Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 1 › Seite 8
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Januar 1916, Seite 8
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oder fünf Studenten in einem einzigen kleinen Schrank, der
in ihrem Zimmer aufgestellt ist, ihren Kleidervorrat unter—
bringen. Verschiedene haben deshalb noch eigene Schränke,
Kisten und Kasten gezimmert, die sich von einem Schuljahr
zum andern forterben.
Der Anbau an das alte Gebäude, in dem sich die Küche
und die Wohnzimmer des Hauspersonals befinden, ist in äußerst
defektem Zustand, besonders das zweite Stockwerk. Dasselbe
gilt von dem Backofen, der an die Küche angehängt ist. Man
stützt und flickt immer wieder, da man keine größere Summe
für einen neuen Backofen ausgeben will, ehe überhaupt Wandel
geschafft werden kann mit der Küche und dem Eßsaal.
Wie oben schon gesagt, befindet sich der Eßsaal im Erd—
geschoß des alten Gebäudes, unter dem Lehrsaal und unter
einem Treppenaufgang. Der Raum und der Winkel sind weder
schön noch sanitär. Das ist der Synode schon vor acht Jahren
gesagt worden, und vor fünf und dann wieder vor zwei Jahren
hat die Delegatensynode Wandel beschlossen. Doch die lieben
Christen haben der Synodalbaukasse noch nicht die nötigen
Mittel zugeführt, daß längst Beschlossenes von unserer hiesigen
Aufsichtsbehörde hätte ausgeführt werden können. Das Erd⸗
geschoß (basement), in dem gegessen wird, liegt tiefer als die
angrenzende Küche. Wie würde es einer freundlichen Leserin,
die Hausmutter ist, gefallen, wenn ihr Eßzimmer etliche Trep⸗
penstufen niedriger läge als ihre Küche? Das ist hier der
Fall und ist sehr umständlich, für das Küchenpersonal auch
sehr anstrengend. Die langen Stunden, die man diesem nicht
ersparen kann, sind ermüdend gemig ohne solch unpraktische
Treppenverbindung.
Für unsere Bibliothek haben wir zwei kleine Räume, von
denen, wie oben gesagt, der eine auch für die Konferenzen der
Fakultät sowie für die Sitzungen der Aufsichtsbehörde benutzt
werden muß. Gehörige Ordnung und üÜbersichtlichkeit sind in
einem solch beschränkten Bibliothekraum nicht zu erzielen. Auch
ist gar keine Gelegenheit, daß ein Student sich dort hinsetzen
und ein Nachschlagewerk konsultieren könnte. Er muß den be⸗
treffenden Band oder das ganze Werk vom Bibliothekar sich
geben lassen und auf seine Stube nehmen. Und doch möchten
vielleicht ein halb Dutzend an demselben Tage in demselben
Nachschlagebuch schnell etwas aufsuchen. Daß wir den für den
Unterricht ungeeignetsten der jetzigen größeren Lehrsäle als
Bibliothek- und Lese⸗, resp. Nachschlagezimmer gebrauchten,
wäre sehr erwünscht, ja notwendig. Aber wir können selbst
diesen Lehrsaal für solchen Zweck nicht entbehren. Wir haben
eben nur vier Lehrsäle für fünf Klassen, von der Vor⸗
klasse ganz abgesehen, die in einem gewöhnlichen Wohnzimmer
von Gebäude Nr. 4 untergebracht ist. Die erste Klasse zum
Beispiel muß sich für den Unterricht in der Pastorale täglich
in der großen Aula versammeln. Da nur fünf Professoren
vorhanden sind — neben dem Hilfsprofessor, der nur in der
Vorklasse unterrichtet —, und da diese fünf Männer alle Fächer
im Seminar und Proseminar geben müssen, so sind Doppel⸗
klassen unvermeidlich. Aber nur in zwei Sälen können Doppel⸗
klassen unterrichtet werden. Endlich sind unsere Lehrsäle in
drei verschiedenen Gebäuden. Diese Gebäude liegen
etwa ein Straßengeviert lang auseinander. Die Studenten
und die Lehrer müssen zwischen den einzelnen Gebäuden viel
hin und her laufen. Das ist zeitraubend, bei rauhem oder
nassem Wetter auch nicht gerade angenehm.
Es wäre sehr zu wünschen, daß das vor fünfundzwanzig
Jahren errichtete Gebäude ausgebaut würde. Es ist darauf
aufmerksam gemacht worden, daß für dieses Gebäude von dem
damaligen Architekten von Anfang an ein Anbau vorgesehen
worden sei. Könnte dieser Anbau ausgeführt werden, so könn⸗
ten alle Lehrsäle darin untergebracht werden. Im alten
Gebäude würde ein Lehrsaal als Bibliothek⸗ und Lesezimmer,
der andere als Schlafsaal eingerichtet werden können. Sodann
könnte man Gebäude Nr. 3 in ein Wirtschaftsgebäude um—
wandeln. Noch etwas Nachhilfe in dem alten Gebäude und
seinem Anbau — so wäre allen größeren übelständen mit
einem Schlage abgeholfen. Auf Zuwachs muß nicht gerechnet
werden; denn die Synode hat ja der Anstalt eine Grenze ge⸗
setzt, die sie nicht überschreitet, was Zahl und Alter der Stu⸗
dierenden anbetrifft. —
Doch wessen bedürfen wir am meisten, ob wir hier modern
oder altmodisch, bequem oder unbequem, praktisch oder unprak—
tisch eingerichtet sind? Antwort: Daß bei uns, das ist, unter
der Studentenschaft und innerhalb des Lehrerkollegiums, so—
wie im Verkehr der beiden miteinander der rechte Geist
herrsche und regiere. Das muß sein der Geist der
Wahrheit und der Geist der selbstaufopfernden Liebe zu unserm
Heiland und zu seiner Kirche. Wird in solchem Geist von uns
gearbeitet, so werden nach wie vor aus dieser Anstalt recht⸗
gläubige Diener IEsu hervorgehen, die willig sind, dem HErrn
IEsu in irgendeinem Weltteil und unter irgendwelchen Ver—
hältnissen zu dienen, und darum gehen, wohin sie gesandt
werden. (Matth. 28, 18—20; Mark. 16, 15. 16.)
Oder meint jemand, daß wir zu viele solcher Pastoren
und Missionare ausbilden könnten? Das ist doch nicht möglich.
Nur das ist möglich, daß unsere lieben Christen ihre Mis⸗
sionskassen nicht genügend bedenken. Dann können frei⸗
lich ausgebildete Prediger nicht angestellt und nicht erhalten
werden. Wäre das nicht ein Jammer? Wollen unsere Chri—
sten es dahin kommen lassen? Oder wollen sie nicht vielmehr,
wie das in den letzten sieben Jahren schon geschehen ist, ihre
Missionsgaben noch immer vermehren? (1 Thess. 1,
8. 9.)
Solange in den Missionskassen der Christen keine Unter⸗—
produktion ist, so lange ist an den Anstalten keine über⸗
produktion von lehrtüchtigen, treuen Dienern des Evangeliums.
Zur kirchlichen Chronik.
Wie den Gemeinden auf dem Lande aufzuhelfen sei, ist ein
Problem, mit dem man sich in Sektenkirchen in den letzten Jahren
angelegentlich beschäftigt hat. In der vorigen Nummer haben
wir von Vorschlägen gehört, wie man die Kirchen auf dem Lande
heben, pflegen und fördern will. Wenn wir das so lesen, dann
verstehen wir gar nicht, warum man den Landgemeinden so viel
Aufmerksamkeit widmet, daß da überhaupt ein besonderes Pro⸗
blem vorliegen soll. Nun liegen vor uns Angaben aus einem
Bericht einer Kommission, welche die kirchlichen Zustände auf dem
Lande zu einem Gegenstand besonderen Studiums und eingehen⸗
der Untersuchung gemacht hat. Aus ihrem Bericht, den sie im
nächsten Monat einer großen Konvention vorlegen wird, ver—
öffentlicht sie im voraus einige Angaben. Einer weltlichen Zei—
tung entnehmen wir folgendes: „Von je neun Gemeinden auf
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