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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 129

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Und ich saht tinen Engel
Slliegen mitten durch den E.

Himmel, der hatte ein ewig
Cvangeliun, zu vexkiindigen
denen, die aus Erden sihen
und wohnen, und allen Jti- V
N den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit groher Stimme:
Lürder Golt. und gebel
ihm die Chrt; denn die Zeit ⸗
A seines Oerichts ist ommien,
Iundbetet an den der gemacht
hal Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser-
drunnen. Ofsb. Joh. 14,

—

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Alissouri, Ohio u. a. Staaten

Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

59. Jahrgang.

den 28. April 1903.

No. 9.

St. Jonis, Mo.,

Stärke deine Brüder! Luc. 22, 32.

Noch ein kurzes Mahnwort an die Eltern unserer confirmirten Kinder.

Eine große Schaar junger Christen unserer Synode — im
Jahre 1902 waren es 22,785 — ist in dieser Zeit confirmirt wor⸗
den und hat gelobt, mit Gottes Hülfe und durch Gottes Gnade
im Glauben, in Wort und That dem dreieinigen Gott treu blei⸗
ben zu wollen bis in den Tod. Freilich nur der HErr kennt die
Seinen; aber das dürfen wir wohl annehmen, daß den meisten
Confirmanden ihr Bekenntniß und Gelübde ein rechter Ernst ge⸗
wesen ist. Der in den letzten Monaten so reichlich ausgestreute
Same des Wortes ist nach Gottes Verheißung ohne Zweifel auf
manch gutes Land gefallen, und so lebt gewiß in vieler Kinder
Herzen der Gedanke: „HErr JEsu, du bist mein, ich bin dein,
niemand kann uns scheiden.“ Aber leider! die Erfahrung lehrt
es: gar manche Kinder, die zu den schönsten Hoffnungen berech⸗
tigen, fallen bald ab und geben dem Heiland den Scheidebrief.
Jetzt sind wohl unsere Neuconfirmirten der Mehrzahl nach allen
Ernstes bereit, wie einst die Jünger, dem HErrn Treue zu halten;
kommt es aber über kurz oder lang zum Kampf, zum Christen⸗
kampf, so strecken gar manche die Waffen und werden fahnen⸗
flüchtig. So gewiß es nun ist, daß der treue Gott allein das an⸗
gefangene gute Werk vollenden muß, ebenso gewiß ist es aber auch,
daß alle Christen — Prediger und Gemeinden — an ihrem Theile
thun müssen, was Gott ihnen geboten hat, damit Gottes guter
und gnädiger Wille an unseren jungen Christen hinausgehe; sie
müssen gerade auch in Bezug auf die Neuconfirmirten handeln
nach Christi Worten: „Stärke deine Brüder!“ müssen ein wach⸗
sames Auge haben auf die jungen Bäume, die gepflanzt sind an
den Wasserbächen, daß sie nun auch Früchte tragen. Wird ein
Baum nicht gepflegt, so verwildert er; werden unsere jungen
Christen nicht gestärkt, so werden sie bald schwach und kommen in
die Gefahr des Abfalles. Ganz insonderheit sind es aber auch in
diesem Stücke die christlichen Eltern, denen das Seelenheil ihrer

confirmirten Kinder am Herzen liegen muß und die daher nicht
müde werden dürfen, „zu stärken die Brüder“. Wohl meinen
manche Eltern, ihre Christenpflicht reichlich erfüllt zu haben, wenn
sie ihre Kinder haben confirmiren lassen, aber daß dies verkehrt
ist, sollte jedem Christen einleuchten. Nach der Confirmation
gehen die jungen Christen den in mancher Beziehung gefährlich⸗
sten Jahren ihres Lebens entgegen; deshalb darf auch in dieser
Zeit die Sorge um das Seelenheil der Kinder nicht nachlassen,
sondern muß vielmehr die Eltern fort und fort beschäftigen.
Nur auf etliche Stücke soll im Folgenden hingewiesen werden,
die christliche Eltern an ihren confirmirten Kindern zu thun
schuldig sind.

Zunächst ist das Gebet erforderlich. Der HErr IEsus
spricht in seinem hohenpriesterlichen Gebet: „Ich bitte nicht, daß
du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor
dem Uebel.“ Dies Gebet, das unser theurer Hoherpriester noch
heute vor dem Thron seines Vaters für alle Christen betet, sollen
sich christliche Eltern als Vorbild dienen lassen, sollen in dieser
Bitte nicht laß und träge werden, sondern täglich für ihre Kinder
dem lieben Gott damit in den Ohren liegen. Der Eltern Gebet
sollte die jungen Christen auf Schritt und Tritt begleiten. Sollen
überhaupt die Christen nach des Apostels Ermahnung Bitte, Ge⸗
bet und Fürbitte thun für alle Menschen, 1 Tim. 2, 1., so in⸗
sonderheit christliche Eltern für ihr Fleisch und Blut. Wir ver⸗
gessen zu leicht, was für eine Macht das gläubige Gebet ist, üben
es daher nicht so fleißig, wie wir sollten. Die Gebete der Eltern
haben schon manches Kind vor Abfall behütet, manches Kind aus
dem Verderben zurückgeholt. Bekannt ist ja, daß Monica, die
Mutter des großen Kirchenvaters Augustin (gestorben 430), zwan⸗
zig Jahre um ihres Sohnes Bekehrung gebetet hat. Als sie einst
weinend einem gottseligen Bischofe das Verderben ihres Sohnes
klagte, rief dieser tiefbewegt aus: „Laß ab! denn so wahr du
lebest, es ist nicht möglich, daß ein Kind so vieler Gebete und
Thränen verloren gehe!“ Aber nicht nur für ihre Kinder, daß
sie der HErr bewahren möge vor dem Uebel, sondern auch für

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