Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 59, Nummer 9 › Seite 137
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 137
Scan: Internet Archive item DerLutheraner59. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: m
er ulhevaneLEN
137
Zur kirchlichen Chronik.
Ameriea.
Pflichten der confirmirten jungen Leute. Zu dem, was an
anderer Stelle der heutigen Nummer von der Fürsorge für die con⸗
firmirte Jugend gesagt ist, möchten wir noch eins hinzufügen. Es ist
dies, daß sie auch angehalten werden soll, am Gemeindeleben und an
den kirchlichen Werken überhaupt regen Antheil zu nehmen. Unsere
jungen Leute sollen dies gerade auch als ihre Pflicht erkennen. Durch
ihre Taufe sind sie Glieder der Gemeinde geworden und bei ihrer
Confirmation nach gründlichem Unterricht als vollberechtigte, mündige
Glieder der Gemeinde erklärt und zum Sacrament des Altars zuge⸗
lassen worden. Darum sollen sie nun auch an allem, was die Ge⸗
meinde thut und erfährt, an jeder Freude und an jedem Leid, rechten
und innigen Antheil nehmen. Es soll ihnen nichts fremd bleiben,
was das Leben der Gemeinde bewegt. Auch an den Collecten, welche
die Gemeinde erhebt, einmal, um die eigene Kirche und Schule zu
erhalten, und dann, um das Reich Christi weiter auszubreiten, sollen
sich die jungen Leute betheiligen und dies als eine heilige Pflicht und
Ehrensache ansehen. Sobald sie etwas verdienen oder sonstwie Geld
zur Verfügung haben, ist es nicht mehr als recht und billig, daß sie
auch nach ihren Verhältnissen opfern. Gar mancher junge Mann kann
bei dem schönen Verdienst, den er oft hat, viel leichter und besser an
der Bestreitung der Gemeindelasten sich betheiligen, als mancher Fami⸗
lienvater, und es ist nicht der geringste Grund vorhanden, mit der
Betheiligung an Beiträgen und Collecten zu warten, bis man 21 Jahre
alt geworden ist oder sich unter die Zahl der stimmberechtigten Ge⸗
meindeglieder hat aufnehmen lassen. Unsere jungen Leute, Jünglinge
wie Jungfrauen, haben oft viel Geld für andere Zwecke, aber für den
HErrn und sein Reich wird meistens nur wenig geopfert. Auch in
diesem Stücke sollen die Eltern ihren confirmirten Kindern mit gutem
Beispiel vorangehen und anhalten mit Unterweisen und Ermahnen.
L. F.
Aus unserer Synode. Der „Lutheraner“ brachte kürzlich eine
Beschreibung der kirchlichen Verhältnisse an der Küste des Stillen
Oceans. In dem betreffenden Bericht waren die besonderen Schwierig⸗
keiten besprochen, mit denen gerade unsere kirchliche Arbeit dort zu
„kämpfen hat. Aber wir dürfen auch dort die Erfahrung machen, daß
Gottes Wort unter den schwierigsten Verhältnissen sich als Gotteskraft
erweist. Soeben lesen wir im „Lutherischen Botschafter“ von der Bil⸗
dung einer neuen Gemeinde in East Oakland, Cal. Dieses Blatt
berichtet: „Eine neue Gemeinde unserer Synode wurde vor einigen
Wochen in East Oakland organisirt. Bekanntlich hat die Zions⸗
Gemeinde von Oakland dort schon seit einer Reihe von Jahren eine
Zweigsonntagsschule gehabt und durch ihren Seelsorger auch regel⸗
mäßig Abendgottesdienste halten lassen. Nun glaubte man, es sei an
der Zeit, dort eine selbständige Gemeinde zu bilden und einen eigenen
Seelsorger zu berufen. Nach reiflicher Ueberlegung und ernster Er⸗
wägung dieser Angelegenheit in zwei Versammlungen entließ dann die
Zions⸗Gemeinde in Frieden elf ihrer ehemaligen Glieder, die in Cast
Oakland wohnhaft sind, und diese in Verbindung mit anderen dortigen
Glaubensgenossen bildeten dann die evangelisch⸗lutherische Dreieinig⸗
keits⸗Gemeinde, die zur Zeit schon 25 stimmberechtigte Glieder zählt,
von vornherein auch finanziell selbständig ist und Herrn P. Haserodt zu
ihrem Seelsorger berufen hat. Vorläufig wird I'. Theiß der Gemeinde
dienen und, wie bisher, am Sonntag⸗Abend in Camerons Hall Gottes⸗
dienst halten. Gott segne auch diese Gemeinde und lasse sie wachsen
zum Preise seines Namens!“ F. P.
Einen besonders mildthätigen Freund hat die Negermission
der Synodalconferenz, der aber den Gliedern der Commission völlig
unbekannt bleibt und wohl nur dem Vater im Himmel bekannt ist, der
ihm ein reicher Vergelter sein möge in Zeit und Ewigkeit, Matth. 6, 3. f.
Zum sechsten Male nämlich seit einigen Jahren war dieser Liebhaber der
Negermission vor Kurzem in der Wohnung des Kassirers und brachte
wieder seine gewöhnliche reiche Gabe von 8500.00, überreichte sie ihm
mit kurzem Wort und ging seines Weges. Die Gabe kommt um so
willkommener, da in den kommenden Monaten größere Ausgaben in
der Negermission erforderlich sind. Nicht nur erheischt es das Wohl
der Mission, einige neue Arbeiter anzustellen, sondern es ist nun auch
in North Carolina die Vorbereitungsanstalt für Negerjünglinge, die
sich dem Dienst in Kirche und Schule widmen wollen, eröffnet worden,
und auch in Louisiana soll mit der Gründung einer solchen Schule
vorangegangen werden gemäß dem Beschlusse der Synodalconferenz.
L. F.
Was viele kleine Gaben, wenn sie regelmäßig dargebracht und
gesammelt werden, ausrichten können, zeigen die in New Orleans
erscheinenden „Ev.⸗luth. Blätter“. In einer unserer dortigen Ge⸗
meinden besteht ein Frauen⸗ und Jungfrauen⸗Missionsverein. In
den fünf Jahren seines Bestehens hat der Verein, der gegenwärtig etwa
110 Glieder zählt, rund 8800.00 für Missionszwecke gesammelt und
abgeliefert. Dabei bezahlen die Glieder meistens monatlich 10 Cents,
nur in einzelnen Fällen 15 und 25 Cents. Wir wissen auch von an⸗
dern ähnlichen Frauen⸗ und Jungfrauenvereinen in unsern Kreisen, die
durch kleine, aber regelmäßig gesammelte Gaben ganz bedeutende Sum⸗
men für Zwecke des Reiches Gottes zusammengebracht haben.
L
.F.
„Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.“ Vor un⸗
gefähr 15 Jahren — so erzählt ein Wechselblatt — versammelte ein
im Lande herumziehender Ungläubiger die Freidenker einer Stadt des
Westens und verband sie unter Pauken und Trompetenschall zu einem
Club. Sie brüsteten sich damit, daß sie in drei Monaten jede Kirche
in der Stadt schließen und die Prediger ohne Arbeit lassen würden.
Sie gingen aber so damit zu Werke: Der Präsident des Clubs verließ
ganz plötzlich die Stadt — mit der Frau eines andern. Der Vice⸗
präsident wurde, als er in einer Kneipe eines Sonntag⸗Nachmittags
dem Glücksspiel fröhnte, erschossen. Der Kassirer erhängte sich, eben⸗
falls an einem Sonntag⸗Nachmittag; der Secretär wurde wahnsinnig
und wurde in das Staatsirrenhaus gebracht. Der den Club organisirt
hatte, hielt eines Sonntags einen Vortrag in Boston und dann ging
er mit der Frau eines andern davon, und beide begingen Selbstmord.
Eins der Glieder wurde zu sechzehn Jahren Zuchthaus verurtheilt, da
er die Post beraubt hatte, und wieder ein anderer folgte dem Beispiel
des Präsidenten. So „schlossen“ sie die Kirchen und setzten die Lehren,
die sie bekannten, ins Leben um. L. F.
Aus der südamericanischen Republik Bolivia wird folgender
Vorfall berichtet: In Cochamba stürzte sich am Sonntag, den 26. Oc⸗
tober, nachdem am Tage zuvor die Todtenglocke auf allen Kirchen der
Stadt geläutet worden war, eine fanatisirte Menge plötzlich auf das
Haus des Evangelisten William Payne, zertrümmerte alle seine Möbel,
begoß sie mit Oel und wollte eben den in Ohnmacht versunkenen Evan⸗
gelisten in das Feuer werfen, als eine Abtheilung Soldaten noch recht⸗
zeitig erschien und sie daran hinderte. Dadurch wurde auch der schon
stark mißhandelten Frau Payne und ihren Kindern das Leben gerettet.
Dies alles geschah in Folge davon, daß der römische Erzbischof bei den
Gerichten nicht durchgedrungen war mit seinem Antrag auf Todesstrafe
für Payne, weil dieser einen Predigtsaal eröffnet hatte. Die Gesell⸗
schaft, die Payne ausgesandt hat, und einige Deputirte der Kammer
haben zwar bei der Regierung gegen dieses Verfahren energischen
Protest erhoben, doch zeigt dieser Vorfall, was Protestanten von der
katholischen Kirche zu erwarten haben, wenn diese über die nöthige
Macht und Herrschaft verfügt. L. F.
English translation
Not yet translated.