Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 9 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. April 1901, Seite 131
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Aergernis 7 · Gemeindeſchule
Mer „TutheranesS 131
Schulen haben daher, auch was den Unterricht im weltlichen Wissen
betrifft, vielerorts einen hohen Grad der Blüthe erreicht und hal⸗
ten daher auch in dieser Beziehung wohl einen Vergleich mit an⸗
dern Schulen aus, ja, übertreffen diese noch mancherorts. Wenn
unsere Kinder nach einem fleißigen und regelmäßigen Besuch un⸗
sere Schulen bei der Confirmation verlassen, wissen wir, daß sie
auch im weltlichen Wissen einen guten Schatz mitbekommen haben.
Weil unsere Lehrer ferner christliche Männer sind, so wissen wir,
daß sie den Unterricht in den weltlichen Gegenständen so erthei⸗
len, daß die Kinder auch in allen diesen Dingen die rechten An⸗
schauungen bekommen. Der falsche Zeitgeist wird aus unsern
Schulen ferngehalten, und der ganze Unterricht wird von einem
christlichen Geist und Sinn getragen. Mit Freuden können wir
also unsere christlichen Schulen schon deswegen unterstützen und
unsere Kinder ihnen anvertrauen, weil wir wissen, daß einmal
schon in den weltlichen Unterrichtsgegenständen unsere Kinder
etwas Tüchtiges lernen, und zum andern, daß das Lehren aller
Fächer unter dem Einfluß einer christlichen Gesinnung steht. Eine
Gemeinde wird schon deshalb ihre christliche Schule als eine gute
Gabe Gottes hochschätzen und mit Freuden Opfer für sie dar⸗
bringen.
So herrlich und anerkennenswerth dies nun aber auch ist,
daß in unsern christlichen Schulen auch im weltlichen Wissen etwas
Tüchtiges geleistet und alles den Kindern Schädliche, Gefährliche
und Aergerliche daraus ferngehalten wird, so ist dies doch nicht
die Krone unserer christlichen Schule. Das, was eine lutherische
Gemeinde neben dem Befehle Gottes vor allen Dingen bewegen
wird, eine treue Pflegerin der christlichen Schule zu sein, ist dies,
daß sie durch ihre Schule für das geistliche Wohl und für
das Seelenheil der Kinder sorgen will. Christi Sorge macht sie zu
ihrer Sorge. Ihre Schule soll hauptsächlich und ganz besonders
eine Anstalt sein, in welcher die Kinder von Klein auf gründlich in
den Heilswahrheiten unterrichtet werden sollen, damit sie wissen,
wie sie recht glauben, christlich leben und selig sterben können.
Ihre ernsteste Sorge ist, daß die Kinder, welche bereits durch die
Taufe Gottes Kinder und Erben der Seligkeit geworden sind,
dieses Erbe nicht wieder verlieren, sondern es einst auch empfangen
und genießen sollen. Ihre ernsteste Sorge ist, daß in ihrer Schule
vor allem gelehrt und gelernt werde, „daß Christum lieb haben,
viel besser ist, denn alles Wissen“.
In der christlichen Schule hat min aber auch eine lutherische
so wird es offenbar, daß es gelernt hat: „Der HErr ist mein
Gemeinde die Gewähr, daß darin die Kinder den HErrn Chri⸗
stum kennen lernen und der ewigen Seligkeit und dem Himmel zu⸗
geführt werden. Denn welches ist der Hauptgegenstand des Unter⸗
richts in unsern christlichen Schulen? Welches ist das vornehmste
Fach? Was wird täglich in unsern Schulen gelehrt, und welchem
Unterrichte wird die beste Stunde des Schultages gewidmet? Es
ist der Unterricht im Worte Gottes. Mit der Unterweisung in
Gottes Wort wird alltäglich die Schule eröffnet. Bereiten sich
unsere Lehrer mit aller Sorgfalt auch auf die Realfächer vor, so
thun sie dies doch noch in einem ganz besonderen Maße auf den
Unterricht im Katechismus und in der biblischen Geschichte. Die
Wahrheiten des göttlichen Wortes suchen sie unter Gottes Hülfe
als einen bleibenden Schatz mit allem Fleiß in Herz und Gemüth
der Kinder hineinzubringen. Und damit die Kinder in ihrem
späteren Leben einen festen Anker haben, an den sie sich in allen
Anfechtungen, Trübsalen, Gefahren und Versuchungen halten
können, und ein Schwert und einen Schild haben, womit sie sich
vertheidigen und schützen können, so lassen sie diese eine Anzahl
Bibelsprüche und Liederverse fest und gut erlernen. Durch den
vieljährigen Unterricht im Katechismus und in der biblischen Ge⸗
schichte bekommen unsere Kinder in den christlichen Schulen einen
reichen Schatz der Erkenntniß, sie kommen von einer Klarheit
zu der andern, und das Gelernte prägt sich ihnen fest ein. Mit
dem Unterricht in Gottes Wort ist nun auch verbunden eine wahr⸗
haft christliche Zucht, um das Gewissen der Kinder zu schärfen,
damit sie angeleitet werden, um Gottes willen das Gute zu thun
und das Böse zu lassen. Es wird ihnen eingeschärft: „Dein
Lebelang habe Gott vor Augen und im Herzen.“
Wie herrlich für das Seelenheil unserer Kinder in den christ⸗
lichen Schulen gesorgt wird, können wir schon erkennen, wenn
diese an ihrem Confirmationstage vor den Altar des HErrn
treten und dort auf die Fragen des Predigers, welche er im Auf⸗
trage der Gemeinde an sie richtet, getrost und fröhlich, fest und
sicher von ihrem Glauben und von der Hoffnung, die in ihnen
ist, Rechenschaft ablegen. An dem Tage wird die Gemeinde
erkennen, daß sie durch die Errichtung und Unterhaltung ihrer
christlichen Schule waͤhrhaft für das Seelenheil ihrer Kinder ge⸗
sorgt hat. Denn dann hört sie, wie die Kinder Christum als
ihren Heiland kennen gelernt haben. Sie hört dann, wie gleich⸗
sam ein jedes Kind ausruft:
Einer ist es, dem ich lebe,
Den ich liebe früh und spat.
IEsus ist es, dem ich gebe,
Was er mir gegeben hat.
Ich bin in dein Blut verhüllt,
Führe mich, HErr, wie du willt.
Ganz besonders wird es sich aber auch im späteren Leben zeigen,
daß das Kind in der christlichen Schule gelernt hat, seinem Gott
zu leben und seinem IEsu zu sterben. Im Hause wird es sich
zeigen, daß es gelernt hat: „Du sollst deinen Vater und deine
Mutter ehren!“ Im Verkehr mit dem Nächsten wird es sich zeigen,
daß es gelernt hat: „Durch die Liebe diene einer dem andern.“
Bei den Lockungen der Welt wird es sich zeigen, daß es gelernt
hat: „Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind
sein.“ In Sündennoth und Sündenangst wird es sich zeigen,
daß es gelernt hat: „Das Blut JEsu Christi, des Sohnes Gottes,
macht uns rein von aller Sünde.“ Und kommt es zum Sterben,
Hirte; mir wird nichts mangeln. Ob ich schon wanderte im
finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein
Stecken und Stab trösten mich.“
Zwar wissen wir, daß auch diejenigen Kinder, welche in
unsern christlichen Schulen einen sorgfältigen Unterricht in Gottes
Wort erhalten haben, noch keine Engel und noch nicht vollkommen
sind. Ausbrüche des erbsündlich verderbten Fleisches werden sich
auch bei ihnen oftmals zeigen. Aber in der christlichen Schule
haben sie das Mittel mitbekommen, durch welches sie dieselben
unterdrücken, dämpfen und überwinden können. Mit Hülfe des
Heiligen Geistes werden sie durch die Kraft des gelernten Wortes
Gottes einen Sieg nach dem andern erringen, bis ihnen endlich
nach gewonnenem Kampfe die Krone des ewigen Lebens auf das
Haupt gesetzt wird. Wie wohl hat also die Gemeinde für das
Seelenheil des Kindes gesorgt!
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