Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 3 › Seite 41

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Februar 1900, Seite 41

33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48

Scan: Internet Archive item DerLutheraner56.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 5. Gebot 25 · Saloon 3

⤓ Download .txt · copy text

Ver 2„TutheranetE

41

Ein gutes Mittel wider die Feindschaft.

Seit lange lebten sie in Feindschaft, Frau D. und Frau H. Den
Grund wußte so recht niemand. Die Zunge, das böse, kleine Glied,
das so viel Schaden schon gestiftet, war wohl auch hier Schuld. Die
zwei gingen sich aus dem Wege.
gab's weder Gruß noch Gegengruß. Eine sah rechts, die andere links.
Keine wollte ein gut Wort geben. Das ist leider immer so: Einem
kleinen Menschenherzen wird nichts so schwer, als falschen Stolz zu
uͤberwinden und die Hand zu reichen: „Ich that unrecht, verzeih.“
So stand's mit Frau D. und Frau H. Darum blieb's beim Alten —
schon vier Jahre. Da kam eines Tages Frau D. ernst und nachdenk⸗
lich aus der Kirche. Sie blieb so längere Zeit — nach und nach ward
ihr Auge heller. Um ihren Mund legte sich ein Zug von Entschlossen⸗
heit, als sei sie mit sich im Reinen und zu einem Vorsatz gekommen.
So war's auch — ein heilsamer Vorsatz war von ihr gefaßt. Ein
Wort aus der Morgenpredigt hatte ihr Herz gepackt. „Wenn doch
jeder von uns sich einen aus der Gemeinde nähme, außer Freunden
und Verwandten, den er täglich auf gefalteten Händen und betendem
Herzen zu Gott brächte, still, ohne etwas zu sagen, wie viel Segen
würde vom HErrn herabgebetet werden.“ Ueber diesen Satz hatte
die Frau D. so viel nachgedacht, bis der helle Schein ihrer Augen be⸗
wies: Sie wollte für die Frau H. beten. Ein großer Entschluß!
„Bittet für eure Feinde“, sagt der Heiland. Leicht ist's aber nicht.
Frau D. führte es aus, Anfangs aus Pflichtgefühl, um sich vor Gott
nicht schämen zu müssen, später aus Gewohnheit. Schließlich konnte
sie nicht mehr anders. Sie machte eine wundersame Entdeckung.
Je öfter sie für die Feindin betete, desto schwächer war ihr Groll.
Schließlich fand sie, daß die Frau H. gar nicht übel, sondern recht
gut und brav sei. Bisher hatte sie noch nicht gewußt, daß das sicherste
Mittel, Zorn und Grimm gegen einen Menschen zu überwinden, alle⸗
mal ist: treulich für ihn beten. „Wenn die H. gut und brav ist, so
magst du Schuld haben, daß ihr euch nicht vertragen könnt“, sagte
Frau D.'s Gewissen. Und sie hörte auf diese Gewissensstimme, was
leider nicht ein jeder thut, und am andern Morgen stand sie in
Frau H.'s Stübchen. Diese, Kartoffeln für Mittag schälend, wischte
schnell die Hände ab und ging ihrem Gaste. verwundert entgegen.
„Liebe H., ich hab unrecht gethan.“ „Nein“, unterbrach die H., „ich
war's und wollt längst zu dir, hab mich nur nicht getraut.“ Beide
wischten sich mit der Schürze die Augen, reichten sich die Hände und
sahen sich freundlich an, redeten auch noch mancherlei zusammen in
Liebe und Freundschaft — ein schönes Bild, wie die zwei dastanden
und jedes wollte die Schuld getragen haben. Die Engel im Himmel
hatten ihre Freude und der Heiland nicht minder, der die Feindesliebe
geboten! Du aber, lieber Leser, liebe Leserin, die du vielleicht auch
so eine Frau H. hast, mit der du nicht recht „in Fried und Freund⸗
schaft leben“ kannst, möchtest du nicht auch dies „Mittel wider die
Feindschaft“ probiren, und dafür sorgen, daß auch über dich solche
Freude im Himmel sein kann? Ueberleg's! Gott segne es dir! Amen.

Neue Drucksachen.

Verhandlungen der dreiundzwanzigsten Jahresversammlung der S 5y⸗
node der ev.⸗luth. Freikirche in Sachsen u. a. St.
Anno Domini 1899. Zwickau i. S. Verlag des Schriften⸗
vereins der sep. ev.⸗luth. Gemeinden in Sachsen. 139 Seiten
8AX5T. Zu beziehen vom Concordia Publishing House,
St. Louis, Mo. Preis: 30 Cents.

Dieser Bericht unserer Schwestersynode in Deutschland enthält ein treff⸗
liches Referat über den zweiten Theil der Lehre vom Sacrament des

Altars. Nachdem nämlich im vorhergehenden Bericht vom Wesen, Zweck

Mußten sie an einander vorüber,.

und Nutzen des heiligen Abendmahls gehandelt worden war, wird hier der
rechte Gebrauch dieser köstlichen Stiftung unseres Heilandes dargelegt.
Da wird zuerst ausführlich gezeigt, daß zum heilsamen Gebrauch der Glaube
gehört an das Wort: „Für euch“. Sodann wird nachgewiesen, daß nur
solche das heilige Abendmahl gebrauchen dürfen und sollen, die getauft sind,
glauben, die rechte Lehre, gerade auch vom heiligen Abendmahl, bekennen,
die sich prüfen können und geprüft haben, denen ihre Sünden herzlich leid
sind, die derselben gern los und ledig wären und sich durch den Genuß des
Leibes und Blutes IEsu Christi Vergebung der Sünden und somit auch
Kraft zur Besserung ihres sündhaften Lebens holen wollen. Endlich wird
gezeigt, wie sonderlich diejenigen Christen das Sacrament fleißig genießen
werden, die ihre Sünden und Gottes Zorn fühlen, die krank und schwach,
hungrig und durstig sind, und wie durch fleißigen Gebrauch des heiligen
Abendmahls der Lauheit und Schläfrigkeit im Glauben und Leben bei den
einzelnen Christen wie bei den ganzen Gemeinden gewehrt wird. Kein Christ
wird diesen Bericht, der außerdem eine ermunternde Synod alrede zum treuen
Festhalten am Wort und sonstige Nachrichten aus der Freikirche enthält, ohne
rechten Nutzen und Segen für seinen inneren Menschen lesen,
so reich ist dieses Referat an Lehre, Mahnung und Trost. L. F.

Erstes Textbüchlein für Sonntagsschulen. Zusammengestellt von

Gräbner. 40 Seiten 64 44. Sunday-School

Texts. Selected and arranged by 4. L. Graehner.

38 Seiten ½α 44. St. Louis. Mo. Concordia Publishing

House. 1¾/00. Preis, deutsch oder englisch, 5 Cents, beim
Dutzend 40 Cents, beim Hundert 32.50.

In der „Vorbemerkung“ zur deutschen Ausgabe dieses Textbüchleins heißt
es: „Der Inhalt dieses Büchleins ist für die unteren drei Stufen lutherischer
Sonntagsschulen bestimmt und soll von den sämmtlichen Schülern dieser Stu⸗
fen auswendig gelernt werden. Die Stücke des Kaiechismustexies, sowie die
Bibelsprüche und Liederverse, die mit einem Sternchen (0 bezeichnet snd,
sollen den Kleinsten, auch solchen, welche noch nicht lesen können, durch Vor⸗
sagen beigebracht werden. Auf der zweiten Stufe sollen zu den der ersten
Stufe angehörigen die mit zwei Sternchen ( bezeichneten Kaiechis⸗
musstücke, Sprüche und Liederverse gelernt werden, und auf der dritten Stufe
sollen zu den sämmtlichen vorigen die mit drei Sternchen ( be⸗
zeichneten Stücke hinzukommen. Es wird sich empfehlen, in den drei Abthei⸗
lungen, Katechismustext, Bibelsprüchen und Liederversen, gleichzeitig voran⸗
zuschreiten und von jeder Gruppe immer so viel vorzunehmen, wie sich in
einer Lection bewältigen, den Kleinsten einprägen, denen, welche lesen und
ihre Aufgaben daheim lernen können, abhören läßt. Auch das früher Ge⸗
lernte sollte durch beständiges Wiederholen in steter Uebung bleiben, und die
memorirten Liederverse sollten fleißig gesungen werden.“ Werden die ge⸗
nannten Büchlein in dieser Weise gebraucht, so werden sie gewiß viel Segen
stiften. Daß freilich die Sonntagsschule nie ein Ersatz für die Gemeinde⸗
schule sein kann, ist schon oft in diesen Spalten ausgeführt worden. Sie ist
und bleibt ein Nothbehelf. L. F.

Einführungen.

Im Auftrag des Ehrw. Präsidiums des Minnesota⸗und Dakota⸗Districts
wurde P. Alb. W. Schultz am 3. Sonnt. des Adv. in seinen Gemeinden
Barnum und Wrenshall, Minn., eingeführt von Geo. H. Steuber.

Im Auftrag des Ehrw. Präses Paul wurde P. Herm. Bohl am 1. Sonnt.
n. Epiph. in Seattle, Wash., unter Assistenz P. W. J. Lankows eingeführt von
H. C. Ebeling.

Im Auftrag des Ehrw. Präses Niemann wurde P. Au g. Buuck in seiner
Gemeinde zu Francis, O., am 3. Sonnt. n. Epiph. eingeführt von J. H. Linde⸗
meyer.

Im Auftrag des Ehrw. Präses Paul wurde P. H. Loßner am 3. Sonnt.
n. Epiph. in den Gemeinden zu Albany und Salem, Oreg., eingeführt von
J. A. Duchow.

Im Auftrag des Ehrw. Präses Hilgendorf wurde P. R. Ludwig in der
Zions⸗Gemeinde bei Holstein, Nebr., am 3. Sonnt. n. Epiph. eingeführt von
H. Wm. Meyer.

Am 3. Sonnt. n. Epiph. wurde P. Richard Oertel in Monthalia,
Tex., einem von ihm neben seiner Gemeinde in Shiner bedienten Missions⸗
platze, im Auftrag des Ehrw. Präses Wegener unter Assistenz P. Joh. Linses
eingeführt von G. Birkmann.

English translation

Not yet translated.