Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 25 › Seite 483

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Dezember 1915, Seite 483

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Mer utheraned

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führt haben, sind den Predigern sowie den in die Verhältnisse
eingeweihten Laien nicht unbekannt, während die Mehrzahl der
Leser sich auf das Warum kaum eine befriedigende Antwort zu
geben weiß. Immer und immer wieder ist Schreiber dieses von
Lesern der englischen Blätter gefragt worden, um was es sich in
der Sache eigentlich handele. Viele Observer-Leser wollen sich
von dem Blatte, das ihnen ein alter und lieber Hausgenosse ge⸗
worden ist, ungern trennen. Es sind der Hauptsache nach zwei
Ursachen, die den Untergang des Observer herbeigeführt haben.
Die erste ist, daß das Blatt einer Privatgesellschaft gehörte, und
die zweite, daß es die mehr konfessionelle Richtung in der General⸗—
synode nicht befriedigte. Daß ein Synodalkörper seine kirchlichen
Organe selbst kontrollieren sollte, ist ja eigentlich eine selbstver—
ständliche Sache, und daß diese Organe den Bekenntnisstandpunkt
dieses Körpers mit Bestimmtheit zum Ausdruck bringen sollten,
ist auch eine selbstverständliche Sache. Es wäre ein Unding,
würde ein Körper wie die Generalsynode in seiner Mitte, wie das
eine Zeitlang der Fall war, die Herausgabe mehrerer Blätter,
die verschiedene Richtungen vertreten, dulden. Das Resultat
davon müßten endlose Reibereien und schließlich Spaltungen
sein. Hoffentlich geben sich die bisherigen Leser des Oöserver
mit der neuen Einrichtung, wie sie von der Generalsynode ange—
ordnet worden ist, zufrieden.“ — So nieldet der „Lutherische
Zionsbote“, das deutsche Blatt der Generalsynode. Wenn be—
sagter Vorgang darin seine Erklärung hat, daß die „mehr kon—
fessionelle Richtung“ in der Generalsynode die Oberhand bekommt,
das heißt, wenn in jener Synode die Zahl derer, die mit dem
Luthertum mehr Ernst machen wollen, zunimmt, dann ist das ja
erfreulich. Daß der Observer während seines langen Bestehens
nicht besonders für entschiedenes Luthertum eingetreten ist, ist ja
bekannt, und daß das Blatt CꝝAτν Wor darin einen Fortschritt
bezeichnete, haben wir mit Freuden gesehen. Wenn im Lutheran
Church Worbh and Observer und durch denselben in der General—
synode bewußt lutherische Lehre und Praxis eine Stätte findet,
dann soll sich niemand mehr freuen als die Missourier, denen es
nicht um Selbstverherrlichung und Hader mit andern Leuten,
sondern nur um das Recht des Wortes Gottes und des luthe—
rischen Bekenntnisses zu tun ist. E. P.

Vor überschätzung der Sonntagsschule kann es uns, wenn.

das nötig ist, bewahren, wenn wir lesen, was andere Kirchen—
gemeinschaften, die diese Einrichtung seit langen Jahren haben,
und denen sie das Hauptmittel ist, der Jugend einen christlichen
Unterricht zu geben, darüber sagen. So klagt das deutsche Blatt
der Methodisten darüber, daß die Kinder zu wenig den öffent⸗
lichen Gottesdienst, den Gottesdienst der Gemeinde, besuchen. An
manchen Orten habe man es damit versucht, den Kindern, die
den Gottesdienst besuchen, eine gewisse Belohnung oder Aus⸗
zeichnung zukommen zu lassen. Mit Recht wird gesagt: „Es ist
fraglich, ob damit viel erreicht wird. Wenn die Kinder nur der
Belohnung wegen kommen und keine Freude am Gottesdienst
finden, wird ein so erzwungener Kirchenbesuch leicht zu schäd—
lichen Folgen führen.“ Auch das ist richtig, was weiter gesagt
wird: „Eins dieser Mittel ist, daß man einen speziellen Gottes-—
dienst für Kinder abhält. Uns will es aber scheinen, daß man
damit nicht den eigentlichen Zweck erreicht. Es wird immerhin
eher die Ausnahme bilden, daß man eine fähige Person hat, wel⸗
cher man einen solchen Gottesdienst anvertrauen kann, und selbst
wo man einen solchen Führer findet, reiht man damit der schon
zu langen Liste von Versammlungen nur eine weitere an. Den
Kindern wird auch nicht durch einen speziell für sie bestimmten
Gottesdienst die Erkenntnis beigebracht, daß sie einen Teil der
Gemeinde bilden, sondern sie werden ihre Sache eher als ein
Kirchlein in der Kirche betrachten. Die Kinder sollten dahin ge—
bracht werden, daß sie den Gottesdienst als eine Stunde der ge—

meinschaftlichen Anbetung ansehen, da jung und alt sich als eine
christliche Gemeinde vor dem Angesicht des HErrn versammelt.
Nun fehlt unserer Jugend aber leider das rechte Verständnis für
die Bedeutung einer solchen Andachtsstunde. In vielen Häusern
ist das Familiengebet eine unbekannte Sache, und in der Sonn—
tagsschule wird der Geist der Andacht nicht gepflegt. Man ver⸗
sammelt sich als eine ‚„Schule“, und meistens läßt schon die Ord⸗
nung an und für sich viel zu wünschen übrig. Die Sonntagsschule
sollte weit mehr, als es geschieht, es sich zur Aufgabe machen, der
Jugend ein rechtes Verständnis für die Bedeutung und den Segen
eines andachtsvollen Weilens im Hause des HErrn beizubringen.“
Dann in der nächsten Nummer desselben Blattes: „Einen reli⸗
giösen Sinn sucht man jedoch da vergeblich, wo er nicht gepflegt
worden ist. Hier fällt der Sonntagsschule eine äußerst wichtige
Aufgabe zu. Einer erfolgreichen Erfüllung derselben stehen aber
gar verschiedene Hindernisse im Wege. Die Sonntagsschulstunde
wird nicht als eine Zeit der Andacht, sondern des Unterrichtens
angesehen. Wer viel in Sonntagsschulen ein und aus geht, weiß.
daß man nur selten den Eindruck bekommt, daß man sich in einer
Andachtsstunde befindet. Oft fehlt es so sehr an guter Ordnung,
daß die herrlichen Lieder, das Gebet und die Betrachtung des
göttlichen Wortes gar nicht dahin zu gehören scheinen. Viele der
modernen englischen Lieder mit ihren sinnlosen Reimen und
Gassenhauermelodien sind einer Sonntagsschule gar nicht würdig.
Manches andere, was in Verbindung mit der Sonntagsschule steht,
macht es schwer, den religiösen Sinn des Schülers zu pflegen.
Da sind die vielen, oft unnötigen und allzu langen Pausen, in
denen man sich allerlei Plaudereien hingibt; ferner das Austeilen
von Büchern und Schriften und das Wechseln der Zimmer, das
die Klassen vornehmen. Alles das bringt Störung und Zer—
streuung. Es ist daher um so nötiger, die Sonntagsschüler dar⸗
auf aufmerksam zu machen, daß sie sich in der Gegenwart Gottes
befinden und das hohe Vorrecht genießen, mit ihm Gemeinschaft
zu pflegen.“ Wenn die Sonntagsschule die Kinder nicht für die
Gemeinde und in die Gemeinde hinein erzieht, dann ist das ein
böser Schade. Kinder gehören in den Gottesdienst der Gemeinde.
Sehr allgemein wird die Erfahrung gemacht, und es wird viel
darüber geklagt, daß die Kinder nach Schluß der Sonntagsschule
nicht in die Kirche, sondern heimgehen. Der Grund ist nicht weit
zu suchen: die Zeit wird zu lang. — Damit wollen wir selbst—
verständlich die Sonntagsschule nicht überhaupt verurteilen.
Wenn eine Gemeinde eine Sonntagsschule einrichtet in der Ab⸗—
sicht, auf diesem Wege, weil die Sonntagsschule nun einmal so
Mode ist, Kinder für den christlichen Unterricht zu gewinnen, an
die und deren Eltern man auf keine andere Weise kommen kann,
und so diesen armen Kindern, die sonst gar keinen Religions⸗
unterricht bekommen, doch etwas von Gottes Wort geben zu
können, so ist das ja gewiß recht. Denn ein wenig ist jedenfalls
besser als nichts. Da befolgt eine Gemeinde dieselbe Weisheit,
die die Apostel anwandten, die Leuten predigten, wo sie Zuhörer
bekommen konnten, wie unsere Missionare das jetzt noch tun
müssen. Aber den Gedanken wollen wir uns nicht beikommen
lassen, als ob wir einen Schritt vorwärts getan hätten, wenn wir
die Gemeindeschule mit der Sonntagsschule vertauschen. Wir
sind in dieser Sache nicht hinter andern Gemeinschaften zurück,
sondern sind ihnen voraus. Sie wissen es, und wir sollen es
auch wissen. E. P.
„Das sogenannte Konzil der Kirchenvereinigung (Federal
Council of the Churches of Ohrist) hat sich vor einiger Zeit nach
den Gesetzen des District of Columbia inkorporieren lassen und
besteht demnach jetzt als eine vom Staat anerkannte gesetzliche
Körperschaft. Die Trustees sind: Wallace Radcliffe, C. L.
Thompson, Josiah Strong, Robert E. Speer, W. H. Roberts,
F. M. North, John R. Mott, Shailer Mathews, C. S. Mac⸗

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