Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 9 › Seite 137
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. April 1901, Seite 137
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S Ner „Tutheranes
137
ben und darnach leben, wenn sie durch Gottes Gnade nicht noch
Buße thun und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Denn
diese Fleischesreligion führt sowohl ihre Verkündiger als auch
ihre Anhänger an den Ort, da ihr Wurm nicht sterben und ihr
Feuer nicht verlöschen und der Rauch ihrer Qual aufsteigen wird
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lieber Leser, erkenne darum dankbar die große Gnade
Gottes, daß du einen Prediger hast, der dir aus den heiligen
zehn Geboten zeigt, was Sünde ist und wie schwer die Sünde in
Gottes Wagschale wiegt; der dir den Fluch des göttlichen Ge⸗
setzes über eine jede Sünde und Gottes Zorn vom Himmel über
alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen ohne
jegliche Menschenfurcht und Menschengefälligkeit frei verkündigt,
damit du deine Sünde recht erkennen und dich vor dem Zorn des
heiligen und gerechten Gottes fürchten lernst. Denn die rechte
reumüthige Erkenntniß der Sünde, die ja allein aus den zehn
Geboten erlangt werden kann, ist das erste Stück wahrer Buße.
Erkenne ferner dankbar die Gnade Gottes, daß du einen Prediger
hast, welcher dir, nachdem du durch Wirkung des Heiligen Geistes
qus dem göttlichen Gesetz dein Sündenelend lebendig erkannt hast,
darüber von Herzen betrübt und erschreckt worden bist, dann das
süße Evangelium zuruft: Glaube an den HErrn IEsum Christum,
der alle mühseligen und beladenen Sünder zu sich ruft, damit er
sie erquicke und sie bei ihm Ruhe finden für ihre Seelen, so sollst
du nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben; an
ihn halte dich im Glauben, so hast du um Christi willen
einen gnädigen Gott und versöhnten Vater im Himmel. Er⸗
kenne endlich dankbar die Gnade Gottes, daß du einen Prediger
hast, der dich, als einen an Christum Gläubigen, auch fort und
fort durch die Barmherzigkeit Gottes ermahnt, nun auch aus
Dankbarkeit für die dir widerfahrene Gnade in der Kraft des
Glaubens willig und fröhlich den Weg der Gebote Gottes zu
laufen und züchtig, gerecht und gottselig zu leben in dieser Welt.
H. D. W.
Zur kirchlichen Chronik.
Ameriea.
Eine große Freude erlebte die kleine lutherische Taubstummen⸗
gemeinde in Milwaukee am Sonntag nach Ostern, als ihre neue Kirche
feierlich eingeweiht wurde. Dies ist die erste eigene Kirche auf einer
Station der von unserer Synode betriebenen Taubstummenmission,
und der Bau ist auch deshalb bemerkenswerth, weil sämmtliche Kosten
(32800) von den Schulkindern unserer Synode aufgebracht worden
sind. So läßt sich auch mit kleinen Gaben etwas Großes erreichen,
wenn viele sich daran betheiligen. Möchten alle diese Kinder ihr
Interesse für das gottgefällige Werk der Mission bewahren, im Eifer
dafür wachsen und zunehmen und mit ihren Eltern recht erkennen, wie
viel Arbeit im Reiche Gottes gethan werden kann durch regelmäßi⸗
ges Geben für die Zwecke desselben. Die Taubstummengemeinde in
Milwaukee zählt gegenwärtig 23 stimmberechtigte und 44 communi⸗
cirende Glieder. L. F.
Zu der im Mai beginnenden großen Ausstellung in Buffalo,
N. Y. (Pan-American Exposition), werden voraussichtlich auch
manche Glieder aus unsern Gemeinden reisen. Diesen wird es lieb
sein zu erfahren, daß von der dortigen Walther⸗Liga auf Wunsch unse⸗
rer Pastoren und Gemeinden in Buffalo eine billige, günstig ge⸗
legene, bequem zu erreichende Herberge eingerichtet wor⸗
den ist. Die Absicht dabei ist nicht, Geld zu verdienen, sondern die
Glaubensgenossen zu versorgen. Diese Herberge befindet sich im Hause
No. 34 Southampton St., entfernt von irgend welcher bedenklichen
Nachbarschaft, mitten unter den Wohnungen lutherischer Gemeinde⸗
glieder, nur zwei Blocks von der deutsch⸗lutherischen Kirche P. A. T.
Hansers und anderthalb Block von der englisch⸗lutherischen Kirche P. C.
H. Rüßkamps abgelegen, so daß also auch in geistlicher Beziehung Für⸗
sorge getroffen ist. Wahrscheinlich wird es zu gewissen Zeiten schwer
sein, gute Unterkunft zu finden, und dann nur um theuren Preis. Das
Walther⸗Liga⸗Heim wird hingegen für alle sorgen, die sich bei Zei⸗
ten unter der obengenannten Adresse melden. Reicht das
eine Haus nicht aus, so stehen noch andere zur Verfügung.
L. F.
Recht deutlich ging neulich ein Pastor der evangelischen oder
unirten Synode in Colorado mit der Sprache heraus. Ein Pastor
unserer Synode in jenem Staate hatte sich mit Recht geweigert, gemein⸗
schaftlich mit einer Loge bei einer Beerdigung zu amtiren. Daraufhin
war er, wie das öfters geschieht, in einem weltlichen Blatt bitter und
gehässig wegen seiner Intoleranz oder Unduldsamkeit angegriffen, und
sein Handeln war als fast unglaublich in unserm „aufgeklärten“ Zeit⸗
alter bezeichnet worden. In diese Angelegenheit mischte sich auch ein
Pastor der unirten Synode, schmähte in derselben Zeitung in der
bekannten Weise und „Friedensliebe“ der Evangelischen die ganze
Missouri⸗Synode, der „alle Verbrüderung der Christen unter einander
ein Greuel“ und die „allem Fortschritt im Denken und Forschen spinne⸗
feind“ sei und deren Starrheit „an die Versteinerungen in Arizona oder
an die Fossilfunde in Wyoming“ erinnern. Der ganze Erguß schließt
mit den Worten: „Für die Christen in Colorado hat diese Sache eine
wichtige praktische Seite. Man sollte nämlich bei der Gründung von
Gemeinden in kleineren Städten sehr genau darauf sehen, daß man
solche Gemeinden schaffe, zu denen auch Logenbrüder, falls sie es wollen,
gehören können. Da die Missourier“ die Logen absolut verwerfen,
und da auch die deutschen Methodisten sich mit Haut und Haaren den
Temperänzlern in den Rachen geworfen haben, so bleibt als Missions⸗
kirche für die Deutschen im Westen nur die Tochterkirche der deutschen
Landeskirche, und das ist die ‚ Deutsche evangelische Synode von Nord⸗
Amerika. G. A. Schmidt, Pfarrer zu Salem, Denver, Colo.“ Ja,
das ist auch anderwärts die heillose Praxis der Unirten, daß sie den
Leuten sagen: „Geht nicht zu Missouri, kommt zu uns, bei uns könnt
ihr ungehindert zur Loge gehören“, und dadurch das Zeugniß des gött⸗
lichen Wortes gegen die Logen mit Füßen treten. Auch dafür werden
sie einmal Rechenschaft geben müssen. Alle Christen aber seien vor
diesen Unirten, die Wahrheit und Irrthum, lutherische und reformirte
Lehre, Kirche und Loge vereinigen wollen, aufs ernstlichste gewarnt.
2 Cor. 6, 14. ff. L. F.
Die Adventisten des siebenten Tages, die nach jüdischer Weise
den Samstag streng feiern, hielten in Battle Creek, Mich., ihrem
Centrum, ihre große zweijährige Generalconferenz ab, die sehr zahl⸗
reich besucht war, sogar von Schweden, Neuseeland und andern fern⸗
liegenden Ländern aus. Frau Ellen G. White, die Prophetin dieser
Secte, auf deren Gesichte großes Gewicht gelegt wird, und deren
„Offenbarungen“ als Gottes Wort angenommen werden, war trotz
ihres hohen Alters aus Australien gekommen und hielt eine Ansprache
über das Leben eines rechten Adventisten. Die Gliederzahl dieser
Abventisten ist in den zwei vergangenen Jahren um 12,054 gewachsen
und beläuft sich jetzt in der ganzen Welt auf 75,763. Nach jüdischer
Weise haben sie auch die Abgabe des Zehnten eingeführt und dadurch
in dem genannten Zeitraum 8 1,000,9 15 eingenommen, eine Zunahme
von 8205,341. Auch sonst haben sie alttestamentliche Vorschriften bei⸗
behalten, empfehlen z. B. die strenge Enthaltsamkeit von Schweine⸗
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