concordia Publishing House,
St. Louis, Mo. 32 Seiten 5947. Preis: 50 Cts. das Jahr.
Das ist eine neue Serie von Hilfsbüchern zum Sonntagsschulunter⸗
richt, zu deren Herausgabe unser Verlagshaus von vielen Seiten ermun⸗
tert worden ist. Diese Hilfsmittel sollen monatlich erscheinen. Die erste
Nummer enthält Erläuterungen zu den Sonntagsschullektionen (Con—
cordia-Serie) für die Sonntage im Januar 1916. Das Material ist
deutsch und englisch geboten, und zwar ist genau die Hälfte der Seiten
je dem deutschen und dem englischen Text zuerteilt. Jeder Lektion sind
eine Anzahl von Anmerkungen beigegeben, Anweisungen enthaltend, wie
man aus der behandelten Geschichte Nutzanwendungen für die Klasse ziehen
kann. Erfreulich ist, daß die Erläuterungen zu den biblischen Geschichten
vorzugsweise aus Worterklärungen bestehen; denn diese sind in unserm
Sonntagsschulunterricht, besonders wenn er in deutscher Sprache erteilt
wird, unumgänglich notwendig. Ganz das Richtige hat der Bearbeiter
der Lektionen auch darin getroffen, daß er den Sonntagsschulunterricht
fast durchaus auf den Vortrag und die Erklärung biblischer Geschichten
beschränkt sein läßt. Es hat sich erwiesen, daß unter den Verhältnissen,
wie sie auch in einer gut eingerichteten Sonntagsschule herrschen, kein in⸗
tensiver Katechismusunterricht getrieben werden kann. Auch die biblische
Geschichte wird ohne pädagogische Hilfsmittel nicht in nutzbringender Weise
einer Klasse vorgetragen und erklärt werden, es sei denn, was in den sel⸗
tensten Fällen zutrifft, man hat zum Schuldienst ausgebildete Leute, die
zugleich reife Christen sind, im Lehrpersonal. Wenn den Gehilfen des
Pastors in der Sonntagsschule daher nicht pädagogisch korrekte, und zwar
gerade für den Gebrauch in hutherischen Sonntagsschulen zugeschnit⸗
tene Hilfsmittel dargeboten werden, so ist das Resultat ein äußerst dürf⸗
tiges. Hilfsmittel wie das jetzt vorliegende sind unbedingt erforderlich,
wenn man auch nur die selbst im besten Falle so kümmerlichen Resultate
erzielen will, die sich in einer Sonntagsschule erreichen lassen. Allerdings
kann der Sache etwas dadurch abgeholfen werden, daß der Pastor wöchent⸗
lich einmal mit seinen Sonntagsschulgehilfen zusammenkommt und die
Lektion des nächsten Sonntags mit ihnen präpariert. Wo der Pastor
dazu Zeit hat, und die Gehilfen sich regelmäßig zu diesen Vorbereitungs⸗
stunden einfinden, werden die Kinder Segen von ihrem Sonntagsschul⸗
unterricht haben. Der Mangel an Zeit sowohl bei dem Pastor und vor
allem auch bei den Gehilfen verbietet jedoch meistenteils einen solchen
regelmäßigen vorbereitenden Unterrichtsgang. Wo dieser aber unterbleibt,
gebe man sich ja nicht der angenehmen Täuschung hin, daß durch die Sonn⸗
tagsschule, auch bei guter Frequenz, eine wesentlich erfolgreiche Missions⸗
arbeit getan wird. Man macht sich kaum eine adäquate Vorstellung, wenn
man nicht selber in der Arbeit gesessen hat, wie überaus dürftig die den
Kindern mitgeteilte Information ausfällt, wie selten ihnen überhaupt die
biblische Geschichte erklärt wird, von Nutzanwendung für das Kindes—
leben ganz zu schweigen. Es läßt sich nicht bestreiten, daß auch bei guten
Lektionssystemen der „Unterricht“ meistens den Namen nicht verdient. Uns
will deshalb dieses neue Unternehmen als eine durchaus nötige
Ergänzung der Lehrmittel erscheinen, mit denen unser Verlag der Mis⸗
sionsarbeit, die wir in unsern Sonntagsschulen tun, seit einigen Jahren
Rechnung trägt. Selbstverständlich sollen diese Lesson Nelps den Ge—
brauch der Sonntagsschulhefte (Lektionshefte) von seiten der Klasse nicht
ersetzen, sondern setzen diesen vielmehr voraus. G.
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