Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 9 › Seite 132
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. April 1901, Seite 132
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Aergernis 7 · Miſſion 32 · Gemeindeſchule
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8Der 2 utherane
Sollte nun wohl eine lutherische Gemeinde gesonnen sein,
wegen etwaiger Unkosten und Opfer sich der Sorge für das Wohl
der Seelen ihrer Kinder, die ihr der Heiland doch selbst so dringend
an das Herz gelegt hat, zu entziehen und sie von sich hinwegzu⸗
schieben? Wie liegt doch das irdische Wohlergehen der Kinder
den Menschen auf dem Herzen! Wie viele Opfer bringen doch
Eltern — daß wir diese zuerst nennen —, um für das leibliche
Wohl der Kinder zu sorgen! Ist der Vater ein Kaufmann, so
ist er tagtäglich in seinem Geschäst und markt und handelt und
läßt sich keine Mühe verdrießen, damit er um seiner Kinder willen
sein Hab und Gut vermehren möchte. Ist er ein Handwerker,
so ist er vom frühen Morgen bis zum späten Abend in seinem
schweren Berufe thätig, um für ein gutes leibliches Fortkommen
seiner Kinder zu sorgen. Ist er ein Landmann, so plagt er sich
bei Hitze und Kälte auf seinem Acker ab und verrichtet unverdrossen
die schwersten Arbeiten, um seinen Kindern auch einmal ein Be⸗
sitzthum zu hinterlassen. Ist er ein Gelehrter, so schreibt er bis
tief in die Nacht hinein Bücher, um seine Kinder nicht mittellos
in der Welt zurückzulassen. Und auch die Mutter sorgt sich den
ganzen Tag ab, um die irdischen Bedürfnisse der Kinder zu be⸗
friedigen. Ja, um für den irdischen Unterhalt ihrer Kinder zu
sorgen, um ihnen ein gutes Fortkommen im Leiblichen zu sichern,
scheuen die Eltern keine Mühe und keine Arbeit und lassen sich
kein Opfer zu groß dünken. Die Liebe zu ihren Kindern treibt
sie dazu an, daß sie unablässig und fleißig für deren irdisches
Wohlergehen sorgen. Sollte diese Liebe aber nicht die Eltern
noch viel mehr dazu antreiben, dafür zu sorgen, daß, soviel in
ihren Kräften steht, einst ihre Kinder mit ihnen zur Rechten
IEsu versammelt werden? Denn was nützt all dieses
Sorgen für das leibliche und irdische Wohl der Kinder, wenn
damit nicht die Sorge für das ewige Wohlergehen verbunden ist?
Der Heiland sagt ja: „Was hülfe es dem Menschen, so er die
ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“
Schauen wir ferner auf den Staat, so finden wir, wie auch
dieser die größten Opfer bringt, um das leibliche Wohl der
Kinder zu fördern. Um die Kinder mit irdischen Kenntnissen zu
bereichern, werden geräumige und kostspielige Schulgebäude er⸗
richtet und unterhalten. Die besten Einrichtungen werden ge⸗
troffen und die vorzüglichsten Lehrmittel werden angeschafft.
Hohe Gehälter werden für gute Lehrkräfte bezahlt. Und doch
werden in diesen vom Staate mit großen Opfern errichteten und
unterhaltenen Schulen allein Dinge gelehrt, welche dem zukünf⸗
tigen Bürger nur für dieses Leben dienen sollen.
Sorgen nun Eltern, sorgt schon der Staat mit Aufbietung
aller Kräfte und Aufwendung aller Opfer für das leibliche
Wohl der Kinder, sollte dann eine lutherische Gemeinde, die
doch auch, wie ihr lieber HErr JEsus, die Kinder herzlich lieb
hat, weniger für das geistliche Wohl derselben sorgen? Sicher⸗
lich nicht! Die Sorge um das Seelenheil der Kinder soll sie be⸗
wegen und antreiben, trotz aller geforderten Opfer eine christliche
Schule zu errichten und zu unterhalten. Denn sie weiß, daß ihre
Kinder daraus nicht nur einen zeitlichen, sondern auch einen ewi⸗
gen Gewinn haben. Sie weiß, daß die Kinder in der christlichen
Schule einen Schatz mitbekommen, den ihnen die Diebe nicht
nehmen und den die Motten und der Rost nicht fressen können.
Sie weiß, daß da die Kinder gelehrt werden, den Bund zu be⸗
geschlossen hat und nach welchem er ihnen einst geben will des
Glaubens Ende, welches ist der Seelen Seligkeit.
Darum, du lutherischer Christ, du lutherische Gemeinde!
pflege die christliche Schule, fördere sie, unterstütze sie! Bedenke,
schon dein Heiland hat eine herzliche Sorge um das Seelenheil der
Kinder getragen. Diese Sorge mache zu deiner Sorge. Schaue
nicht auf die Opfer und die Kosten, welche diese Sorge dir auf⸗
erlegt. Das ewige Wohl deiner Kinder ist mehr werth als alles
irdische Geld und Gut. Ja, du lutherische Gemeinde, die Sorge
für das ewige Seelenheil deiner Kinder mache dich zu einer treuen
Pflegerin der christlichen Schule! Fr. St.
Aus unserer ostindischen Mission.
Heidenpredigt in und um Krischnagiri.
Fortsezung.)
Missionar Näther zeigt nun weiter in seinem Artikel, wie er
anknüpft mit Schafhirten, Kaufleuten, Steuereinnehmern, Poli⸗
zisten, Webern, Fischern, Zimmerleuten. — Wiederum müssen
wir bedauern, daß wir nicht alles bringen können. Es würde
eine sehr anziehende und erbauliche Lectüre sein. Dann fährt er
so fort:
Wie stellen, wie verhalten sich die Leute zu
dieser Verkündigung des Wortes Gottes? Da sind
erstens Leute, die ihr gänzlich aus dem Wege gehen
oder zu gehen suchen. Sie haben etwa früher, da der Missionar
neu war, ihm ein⸗ oder zweimal zugehört. Sie wissen, er pre⸗
digt eine neue Religion. Der alte Wein aber schmeckt besser,
zumal er auch billiger zu haben ist. Sie halten sich auch für schon
zu gelehrt und zu weise, als daß sie von dem Missionar noch etwas
lernen könnten und müßten. Kommt er in ihre Nähe, so ziehen
sie sich zurück und verschwinden, oder sie beachten ihn nicht und
umgeben sich mit unnahbarer Hoheit. Es sind dies meist gebil⸗
dete, wohlhabende, hochstehende Brahminen. Für sie ist das
Christenthum die Pariareligion. Punktum. Oder gelingt es dem
Missionar dennoch, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, so weisen
sie alsbald hin auf den americanischen Obersten Olcott und die
englische Frau Besant als auf Apostel ihrer hehren Philosophie
und Religionslehre und erzählen, wie der indische „Gott“ Wiweh⸗
chananda selbst im fernen America (besonders beim Religions⸗
parlament in Chicago) zahlreiche Jünger indischer Weisheit ge⸗
wonnen habe. Sie beschuldigen hochsahrend die Missionare sammt
und sonders der Unkenntniß ihrer indischen Schriften und beschul⸗
digen sie, lediglich die Zerstörung der indischen Kaste, des indi⸗
schen Volksthums zu beabsichtigen.
Zweitens sind da Leute, die nicht so weit denken wie die
Vorigen und uns wohl eine kleine Weile zuhören, wenn wir sie
anzuhalten vermögen und sie nicht mit der Entschuldigung eiliger
Arbeit und anderer Dinge durchkommen können — aber sie sind
gegen alles gleichgültig, sagen kein Wort als höchstens:
„Akkarej illej“ oder: „Parawehj illej“, was so viel bedeutet als:
„Was liegt daran?“ „Es macht nichts aus.“ „Lassen Sie uns
in Frieden.“ „Was stören Sie uns die Ruhe?“ „Es ist alles
eins — ob wir in den Himmel kommen oder in die Hölle!“ Sie
lassen uns unhöflich stehen wie dumme Jungen oder sprechen schein⸗
wahren, welchen der dreieinige Gott schon in der Taufe mit ihnen bar ehrerbietig: „Seien Sie so gut“ (nämlich: sich zu drücken)!
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