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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Januar 1916, Seite 1
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Wort und Kulhere
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denen, die auf Erden sißen
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brumen. Ossb. Joh. 14, 6.7.
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Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
72. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 4. Zanuar 1916.
Nr. 1.
Lukas 10, 20.
Mit deinem heißen Lieben
Hast du den Namen mein
Im Himmel angeschrieben,
Mein Heil; nun bin ich dein.
Nun kann ich armer Sünder
Kühn trotzen jedem Feind,
Bleib' noch als Üüberwinder
Im Tod mit dir vereint.
Bis meine Pulse stocken,
Will ich im Tränental
Und dort im Licht frohlocken
Ob solcher Gnadenwahl!
F. W. Herzberger.
———— —.—
Neujahrstrost.
Der Zeiten⸗ und Jahreswechsel enthält eine ernste Mah⸗—
nung zur Selbstprüfung. Prüfe und erforsche, wie es um dich
steht, wie weit du gekommen, ach, wie weit du etwa hinter
dem Ziel, das du durch des SErrn Gnade wohl hättest er⸗
reichen können, zurückgeblieben bist!
Wie stehst du zu deinem Gott? Ach, aus unserm ver—
derbten Fleisch und Blut wachsen noch so viel wilde Schößlinge
und Herlinge; Furcht und Sorge und weltliche Eitelkeit hin—
dert bis auf diese Stunde Glauben und Gebet und die Wirkung
des Wortes Gottes. Du kennft nun deinen Gott schon seit so
manchen Jahren, hast doch oft im Leben seinen Segen, seinen
mächtigen Schutz, in deinem Herzen seinen Frieden verspürt
und erfahren. Solche langjährige Erfahrung hätte deinen
Glauben, dein Vertrauen, stählen können und sollen. Aber
hast du es nicht auch kürzlich wieder erkannt, wie zart und
schwach dein Glaube und Vertrauen noch ist, wie bald ein ge—
ringer Unfall die Seele übermannt, wie leicht Gottvertrauen
in Furcht, Zweifel und Bangigkeit umschlägt? So vielfach
und mannigfach, in Freud' und Leid hat sich der lebendige
Gott schon dir bezeugt, und du kennst ihn noch so wenig, hast
noch so wenig von seinen Gedanken und Wegen gelernt, daß
es dich befremdet, wenn es einmal der Natur entgegengeht.
Das sollte dich von Herzen betrüben und gereuen; denn die
Schuld liegt allein an dir, daß du noch auf so schwachen
Füßen stehst.
Und die irdischen Sorgen und Geschäfte bereiten
dem göttlichen Wort und der Wirkung des Worts noch so viel
Hindernisse. Die Seele ist mit andern Dingen so sehr in Au⸗
spruch genommen, darum finden die göttlichen Gedanken und
Wahrheiten so wenig Raum. Du hast schon lange Jahre das
göttliche Wort gehört und getrieben; aber wie unverständig
bist du manchmal noch in göttlichen, geistlichen Dingen! In
weltlichen Geschäften und Künsten ist der Geist geschult, aber
in den himmlischen Geheimnissen, die der Seelen Seligkeit
betreffen, haben Schulkinder oft ein reiferes Urteil als alte
Christen. Gottes Wort sollte durch langen Gebrauch dir so
gewohnt sein wie Essen und Trinken. Das sollte dir durch
Erfahrung außer Zweifel sein, daß der Mensch nicht vom Brot
allein lebt, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem
Mund Gottes geht. Aber wie leicht fällt es deiner Seele, ein⸗
mal eine lange Zeit Gottes Wort ganz zu entbehren! Je
länger wir hören und lernen, desto mehr sollten wir hungern
und dürsten. Aber wie viele sind der Christen, bei denen die
irdischen Bedürfnisse sich immer mehr einschränken, die Bedürf⸗
nisse der Seele sich erweitern?
Und weltlicher Sinn läßt die Gebets lust nicht recht
aufkommen. Was ist das für Freude und Seligkeit, wenn das
Herz im Gebet erwarmt, vor dem lebendigen Gott sich ergießt!
Da tritt Gott und der Himmel so nahe, da wird Gott so groß,
und die Welt tritt zurück und wird immer kleiner. Aber
kannst du so beten, so fröhlich, herzlich, selig beten? Hast es
vielleicht einmal gekonnt und wieder verlernt? Sonst macht
Übung den Meister. Aber hier hat die lange Gewohnheit etwa
Kraft und Geschick zum Gebet verdorben? Ach, auf welcher
tiefen Stufe findet sich noch unser Christentum!
Und die Nächstenliebe ist nicht kräftiger als die
Gottesliebe. Hast du wirklich in Lauf der Jahre im Umgang
mit den Allernächsten, Hausgenossen, Freunden und Nachbarn,
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