Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 3 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Februar 1900, Seite 38

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hat die Kirche noch keine innere Einrichtung. Von auswärts
haben die Leute zum Kirchbau nur so viel Unterstützung bekom⸗
men, daß ihnen 3300 zu niedrigen Zinsen geliehen worden sind.
Es hat dieser Platz eine hoffnungsvolle Zukunft.

Schlußtbemerkung.

Es ist der ganze Staat Montana von unsern Reisepredigern
mit dem Worte versorgt worden. Kein anderer deutscher, prote⸗
stantischer Prediger ist daselbst. Die Parochien sind gut ein⸗
getheilt. Wegen der großen Ausdehnung dieses Gebietes und
wegen des Reichthums des Staates ist daselbst das Missioniren
theurer als an manchem andern Ort; wegen des Reichthums ist
nämlich der Lebensunterhalt dort so kostspielig. Freilich kostet
unsern opferwilligen Christen das große Werk unsers Meisters in
diesem Staat Gaben und wieder Gaben, aber dessen können sie
versichert sein, daß dieselben gut angewandt sind; auch sind diese
Gaben nicht etwa überflüssig, denn in jedem Haushalt unserer
Pastoren daselbst geht es geringe her. Unsere Arbeit in dem
Staat und der heutige Stand der Dinge daselbst zeigt auch,
daß Missionsarbeit auch aus der Ferne gar wohl von Missions⸗
commissionen geleitet werden kann, so lange als Gott uns treue,
verständige Arbeiter schenkt. Freilich sollten Glieder der Missions⸗
commission auch von Zeit zu Zeit die verschiedenen Stationen
bereisen. Es kann dann viel leichter sachgemäß geurtheilt und
beurtheilt werden. Es sollten alle Gemeinden, welche von der
Missionskasse regelmäßig unterstützt werden, Glieder der Missions⸗
commissionen als Visitatoren haben, damit eben die Missions⸗
commission recht in Fühlung mit den betreffenden Gemeinden
bleibt; um so nöthiger ist dieses, wenn die Entfernungen groß sind.

Auch der Blick auf das beschriebene Missionsfeld bewegt uns,
in das Epiphaniasgebet einzustimmen:

O König aller Ehren,

Err IEsu, Davids Sohn,
Dein Reich soll ewig währen,
Im Himmel ist dein Thron:
Hilf, daß allhier auf Erden
Den Menschen weit und breit

Dein Reich bekannt mag werden
Zur ewgen Seligkeit.

Th. B.

4 P. Johann A. Strecksuß. +

Es hat abermals dem HErrn gefallen, einen unserer Pasto⸗
ren im besten Mannesalter aus segensreicher Amtswirksamkeit in
die ewige Ruhe abzurufen. Ihm möchten die folgenden Zeilen
ein Denkmal setzen.

Johann Adam Streckfuß war der zweite Sohn des
verstorbenen P. Johann Georg Streckfuß und dessen Ehefrau
Margaretha, geb. Blaßneck. Er war geboren am 23. December
1855 in Willshire Township, Van Wert Co., Ohio. Bereits
am nächsten Tage wurde er dem HErrn JEsu durch die heilige
Taufe in die Arme gelegt. Anfangs der sechziger Jahre folgte
der Vater einem Beruf der Eben⸗Ezer⸗Gemeinde bei Okawyille,
Washington Co., Ill., und hier besuchte der Knabe die Gemeinde⸗
schule bis zu seiner Confirmation am 5. April 1868. Sein alter
Lehrer, Müller, der immer noch daselbst im Schuldienst thätig ist,
berichtet: Johann Streckfuß war ein lebhafter Knabe, er lernte
fleißig und benuzte die Gaben, die Gott ihm gegeben hatte,

treulich. Auch nach seiner Confirmation, wenn er vom College
in den Ferien zu Hause war, faulenzte er nicht, sondern studirte
fleißig und übte sich in der Musik, zu der er große Lust hatte.

Dem gottseligen Vater, dem die große Noth der Kirche sehr
am Herzen lag und der daher Gott fleißig um Arbeiter für seine
Ernte bat, stand es längst fest, daß auch dieser Sohn, der mit
schönen Gaben von Gott ausgerüstet war, studiren, und, so es
Gottes Wille sei, Pastor werden sollte. So bezog Johann das
Gymnasium zu Fort Wayne, Ind., wo sein ältester Bruder be⸗
reits Schüler war, im September 1868. Im Jahre 1875 trat
er in das Seminar zu St. Louis ein, wo er Theologie studirte.
Drei Jahre später bestand er das Candidatenexamen und folgte
alsbald einem Rufe als Hülfspastor der St. Petri⸗Gemeinde
in Chicago, wo er am ersten Sonntage nach Trinitatis von
P. L. Lochner ordinirt und in das heilige Predigtamt eingeführt
wurde. Vorläufig aber sollte er hier nur sehr kurze Zeit bleiben,
denn noch im selben Jahre erhielt er einen Beruf von der Drei⸗
einigkeits⸗Gemeinde in Davenport, Jowa. Hier brauchte man
einen rührigen Missionar, und so hatte man in der Person des
jungen P. Streckfuß gewiß den rechten Mann gefunden. Er
nahm den Beruf an und wurde daselbst am 21. Sonntage nach
Trinitatis, den 10. November 1878, von P. C. A. Mennicke
eingeführt. ö

Nach fünfjähriger schwerer, aber sehr segensreicher Arbeit
wurde er wieder wegberufen, und zwar zurück an die St. Petri⸗
Gemeinde in Chicago. Es wurde ihm schwer, von Davenport
zu scheiden, aber er mußte sich von der Wichtigkeit des Berufes
aus Chicago überzeugen und ihn annehmen. Im Frühjahr des⸗
selben Jahres war seine liebe Mutter, die seit dem seligen Heim⸗
gang des Vaters Haus für ihn gehalten hatte, gestorben, und so
sahe er sich nach einer jungen Haushälterin um, ehe er nach Chi⸗
cago zurückkehrte. Er richtete seine Blicke nach dem Pfarrhaus
drüben über dem Mississippi in Rock Island, Ill., und am
4. Januar 1883 führte er Amalie, Tochter des P. C. A. Men⸗
nicke, zum Traualtar. Am nächsten Tage trat das junge Ehe⸗
paar die Reise nach der neuen Heimath an, wo nun P. Streckfuß
zum andern Male von P. L. Lochner als Pastor der St. Petri⸗
Gemeinde am ersten Sonntage nach Epiphanias eingeführt wurde.
Unter der gnädigen Führung Gottes wirkte er hier sieben Jahre
in großem Segen, bis plötzlich ein Wendepunkt in seiner Lauf⸗
bahn eintrat, den er selbst und viele andere mit ihm tief be⸗
dauerten. Gott aber wollte ihn noch im Dienste seiner Kirche
gebrauchen, und so finden wir ihn vom 7. September 1891 bis
zum 8. Mai 1897 als ebenso fleißigen als tüchtigen Corrector in
unserm Concordia Publishing House in St. Louis.

So hoch er auch diese Stellung respectirte, so fühlte er sich,
besonders in den letzten paar Jahren, darin doch nicht mehr recht
wohl; er wollte gerne wieder predigen und unterrichten. Der
liebe Gott erfüllte auch seinen sehnlichen Wunsch, indem er es so
fügte, daß er einen Beruf ins Predigtamt nach Joplin, Mo.,
erhielt, den er alsbald mit großer Freudigkeit annahm. Am
Sonntage Exaudi 1897 wurde er dann von P. J. Roschke unter
Assistenz des P. B. Hintz eingeführt. In Joplin, einer regen
Geschäftsstadt, war schon seit einigen Jahren von den nächst⸗
stehenden Pastoren missionirt worden, aber es fehlte ein Mann
am Platz. Jetzt war der rechte Mann gefunden. Unter schwie⸗
rigen Verhältnissen hatte Streckfuß zu arbeiten; aber Gottes

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