Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 59, Nummer 9 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 133

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Stadt von 4000, und etwa 20 Meilen von Chico, einer Stadt
von 3000 Einwohnern, entfernt ist, wo bis jetzt von uns noch
nicht gearbeitet worden ist. Wolle Gott die Bitte seines Volkes
erhören und recht bald die nöthigen Arbeiter auch in dieses Feld
seiner Ernte senden.“ So weit der Bericht.

Wir verlassen nun das heiße Thal und wenden uns östlich
zu den Ausläufern der großen Sierras. Dort liegt 2500 Fuß
hoch über dem Meere das Missionsfeld P. M. Küßners. Der⸗
selbe wohnt in dem malerisch gelegenen Flecken Chicago Park,
Nevada Co. Dort haben sich einige treu lutherische Familien
niedergelassen und leben vom Obstbau. Seit drei Jahren ist
ihnen ab und zu Gottes Wort durch den Unterzeichneten gepredigt
worden; doch haben sie in der Zwischenzeit auch ihre Lesegottes⸗
dienste treulich abgehalten und haben sich jetzt zu einer kleinen
Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gottesdienste werden von
etwa 25 bis 30 Personen besucht. Zehn Acker Waldes sind ihnen
von einer wohlhabenden Freundin der Sache für die Kirche ge⸗
schenkt worden. Eine kleine Samstagsschule und Sonntagsschule
besteht auch, und einige Kinder werden auf die Confirmation vor⸗
bereitet.

Ob in den benachbarten Städtchen sich auch Lutheraner fin⸗
den, welche Gottes Wort hören wollen, muß die Zukunft lehren.
Unser Missionar ist eben jetzt dabei, das 10 Meilen entfernte
Städtchen Grass Valley, welches 9000 Einwohner hat, kennen
zu lernen, und das noch vier Meilen weiter ab liegende Nevada
City, das auch über 3000 Einwohner zählt. Siebzehn Meilen
westlich liegt das hübsche Auburn mit 2500 Einwohnern. Außer
diesen nahen Orten wird P. Küßner das obenerwähnte Lassen
County, das freilich 180 Meilen von ihm entfernt liegt, und
Reno, die Hauptstadt Nevadas, bedienen. Dieser raschwachsende
Ort, der trotz des allgemeinen Niedergangs von Nevada 8000
Leute zählt, ist leider viel zu spät von unserer lutherischen Kirche
aufgesucht und seither zu spärlich bedient worden. Die Deut⸗
schen, mit denen wir bis jetzt dort bekannt geworden sind, stecken
entweder in den Sectenkirchen und haben fast alles Interesse an
unserer Kirche verloren, oder sie sind ganz unkirchlich geworden.
Gewiß aber wird der HErr der Kirche auch dort uns einige finden
lassen, die Gottes Wort und Luthers Lehr annehmen werden,
wenn es uns nur möglich ist, ihnen mit unermüdlicher Liebe nach⸗
zugehen. Daß die Mission in Reno für unsere ganze fernere Mis⸗
sion im Staate Nevada von äußerster Wichtigkeit sein muß, ist
klar. Dort treffen sich die drei Eisenbahnen des Staates. Von
da aus sollte naturgemäß weiter missionirt werden.

Von Reno führt auch der Weg zum weltberühmten Lake
Tahoe. Zwanzig Meilen südlich von demselben finden wir unsern
einzigen im Staate Nevada wohnhaften Missionar der lutheri⸗
schen Kirche, nämlich P. Horstmann in Carson Valley, der von
dort aus auch in Carson City missionirt und im 54 Meilen ent⸗
fernten Mason Valley. Das an Alfalfa reiche Carson Valley ist
durch hohe, zum Theil mit ewigem Schnee bedeckte Berge von
der übrigen Welt abgeschlossen. Die Leute leben dort in idyl⸗
lischer Einsamkeit, Weiße und Indianer dicht bei einander. Die
lutherische Kirche dort im Städtchen Gardnerville ist der Stolz
jener Gegend, was ihr Aussehen anbetrifft. Leider muß der Mis⸗
sionar daselbst, der deutsch und englisch amtirt, auch über säumi⸗
gen Besuch der Gottesdienste klagen. Doch fehlt es in der klei⸗
nen organisirten Gemeinde nicht an eifrigen, treuen Seelen. Die

Bedienung von Mason Valley erfordert jedesmal eine tagelange,
romantische Wagenfahrt. Die paar lutherischen Familien da⸗
selbst schätzen Gottes Wort hoch, und so ist keine Mühe verloren.
Erwähnt sei noch, daß die Gemeinde bei Gardnerville ihren Pre⸗
diger selbst erhält und durch alljährliche Missionsfeste auch sonst
ihren Eifer für das Werk der Mission zeigt.

Nachdem wir so die östlichste Grenze unseres Missionsgebietes
besehen haben, wenden wir uns westlich zum obst⸗ und weinreichen
Sonoma⸗Thal. Es ist das des Unterzeichneten Missionsstation
und umfaßt die Städtchen Santa Rosa mit 8000 Einwohnern,
Petaluma mit 4500 und Healdsburg mit 2500. Auch über dieses
Feld läßt sich nicht lauter Gutes berichten. Die Mission in Santa
Rosa ist acht Jahre alt. In diesen acht Jahren gelang es nicht,
eine Gemeinde zu gründen, denn es fehlte an Männern, da die
Gottesdienste durchschnittlich von 20 bis 25 Frauen und nur
5 Männern besucht werden. Aber ein Missionsverein konnte
sich organisiren, bestehend aus allen, die confirmirt sind, welcher
eine Kirche im Werthe von 52000.00 erbaute, auf welcher noch
5500.00 Schulden lasten. Die Stadt Santa Rosa hat etwa 120
deutsche Familien, von denen aber nur ungefähr 15 die luthe⸗
rische und ebensoviele die deutsche Methodistenkirche besuchen.
Ein paar deutsche Familien besuchen englische Sectenkirchen, der
ganze übrige Haufe geht in gar keine Kirche, sondern hat an seinem
deutschen Verein und an seiner Loge genug. Auch der Kirchen⸗
besuch derjenigen, welche sich zu unserer Kirche halten, ist in
vielen Fällen ein sehr unregelmäßiger, doch sind rühmliche Aus⸗
nahmen vorhanden.

Während im Allgemeinen die heilige Taufe vernachlässigt
und das heilige Abendmahl gar selten begehrt wird, hat der
Missionar doch einmal vier Erwachsene zugleich taufen können,
ein andermal eine Confirmandin von fünfzehn Jahren und wie⸗
der ein anderes Mal eine Mutter mit drei Kindern. Auch an
Sterbebetten hat er herrliche Erfahrungen machen dürfen. Ein⸗
mal meldete eine deutsche Krankenwärterin vom County⸗Hos⸗
pital, die erst kürzlich von Deutschland eingetroffen war, daß ein
junger Deutscher im Hospital an der Wassersucht daniederliege
und dem Tode entgegengehe. Sie habe ihn gefragt, ob er be⸗
reit sei zum Sterben, ob er einen lutherischen Prediger und das
Sacrament begehre. Darauf habe der Kranke erwidert, daß er
wohl solchen Trost brauche, jedoch bezweifle, daß er würdig sei,
das heilige Abendmahl zu empfangen. Als der Missionar den
jungen Mann traf, fand er ein verlorenes Schäflein Christi aus
einem unserer Waisenhäuser im Osten, das lange Zeit Gott und
sein Wort verlassen hatte, obwohl Bibel, biblische Geschichte und
Katechismus sich noch in seinem Reisekoffer befanden. Der Ster⸗
bende suchte und fand Trost im Evangelium von der freien Gnade
Gottes in Christo. Als er das heilige Abendmahl empfing, be⸗
kannte er seinen Glauben an Christum. Mit bewundernswürdiger
Geduld trug er seine Leiden bis zum letzten Augenblick und ge⸗
wann durch sein fröhliches, freundliches und danlbares Wesen die
Herzen aller im Hospital. Als der Missionar einmal im Lauf
der Unterhaltung prüfend die Frage an ihn stellte, ob er erkenne,
wie er sich durch seine jahrelange Entfremdung von der Kirche
und Gottes Wort versündigt habe, sah ihn der Kranke mit großen
Augen an und sagte: „Ach ja, aber alle meine Sünden sind mir
doch vergeben, nicht wahr?“ Wie freute sich der Missionar, ihm
das versichern zu können! Als er am Abend vor dem Tode des

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